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Themen - Erich Kykal

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1
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Armer Winter
« am: November 24, 2022, 17:50:48 »
Du kanntest nie des Frühlings sanfte Blüten,
ihr Duften und das bunte Farbenspiel.
Du durftest nur die kargen Tage hüten,
und selbst ihr Weniges war dir zuviel.

Du spürtest nie die Sommerwiesen wogen,
die sanfte Brise in des Waldes Raum.
Du wurdest nur von Eis und Frost erzogen,
Und jede Wärme war ein ferner Traum.

Du lerntest nie des Herbstes Überreifen
für eine Ernte, die das Mühen lohnt.
Du konntest alle Jahre nie begreifen,
dass mehr als Schnee in unsern Jahren wohnt.


2
Verbrannte Erde / Das ewige Spiel
« am: November 02, 2022, 21:13:08 »
Erhabene Mienen, von Sonne beschienen,
vom Sprüchen umrahmt, die ein Hoffen bedienen,
ein Stück heile Welt euch zu schildern,
doch wahres Gebaren niemals offenbaren
auf bürgernah wirkenden Bildern.

Gewitzte Strategen, die ewig sich regen,
von vorne ein Lächeln, und hinten den Degen
in mordlustig meuchelnder Hand,
so ist Politik: Nur ein käuflicher Sieg
um Einfluss in unserem Land.

Verschwiegene Kassen, den dümmeren Klassen
verborgen wie jeher den minderen Massen,
so dumm wie ein nasser Sack Reis.
Was schert uns, wer morgen erdrückt wird von Sorgen,
von denen er heute nichts weiß?

3
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Die da oben
« am: Oktober 26, 2022, 12:09:00 »
Wir plagen uns in kleinen Reigen,
tagtäglich mühend uns um Gunst,
wenn wir einander alles zeigen,
was uns Erfüllung ist und Kunst.

Wir lassen gern den großen Macher,
da oben machen, der verspricht,
dass unsere die letzten Lacher
für immer sind, und andrer nicht.

Schon ist man jäh von Macht umzingelt,
und sah es doch mit Anlauf kommen,
hat die Gelegenheit vertingelt,
der eignen Menschenpflicht zu frommen.

Warum nur will man nie erkennen:
Er wird sich selbst und uns betrügen,
sich bald in Größenwahn verrennen
und weiter alle Welt belügen!

So kostet wieder Menschenleben
die eigne Trägheit zum Beschluss,
dass aus dem Schauspiel, das wir geben,
die Menschheit endlich lernen muss.

4
Verbrannte Erde / Kupfermuckn
« am: September 13, 2022, 10:27:57 »
Jeden Morgen vor den Tempeltoren
seines Supermarktes steht er still,
so als wäre er dazu geboren,
weniger zu sein als er es will.

Ebenholz die Haut um dunkle Augen,
schaut er alle automatisch an,
sucht in ihre Blicke sich zu saugen:
Nehmt mich wahr und gebt mir Kleingeld dann!

Keiner will sein Bettelblättchen kaufen,
nimmt das Elend vor Regalen wahr,
die in blindem Überfluss ersaufen
vor der blinden Übersatten Schar.

Jeder von uns hat sein Kreuz zu tragen,
spürt die alten Nägel dann und wann,
doch wir kultivieren das Versagen
aneinander und versteinern dran.

Höflich lächelnd grüßt er alle Kunden,
die ihn ignorieren wie den Tod.
Heiland komm und öffne deine Wunden,
blute täglich in die stumme Not.



Zum Geleit: Die "Kupfermuckn" ist ein österr. Bettlermagazin, dessen "Verkauf durch Eckensteher" als rechtliche Absicherung für das Herum"lungern" in der Öffentlichkeit herhält - ein gesetzliches Hintertürchen fürs Betteln sozusagen. Die "Nachrichten" darin sind aus bestenfalls zweiter Hand, meist aus anderen Blättern schlecht abge"kupfert". Der Name kommt von den früheren Drehorgelspielern ("Muckn" = österr. für Musik), die man für ihre Ständchen mit Kupfergeld belohnte: Billige Musik.

5
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Noch ein Sommer
« am: September 11, 2022, 10:43:46 »
Sachte raunend rauscht der Regen nieder,
mild noch wie des Herbstes erstes Ahnen,
aber dennoch wie ein frühes Mahnen:
Noch ein Sommer geht und kommt nicht wieder.

Dutzende bereits trug ich zu Grabe,
barg sie im Erinnern wie in Schnee;
so als sei, was ich davon noch habe,
kalt geworden unter stillem Weh.

Ewig flutend reißt der Strom der Tage
mich mit sich hinfort, bis ich ertrinke,
endlich fühllos in die Tiefe sinke,
schwer von Schulden, die ich mit mir trage.

Leben gibt und nimmt, und es macht müde,
doch der Hunger bleibt uns ewig treu,
macht Zufriedenheit zur Attitüde,
treibt uns weiter, malt das Alte neu.

Sachte raunend rauscht der Regen nieder,
treibt und untermalt mir die Gedanken,
die von je mit ihm zur Erde sanken.
Noch ein Sommer geht und kommt nie wieder.

6
Verbrannte Erde / Macht euch die Erde untertan!
« am: August 30, 2022, 10:18:38 »
Die Welt ist unerträglich schön!
Drum lasst uns alle dafür sorgen,
dass uns erträglicher sie morgen
erscheint, indem wir sie verheeren,
vermüllen und mit Gift beschweren,
mit Lärm zerfurchen und Gedröhn!

Nur was wir täglich schänden, macht uns reicher,
nur, was wir leiden lassen, schmeckt uns gut.
Nur das Zerrissene erscheint uns weicher,
um uns zu betten nach dem Drang der Wut.

Das Leben ist so voller Wunder!
Erschlagt die Kinder, die nicht blind
für Schönes und für Wunder sind,
auf dass wir jedes Gut erjagen,
das Erde und Gezähmtes tragen -
allein die Gier macht Bäuche runder!

Nur, was wir töten, wird uns ganz gehören,
nur, was wir plündern, heiligt einen Zweck.
Lasst Waffen sprechen und Maschinen röhren,
bis alles wund ist und erstickt von Dreck.

7
Ach Natur Vergissmeinnicht / Lied der Nacht und Lärm des Lichts
« am: August 25, 2022, 11:30:19 »
Das stille Lied der Nacht

Die ausgekühlte Erde trägt ihr ihr Nachtgewand,
gemustert nur vom Schattenwurf im Sternenlichte,
und wie die Reime ungeschriebener Gedichte
bewegt sich still darin, was Schutz im Dunkeln fand.

Was einst bei hellem Tag dem Menschen nicht behagte,
was er verdrängte in die Finsternis der Stunden,
die er nicht nutzen konnte, seinem Tag verbunden,
worin es bleiben durfte, bis es wieder tagte.

Vom Rascheln kleiner Nager bis zu Wolfsgesängen,
von ferne bald im Schutz der Dunkelheit verklungen,
erzählt die Nacht allein, vom Lichte unbesungen,
da dessen Töne dazu falsch und wertlos klängen.


Der leere Lärm des Lichts

Der Tag ist lang erobert von den Klängen
der allzu menschlichen Getriebenheit,
die ihn betreibt, egal ob Glück, ob Leid
ihn seine wachen Stunden dazu drängen.

Und der Maschinengott mit kalten Fängen
schlägt seine lauten Krallen in die Zeit,
die ihm gehört, und doch in nacktem Neid
von Stille träumt und nächtlichen Gesängen.

8
Wo Enzian und Freiheit ist / Verlorene Orte
« am: August 24, 2022, 09:39:33 »
Seltsam kostbar werden uns die Tage im Gedächtnis,
die an Orten wir verbrachten, die es nicht mehr gibt,
so als blieben einzig diese uns als ein Vermächtnis,
das beweist, dass man Verlorenes noch immer liebt.

Dass ein Sein, das wir an diesen Orten uns erdachten,
lebenslang in unsern Herzen weiter existiert;
dass der Wert der Zeit, die wir zusammen dort verbrachten,
etwas für uns sein kann, das man niemals ganz verliert.

Selten kostbar wirken uns die Stunden im gefühlten
Himmel, den ein Schicksal uns an diesen Stellen wob.
Die Erinnerungen nisten heiß in den zerwühlten
Laken, welchen uns die Welt entrückte und enthob.

9
Ach Natur Vergissmeinnicht / Sommer des Klimawandels
« am: August 18, 2022, 11:29:34 »
Die Blätter dunkeln. Von des Frühlings Helle
ist nichts mehr übrig unter Sommerglut,
sogar den welken Winden fehlt der Mut,
sie frech zu regen noch an mancher Stelle.

Die Hitze überströmt wie eine Welle
die Welt vor ihrer mörderischen Flut,
die nur versengt und brennt in heißer Wut,
und stürmt des Morgens morsche Zitadelle,

als gälte nichts als nur noch ein Bestreben,
das nackte Erdenrund von allem Leben
zu reinigen, es haltlos zu verbrennen.

Die Blätter dunkeln. Ihre Schatten geben
kein Kühles mehr, und ihre Ränder weben
nur fremde Bilder, die wir nicht erkennen.

10
Verbrannte Erde / Doppelmoral
« am: August 18, 2022, 11:09:09 »
Selten ist des Menschen Sünde
lässlich, harmlos und erheiternd.
Gut sind meistens nur die Gründe
für's Gewissen, kläglich scheiternd.

Selten ist des Menschen Stärke
rücksichtsvoll und unbefangen,
und die meisten „guten Werke“
dienen doch nur dem Verlangen.

Selten ist des Menschen Demut
wie ein kostbares Juwel.
Meistens führt sie nur zu Wehmut
vor dem Hinrichtungsbefehl.

11
Sprüche, Gedanken, Gescheites / Guter Rat für alle Lebenswege
« am: August 16, 2022, 11:30:04 »
Vermeide stets von allen Pfaden
die unverdienten Zielgeraden!
Dein Lebensweg wird nur verkürzt,
vermissend, was ihn wirklich würzt:
Die Serpentinen, Stufen, Steine -
sie bringen ehrlich dich ins Reine
und schenken dir den Gipfelblick!
Auf Zielgeraden wohnt kein Glück.

12
Das Blöken der Lämmer / SMS-Gedichte
« am: August 16, 2022, 11:17:18 »
"Hi, Schatz, ich komm zum Essen später!
Stell mir die Pizza bitte warm -
ich fang nur schnell noch einen Täter,
dann füll ich mir bei dir den Darm!!"
(SMS eines Kriminalbeamten)

"O süße Wonne meiner Seele,
vergiss mein nicht den lieben Tag!
Wenn ich mich durch die Stunden quäle,
gedenk ich dein bei jedem Schlag!"
(SMS eines Galeerensklaven)

"Verfluchte blöde Schlampenfotze,
du redest immerzu nur Stuss!
Dein Fraß schmeckt wie Kaninchenkotze -
drum mach ich heute mit dir Schluss!"
(SMS eines Proleten aus bildungsfernen Schichten)

13
Eulenspiegeleien / Lirum larum Alkohol
« am: August 16, 2022, 11:10:50 »
Lirum larum Leberwurst,
komm und lösche meinen Durst,
hochprozentig klares Wasser -
mache mich von innen nasser!

Lirum larum Lorbeerkranz,
stärke meine Toleranz
für die Dummheit dieser Erde,
dass ich frei und locker werde!

Lirum larum Linsenbrei,
alles sei mir einerlei,
was mich morgen neu umnachtet,
tief verhasst mir und verachtet!

Lirum larum Limonade,
um die Welt ist es nicht schade,
ebenso wie auch um mich:
Lebenswasser – lösche mich!

14
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Geschichtsunterricht
« am: August 16, 2022, 11:10:01 »
Weltgeschichte, bitte sehr:
Wir, gerechten Zorns, umnachten
uns mit jedem Völkerschlachten
immer nur ein bisschen mehr.

Weltgeschichte, bitte schön:
Wir entrechten die Besiegten,
weil wir nie genug noch kriegten
unter herrischem Getön.

Weltgeschichte, bitte sehr:
Wir zerschlagen das Erreichte
voller Inbrunst für das Leichte,
doch es hinterlässt uns leer.

Weltgeschichte, bitte gleich:
Wir verteilen die Gewinne
einzig nur in unserm Sinne,
nur die Gier macht alle reich.

Weltgeschichte, bitte sehr:
Wir verbergen uns in Worten
und entriegeln alle Pforten
ohne Maß und Gegenwehr.

15
Im Gras wispert Hoffnung / Überdauern
« am: August 15, 2022, 11:53:11 »
Ich bin der sture Baum,
der Blätter treibt im Sande
vertrocknet leerer Lande
mit Regenschauern kaum.

Ich bin das grüne Moos
auf erdelosen Steinen,
wo Wolken kaum beweinen
mein selbst gewähltes Los.

Ich bin das blasse Kraut,
das aus den tiefsten Schatten
gedeiht auf dürren Matten,
und neue Wiesen baut.

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