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Themen - Erich Kykal

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1
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Dichterlos
« am: Oktober 21, 2018, 09:29:53 »
Wir Dichter sind ein krauses Volk!
Wer wäre wohl gescheiter!?
Wir hängen an Gedanken wohl
wie Trinkende am Alkohol,
und schlucken immer weiter!

Wir Dichter sind ein krauses Volk!
Wer wüsste mehr zu geben!?
Wir schreiben still im Kämmerlein
und lassen kaum die Sonne ein,
die Menschen und das Leben!

Wir Dichter sind ein krauses Volk!
Wer wollte uns verstehen!?
Wir schlagen tausend Kreise weit
als Träumende in Raum und Zeit,
bevor wir einsam gehen.

2
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Das alte Lied
« am: Oktober 06, 2018, 12:10:20 »
Die Bühne ächzt, die gleichen Puppen tanzen
seit abertausend Jahren ihre Kreise.
Gesichter wechseln zwar im großen Ganzen,
jedoch die Rollen nie, und deren Weise

darf sich nur unbelehrbar wiederholen,
in Wahn und Irrtum eisern zementiert,
und Gut und Böse gleichen blinden Polen,
erreichbar nie, doch immerfort zitiert.

Die Bühne ächzt, man zieht sich endlos weiter,
auch wenn man lange schon die Schritte kennt.
Die Wenigen, gereifter und gescheiter -
sie sind die Ketzer, die man heiß verbrennt.

Die Bühne ächzt, die Balken stöhnen müde,
doch alle Puppen trampeln viel zu laut,
und ohne Zeichen wächst die Attitüde
der Tänzer weiter, die kein Morgen schaut.

Im Grunde wissen alle, wie es endet,
und dennoch müssen alle weiterhetzen -
kein Einvernehmen, das die Karten wendet,
kein Innehalten lindert das Entsetzen.

Die Bühne ächzt, die gleichen Puppen tanzen
seit abertausend Jahren ihre Kreise.
Ich tanze nicht und packe meinen Ranzen
und schleiche von der Bühne, leise, leise ...

3
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Der Stubenhocker
« am: September 22, 2018, 10:13:57 »
Durchwoben von erlebnisblinder Stille
begegnet meine Zimmerflucht dem Morgen,
umfängt die Bilder ungetilgter Sorgen
wie jeden Tag, an dem mein welker Wille

sich müht, sich weiter Lebenszeit zu borgen.
Verklärte Träume glänzen wie Berylle
im Bodensatz der geistigen Destille,
aus welcher meine Stunden sich versorgen.

Die Welt da draußen heiligt ihre Zwecke
schon lange ohne mich und mein Ergehen.
Ich schlafe hinter meiner Dornenhecke

und warte auf ein unerklärtes Ende,
und was die Sinne prüfen und verstehen,
sind Möglichkeiten - und vertraute Wände.

4
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Gegen Rechte
« am: September 05, 2018, 21:15:22 »
Ich werde immer gegen Rechte schreiben,
die Dummen und Brutalen dieser Erde!
Ich kann vor der Gefahr nicht schweigsam bleiben,
auch wenn ich mich und andere gefährde.
Ich mache mich nicht blind vor ihrem Treiben,
selbst wenn ich irgendwann ihr Opfer werde.

Ich werde immer neue Zeilen finden,
wann immer sie auch ihre Glatzen zeigen,
ihr Kaltes grölen, ihre Fackeln zünden
für einen neuerlichen Stechschrittreigen.
Ich lasse sie ihr Viertes Reich nicht gründen
im Schatten derer, die aus Feigheit schweigen;

mit Duldung aller, die sie kommen sehen,
doch nicht begreifen wollen, welches Grauen
sie nicht verhindern, weil sie nicht verstehen,
was ihre heimatblinden Augen schauen,
bis wieder schwarz-weiß-rote Fahnen wehen
und „Patrioten“ wieder „Lager“ bauen.

Ich werde immer gegen Rechte schreiben,
den Unverstand, das mitleidlose Hetzen,
den blanken Rassenhass, den sie betreiben,
der um sich schlagen will, um zu verletzen!
Wo sie von je das Denken schuldig bleiben,
versuche ich, ein Zeichen mehr zu setzen!

Behauptet ihr nur, dass ich Geister sähe,
dass ich nicht wissen könne, was ich rede!
Schleicht nur hinfort und meidet meine Nähe,
nennt einen Pöbler mich und spuckt auf jede
von mir gereichte Hand mit wilder Jähe -
erklärt mir, Biedermänner, eure Fehde!

Der Brand jedoch ist lange schon gestiftet,
um den die Gestrigen noch heute tanzen!
Der deutsche Apfel wurde frisch vergiftet
aus heimlich mitgeschleppten alten Ranzen.
Das braune Bettzeug wurde zwar gelüftet,
doch nie gereinigt von den alten Wanzen!

Ich werde immer gegen Rechte dichten,
sogar, wenn gute Freunde mich verwerfen,
mir unterstellen, dass ich falsch gewichten
und werten würde und sie schrecklich nerven!
Selbst wenn die Kommentare mich vernichten -
ich werde keinen Zweifel schuldig bleiben:
Ich werde immer gegen Rechte schreiben!

5
Verbrannte Erde / Die Innenseiten meines Gesichts
« am: August 30, 2018, 19:41:11 »
Ich lernte dich kennen, ein Kind noch,
unschuldig, jung und angesichts
der Welt so vertrauensselig,
als wäre sie gut.
Du sonnst dich im Leben,
als gäbe es keinen, der dir etwas tut
im Namen seiner Dämonen
und ihres Gewichts.

Ich sagte dir, dass ich ein Monster wäre,
doch du glaubtest mir nichts!
Du meintest, ich hätte so freundliche Augen -
das könnte nicht sein!
Und du vertraust mir weiter,
denn dir fällt nicht ein:
Ich trage Fratzen
auf tausend Innenseiten meines Gesichts.

6
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Chemnitzer Symptome
« am: August 30, 2018, 12:20:52 »
Sie werden wieder laut und gehen wedeln
mit vielen Fahnen, volkstreu und extrem,
mit Zornesröte auf rasierten Schädeln,
denn Vielgestalt ist ihnen unbequem.

Sie wollen gern, dass alles „eines“ werde -
„ein“ Volk, „ein“ Reich, „ein“ neuer Hirte!
Sie träumen wütend von der „deutschen Erde“,
dass Heimat Heimat sei und niemals irrte.

Sie härten ihre Herzen und Gemüter,
erst töten sie in sich und dann das Fremde,
das sie zum Feind benannten, dessen Güter
gestohlen wären bis zum letzten Hemde.

Sie fragen niemals nach, was ihrem Geiste
sich einmal fügte zu gewusstem Plan -
das Hirn verkümmert, das nie weiter reiste
als bis zum Worte, dem es untertan.

Sie werden sich in dunkeln Ecken mehren,
wo sie der Stolz Besitzender vergaß,
und irgendwann wird keiner ihnen wehren,
und ihre Dummheit wird zum Übermaß.

Sie waren schon mal da und kommen wieder,
die Hassenden, die Harten und ihr Zorn!
Dann singen sie die alten „deutschen Lieder“,
und die Historie beginnt von vorn.

7
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Die Sprache spricht
« am: August 25, 2018, 10:13:04 »
So mancher hat mich grimmig wortgewaltig
dem Herz entrungen, mancher hingebogen
so eben lesbar noch, doch ungelogen
gedeiht das Wort, das Menschen vielgestaltig

und tief empfunden aus der Kelter heben,
aus welcher Bitternis und Süße rinnen -
in meine Formen, die Gewicht gewinnen
aus wahr Empfundenem in jedem Leben,

wo sie durch meine Laute sich erreichen.
Ich bin der Raum, wo alle sich vergleichen,
ich bin die unsichtbar gereichten Hände,

und ihr Berühren überwindet Wände,
bis jede Frage in Verstehen mündet.
Ich bin das Fundament, das alles gründet.

8
Zwischen Rosen und Romantik / S/M
« am: August 22, 2018, 15:14:56 »
Singende Cherubim Heiligen
Meine Erregung,
Rastlos Zerfleddern Engel
Notgeilchens Seele, Lechzend
Unter Schreiender Tortur.

9
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Die Verbitterte
« am: August 18, 2018, 11:10:21 »
Wer ritt ihr ihre schöne Welt zuschanden?
Wer plünderte in frühen Jahren schon
das bunte Märchenschloss der Illusion?
Wie kam ihr alles Kindliche abhanden?

Und mit den Seligkeiten, die entschwanden,
verblassten ihre Lieder, und der Ton
der Tage wurde leidend, und der Thron
des Märchenprinzen aus den Märchenlanden

steht nun verwaist, verstaubt in ihrem Herzen.
Getilgt das Heilige, gelöscht die Kerzen
am Tabernakel ihrer Seligkeit,

entlässt sie sich ernüchtert in ein Leben,
das nichts behalten will in seiner Zeit
und weder nehmen mag noch etwas geben.

10
Verbrannte Erde / Unwirkliche Begegnung
« am: August 17, 2018, 10:31:53 »
Vor vielen Jahren hatte mich ein Freund verworfen,
doch nun begab es sich, dass ich ihn wiedersah,
aus reinem Zufall, so erschien es mir, und ja -
die Wunden bluteten erneut an alten Schorfen!

Anstatt zu reden hatte er mich ausgeschlossen,
mich aufgegeben, abgelegt wie eine Hose,
die nicht mehr passt, weil sie zu eng sitzt oder lose -
was an mir störend war, es hatte ihn verdrossen.

Die Blicke ragten fremd an alledem vorüber,
und wir erwähnten weiter nichts mehr von Belang.
Es war das ewig Unerlöste, das uns zwang,
zu tun, als stünden wir ganz lange schon darüber.

Die Wege trennten sich, es blieb nichts mehr zu sagen,
was nicht zu seltsam und bemüht geklungen hätte.
Was hätte werden können, ist Ruinenstätte
und nicht mehr willens, das Lebendige zu tragen.

11
Wo Enzian und Freiheit ist / Gesichter der See
« am: August 15, 2018, 11:30:00 »
Verspielte Wogen wirbeln durch die Sande
des flachen Strandes, brechen rauschend,
den weißen Schaum mit Erde tauschend,
wenn sie sich werfen an besonnte Lande.

Die Menschen räkeln sich, und eine Bande
gebräunter Kinder schleudert bunte Bälle
ins Meer hinaus, damit die nächste Welle
sie wirbelnd wiederbringt. Nur ganz am Rande

des Trubels sieht man eine Alte warten.
Sie blickt den ganzen Tag hinaus auf See,
und keine Regung zeigt sich auf den harten,

gefurchten Zügen, die schon lang kein Hoffen
mehr tragen, denn ertrunken ist das Weh,
und nur die Augen stehen weiter offen.

12
Verbrannte Erde / Rauminneres (Der Eremit)
« am: August 09, 2018, 14:53:36 »
Im Raum des Hauses schwebt ein stilles Ahnen
von Zukunft durch den lieben langen Tag,
als wollte es, was immer werden mag,
nach Großem wenden und in neue Bahnen.

Gardinen wölben sich wie bunte Fahnen
dem Auge zu, das eben darauf lag,
doch weiter wandert: Stummer Zeuge, sag,
was nötigt dich zu schweigen statt zu mahnen?

Wer ist es, der das Mögliche verhindert
in diesem Inneren, das innen bleibt?
Ein Leidender, der sich bewusst vermindert?

Ein Zweifelnder, von nichts zu überzeugen,
verweigernd sich und nimmermehr zu beugen?
Ein Schatten nur, der durch die Jahre treibt?

13
Wo Enzian und Freiheit ist / Pfotengebet
« am: August 08, 2018, 14:54:06 »
Flankenweiches Anschmiegsames,
schnurrgewaltig!
Krallenmächtig, wohlbedächtig,
vielgestaltig.

Weg der Katze: Tausend Wege,
frei zu wählen.
Schimmertatze, komm und lege
Blicke mir
ans Herz, die zählen.

14
Ach Natur Vergissmeinnicht / Waldestiefe
« am: August 08, 2018, 14:51:59 »
Wie weiß ich heute wieder mich mit allem schwingen,
was in den Wäldern um mich her erklingt,
als wäre ich ein Lauschender, der in den Dingen
den Ton erkennt, der mit uns allen singt.

Wie kann ich heute wieder mich darin erfahren,
dass alles mit mir atmet immerfort,
was ich berühre, um es in mir zu bewahren,
als wüsste ich mich eins mit diesem Ort.

Wie darf ich heute wieder mich in allem fühlen,
das mich umfängt wie eine zweite Haut -
wie stiller Nebel steigt es aus den immerkühlen
Gefilden, die mein Seelenauge schaut.

15
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Fliegenklatsche
« am: August 08, 2018, 13:56:25 »
Warum soll ich Lebendiges erschlagen,
wenn ich mit gleicher Kraft es retten kann?
Nur allzu leicht verdammen wir, um dann
zu töten, was wir scheinbar nicht ertragen.

Ein Fensterspalt, ein wohldosiertes Regen
genügen für ein langes Fliegenleben.
Die Zeit dafür, die nehme ich mir eben -
kein noch so kleines Morden bringt mir Segen.

Belanglos sind wir alle - wie vermessen
erscheint mir allzu rasches Schiedsgericht,
das urteilt, was da leben darf, was nicht.

Wir alle sind mit gleichem Recht lebendig.
Wie sind wir dessen oftmals unverständig -
als hätten wir das Wichtigste vergessen!

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