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Themen - Erich Kykal

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1
Ich weiß es wirklich nicht, wofür ich hier noch schreibe!
Mein Dichten sieht sich kaum noch jemand an.
Man fleht mich an, dass ich im Forum bleibe,
doch ignoriert geflissentlich mein Schaffen dann.

Wozu sich noch um Werke anderer bemühen,
wenn meine kommentarlos übrigbleiben?
Wozu für andrer Lyrik wortreich glühen,
wenn jene kaum sich noch an meiner reiben?

Ich weiß es wirklich nicht, warum ich hier noch dichte!
Bei vielen lass ich kaum ein Thema aus
und übe selbst mich dunkelnd im Verzichte -
gerechter Lohn erwächst mir scheinbar kaum daraus.

Wozu sich noch zu höherem Verdienst erraffen,
wenn unbemerkt das hehre Wort verlischt?
Ist nicht der Grund, aus dem wir alle schaffen,
dass unser Singen sich mit dem von andern mischt?

Ich weiß es wirklich nicht, weshalb ich hier noch hoffe!
Man webt einander gern ein warmes Kleid
der Anerkennung, auch aus meinem Stoffe,
doch lässt mich unbedeckt zurück in nacktem Neid.

2
Ach Natur Vergissmeinnicht / Regensegen
« am: August 04, 2020, 11:05:06 »
Wie rauscht der Regen, rauscht der Wind in Kronen,
benetzt die Welt ihr sommergrünes Kleid
aus Wolkenschatten, wo sie himmelweit
die Geste ihrer Niederkunft bewohnen.

Wie tiefer könnte mich der Tag belohnen
als mit dem Bilde dieser Regenzeit,
die hingegeben sich der Erde weiht,
als wollte sie Lebendiges betonen,

wo es im Feuchten wachsen mag und sprießen,
gedeihen einem neuen Erdentag,
den dankbar ob der Fülle wir genießen.

Ich will das Rauschen immerzu belauschen
und mich in allem, was noch kommen mag,
wie Wind und Regen mit dem Leben tauschen.

3
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Der Wert der Endlichkeit
« am: August 04, 2020, 10:49:17 »
Die Zeit, darein der Sommer sich verschwendet,
verliert sich stetig ohne Wiederkehren
und ankert weiland nur im ungefähren
Erinnern, von Alltäglichkeit geblendet.

Was machten wir, wenn wir ein Dauern fänden,
der Entropie enthoben, ihrem Drängen,
Getriebene in ihren Gang zu hängen
und Schicksal immer um- und umzuwenden?

In welchem Sommer würden wir verweilen,
der uns das Jubellied des Lebens sang?
Und könnten wir die Ewigkeit ertragen?

Wie Bücher enden nach den letzten Zeilen
verblassen wir, um einen Leser bang,
der wertvoll macht, was wir ihm weitersagen.

4
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Spiegelgericht
« am: Juli 30, 2020, 11:11:51 »
Wer wüsste nicht von wunderlichen Dingen
entrückt und voll Erstaunen zu erzählen?
Ein Glück, ein Weh, ein herrliches Gelingen,
ein Schicksal, hingegeben zu erwählen?

Was uns geschieht, wovon wir uns berichten,
es macht uns aus, die wir ein Sein durcheilen.
Erinnerungen können uns vernichten,
doch auch erretten und die Wunden heilen.

Wer wollte sagen, was sein Wesen prägte,
zu dem erzog, den nun sein Spiegel richtet,
als ob er alle seine Taten wägte
und nach dem letzten Bilde neu gewichtet.

5
Wo Enzian und Freiheit ist / Die Welle bricht
« am: Juli 30, 2020, 10:56:52 »
Was heiligt deine blassen Blicke,
wenn dich die letzten Jahre finden?
Berührtest ach, soviel Geschicke,
und wolltest keines an dich binden.

An wieviel wunden Weltentitten
darf deine Wollust wohl noch saugen?
Bis welcher Träume Wunderbitten
mag deine Endlichkeit noch taugen?

Wer trägt die letzten Sehnsuchtslieder
ins eigene darum Bemühen?
Wo lässt sich deine Seele nieder,
um sich verlebend auszuglühen?

Halt ein, du findest keine Stelle,
darein sich deine Bilder tragen!
Der Welle folgt nur eine Welle,
und jede lernt, sich zu entsagen.

6
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Altersmilde
« am: Juli 29, 2020, 11:10:19 »
War da ein Zucken in den Spiegelbildern,
ein letztes Aschen auf den Lebensläufer?
Ein Zeichen, dass der Seelenselbstverkäufer
noch einmal aufbegehrt, um blind zu wildern?

Drang da ein Keuchen aus der toten Hose,
ein letztes Ziehen in den kalten Lenden,
bevor die Aufziehträume stumm verenden
an Rheumatismus und Gelenksarthrose?

Ach nein, da ist nichts mehr. Nur Sehnsuchtsbilder
berühren noch die schrumpfende Fassade
von innen her in taumelndem Verblassen.

Die Abende sind aufgeräumt und milder
als je und tun in würdiger Scharade
ein wenig so, als würde mir das passen.

7
Verbrannte Erde / Lustknabe
« am: Juli 27, 2020, 09:44:26 »
Allzu jung dem eigenen Geschlechte
lernte er ein Untertan zu sein,
machte sich vor jedem Willen klein
und vor jedem geifernden Gemächte.

Erst verführt, missbraucht vom Hinbegehren
eines Älteren, bedenkenlos,
wuchs die Lust am Dienen in ihm groß,
wusste sich sein Werden nicht zu wehren.

Heute lässt er gerne sich bezahlen
für die Stunde gieriger Erlösung,
die ihn mehrmals täglich penetriert,

und er tut, als wären seine Qualen
selbst gewollte, süßere Genesung
als die Lust, in der er sich verliert.

8
Das Blöken der Lämmer / Du kamst nicht
« am: Juli 25, 2020, 08:39:33 »
Ach, wie verspielt versprachst du mir, zu kommen,
doch kamst du nie! Vergebens war die Reise,
die aufgetan in schamerregter Weise
ich antrat, deinem Lustgewinn zu frommen.

9
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Lebensbild
« am: Juli 22, 2020, 10:07:47 »
So wie die Ringe eines Baums im Holze
erwächst dein Geist aus seinem engsten Kreis,
darin er alles, was ihn ausmacht, weiß,
gemindert nur von dem, was er im Stolze,

aus Angst sich antut wie auch manchen andern,
die auch nur Triebe ihrer Mitte sind
und wachsen wie ein lebenslanges Kind,
solange sie mit dir auf Erden wandern.

Wie Wellen, wo ein Stein das Wasser teilt,
verebbend ihre Gegenwart erweitern,
wirkt alles Sein, solange es verweilt,

verwebend alle Wogen im Entsinken.
Das Bild mag dich ernüchtern, mag erheitern,
doch musst auch du von diesen Wassern trinken.

10
Neues vom Wind / Publikation "Dichterloh"
« am: Juli 21, 2020, 10:52:56 »
Das fünfte Buch "Dichterloh" ist fertig. Wer es haben möchte, möge hier in diesem Faden bestellen und/oder mir eine PN mit Zusendeadresse zukommen lassen.

390 Seiten, in dunkelgrünes Leinen gebunden, mit dreiseitigem Goldschnitt - für 25 Euro + Porto
(für alle Mitglieder unserer alten Neumarkter Dichterrunde natürlich gratis)

LG, eKy

11
Verbrannte Erde / Bilder der Dunkelheit
« am: Juli 20, 2020, 21:54:30 »
Dunkelheit vor meinen Scheiben,
Dunkelheit in meinem Sinn,
Bilder, deren Schatten bleiben,
bis ich ihr Gefährte bin.

Dunkelheit in meinem Garten,
Dunkelheit in meinem Geist,
Bilder, die auf Liebe warten,
die ein wundes Hoffen speist.

Dunkelheit auf allen Wegen,
Dunkelheit in meinem Herz.
Bilder wie ein kalter Segen
und ein letzter schlechter Scherz.

12
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Bewusstmachung
« am: Juli 17, 2020, 15:10:52 »
Das Leben malt in trubelbunten Fresken
sein Unerhörtes an die Innenwände
der Herzen: Jubel und gereichte Hände
in Dramen, Abenteuern und Burlesken.

Doch was gerinnt uns hinter den Fassaden,
im Unterbau der wirbelnden Geschichten,
an Schulden, die uns irgendwann vernichten,
wenn wir erkranken am erkannten Schaden?

Es gilt zu hoffen, dass in jungen Jahren,
wenn Hochmut keine Rücksichtnahme duldet,
so sehr wir sie von andern auch erfahren,

wir nicht zu sehr ins Bodenlose fassen,
und uns, bedenkenlos zu hoch verschuldet,
in später Reue wund verstummen lassen.

13
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Entropie
« am: Juli 17, 2020, 15:10:03 »
Gefangene in Myriaden Keltern
von kleinen Augenblicken namens Zeit:
Wir sickern alle, nie davon befreit,
aus stofflich wohlgeordneten Behältern

ins Chaos, in ein mähliches Zerfallen,
das unaufhörlich an den Leibern nagt,
an jeder Seele, wo sie widersagt,
vergeblich hoffend auf ein Widerhallen

ersehnter Ewigkeit in großen Bildern,
die betend sie in ihre Tage malt,
die nackte Angst verdrängend, die sie schildern.

Indes, es wird kein Überdauern geben!
In dieser Rechnung, die sich selbst bezahlt,
entgleiten uns die Bilder wie das Leben.

14
Ach, wie schreiben in den Netzen
aneinander wir vorbei,
schnell bereit, uns zu verletzen,
so als ob das nötig sei.

Eingeschränkt sind hier die Mittel
der Verständigung so sehr,
dass wir vieles missverstehen -
und wir speien Gegenwehr!

Schilde aus Beschuldigungen,
Waffen aus geschnitztem Wort,
Argumente scharfer Zungen
jagen Unbequemes fort.

Opfer sind wir wie auch Täter,
wissen immer uns im Recht,
und des Richtigen Verräter
sind nur dümmer – oder schlecht.

Wer verbreitet, was nicht schmeichelt,
unbequem das Leichte macht,
wird gerüchtefroh gemeuchelt
und verworfen auf Verdacht.

Wer uns nicht in Worten huldigt,
uns bestätigt, was wir brauchen,
wird der Mobberei beschuldigt
und gezwungen, abzutauchen.

Wohl uns wollend zuzuhören
mit dem Herzen, das vergibt,
scheint zu schwierig. Wir zerstören
lieber rasch, was uns nicht liebt.

15
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Die wilden Jahre
« am: Juli 07, 2020, 10:30:18 »
Das Kind weiß alles nun, enträtselt sich die Achsen,
darum die Welt sich dreht, und seine Taten glühen
noch heller strahlend bald in eifrigem Bemühen,
in etwas immer Größeres hineinzuwachsen.

Das Kind betrachtet sich entrückter nun im Spiegel,
beinah entwunden seinen kurzbehosten Spielen,
als wüsste es mit tiefen Blicken schon zu zielen
auf Stellen, die es weiß als seiner Lüste Siegel.

Begehren wächst in aufgetanen, frischen Sinnen,
und ahnt noch nichts von den Verirrungen und Schulden,
die wir schon kennen und die Reue still erdulden,
daraus Erfahrung uns und stiller Ernst gerinnen.

Das Kind bekümmert nichts, es will sich neu erfahren,
will lernen, was die Großen immer noch verschweigen,
von jenen, die es ihm auf seine Kosten zeigen,
bis es zu uns gehört, geprüft in wilden Jahren.

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