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Themen - Erich Kykal

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1
Ach Natur Vergissmeinnicht / Nach dem Schauer
« am: Mai 09, 2019, 17:55:43 »
Der  Regen dräute lang, doch er kam nieder
auf alles, was sein Strömen rauschend segnet.
Der blaue Himmel ging, doch er kam wieder,
und nasse Amseln schütteln ihr Gefieder,
der Fülle dankend, der ihr Sein begegnet.

Die späte Sonne glitzert in den Tropfen,
wo schwindend sie an Blätterspitzen tanzen.
In langen Dolden reift der grüne Hopfen,
und aus dem Walde hört man Spechte klopfen
als Borkenritter mit bewährten Lanzen.

Ein frischer Wind belebt die stille Szene,
im Schatten kühl, doch in der Sonne milder,
und ein Gedanke, den ich endlos dehne,
an den ich meine ganze Seele lehne,
entufert mich in alle diese Bilder.

2
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Osterlamm
« am: April 20, 2019, 11:52:47 »
Wieder ist die Zeit gekommen,
seines Gottes Hand zu halten,
die Gehirne auszuschalten
mit den Betenden und Frommen.

Wieder soll man ihm gedenken,
jenem Sohne, der auf Erden
leibhaft und ein Opfer werden
musste nach des Vaters Ränken.

Echt, das finden wir erträglich?
Dass ein Vater seine kranke
Schöpfung mehr liebt als sein Kind?

Ach, was ist das Glauben kläglich!
Nichts zählt eigener Gedanke
vor dem Wahnsinn, der wir sind.

3
Verbrannte Erde / Vor der Schlacht
« am: März 23, 2019, 10:36:44 »
Der Morgen küsst die Hügelränder,
das Schlachtfeld ist zum großen Sturm bereit.
Die Knöpfe blank, geordnet die Gewänder,
berührt ein jeder seine Zeit

und fragt sie bange, ob sie ende
an diesem Tage, der wie Feuer brennt.
Doch keine Seele, die ihr Schicksal wende,
und keine, die es vorher kennt.

So stehen sie im Morgenwrasen,
der rasch sich heben muss, wo Sonne steigt,
und bald schon wird man zur Attacke blasen
auf einen Feind, der sich dann zeigt.

Ein Beten sintert durch die Reihen,
doch jeder muss, denn er ist Untertan,
dort mit hinaus und an Verderben speien,
was möglich ist nach einem Plan.

Wie viele werden diesmal fallen?
Wer feiert heute seinen großen Sieg?
Ein Säbel hebt sich und die Hörner schallen
zum großen Fressen für den Krieg.

4
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Unverzeihlich
« am: März 21, 2019, 11:54:18 »
Sie las ihr Lebensglück in seinen Zügen,
als er sie in die Arme nahm,
und als er ging und nicht mehr wiederkam,
erlernte sie wie er das Lügen.

Sie nahm die Männer, um sie zu betrügen,
und gab sich unbedarft und zahm,
doch waren sie erst einmal lendenlahm,
vermochte keiner zu genügen.

Verloren alle Träume von der Liebe,
vergeben die Gelegenheit,
verblasst ihr Fühlen im Verlauf der Zeit,
und übrig blieben nur die Triebe.

Was sind wir anderes als geile Diebe:
Wir nützen die Gelegenheit
und hoffen, dass der andere verzeiht,
was anders unverzeihlich bliebe.

5
Verbrannte Erde / Mädchenschicksal
« am: März 20, 2019, 14:10:21 »
Sie kam vom Lande in die Stadt,
wo jeder alles kann und hat,
und hatte nichts an ihrer statt,
was der Moloch zermahlte.

Sie zog sich aus und zog sich dann
genauso lustlos wieder an,
wie jedes Mal, wenn sie ein Mann
begehrte und bezahlte.

Und redete sich ein, dass sie
ein Leben lebte, das sie nie
berühren würde so wie die,
die hell sie überstrahlte.

Doch junge Züge werden alt,
und heiße Herzen werden kalt,
und Schönheit wird zu Ungestalt,
so wie ihr Sein sie malte.

6
Verbrannte Erde / Alterszynismus
« am: März 19, 2019, 01:23:41 »
Am Wollen ausgekühlt verliere ich im Schatten
ein Weilchen Zeit und suche nach Gedanken,
die einst Bedeutung trugen, als sie Leben hatten
aus nunmehr welken Sein, das sie umranken.

Ein sanftgemutes Ahnen ungetrübter Tage
klingt durch die stummen Stunden mir herauf,
und wie ein alter Sang aus Märchenwelt und Sage
zwingt es die Pforten meiner Seele auf.

Was bin ich, dass ich giftig nichts mehr gelten lasse,
das nicht wie ich so willenlos und kalt
beschreibt, was ich am Bilde aller Jugend hasse?
Was bin ich, blindes Schicksal, wenn nicht alt!?


Ein altes Werk von 2011 ("Schicksalsfrage"), stark überarbeitet und hoffentlich passender betitelt.

7
Verbrannte Erde / Schattentasten
« am: März 18, 2019, 12:16:46 »
Sag, Schatten, mir: Was schläft in deinem Blauen,
davor ich wie vor einem kalten Grauen
erzittere, und vor den Möglichkeiten,
die lauernd sich in deinem Dunkel breiten?

Sag, Schatten, mir: Wann weichen deine Zungen,
in welchen sich, zerborsten und gedrungen,
an Ängsten festigt, was mich nie verlassen
und nur befördert hat, mich selbst zu hassen?

Sag, Schatten, mir: Wer bist du als ein Spiegel,
darin ich finde, was im eignen Tiegel
schon immer wie ein wundes Schicksal kochte,
daraus ich mich zu lösen nie vermochte?

Sag, Schatten mir: Wer wird wohl von uns beiden
die Prüfung finden, die das Herz erleiden,
bestehen muss, eh deine Finger weichen?
O Schatten meiner Seele, gib ein Zeichen!

8
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Der Preis der Demut
« am: März 18, 2019, 11:55:33 »
Verworren schien sein Geist an jenen Tagen,
die er verbrachte wie ein Ungetanes,
das sich im Atem eines wirren Wahnes
verborgen hielt, um nichts an Welt zu wagen.

Vereitelt alle Träumerei, so sachte,
so aufgetan ersonnen vor der Schwere,
die ihn befiel wie eine große Leere
und seine Zuversicht benommen machte.

Er ließ sein Welken in die Stunden ragen,
von denen keine seine Lust berührte,
und wagte nicht, dem Weh zu widersagen,

das die Gedankenlosigkeit bewachte,
die ihn zu Zeiten in Versuchung führte,
wenn er bedenkenloser war und lachte.

9
Verbrannte Erde / Schloss Hartheim
« am: März 15, 2019, 17:44:11 »
Wortlos stehen wir im tausendfachen Schweigen,
sprachlos in der Liegenschaft des kalten Wahns,
ratlos vor dem Unrecht, das die Bilder zeigen,
und der Fügsamkeit des braven Untertans.

Rechtlos waren all die unerwünschten Kinder,
geistlos hat man sie erklärt und auch genannt,
fraglos war ihr Leben jenem Geist zu minder,
der sie ausgesondert hat und dann verbrannt.

Herzlos wog man einzig ihren strengen Nutzen
für die Volksgemeinschaft, deren Lauterkeit,
ihre Reinheit und die Möglichkeit zu trutzen,
wenn erklärtes Übel vor den Toren schreit.

Mitleidlos der Spruch banaler Ungeheuer:
War das Gnadenbrot für Mindere zu teuer,
blieb für sie nur „Gnadentod“ in Gas und Feuer.

10
Verbrannte Erde / Der gescheiterte Stylit
« am: März 13, 2019, 19:03:16 »
Hoch erhoben über alle Niederungen
eines Volkes, das ihm weiland nicht entsprach,
saß der krumme Heilige und lechzte nach
der Erleuchtung, einem wunden Geist entrungen,

welcher sich die Prüfung nagend ausbedungen
auf der Säule himmelhohem Kapitel,
und er lauschte einem göttlichen Befehl,
der ihm endlich wiese: Ach, es ist gelungen!

Doch er haderte mit jedem Regenschauer,
denn so viele Tage lag sein Wesen brach,
und er fand sich darin immer ungenauer,

so als läge Ungesagtes auf der Lauer
und verseuche seinen Seelenarchipel
mit Gedanken, immer sündiger und rauer.

11
Ach Natur Vergissmeinnicht / Heimatlied
« am: März 09, 2019, 20:17:01 »
Du grünes Land, das ich bescheiden Heimat nenne,
sei gut zu meinen Kindern, wenn ich nicht mehr bin,
auf dass sie brennen, wie ich heute für dich brenne
in Liebe für die Hügel, die ich so gut kenne
und jedes tief erlebten Tages Neubeginn.

Vergib die ungestümen kleinen Jugendsünden,
wenn hitzig spielend sie die Wälder kennenlernen,
sich schulen an den Dingen, sich damit verbünden,
um unbewusst von deiner Herrlichkeit zu künden,
vom Mittagslicht bis hin zum Bachlauf unter Sternen.

Beschenke sie mit deiner auferblühten Güte
in jedem Frühling, der aus deinen Wiesen steigt,
und zeige ihrer Wissbegier mit jeder Blüte,
was dereinst mir bereits so selig im Gemüte
vom Leben schrieb, das immer neue Wunder zeigt.

12
Im Gras wispert Hoffnung / Die Stunde vor dem Morgen
« am: März 09, 2019, 01:11:20 »
Die Nacht hebt ihre Stunden an die Sterne,
vorbei an all den grellen Menschenlichtern
mit ihren Sündigen und blinden Richtern,
als ahnte sie den Schimmer in der Ferne,

noch bleich und blass wie eine schwache Ahnung,
und doch das Kommende, das sich verspricht;
nur all die Menschenlichter lesen nicht
ihr baldiges Verlöschen in der Mahnung,

die ihnen deutet, dass ein Morgen dräut,
ein immer wieder Neues, Unverbrauchtes,
das allen Auferstehenden Erlauchtes
und Zuversicht in ihre Sinne streut.

Die Nacht ergibt sich seinem Schattentrinken,
als wüsste sie, dass ihr die Sterne bleiben,
was immer Menschen auch am Tage treiben,
um bald erneut am Firmament zu blinken.

13
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Dominus
« am: März 07, 2019, 18:21:54 »
Was, drückst du, schönes Opfer, dich
herum dort in der Ecke,
so schüchtern und so weinerlich
vor dem, was ich bezwecke?

Was tust du so, als würde dich
mein Starren wundberühren?
Mein Gieren ist schon außer sich
und will dich endlich spüren!

Was zierst du dich, wenn ich dich will,
du ausgesuchtes Wesen,
so unberührt und fügsam still,
von Angesicht erlesen?

Was kannst du wollen als nur mich,
wird dir dabei auch bange -
so komme ich denn über dich
in meinem harten Drange!

Was sind wir doch ein schönes Paar,
seitdem ich dich besitze!
Ich will dich halten Jahr um Jahr,
solang ich dich benütze.

14
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Dunkelblau
« am: März 04, 2019, 18:10:18 »
Lautlos wird der Himmel grauer,
wenn der Wolkenhimmel spät
seine Segel nachtwärts bläht
über manchem Regenschauer.

Finsternis liegt auf der Lauer,
wo der Wind ins Blasse dreht,
und wer jetzt nach Hause geht,
nutzt des Zwielichts kurze Dauer.

Bilder werden ungenauer,
wo ein Sandmann Schatten sät,
und der Nacht, die nichts verrät,
werden die Konturen rauer,

türmen sich zu einer Mauer,
die aus purem Schwarz besteht,
und der Hauch, der daraus weht,
macht uns innen dunkelblauer.

15
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Nirwana
« am: Februar 23, 2019, 12:22:57 »
An meiner Tage Ufern hör ich's raunen,
als wären meine Blicke wie Musik
und lehrten mich ein unerhörtes Staunen
weit jenseits von Erkenntnis und Physik.

An meines Lebens Säulen seh ich Dinge,
als lauschte ich den Bildern aller Zeit
und frage nicht, ob etwas mir gelinge
in diesem Reigen der Unendlichkeit.

In meiner Nächte Stille fühl ich wachsen,
was tief im Innersten an Himmeln baut,
wo an den Kreuzungen von Weltenachsen
mein wahres Wesen seine Blöße schaut.

Wo eins wird, was der Menschen Geist entzweite,
verbunden, was der kalte Wille trennt,
und keine Seele, die sich selbst bereiste,
nicht auch die Namen aller andern kennt.

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