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Themen - Erich Kykal

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1
Mit Löwenzahn und Lebensfreude / Erich's Klappgehörn
« am: Mai 25, 2020, 11:15:36 »
Zwei Knaben fuhren in die Stadt,
weil einer dort Verwandte hat,
doch fanden sie die Strasse nicht -
so fuhren sie nach Hause schlicht.
____

Zwei holde Knaben, meiner Treu,
die spielten nachts noch spÀt im Heu,
und weil es finster war im Stall,
fand man sich wieder nur per Schall.
____

Zwei Knaben machten lange Finger
und drehten immer neue Dinger.
Als man sie fing und dazu fragte,
geschah's, dass keiner etwas sagte.
____

Zwei Kaben lagen Seit an Seit,
der eine macht die Beine breit,
der andre nicht, das war ja klar,
weil er ein "alter Knabe" war ...
____

Zwei Knaben wussten nicht mehr weiter,
und wurden auch nicht mehr gescheiter,
drum soffen sie und spielten Karten,
um aufs Erwachsensein zu warten.
____

Zwei Knaben zogen schweigend hin,
denn nichts zu sagen war ihr Sinn,
und zogen weiter durch die Lande
als Randnotizen, ganz am Rande.
____

Zwei Knaben fanden eine Frau,
doch was zu tun so ganz genau,
dass wussten beide noch nicht recht -
die Frau fand dieses eher schlecht.
____

Zwei Knaben schwammen in der See,
dem einen tat die Ferse weh.
"Ich bin da wohl auf was getreten",
bemerkte er ganz ungebeten.
____

Zwei Knaben fuhren auf dem Rade.
Der eine fand, es wÀre schade,
dass keine MĂ€gdelein dabei.
Dem anderen war's einerlei.
____

Zwei Knaben machten Dauerlauf
und freuten sich extrem darauf,
das Ziel zu finden ganz am Ende -
wenn's einer nur der beiden fÀnde!
____

Zwei Knaben sonnten sich am Strand,
bis einer von den beiden fand,
er hÀtte sich genug gebrÀunt -
und flugs verließ er seinen Freund.
____

Zwei Knaben machten eine Tour
und fuhren Rad durch die Natur.
Bald fragte einer von den beiden:
"Wann hat's ein Ende mit dem Leiden!?"
____

Zwei Knaben hatten alle beide
ein FrÀulein gern in Samt und Seide,
Sie stritten sich und wurden bitter -
das FrÀulein kriegte bald ein Dritter.
____

Zwei Knaben gingen fröhlich angeln.
Bald sah man sie am Weiher rangeln
um einen Fisch, besonders dicklich.
Der fand das eher unerquicklich.
____

Zwei Knaben tranken gerne Wein
in lustigem Beisammensein.
Sie fanden bald, in Weh versunken,
sie hÀtten besser nicht getrunken.
____

Zwei Knaben machten gern Krawall
und rauften viel von Fall zu Fall.
Heut gehen mĂŒde sie am Stocke,
gekrĂŒmmt wie eine alte Socke.
____

Zwei Knaben konnten ihre Zechen
beim Wirte nicht wie andre blechen,
drum sieht man sie im Keller Flaschen
und in der KĂŒche Teller waschen.
____

Zwei Knaben spielten auf der Heide
und taten niemand was zuleide.
Ein SchÀfer fand sie bei den Schafen
nach einem Akt der Liebe schlafen.
____

Zwei Knaben rauchten eifrig Kippen,
um hinterher am Schnaps zu nippen.
Um diese böse Tat zu sĂŒhnen,
sieht ihre Mienen man ergrĂŒnen.
____

Zwei Knaben gingen Äpfel stehlen
und wollten heim, den Raub zu zÀhlen,
doch fing man sie schon bald darauf
und zÀhlte ihnen zwanzig auf!
____

Zwei Knaben standen hoch im Saft
und maßen ihre Manneskraft.
Der KĂŒrzere bemerkte dann:
"Es kommt nur auf die Technik an!"
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Zwei Knaben tranken viel zu viel,
erst mit und spÀter ohne Stil.
Ein Kater hat sie sehr geplagt,
und niemals nicht nach Stil gefragt.
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Zwei Knaben lernten in der Schule,
es gÀbe so etwas wie Schwule.
Der eine meldet sich und lacht:
"Das haben wir doch lÀngst gemacht!"
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Zwei Knaben kriegten sich nicht ein
und wollten gern beim Zirkus sein.
Sie rissen aus, doch fanden sie
den Zirkus ihrer TrÀume nie.
____

Zwei Knaben spielten Ball im Park
und wurden darin gut und stark,
doch leider blieb's ein Fall von denkste:
Sie wurden beide Schreibtischhengste.
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Zwei Knaben wollten Pfarrer werden
als Botschafter des Herrn auf Erden.
Zu zweit gelang so allerlei -
ein Ministrant war stets dabei ...
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Zwei Knaben lernten einst Latein
in traulichem Beisammensein.
Sie taten dieses viele Jahre,
bis einer sagte: "Nicht das Wahre ...".
____

Zwei Knaben fuhren in die Stadt,
wo's Kinos und GeschÀfte hat.
Sie gingen allem auf den Leim
und kamen spÀt erst wieder heim.
____

Zwei Knaben spielten gern Klavier,
der Wohlerzogenen PlÀsier,
bis einer meinte: "Bach ist toll,
doch lieber wÀr mir Rock'n Roll!"
____

Zwei Knaben machten einen drauf
und machten viele Flaschen auf.
Sie sangen laut und ohne Reue
bis spÀt nach drei, die alten SÀue!
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Zwei Knaben stritten um die Ehr,
wer Frolleinchens Begleiter wÀr -
doch dieses zeigte sich erleuchtet:
Hat beider Lippen gern befeuchtet!
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Zwei Knaben pfiffen manche Weise
mehr schlecht als recht, doch niemals leise.
Sie mussten viel Verweise ernten,
bis endlich sie zu schweigen lernten.
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Zwei Knaben nutzten jede Pause
zum heimlich Rauchen hinterm Hause.
Die Mutter sprach: "Ich hab's nicht gern,
doch halten sie die Fliegen fern!"
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Zwei Knaben spielten einst im Heu,
ein MĂ€delein war auch dabei.
Sie hĂŒpften viel in jenem Stadel -
erst auf dem Heu, dann auf dem Madel ...
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Zwei Knaben kamen ĂŒberein,
sie wollten mit Kondomen sein.
FĂŒr eine Packung reicht das Geld -
sie hatten "extra-groß" bestellt ...
____

Zwei Knaben ritten hoch zu Ross,
was einen dritten wohl verdross.
Er machte ihre Pferde scheu -
was darauf folgte, ist nicht neu.
____

Zwei Knaben gingen in Zivil
zu Volksmusik und Glockenspiel.
Was andre hörten, ließ sie kalt:
Sie waren schon als Junge alt.
____

Zwei Knaben, selten unverzagte,
bestiegen einen Berg, der ragte,
und endlich oben angekommen,
hat sie ein Anblick mitgenommen.
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Zwei Knaben, ach man glaubt es kaum,
bestiegen einen hohen Baum,
und oben raunte einer leise:
"Ich glaube, das war eine Meise!"
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Zwei Knaben fuhren ĂŒbern See
im Ruderboot zum FĂŒnfuhrtee,
da sprach der eine ganz beklommen:
"Ich fĂŒhle mich so mitgenommen!"
____

Zwei Knaben wurden Nationale
und lernten Fechten hoch im Saale,
und blieben unbeweibt in Jahren,
daweil sie gar so "schmissig" waren!
____

Zwei Knaben wollten Fensterln gehen,
um Unterröcke nah zu sehen.
Sie waren sehr darauf erpicht -
doch fanden sie die Leiter nicht!
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Zwei Knaben hatten ein Verfahren
am Hals, weil sie verdÀchtig waren.
Der Richter sagte unverhohlen:
"Ihr habt auch mir die Zeit gestohlen!"
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Zwei Knaben gingen Eier borgen
bei Nachbars Frau am frĂŒhen Morgen.
Sie sprach: "Ihr dauert mich gar sehr:
So jung - und keine Eier mehr!"
____

Zwei Knaben gingen Pilze suchen
und wurden fĂŒndig unter Buchen.
Der eine sagte laut beim PflĂŒcken:
"Ich könnte sie gleich so verdrĂŒcken!"
____

Zwei Knaben, heimlich unterwegs
des Nachts zu Mutters KĂŒchenschrank,
erhofften sich so manchen Keks,
doch fanden nichts! Na, schönen Dank!
____

Zwei Knaben wollten Auto fahren,
im Geist schon in der Welt zuhaus,
doch waren sie zu jung an Jahren,
und darum wurde nichts daraus.
____

Zwei Knaben gingen zum Friseur.
Bei einem gab es ein Malheur,
und deshalb schor man ihn ganz kahl -
der SchÀdel glÀnzte eher fahl.
____

Zwei Knaben machten Dauerlauf.
Der eine stolperte, schlug auf.
Der andere, dem das nichts machte,
war jener, welcher wiehernd lachte.
____

Zwei Knaben fanden eine Tasche
mit Einkauf, Geld und einer Flasche.
Sie retournierten sie nach Stunden,
und nur die Flasche blieb verschwunden.
____

Zwei Knaben gingen Kohlen klauen,
doch man erwischte sie dabei.
Man hat sie ziemlich arg verhauen,
als ob das selbstverstÀndlich sei.
____

Zwei Knaben hatten sich gefunden
und pafften eine TĂŒte Hasch.
Sie hofften auf berauschte Stunden,
doch wurde ihnen ĂŒbel rasch.
____

Zwei Knaben warfen sich in Schale
und gingen tanzen abendlich
so an die aberhundert Male
trotz Achselschweiß und MĂŒckenstich.
____

Zwei Knaben kamen ĂŒberein,
stets fĂŒreinander da zu sein.
Kaum aber kam ein MĂ€gdelein,
war jeder fĂŒr sich selbst allein.
____

Zwei Knaben auf der Kegelbahn,
die wollten alle Neune schieben,
doch scheiterten sie arg daran,
drum sind sie heut daheim geblieben.
____

Zwei Knaben hielten nie den Mund,
auch nicht zu vorgerĂŒckter Stund,
bis endlich sie die Klappen hielten,
die niemals eine Rolle spielten.
____

Zwei Knaben passten niemals auf
im Unterricht, zu Lehrers Leid.
Sie glaubten fest, sie hÀtten's drauf
und wÀren von Natur gescheit.
____

Zwei Knaben tranken mĂ€ĂŸig Milch
und kaum GemĂŒse, ei der Daus!
Der eine blieb ein kleiner Knilch,
dem andern ging die Lampe aus.
____

Zwei Knaben waren guter Dinge
beim Äpfel- wie auch Birnenstehlen.
Den Wunsch, dass mancher Coup gelinge,
kann ihre Mutter kaum verhehlen ...
____

Zwei Knaben zogen endlich weiter
nach einer Einkehr, lang und teuer.
Sie gingen schrÀg und waren heiter,
und legten an der Schule Feuer.
____

Zwei Knaben gingen in die Bank
und zogen ihre Knarren blank.
Man wollte die Polente holen
dank zwei geladner - Spritzpistolen!
____

Zwei Knaben, die ihr Segelboot
gesegelt nur mit knapper Not,
erholten schweigend sich an Land.
Der eine rief: "Ach halt den Rand!"



2
One man went to mow / Silk
« am: Mai 06, 2020, 11:02:59 »
In silk is woven, what I crave,
a frame, so delicate and soft,
a mind, so beautiful and brave,
that holds my aching heart aloft.

In silk is draped my holy grail,
my only one for evermore,
to whom my soul is setting sail
for unforgotten love galore.

In silk lies buried, what I owned.
Within the early grave you found
my king of hearts remains dethroned
in silk with you on holy ground.

3
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Poesie und Politik
« am: April 26, 2020, 12:37:36 »
WĂŒrde man Gedichte löschen
wie in Zeiten der Zensur,
hieße dies, Verrat zu ĂŒben
an der eigenen Natur.

WĂŒrde man Gedichte löschen,
wÀr's, als löschte man ein Herz,
gleich, wonach es darin strebte:
höllen- oder himmelwÀrts.

WĂŒrde man Gedichte löschen,
wÀr's, als brÀchte man sie um,
und die Erben blieben Àrmer
und an Geist und Seele dumm.

WĂŒrde man Gedichte löschen,
tilgte man den falschen Brand
und beförderte stattdessen
allgemeinen Unverstand.

WĂŒrde man Gedichte löschen,
wÀre man totalitÀr,
und die unbequemen Folgen
kÀmen nicht von ungefÀhr.


4
Verbrannte Erde / Schiffsschlachterei (Abwrackzone)
« am: April 19, 2020, 14:55:47 »
Abgenutzt und rostbeladen,
ausgedient und hochbejahrt,
unterm Kiel kein halber Faden,
geht das Schiff auf letzte Fahrt.

Und ein letztes Mal seit Jahren,
von zu vielen Reisen wund,
wird mit Volldampf angefahren
direkt auf den festen Grund.

Tapfer hebt es sich am Schlamme,
trÀgt sich auf das letzte Land,
und begrÀbt wie eine Ramme
sich zuletzt im dunklen Sand.

Knarrend stöhnt der Kiel ein Beben
durch den leeren Laderaum,
fast als ende hier ein Leben
am zernarbten Ufersaum.

Wie ein alter Wal gestrandet,
geht sein letzter Atem aus.
Ausgebrannt und angelandet,
leer wie ein verlassnes Haus.

Kleine Menschen wie Maschinen
schwÀrmen aus auf seiner Haut,
fleißig wie bemĂŒhte Bienen
hÀmmern sie und schneiden laut.

Kein Gedanke an sein Dienen,
ein Erinnern, das in ihm
und in wehmutsvollen Mienen
reuig aufzugehen schien.

Dies zum Dank fĂŒr seine Treue,
all die StĂŒrme, die es ritt:
Eisen fĂŒr das glĂ€nzend Neue,
fĂŒr das Alte: Einen Tritt!

Wo die RĂŒmpfe ölig bluten,
wie ein Opfer dargebracht,
wĂŒrdest du kein Bild vermuten,
das im Herzen traurig macht.

5
Verschmitzte Vierzeiler zur aktuellen Weltlage:


Corona heißt der neue Seuchenschnupfen -
ein echtes Krönchen nicht nur fĂŒr den Kaiser!
So manches HĂŒhnchen muss sich selber rupfen,
und selbst die grĂ¶ĂŸten Ärsche furzen leiser.

...

Die AfD begreift die großen Chancen:
Wir isolieren endlich uns von aller Welt!
Es scheint, als hÀtten ihre rechten Bonzen
die neue Seuche nur fĂŒr sich bestellt!

...

Vom Bosporus ertönt das Röcheln leiser:
Die Griechennazis halten eisern stand!
Das Heer der Heimatlosen schreit sich heiser,
und es heißt "Ohren zu!" im ganzen Land.

...

Mit deutschen Panzern ballern die Osmanen
in Syrien wie Herrenmenschen rum.
Wer zahlt den großen Wohlstand der Germanen
am Ende wohl? Wir kĂŒmmern uns nicht drum.

...

ZitronenmÀulchen Trump ist Herr der Lage,
das weiß er, weil es sein Berater sagt.
Ansonsten sieht er keinen Grund zur Klage,
auch wenn sich alles ĂŒber ihn beklagt.

...

Man sagt, die Luft wird sauber werden,
weil kaum noch was verbrennt und fÀhrt und fliegt.
Ich hĂ€tte lieber mir gewĂŒnscht auf Erden,
dass die Vernunft, nicht Virus unsern Wahn besiegt.

6
Verbrannte Erde / Der lĂŒsterne Alte
« am: Februar 05, 2020, 21:54:26 »
Verworfener, wie musst du klĂ€glich bĂŒĂŸen!
Der Jugend ledig und des guten Mutes
versuchst du dir mit Bildern jungen Blutes
die Bitternis des Alters zu versĂŒĂŸen.

Die jÀhe Lust der kurzen KnabentrÀume
verwandelte sich nur in Illusionen,
GebÀude aus Vergangenheit, und es bewohnen
verstummte Geister ihre leeren RĂ€ume.

Sie zeigen nach dir hin und sprechen schuldig
mit ihren Blicken, ihren welken Gesten,
als warteten die mit der Zeit Verwesten
auf deinen Tod, erbittert und geduldig.

Verworfener, wie musst du klĂ€glich bĂŒĂŸen!
Zerrissen fÀllst du aus dem starren Rahmen
und wirfst in Schmerzen deinen kalten Samen
dem Götzen deiner Eitelkeit zu FĂŒĂŸen.

7
Zwischen Rosen und Romantik / Schmalz lass nach!
« am: Dezember 30, 2019, 09:48:01 »
O du sĂŒĂŸeste der SĂŒĂŸen,
Salz der TrÀne, die du weinst -
Lass dich tĂ€glich neu begrĂŒĂŸen,
wo du wie die Sonne scheinst.

Holde Anmut, stille GrĂ¶ĂŸe,
ahnungstief und voll Figur -
ach, im Garten deiner BlĂ¶ĂŸe
wohnt die Seele der Natur.

O du wonnigste der Wonnen,
Hut des Herzens, das dir schlÀgt -
Sei das Lied, das du begonnen,
alles, was mein Leben trÀgt.

8
Eulenspiegeleien / Annehmbar
« am: Dezember 30, 2019, 09:19:19 »
Pille-palle Eierkuchen,
Glitzerherzchen, Funkelstern -
solche Bilder soll man suchen,
solche Bilder hat man gern.

Heile Welt und Regenbogen,
TeddybÀrchen, Sonnenschein -
niemand ist mehr ungezogen,
niemand muss mehr traurig sein.

Wahre Liebe und Romanzen,
eitel Freude, Wunderlicht -
dazu will das Auge tanzen,
dazu schweigt das FĂŒhlen nicht.

HeinzelmÀnnchen und Rosinen,
Wattewölkchen, Zuckerguss -
ach, vom Licht ist nur beschienen,
wer nach nichts mehr fragen muss.

Pille-palle Eierkuchen,
edle Wonne, Ringelreihn -
nur kein Hadern oder Suchen,
nur kein lautes Anderssein!

9
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Die MĂ€r vom Paradies
« am: Dezember 24, 2019, 11:25:09 »
Man wollte holde Menschen hier
wie SchÀfchen auf der Weide,
und alle liebten sich, und nie
tÀt man sich was zuleide!

Doch ach, man war nicht einig hier
und lag sich in den Haaren!
Man blieb sich treu und kontrovers,
sogar nach vielen Jahren.

Der hohe Vater, Herr der Welt,
wo all das sich bewegte,
die er erschuf als Paradies,
wo er der Ruhe pflegte,

wo er sich selbst durchaus erbost
zuweilen hat ergangen,
ward ungehalten, als zuviel
der Meinungen erklangen.

So dachte er – was kann man tun,
um alles zu befrieden,
und wieder eitel Freude herrscht
und Wonnesinn hienieden?

Am besten macht man alles dicht,
will etwas man nicht hören,
dann kann, was einem unliebsam,
die Seelenruh nicht stören.

Von starker Hand wird „aufgerĂ€umt“,
und was die Laune mindert,
hat hier von Freiheit ausgetrÀumt:
Das Übel ist gelindert.

Die hohe Kunst der Diktatur
ist die Zensur.

Doch war dies wirklich sein Begehr,
sein ehrliches Motiv,
der so lang schwieg zu allem hier
und seine Pflicht verschlief?

Vielleicht ward ihm die Last zu schwer,
die Schöpfung zu erhalten,
und nötig nur ein „guter Grund“,
sie endlich abzuschalten?

10
Eulenspiegeleien / Islamophobie
« am: Dezember 23, 2019, 09:05:02 »
Ich hab so Angst, dass sie uns ĂŒberrennen,
die mittelalterlichen Glaubenshorden,
die brennend plĂŒndern, rauben oder morden,
und weder Gnade noch Erbarmen kennen!

Ich hab so Angst, dass sie uns missionieren,
Imame, Mullahs, Sufis und Kalifen,
die, seit sie ihren Gott von TĂŒrmen riefen,
in blindem Hass auf unsre Welt vertieren!

Ich hab so Angst, dass sie uns infiltrieren,
uns schleichend unterwandern und bekehren,
und endlich alle, die sich noch beschweren,
in Kerkern sammeln und dekapitieren!

Ich hab so Angst, drum will ich alle warnen,
und schlage um mich mit Beschuldigungen,
und fĂŒrchte so, ihr Spiel ist schon gelungen,
wo sie sich schlau als brave BĂŒrger tarnen!

Oh weh, das greise Abendland, es schwÀchelt!
Schon seh ich Deutsche auf dem Teppich beten!
Ich brĂŒlle Untergang in tausend Nöten,
ganz ungewahr des Wahns, der mich umfÀchelt!

11
Verbrannte Erde / Skandierer (Die NiederbrĂŒller)
« am: Dezember 22, 2019, 09:14:17 »
LĂŒgenpresse! LĂŒgenpresse!
Wahrheit bleibt, was Wahrheit ist,
und es gibt was auf die Fresse,
wenn du andrer Meinung bist!

Diskutieren? Diskutieren?
Ja, wozu denn! Ist doch klar,
dass, wo wir im Takt marschieren,
alles edel ist und wahr!

Gelten lassen ohne Hassen?
Davon haben wir genug!
Sauber und getrennt nach Rassen -
alles andre ist Betrug!

Viel zu lange lag darnieder,
was des Deutschen WĂŒrde ist,
doch wir kommen endlich wieder,
auferweckt und angepisst!

Deutsche Fahne, deutsche Werte,
deutsche Wut in deutschem Land!
Starker FĂŒhrer, KampfgefĂ€hrte:
Deutscher Gruß von deutscher Hand!

LĂŒgenpresse! LĂŒgenpresse!
Wahrheit ist mit uns allein,
und es gibt was auf die Fresse,
willst du frei und anders sein!

12
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / SpĂ€te Einsicht
« am: Dezember 19, 2019, 11:29:10 »
In eitles Blendwerk werden wir geboren,
an OberflÀche, die sich breit verteilt
und sich in blinden Spielen ĂŒbereilt,
und sind in ihr entartet und verloren.

In ein Verirren werden wir geworfen,
das auf die falschen Wichtigkeiten zeigt,
erst wenn sich endlich unsre Schale neigt,
juckt wahre Tiefe unter alten Schorfen.

Und erst, wenn wir beinah schon wieder gehen,
erwachsen wir nach innen wie ein Kind,
das innig will, dass Wunder doch geschehen,

begreifen wir, worin wir lange fehlten.
Wenn wir erfahren und gelÀutert sind,
erkennen wir die Dinge, welche zÀhlten.

13
Eulenspiegeleien / Alles fĂŒr Deutschland
« am: Dezember 18, 2019, 12:21:04 »
O wie sich doch die Bilder gleichen,
nur Uniform lÀsst man noch weg -
zivil will man das Ziel erreichen:
GeschĂŒrter Hass erfĂŒllt den Zweck.

Der FlĂŒgel lĂ€sst den Vogel fliegen,
doch auch die „Faust der neuen Kraft“,
um „Volkes Feinde“ zu besiegen,
wie nur „Der FlĂŒgel“ solches schafft.

„JA“ hat mit HJ gemeinsam,
dass es um junge Leute geht,
und nicht nur das: Damit nicht einsam
des „stolzen Deutschen“ Fahne weht.

Und neben „J“ fĂŒr Jugend kommen
dabei auch „A“ und „H“ noch vor.
WofĂŒr das steht, will allen frommen,
die Zorn zu neuem Ruhm erkor.

O wie sich doch die Bilder gleichen,
wie man erneut die Keulen schwingt!
Wie zÀh der Mief aus alten Reichen
erbost aus jungen MĂ€ulern dringt!

14
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Einer unter vielen
« am: Dezember 11, 2019, 15:10:19 »
WĂ€r ich nicht einer unter ach so vielen,
die sich mit jedem Morgen neu erfinden,
von hohen Rössern munter Schicksal spielen,
und alle Bande leugnen, die sie binden 


WÀr ich nicht einer unter ungezÀhlten
Eroberern, die hehre Fahnen schwingen
auf jedem Haufen Mist, den sie erwÀhlten,
und glĂŒhend ihre eigne Hymne singen 


WĂ€r ich nicht einer von den Überzeugten,
die nie sich fragten, ob sie jemals irrten,
sich niemals guten Argumenten beugten,
die ihre Überlegenheit beirrten 


WĂ€r ich nicht einer unter all den Blinden,
die tastend schreien, dass sie alles sehen,
ich könnte eines Tags mich unterwinden,
zu lernen, zu erkennen, zu verstehen.

15
One man went to mow / Immortal (Drowning in Lives)
« am: Dezember 07, 2019, 11:42:10 »
I have to feel the surly weight
of what the fate of millions bore,
and humbly knock on heaven's gate,
as if I'd never been before.

I'm walking every ocean's hide
with waves of weeping souls galore,
and every day I drown in pride,
before my heart is washed ashore.

It is the fallen angels' way
to open every living door,
and I will enter 'til the day,
when earth may mend, what heaven tore.

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