Beiträge anzeigen

Diese Sektion erlaubt es ihnen alle Beiträge dieses Mitglieds zu sehen. Beachten sie, dass sie nur solche Beiträge sehen können, zu denen sie auch Zugriffsrechte haben.


Themen - Erich Kykal

Seiten: [1] 2 3 ... 72
1
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Flockentanz
« am: Januar 26, 2021, 10:23:54 »
Und wieder tanzen Flocken durch den grauen Himmel,
als feierten sie frei ihr einzigartiges Gesicht
in einem unterschiedslos wirbelnden Gewimmel,
und wüssten um den Schmutz der Erde und ihr Schmelzen nicht.

Und wieder tanzen Flocken durch die kalten Lüfte
wie Auferwachte zu dem Wirbelnden, das sie bewegt,
und ahnen nicht um eines Frühlingsbodens Grüfte,
auf deren Gärung sich vertrauensvoll ihr Reines legt.

Und wieder tanzen Flocken mir durch die Gedanken,
als wüsste höher ich zu schätzen sie als Sommers Staub,
aus dem von je nur Wachstum und Verwesung stanken,
die auch mein Schicksal sind wie jenes von Salat und Laub.

Und wieder tanzen Flocken mir vor alten Augen,
und sind vielleicht die letzten, die ich jemals wirbeln seh -
ein Jahr vielleicht noch mag der welke Leib noch taugen,
dann decken mich Vergessen und ein ewig neuer Schnee.

2
Wo Enzian und Freiheit ist / Kindertag
« am: Januar 20, 2021, 11:25:38 »
Atemloses Freudeschöpfen
jeden Augenblick aus Welt,
ungetrübtes Urvertrauen,
dass man dich geborgen hält.

Selbstverständlich die Gefühle,
die du nimmst und die du gibst,
wie die Eltern und der Teddy,
den du freudestrahlend liebst.

Unerhörtes Tagentdecken
täglich in der Sicherheit,
dass das Leben niemals endet,
ewig neu und himmelweit.

Und der Schlaf kommt wie ein Bruder,
der dich hütet in der Nacht,
deiner Träume Wunderwünsche
wie ein lieber Freund bewacht.

Wenn dich Kinderängste plagen,
weiß die weiche Mutter Trost,
während ihre Hand bedächtig
deine feuchte Wange kost.

Aufgeregt den Abenteuern
reckst du deine Stirn entgegen.
Kinderjahre, Kinderjahre -
wenn sie schön sind: Welch ein Segen!

3
Ach Natur Vergissmeinnicht / Zärtliches Erwachen
« am: Januar 20, 2021, 10:44:52 »
Morgen kommt und steigt ins Helle,
zeigt mir wieder dein Gesicht
an des Tages junger Schwelle,
die ein neues Glück verspricht.

Schäfchenwolken schimmern silbern
unter himmelblauem Samt,
während eine sanfte Brise
zärtlich in den Zweigen kramt.

Weiß noch schweigen die Gefilde
einem Frühlingsahnen zu,
doch der Morgen ist schon milde,
und er lächelt fast wie du.

4
Verbrannte Erde / Die Moralapostel
« am: Januar 19, 2021, 10:40:23 »
Der Herr gab uns Gebote und Gesetze,
erzog uns streng zu ernster Sittenwacht:
Begehre nur dein Weib in dunkler Nacht,
und wohl verhüllt, dass Gott sich nicht entsetze!

Betritt sie nur, um Kinder ihr zu machen,
soviel wie möglich, eh ihr Leib vergeht,
damit ein großes Kirchenvolk entsteht,
zu Gottes hohen Ehren zu erwachen!

Und züchtige die Brut mit harten Ruten,
wenn sie mit ihrem Ungenannten spielt,
damit sie lernen, was ihr Herr befiehlt:
Für seine Seligkeit allein zu bluten!

Verstoß die Metze, die sich frech versündigt,
und züchtige den Knaben, der sie nahm!
Gib fort das Balg, mit dem sie niederkam,
wie es der Pfarrer laut im Zorn verkündigt.

Wir sind mit uns zufrieden und im Reinen,
befolgen stumm, was uns geschrieben steht,
und wenn ein Wind um unsre Mauern geht,
dann hört man ihn, nie unsre Kinder weinen.

5
Zwischen Rosen und Romantik / Der Bisexuelle
« am: Januar 19, 2021, 10:39:26 »
Besorg ich heute mir ein duftend weiches Mädel,
oder leg ich mich zu einem schlanken Knaben?
Ach, beide spuken sinnlich mir herum im Schädel,
und sind ja beide heutzutage gut zu haben.

Ich kann mich nicht mit einer Art allein bescheiden,
wenn beider Stöhnen einzig nur mein Sehnen erdet.
Moralapostel, wollt ihr mir mein Glück verleiden?
Es wäre endlich Zeit, dass ihr erwachsen werdet!

Sich manisch möglichst fruchtbar immer fortzupflanzen,
ist heute längst nicht mehr erklärte Volksprämisse.
Man darf Musik frei wählen, um danach zu tanzen -
und mir steht frei, ob Mädchen oder Jungs ich küsse.

6
Zwischen Rosen und Romantik / Die Seiten eines Triebes
« am: Januar 16, 2021, 12:31:08 »
I – Die Frau

Wenn er mir befiehlt, mich hinzugeben,
werden gerne mir die Kniee weich,
denn sie lockt das heiße Himmelreich
meiner Lust, nach seiner hinzustreben.

Zitternd hocke ich vor seiner Größe,
die mir, heilig hart und unverhüllt
alle Sinne wie ein Gott erfüllt,
und am Ende endlich meine Blöße.

Ewig wird mich dieser Trieb verdammen,
gänzlich einem Manne zu gehören,
Treue und Gehorsamkeit zu schwören

für die Augenblicke der Erfüllung,
wenn ich nichts sein will als die Umhüllung
seines Dranges, sich mir einzurammen.

II – Der Mann

Oh, wie ich ihr Innerstes begehre,
dass es weh tut, wenn die Leiste spannt,
was zuvor im Heiligsten gebrannt
und gewartet hat, dass sie es nähre.

Oh, wie will ich endlich sie besitzen,
ihre Düfte küssen und ihr Haar,
wenn sie sich mir öffnet, wunderbar
zu liebkosen und dann zu benützen.

Öffnet bebend sie die schlanken Beine,
will ich beten an dem süßen Schreine,
bis ich tausend kleine Tode sterbe,

zuckend, um den einen Sinn des Ganzen
tief in ihre Willigkeit zu pflanzen -
eh ich eine andere umwerbe.

7
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Süße Füße
« am: Januar 14, 2021, 14:05:07 »
Wie wunderbar und sanft in sich geschwungen
die Linie des Ristes sich verflüchtigt
und Blicke darauf gleich erhebt wie züchtigt,
ist der Natur aufs Trefflichste gelungen.

Der schlanken Ferse Rundung, selten zierlich,
von welcher aus der weichen Sohle Beugung
sich tiefer gräbt als jede Überzeugung,
erscheint dem Zugewandten höchst manierlich.

Der schmalen Zehen Spiel enthebt ihn endlich
des Irdischen nach himmlischer Begierde,
zu küssen und zu schmecken diese Zierde.

Wem solche Lüste eher unverständlich,
hat nie gelernt, an einem Schrein zu beten
und wagte nie, sein Tiefstes zu betreten.

8
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Gedanken beim Winterspaziergang
« am: Januar 10, 2021, 13:47:54 »
Das Land ist doch noch winterlich geworden,
die Zweige tragen schwer an weißer Decke,
als wären es im Krieg verdiente Orden,
und Wächten wachsen jeder Mauerecke.

Verborgen liegt nun, was das Auge schändet,
in monochromer, unbeschmutzter Pracht,
die glitzernd strahlt und alle Blicke blendet,
den Dreck verhüllend wie sonst nur die Nacht.

Die Sonne spart zwar eisern ihre Wärme,
doch wenn sie scheint, ergleißt wie eine Lohe
das weite Land. Es schnarren Krähenschwärme
und fliegen auf, besorgt, dass etwas drohe.

Man geht spazieren, wie vom Licht ermündigt,
das sich verzaubert in Kristallen bricht,
als wäre, was ihr Blinkendes verkündigt,
ein Ahnen, das uns Schöneres verspricht.

9
Verbrannte Erde / Alles Irdische
« am: Januar 04, 2021, 12:25:12 »
Die Scheite verglühen im kühlenden Herde,
verblassen zu Asche in weißlichem Grau
und steigen auf Wärme mit letzter Gebärde
hinauf den Kamin und hinaus aus dem Bau.

Sie krallen als Rauch sich in nächtliche Himmel
ein Weilchen noch tapfer und riechen nach Brand,
doch bald schon vergehen in Windes Gewimmel
sie ohne Erinnerung über dem Land.

Kein Blütenhauch weht noch durch irdische Räume,
vergangen ihr Schicksal wie schmelzender Schnee.
Kein fühlbares Raunen: „Einst waren wir Bäume!“
Und wo man sie fällte, wächst heuer der Klee.

10
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Gefühlsverblassen
« am: Januar 04, 2021, 12:05:42 »
Beeilt nicht die Uhr sich in glücklichen Stunden,
doch kriecht umso träger durch traurige Zeit?
Und haben wir beides nicht tiefer empfunden,
zusammen, gemeinsam, verschworen, zu zweit?

Und schmerzt das Erinnern an fröhliche Tage
nicht beinah genauso wie jenes an Leid?
Vergangen nun beides, nur weiter die Frage,
wer wem was zu welcher Bedingung verzeiht.

11
Verbrannte Erde / Gossenkind
« am: Januar 02, 2021, 12:15:55 »
Bin dreizehn, männlich, eher klein,
und nicht daheim zu Hause.
Die Mutter säuft, der Vater schlägt
und macht dabei kaum Pause.

Ich nächtige im U-Bahnschacht
und in der Bahnhofshalle,
und kenne keinen, der mich fragt,
und kenn sie dennoch alle.

Und was sie wollen, mache ich
für etwas Geld zum Essen
und eine Tüte dann und wann,
um all das zu vergessen.

Ist's richtig kalt, dann geh ich auch
nach Hause mit dem Freier
für eine Nacht im warmen Bett,
und kraule ihm die Eier,

und halt ihm hin das Hinterteil,
dass er sich dran vergehe,
und werde manchmal selber geil,
auch wenn ich's kaum verstehe.

Bin dreizehn, männlich, eher klein,
und nie bei mir zu Hause,
und keiner fragt, was aus mir wird,
und ob's mir vor mir grause.

12
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Webwerk
« am: Dezember 30, 2020, 12:50:56 »
So wie des Teppichs Muster ihm besiegelt,
wie andere ihn schauen und begreifen,
so wird ein Bild von dir in andern reifen,
und wird von dort zu dir zurückgespiegelt.

Du kannst dein wahres Webwerk wohl verbergen
für eine Zeit lang unter Staub und Schatten,
dem Zahn der Zeit und dem Verbiss von Ratten,
sowie dem falschen Wort von tumben Schergen.

Doch immer kommt der Tag, da jene sehen,
aus deren Urteil sich dein Wohl ermächtigt,
in welchem Bett dein wundes Sehnen nächtigt,
und ohne Wort aus deinem Leben gehen.

In diesem Wissen wirst du dich bescheiden
mit einer Einsamkeit, an der du reifen
und wachsen magst an innerem Begreifen
und stiller Demut um dein trautes Leiden,

und weiter dich verweben hier auf Erden,
wirst Dunkelheiten deiner selbst bekriegen,
und unter Opfern gar dich selbst besiegen,
und unvergleichlich darf dein Muster werden.

13
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Vertan! Vertan?
« am: Dezember 23, 2020, 12:13:19 »
Leugner ehrlichen Bestrebens:
Unberührt und nichts berührend,
nie verführt und nie verführend,
müde nun, entrückt den Sinnen,
die sich an der Welt beginnen,
abgenutzt am Ungewagten,
unbewegt im Ungesagten -
Ungeist eines feigen Lebens.
Weiteratmend, sich noch spürend,
an Erinnerungen rührend,
die dem langen Tag gerinnen.
Aber was noch zu gewinnen
glaubt ein Geist, der in verzagten
Bildern wohnt, die sich vertagten?
Seine Hoffnung bleibt vergebens.

Trag nicht Hader in die Tage,
die noch bleiben um die Frage,
ob dein Leben besser wäre
ohne all das Ungefähre,
dem du dich anheimgegeben.
Anders wäre es gewesen,
aber tiefer? Auserlesen?
Nein. Denn unser Sein erweitern
oft wir dort nur, wo wir scheitern.
Jedes Leben bleibt: Ein Leben.

14
Sprüche, Gedanken, Gescheites / In nomine
« am: Dezember 06, 2020, 12:14:34 »
Ein Gutteil der sogenannten Querdenker wünscht sich einen neuen Querlenker,
ohne je Rad- oder Motorradfahrerkleidung zu tragen.

Warum dann einen „Querlenker“ für die reichstagsstürmenden Querstänker?
Naja, „Führer“ darf man ja nicht mehr sagen ...

Und natürlich für alle, die ihnen quer stehen, einen gnadenlosen Querhenker!
Im Zeichen des Querkreuzes keine Gnade für Querulanten!

Und natürlich nur rassereinen und moralbereinigten Querverkehr!
So manche Querdenker sind eben sehr verquer:

Vergessen die Hetze, die Lager, die Morde, die zahllosen Städte, die brannten.

15
Verbrannte Erde / Soviel
« am: November 30, 2020, 13:23:30 »
Soviel Welt, ihr zu begegnen,
soviel Menschen, unverstellt,
soviel Zeit, den Traum zu segnen,
der mein Fernweh aufrecht hält.

Soviel Wege zu beschreiten,
soviel Ziele, unerreicht,
soviel Leben in den Weiten
dieser Erde, das mir gleicht.

Soviel anderes zu finden,
soviel Neugier, die mich lehrt.
Doch die Pflichten, die mich binden,
halten meinen Geist beschwert.

Binden mich an kleine Jahre,
an ein Dauern in Verzicht.
Soviel Lust aufs Wunderbare -
doch mein Leben folgt ihr nicht.

Seiten: [1] 2 3 ... 72