Beiträge anzeigen

Diese Sektion erlaubt es ihnen alle Beiträge dieses Mitglieds zu sehen. Beachten sie, dass sie nur solche Beiträge sehen können, zu denen sie auch Zugriffsrechte haben.


Themen - Erich Kykal

Seiten: [1] 2 3 ... 53
1
O hehrer Geist, ich ließ dich mich entführen
in deine intellektuellen Sphären,
darin Gedanken wie Geschwüre schwären
in ewig sinnbeschwörenden Allüren.

Wo bodenloser Dünkel haltlos dümpelt
und jede Regung unter Hybris schmachtet,
verbannst du mich, von Regelwut umnachtet,
an jenen Ort, den niemand je entrümpelt.

Dort muss ich armer Traum, der ungelebte,
mit allem Unbewältigten mich gatten,
den Schatten, die dank dir kein Leben hatten:
Aus Überdruss Geformte und Gewebte.

O hehrer Geist, der ich dich nicht erfasse,
wo geht die Reise hin, die du mich leitest?
Verblasst mein Glanz, den du ins Leere breitest,
wenn ich mich einfach in dir gehen lasse?

An welchem Ende, das wir nie erreichen,
begreifen wir einander uns verloren?
Entferne uns, den Narr und seinen Toren,
aus allen Lebens Kreisen und Vergleichen.

2
Verbrannte Erde / Schöne Tage
« am: Mai 22, 2018, 18:35:44 »
Wie Zuchtvieh gehen wir mit Träumen schwanger,
die man uns bei der Fütterung erzählte.
Der Stall erscheint uns wie der selbst Erwählte,
die ausgebleichten Knochen auf dem Anger

bedeutungslos den Blinden vor den Trögen,
die man uns füllte wie betäubten Rindern,
und wir erzählen uns von schönen Kindern,
die wir in braver Artigkeit erzögen.

Die Glotze läuft beim stillen Wiederkäuen
des Fraßes, den wir ohne Murren schlucken.
Die leeren Blicke lösen sich und dräuen

durch leerer Leben vollgestellte Zimmer,
darin wir uns vor Angstgeburten ducken,
als ahnten wir: Am Ende kommt es schlimmer.

3
Verbrannte Erde / Tragische Liebe
« am: Mai 22, 2018, 08:48:24 »
Sie lagen friedlich Hand in Hand,
die regungslosen Köpfe Seit an Seite,
als man die beiden endlich fand,
die Blicke fern vor uferloser Weite
in einem einem unentdeckten Land.

Gejagt von Unverstand und Zorn,
entschlüpften sie der Rache blinder Väter
an ihres Waldes kühlen Born,
entzogen sich dem grimmen Griff der Täter.

Sie lagen friedlich hingesunken,
als hätte sie ein milder Gott gerufen,
das Liebespaar zu sich gewunken
von seines Paradieses Treppenstufen,
nachdem sie stumm ihr Gift getrunken.

Verachtet, von der Welt gescholten
aus Vorurteil, das starre Menschen haben,
war mehr, als sie ertragen wollten -
so gingen sie vereint, die beiden Knaben.

4
Ach Natur Vergissmeinnicht / Tagwerdung
« am: Mai 17, 2018, 20:33:40 »
Und wieder wird ein Tagerheben,
das mein erneuertes Erleben
wie ein Geschenk empfangen will.
Ein Glühen sintert Himmelweiten,
die Dunkelheit zu überbreiten,
die darin flutet, ernst und still.

Zart röten sich die Sterntapeten
schon wie von lichter Zauberhand
im kühlen Ost: Wie lang erbeten
von allem Wachsenden im Land.

Wie hell der Sonne frühes Licht
durch grüne Kronensäume bricht,
als wüchse aus der Seligkeit
der jungen Welt ein Wunderblick
zurück an fernes Kinderglück
aus krausem Faltenwurf der Zeit

und trüge es mit sich empor,
den neuen Tag damit zu krönen,
um wie mit tausenden davor
sich freudestrahlend auszusöhnen.

Ach, reichtest du doch immerzu
mein Herz - erwachter Morgen du -
an jedes unentdeckte Land,
in dem nicht unverhoffter Tod
es fände unter Schmerz und Not,
bevor es voll ist - bis zum Rand!


Ein ganz altes von 2009 - leicht überarbeitet.

5
Mit Löwenzahn und Lebensfreude / Katzenkitschvergnügen
« am: Mai 17, 2018, 20:20:34 »
Schmiegetiger, Schmusefluse,
Krallentier, du meine Muse:
Seidenpfote, Wuscheltatze,
Schlabberschlingel, Schmatzekatze.

Streichelschmeichel, Honigauge,
Seelenbild, daran ich sauge!
Schlabberzunge, Maunzeköpfchen
tief im süßen Sahnetöpfchen.

Schattenschleicher, Schnurrmaschine,
kleine Gottheit, der ich diene.
Sammetschnauze, Flockenhascher,
Köpfchengeber, Mäusenascher.

6
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Rabenweisheit
« am: Mai 15, 2018, 17:42:50 »
Die Jahre machen älter zwar, doch nicht erhaben,
worüber ich mir immer noch den Kopf zerbreche.
Auch wenn ich meinem Leben manchen Segen spreche -
es hält mich knapp an Lösungen und milden Gaben.

Im Baume der Erkenntnis rasten nur die Raben,
die fliegend Schatten werfen auf die Oberfläche
des Seelenteiches, draus ich tropfenweise zeche,
dieweil die Krächzer sich dort literweise laben.

Die schwarzen Vögel heißen Zweifel und Begehren,
ich kenne sie schon lange, denn sie nisten gerne
mit jedem Jahr aufs Neue unter meinem Sterne,
und kein Gewissensbiss kann ihrer Schnäbel wehren,

mit welchen sie mein sieches Heldentum versehren.
Nun zieht mich lange schon kein Sehnen in die Ferne,
kein Wollen mehr, dass ich ein neues Leben lerne -
ich sammle Federn auf und halte sie in Ehren.

7
Ach Natur Vergissmeinnicht / Überirdisch schöne Tage
« am: Mai 13, 2018, 10:06:49 »
Die Tage reihen sich wie blaue Perlenschnüre
auf grünem Wäldersamt und heller Wiesenseide,
ein wahrhaft überirdisch wirkendes Geschmeide,
und weißer Wolkenglanz belebt es, so als küre

ein ferner Gott damit soeben die Erwählte
zur Königin in seinem unsichtbaren Himmel,
und so, als zögen hundert windgeschirrte Schimmel
die Hochzeitskutsche Sonne für die Anvermählte.

8
One man went to mow / Lucifer
« am: Mai 09, 2018, 18:24:19 »
To him who lit the sun, the light
cries out to him a thousand times
each day to make the world undone,
nor will he find his peace at night,
when humans are committing crimes
for finding nothing gained or won.

To him who rules in hell, the dark
embeds no secrets anymore,
he gives it all away for free,
and free himself he may embark
the ship of time, to silent shore
forthtaken, all his suns to see.

9
Ach Natur Vergissmeinnicht / Nachmittage
« am: Mai 09, 2018, 13:57:34 »
An Nachmittagen atmet meine Seele,
bewegt mit sonnenscheindurchglühten Blättern,
wenn groß die Wolken ihre weißen Lettern
ins Blaue malen. Solchen Bildern stehle

ich Augenblicke traulichen Gedenkens,
daraus ich Lebenslust und Langmut trinke,
bevor ich mit den Abenden versinke,
ermattet von der Fülle des Beschenkens.

Aus Nachmittagen flüstern meine Träume
den Seligkeiten nach, die sie erahnen,
als wüchsen diese über alle Bäume

dem Himmel zu, darin sie Zeichen schreiben:
Gebete, die auf windbewegten Bahnen
nach ferngerückten Horizonten treiben.

10
Mit Löwenzahn und Lebensfreude / Dreißiger-Jahre-Swing
« am: Mai 04, 2018, 09:42:54 »
Man hört die Stimmen, lang verstummt im Leben,
von Liebe singen, dass sie ewig währe,
ihr Sehnen stärke und Verlangen nähre,
wenn sie melodisch zueinander streben.

Man hört die Stimmen und die Instrumente,
von Atemluft und reger Hand geführte,
die lang versiegte und sich nicht mehr spürte:
vordem zu Staub gewordene Talente.

Man hört die Stimmen, und man hört sie wieder,
und immer neu erklingen die Gefühle,
erheben unser Sein erneut, als kühle
das Leben niemals ab im Klang der Lieder.

11
Verbrannte Erde / Missbraucht
« am: Mai 02, 2018, 15:13:49 »
Er trug die Qual des Zweifels durch die klammen Jahre,
ob er verhindern hätte können, was geschah,
verachtete sich selbst und kam sich niemals nah
aus nackter Angst, dass er sein Angesicht nicht wahre,

wenn ruchbar würde, was in ach so vielen Stunden
an Leib und Seele krank ihm alle Kindheit machte,
wenn auf das Monster wartend er durch Nächte wachte,
verborgen in der Angst und dennoch stets gefunden!

Für immer schwieg er, von der eignen Lust erschlagen,
die er trotz aller Widerwärtigkeit empfand,
wenn er die Blicke spürte und die heiße Hand
des Mannes, der ihn lehrte, alles zu ertragen.

Er trug die Qual des Zweifels durch die welken Jahre,
kein Leben wagend, das zu sehr an andre reichte,
an Buße innig glaubend, aber nie an Beichte -
verstummt und ewig ungewiegt bis an die Bahre.

12
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Betrachtungsweise
« am: Mai 01, 2018, 09:58:50 »
Es ist dem Kind egal, wer es betrachtet,
wenn es im Kopf Erfundenem gehört
und murmelnd deutet, was die Stimmen sagen,
wo richtig ist, was es als wahr erachtet,
so lang kein Wirkliches die Kreise stört,
darin sich Traum und Abenteuer jagen.

Wie ist ein Kind, das in sein Spiel versunken
der Welt entrückt die eigene befeuert,
ein Bild der Schönheit und Melancholie!
Erinnerung befällt uns wehmutstrunken
an jene Jahre, da wir stets erneuert
an alles dachten, nur ans Ende nie.

13
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Treibgut
« am: April 30, 2018, 09:16:48 »
Treiben – einfach treiben lassen,
nie mehr lieben, nie mehr hassen,
um in anonymen Massen
zu versickern und verblassen.

Aufgeregtes Aufbegehren
hilft uns nicht, der Zeit zu wehren.
All die ach so weisen Lehren
lassen uns im Ungefähren.

Treiben – einfach treiben lassen,
nie mehr lieben, nie mehr hassen.
Regeln, Pflichten, Werte, Klassen -
Schuhe, die uns nicht mehr passen.

Geben – einfach hinzugeben,
was vom ungestillten Leben
noch verblieb an späten Reben
in den Bechern, die wir heben.

Treiben – einfach treiben lassen,
nie mehr lieben, nie mehr hassen,
und die Ängste, die uns fassen,
in die Endlichkeit entlassen ...

14
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Weltsicht
« am: April 28, 2018, 14:06:33 »
Die Welt ist leer und voll zu gleichen Teilen,
nur wie man eine Möglichkeit betrachtet,
entscheidet unser lauteres Beeilen.
Begriffe sind, je wie man sie befrachtet,
beweglich in Entgleiten und Verweilen.
Wer dies nicht achtet, bleibt darin umnachtet.
Die Welt ist gut und schlecht zu gleichen Teilen.

Die Welt ist groß und klein zu gleichen Teilen,
verschoben wird allein die Perspektive,
wodurch sich manche Bilder übersteilen.
Gerinnen diese dann zur Direktive
geteilter Meinung, kann das Wort nicht heilen,
das positive wie das aggressive.
Die Welt ist alt und neu zu gleichen Teilen.

15
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Der einzige Himmel
« am: April 08, 2018, 15:20:47 »
Der Himmel gellt in Blau, kein Weißes mildert
den Farbenschrei des gnadenlosen Tags,
darin er scharf umrissen Bilder schildert,
die Licht erreicht im Rahmen des Vertrags,

den die Physik dem Seienden vermachte,
seit sie gebar, was wir an Welt erleben
mit jedem Tag, der unsern Sinnen lachte,
solange wir an Atemzügen kleben!

Der Himmel brüllt, bis alle Schatten schwitzen,
und bleibt doch wesenlos und ohne Geist,
ein Sternenball, die Erde zu erhitzen,
doch kein Gefühl, das einen Gott beweist.

Seiten: [1] 2 3 ... 53