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Themen - Erich Kykal

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1
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Wohlstandskinder
« am: Februar 11, 2019, 19:22:15 »
Wir waren ach so vieler Tage Zeugen,
als wir die Welt bewegten wie im Traum,
dem heißen Willen folgend, sie zu beugen,
so selbstbewusst, doch bei Bewusstsein kaum.

Wir waren ach so vieler Dinge Meister,
als wir uns frisch erschufen im Verlauf
von Lebensplänen, nahmen immer dreister
das nie geglaubte Mahnende in Kauf.

Zuletzt verblieb uns nichts mehr, die wir lebten,
als ginge uns das Weitere nichts an.
Die nackte Arroganz, an der wir klebten,
verdammt uns nun und ändert nichts daran,

dass wir in unsrer Wichtigkeit erstarrten,
vermeintlich endlich überlebensgroß!
Ach, wie wir uns doch allzeit selber narrten!
Was wir begannen, stirbt bedeutungslos.

2
Verbrannte Erde / Licht und Schatten
« am: Februar 11, 2019, 18:51:04 »
Ein scheues Licht aus einem Pappkarton,
ein schwaches Flackern, wer bemerkt es schon
in all dem grellen Gleißen ringsumher,
bei aller Dunkelheit, die regenschwer,

vom Neonglanz des Wohlstands übertaut,
den er in ferne Wolkenkratzer baut,
sich in die letzten stillen Bilder frisst,
bis man die feuchten Pappkartons vergisst.

3
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Grippaler Infekt
« am: Februar 10, 2019, 11:39:01 »
Die Kehle wie zerschrammt von scharfen Krallen,
und in der Lunge reibt ein grober Kies,
die Nase wund von dem, was ausgefallen,
und deine Stimme klingt wie im Verlies.

Dein Schlaf ist wund, der Kreislauf ist im Keller,
du hast kaum Luft für jeden kleinen Gang,
die Pumpe ackert und geht immer schneller,
und deine Miene wird entsprechend lang.

Die Haut so blass wie alte Duschvorhänge,
und was du trinkst, wird glühend ausgeschwitzt.
Zerfasernd klammern noch Gedankenstränge
sich ans Gehirn, das hinter Augen sitzt,

die schier vor Kopfweh aus den Höhlen quellen!
Du schniefst und rotzt und hustest, wie's nur geht,
und dieses Elend kommt und geht in Wellen,
in denen deine Laune baden geht.

4
Ach Natur Vergissmeinnicht / Langer Winter
« am: Februar 03, 2019, 12:16:35 »
Der neue Schnee liegt dicht auf Dach und Baum,
erstreckt sich endlos in des Bildes Weiten -
dass Hang und Himmel ineinander gleiten,
verhindert nur des Waldes dunkler Saum,

der hügelan, wo sich die Äste breiten,
verschattet ruht wie ein belebter Raum
aus einem unbewusst erwachten Traum
von stiller Wiederkehr seit Ewigkeiten.

Es scheint, als würden sich die Zweige dehnen
in alle weiße Trübnis ringsumher,
daran sie wie Erinnerungen lehnen,

die noch und schon in Maiendüfte ragen,
und wiegt der neue Schnee auch noch so schwer,
wird doch kein Baum ihn durch den Frühling tragen.

5
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Der lustige Zyniker
« am: Februar 02, 2019, 14:15:14 »
Er fand sich gut dabei, wenn er mit Worten
die ganze Welt nach seinem Spott bemaß,
doch glich, wenn er sich ganz darin vergaß,
sein Mund der dunklen Mitte von Aborten.

Der stillen Weisheit unscheinbare Pforten
verschlossen sich vor seinem Übermaß,
und alle Hitze, die sein Witz besaß,
versengte jene, die darin verdorrten.

Er spürte nicht der trauten Augen Kühle
auf seinem Drang, der keine Zote scheute,
und nicht das leise Sterben der Gefühle,

die alle anderen für ihn empfanden.
Erst irgendwann, als er zu spät bereute,
erkannte er, weswegen sie verschwanden.

6
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Der innere Winter
« am: Januar 26, 2019, 12:52:21 »
Es fällt ein leiser Schnee in zarten Flocken
ins kahle Kronenwerk der kalten Bäume,
fällt weiter noch von dort in meine Träume
von Frühlingsduft in deinen blonden Locken.

Es geht ein leiser Wind in zartem Wehen
durch meinen Wald, darin die Bilder schlafen,
und die Entscheidungen, die uns betrafen,
schon ferne sind von Wille und Geschehen.

Es treibt ein leises Weh in zartem Bangen,
dass mir nicht alles längst wie dies gefror,
was sich in diesem Walde schon verlor,
im Winter meiner Lebenszeit gefangen.

7
Wer wüsste nicht von Grausamkeit zu künden,
die irgendwann ihm jemand angetan?
Wer tat nicht anderen in seinem Wahn
ein Gleiches an für subjektive Sünden?

Wer wollte nicht sich mit der Zeit verbünden
und ungeschehen machen, was er tat,
und wer aus Reue sich sein Glück verbat,
nicht endlich tröstlich in Vergebung münden?

Wir gehen fehl und taumeln in die Irre,
solang wir uns in dieser Welt errichten.
In allem wahr erscheint uns nur das Wirre,

und allzu weh tun manchmal unserm Lichten
getroffner Wahlen würgende Geschirre,
darin wir reifen - oder uns vernichten.

8
Die Würde der Hure ist unantastbar

Immer wieder – und leider neuerdings immer öfter – bemerke ich herabwürdigende Äußerungen zu allen Arten von Minderheiten oder nonkonformem Aussehen oder Verhalten.
Sei es, dass jemand von einem „Politiker“ öffentlich als „Halbneger“ bezeichnet wird (das Wort klingt schon beim Lesen im Kopf nach Verachtung!), bloß weil seine Haut dunkler ist, oder dass neuerdings wieder Schwulenhetze oder Begriffe wie „völkisch“ in manchen deutschsprachigen  Gegenden salonfähig zu werden scheinen – es ist dieselbe braun angerührte, als Sorge um die „Volksgesundheit“ getarnte Widerlichkeit, die uns schon beim letzten Mal den Respekt der ganzen Welt gekostet hat!
Ich persönlich muss ehrlich gestehen, dass mir ein Dutzend „Halbneger“ jederzeit bessere Gesellschaft sind als auch nur ein einziger sie so bezeichnender „Halbmensch“!
Warum nun dieser Titel? Ich habe einmal sagen hören, man könne die moralische Kompetenz und den ethischen Tiefgang eines Volkes daran ablesen, wie es mit seinen Huren umgeht. Werden sie respektiert und geachtet, behandelt man sie mit der ihnen zustehenden Würde und Fairness?
Denn in Artikel eins der Charta der Menschenrechte steht ja zu lesen: Die Würde des Menschen ist unantastbar!
Nun wird wohl niemand abstreiten können, dass Huren eindeutig Menschen sind, also trifft auch die Formulierung des obigen Titels eindeutig zu. Und ob es nun Prostituierte seien, Flüchtlinge oder Ausländer im Allgemeinen, ob Schwule, Juden oder andere Sündenböcke für armselige Geister – man hat sie alle mit dem selben Respekt zu betrachten wie den höflichen Nachbarn, der einen jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit über den Zaun grüßt, wie den verdienten Vereinskollegen, mit dem man seit Jahren befreundet ist, und eben allen anderen sogenannten vertrauten Teilen des gesellschaftlich und kulturell normierten „Volkskörpers“.
Dabei zählen keine angst- oder wutgesteuerten Argumente für die an den Tag gelegte Antipathie gleich welcher Art, da geht es nur um die Art des Umgangs mit jenen, die nicht das Glück oder die Gelegenheit hatten, Teil dieses Körpers zu werden, anerkannt und wohlgelitten. Jenen, die man pauschal verurteilt, ob aus moralischen Ressentiments oder aus wirtschaftlichen oder gar rassischen Ängsten heraus, mit herablassender Verachtung, beleidigenden Vorurteilen oder mit krankem Hass zu begegnen, nur um sich selbst daran hochziehen und auf einem überlegenen moralischen oder gesellschaftlich elitären Ross zu sitzen zu können, DAS ist das wahrlich Verachtenswerte!
Ob es nun die Zeugen Jehovas sind, die denken, ihr „reines Blut“ mache sie zu etwas Besserem als den Rest der Menschheit, und die bereit sind, selbst das Leben ihrer eigenen Kinder auf dem Altar ihrer arroganten Verstiegenheit zu opfern, indem sie rettende Bluttransfusionen von „Ungläubigen“ verweigern und ihre Kinder damit nur auf der Basis einen unbeweisbaren „Glaubens“ zum Tode verurteilen, allein damit sie selbst Teil dieser menschenverachtenden Gemeinschaft bleiben können – oder ob Scientologen, die dazu indoktriniert werden, sogar die engsten Familienmitglieder zu verstoßen, wenn diese nicht bereit sind, ihnen auf dem Weg in die höchste Form menschlicher Verblendung zu folgen – ob Rassisten jeglicher Couleur, die mangels eigener Begabungen, Talente und Persönlichkeit Zuflucht zu dem Irrglauben nehmen, ihre Herkunft allein mache sie zu etwas Besonderem und Erhabenen – ob jene „Angstbürger“, die sich benachteiligt fühlen und dafür gern all jene verantwortlich machen, die ihnen irgendein manipulativer Agitator vorschlägt, egal wie oberflächlich und subjektiv die diesbezüglichen Argumente sein mögen – ob eben auch all die Bildungsfernen und Dummen, die willig mit der Herde blöken, nur um ihren eigenen Unverstand zu kaschieren – und natürlich ob es die Fanatiker sind, egal ob religiös oder politisch motiviert, die allen, die nicht ihren Ansichten und Vorstellungen folgen wollen, gleich ganz jegliches Existenzrecht absprechen … wer es auch sei, sie verletzten uns alle mit ihrem Denken und Handeln und tragen dazu bei, dass unsere Zivilisation letztlich untergehen wird, weil sie irgendwann nicht mehr fähig sein kann, all diesen Irrsinn gesellschaftsverträglich zu kompensieren.
Da steckt man den Kopf lieber in den Sand und faselt etwas von „Toleranzprinzip“. Wirklich? Ich muss Wahnsinn, Blödheit, Arroganz und Verwerflichkeit tolerieren und respektieren, bloß weil die sich wie eben beschrieben verhaltenden  Betreffenden sich eine Religionsgemeinschaft oder eine eingetragene politische Partei nennen? Ich soll schweigen dazu oder zumindest nicht ausfällig werden, wenn ich ihr Fehlverhalten und ihre eklatante Missachtung demokratischer oder allgemeiner moralischer Werte anprangere?
Schwer, aber genau das wird erwartet, wenn man nach den Regeln unserer sozialen Übereinkünfte spielen soll, und zwar unabhängig davon, ob die Opponenten sich selbst an ebenjene Regeln halten oder nicht – was sie natürlich nie tun! Können wir auf diese Weise überhaupt gewinnen, nur indem wir ein „besseres Beispiel“ geben und höflich tadelnd anmahnen?
Ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass das funktionieren wird. Aber welche Alternative haben wir, wenn wir nicht genauso pauschalisierend und oberflächlich werden wollen wie jene, die unser System und unsere Werte bekritteln und untergraben? Wie können wir noch pluralistisch und tolerant sein, wenn es darum geht, den Feind im Inneren zu bekämpfen, der nur ebenjenen Mitteln der Gewalt weichen wird, die wir so an ihm selbst verdammen?
Eine schwierige Frage. Wer die Antwort kennt, nenne sie mir.

9
Verbrannte Erde / Harte Droge
« am: Januar 12, 2019, 10:59:39 »
Nur einmal noch! Zum aller-, allerletzten Male
den Taumel spüren, der Erlösung bunte Krallen!
Der nackten Selbstvernichtung in die Arme fallen
auf dieser grausam abwärts führenden Spirale.

Nur einmal noch die streichelweichen Träume reiten
auf dieser Himmelsachterbahn verseuchten Blutes,
die dich geborgen hält und seltsam guten Mutes,
so lange du sie fährst in stumpfem Widerstreiten

verzweifelter Gefühle. Ein enttäuschtes Hoffen
verzehrt sich welkend in organischen Verliesen,
die keine Lebenstüren unverschlossen ließen -
und nur der kalte Weg nach unten steht noch offen:

Nur einmal noch! Zum aller-, allerletzten Male!
So redet man sich ein, wenn die Dämonen rufen,
doch immer weiter nur hinab geht es auf Stufen
aus krankem Fleisch in eines hohlen Leibes Schale.
 

10
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Zeitlose Erinnerung
« am: Januar 11, 2019, 12:40:58 »
Jahrzehnte leben wir, uns selbst zu lernen,
und loten dennoch längst nicht alles aus!
Wir ändern uns, doch wachsen kaum daraus
und glauben lieber an die Macht von Sternen!

Jahrzehnte leben wir, uns selbst zu suchen,
und finden doch nur allzu rasch die Mängel
in anderen – ob Teufel oder Engel,
erscheint uns allzu einfach zu verbuchen!

Jahrzehnte bleiben wir bei solchen Bildern,
als änderte ein anderer sich nie
und bliebe, anders als man selber, wie
erstarrt in den Gedanken, die ihn schildern.

Jahrzehnte sind es, die wir so verschwenden
an stumme Feindschaft, an ein stures Schweigen,
weil wir einander zu verweigern neigen,
dass wir uns mit der Zeit verändert fänden.

11
Im Gras wispert Hoffnung / Ein menschliches Adventsereignis
« am: Januar 06, 2019, 18:25:40 »
Ein dünner Mann in abgewetzten Sachen
steht murmelnd vor beladenen Regalen
mit Etiketten voller schwarzer Zahlen,
die ihn befangen und verzweifelt machen.

Nach allen Seiten klamme Blicke äugend
hat er nach dem Gewünschten sich gebückt,
es unter seinen Jackensaum gedrückt,
und tut sofort, doch wenig überzeugend,

grad so, als wäre nichts davon geschehen.
Er tigert an die Schlange vor der Kasse
und fragt devot, ob man vorbei ihn lasse -
er habe nichts, das könne jeder sehen.

Er sieht den Ausgang schon, und seine Schritte
sind wie beflügelt von gelöstem Bann,
da tritt ein strenges Paar an ihn heran
und nimmt ihn unauffällig in die Mitte.

Man bittet ihn, die Jacke aufzumachen -
er ist ertappt! Er kann nicht mehr entkommen!
So hat man ihn nach hinten mitgenommen
und staunt nicht schlecht ob der geraubten Sachen:

Ein Kinderpulli bis zu sieben Jahren
und Förmchen für den Sand mit Plastikschippe,
das trug der „Kriminelle“ an der Rippe!
Er schweigt dazu, will sich nicht offenbaren.

Der Detektiv tauscht einen langen Blick
mit dem Kollegen, und er spricht sodann:
„Mit solchem Kleinkram fangen wir nichts an!
Entschuldigen Sie unser Missgeschick!"

Und sie begleiten ihn bis an die Pforte
und reichen ihm die Beute hinterdrein.
Da steht er nun und denkt: 'Das kann nicht sein!',
und lange Zeit noch fehlen ihm die Worte.

12
Wiesengeflüster / Sehet die Zeichen ...
« am: November 29, 2018, 19:40:59 »
Wahre Geschichte:

Ein Journalist, der rechtsextremen Umtrieben nachging („Lügenpresse! Lügenpresse!“), wurde vor einem Jahr von maskierten Nazis verfolgt, gejagt und im eigenen Wagen angegriffen und mit dem Messer verletzt, bloß weil er von öffentlichem Raum aus ein Nazitreffen fotografiert hatte.
Die Täter wurden ausgeforscht (Assistenten einer hart rechtspolitischen Größe) und sind bis heute auf freiem Fuß.
Ein Jahr später tauchte derselbe wackere Journalist in Polizeibegleitung vor demselben Nazitreffen auf und versucht erneut, von der Straße aus zu fotografieren (was eindeutig gestattet ist). Was folgte?

1) Die begleitenden Polizisten belehrten den Journalisten über die „rechtsstaatlichen Rechte“ der Nazis in dieser Demokratie und verwarnten ihn rüde.
2) Die Nazis beschwerten sich über den Fotografierenden, worauf die Polizisten versuchten, den Journalisten der Örtlichkeit zu verweisen.
3) Der Journalist verweigerte dies und wurde erneut von den Beamten, die eigentlich zu seinem Schutz abgestellt waren, verwarnt.
4) Die Nazis verlangten von den Polizisten die persönlichen Daten des Journalisten, laut eigenen Angaben für rechtliche Schritte, aus der Sicht des Journalisten, um ihn bedrohen zu können (nachts Fenster einwerfen, Wohnung überwachen, Posten abstellen und verfolgen, anpöbeln, behindern, Auto verkratzen usw... - all die kleinen „Nettigkeiten“ solcher Leute).
5) Der Journalist verweigerte die Herausgabe seiner Anschrift, die Polizisten ließen aber nicht ab und drohten ihm Beugehaft an. Erst nach einem Anruf bei seinem Anwalt, der die Beamten aufklärte, sahen sie davon ab, den Pressemann weiter zu nötigen.
6) Als „Mittel der Deeskalation“ wurde dem Journalisten von der Polizei nahegelegt, die Örtlichkeit zu verlassen. Das Nazitreffen ging danach störungsfrei weiter.

Dies nur als ein Beispiel von vielen darüber, was derzeit in deutschen Landen geschieht: die blinde „Rechtsstaatlichkeit“ einer hilflos bürokratisierten Demokratie wird von staatsfeindlichen Elementen gegen sie selbst gewendet, und die exekutiven Organe dieser Demokratie sympathisieren oft noch mit diesen offen demokratie- und menschlichkeitsfernen Soziopathen.
Jene, die mutig gegen Unmenschlichkeit, Brutalität und himmelschreiende Blödheit antreten, werden nach Kräften und Gesetzeslage behindert oder ignoriert, um nicht wahrnehmen zu müssen, was tatsächlich geschieht.

Ich überlasse weitere Schlüsse gern der geneigten Leserschaft.

13
Zwischen Rosen und Romantik / Liebe
« am: November 27, 2018, 18:08:09 »
Ach, ich möchte stiller an dir lehnen
und mich sanft in deine Seele dehnen,
meine Arme breiten deinem Sein.
Alle Sorgen, die an mir gestalten,
möchte ich an deine Blicke halten,
und ich schleife sie an ihnen klein.

Du, ich möchte deine Weisen spüren,
wohlzutun, wo alle Weltentüren
mich zur Mitte führen, die du bist.
Deinem Wesen will ich angehören,
ihm die Wahrheit, so wir sie verlören,
einzuflüstern, bis es nie vergisst.

Oh, ich möchte deine Liebe lernen,
die du sacht aus deinen Augensternen
niederatmest in mein wahres Licht.
Alle Lieder, die in mir beginnen,
will ich dir mit wachen Innensinnen
weitersingen, bis mein Atem bricht.

14
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Die Unverzeihenden
« am: November 01, 2018, 17:35:10 »
Am Horizont so eben noch ein Streifen
von letztem Licht und seiner Abendröte,
als ob der Tag uns einen Gruß entböte,
nach dem schon alle Dunkelheiten greifen.

Es ist die Zeit, da die Gedanken reifen
an alle jene, die man schon verloren,
verworfen hat, in altem Schmerz vergoren,
und die uns durch Erinnerungen schleifen.

Wir könnten jederzeit die Hände reichen,
vergeben und verzeihen, was uns trennte,
jedoch der Ort, wo alte Knochen bleichen,

verbietet uns die aufgetane Geste,
als zahlten wir noch immer Alimente
an das vor Ewigkeiten schon Verweste.

15
Neues vom Wind / Lebewohl, Cyparis - ein Nachruf auf Annelies
« am: Oktober 27, 2018, 16:49:26 »
So oft geschlagen von Geschickes Ruten,
doch immer auferstanden aus der Pein,
um dich in schönen Worten zu verbluten,
erschienst du mir in deinem stillen Sein.

Du machtest dich vor anderen nicht klein,
als wärmten dich geheimnisvolle Gluten,
und deine Verse waren groß und rein,
als glaubtest du, wo andere vermuten,

an eine Größe, die das Schöne adelt,
an eine Wahrheit, die sich nicht verspricht,
doch auch den ewig Strauchelnden nie tadelt.

Kein hehres Schicksal, das den Büßer nötigt,
kein göttliches, jedoch ein wahres Licht,
darin ein gutes Leben sich bestätigt.

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