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Themen - Erich Kykal

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1
Verbrannte Erde / Hahnrei
« am: Juli 18, 2019, 19:47:14 »
Steinern stand er, sah sie ziehen
zwischen Koffern, voll und schwer.
Ach, sein Glück war nur geliehen,
und nun fehlte es ihm sehr!

Schatten wurden Ungeheuer,
da sich alles, was zuvor
gut ihm war und lieb und teuer,
von ihm wandte und verschwor!

Schneidend fühlte er das kalte
Herzweh, das an Seelen saugt,
bis der Leib, der ungestalte,
nicht mehr für ein Leben taugt.

Und er krallte sich an Bilder
wie aus fernen Zeiten, die
Trost versprachen, heil und milder
als der Schlund, aus dem er schrie.

2
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Ein neuer Tag
« am: Juli 18, 2019, 19:46:13 »
So bleiern dräut der Morgen,
ein neuer Tag bricht auf,
webt still die alten Sorgen
in seinen jungen Lauf.

Hab mir ein Lieb gefunden
von Jugend und Gesicht,
versüßt die alten Wunden,
doch macht sie heiler nicht.

So sickern meine Stunden
durch jeden neuen Tag,
weil meine alten Wunden
kein Lieb mir heilen mag.

3
Verbrannte Erde / Die Betrogene
« am: Juli 17, 2019, 15:47:57 »
Sie steht allein, kaum merklich ist ihr Schwanken
wie unter einem allzu schweren Hieb:
Er hatte ihr doch soviel zu verdanken,
und nun hat er sie dennoch nicht mehr lieb!?

Ein vages Zucken um der Lippen Röte
des stummen Schreis, der sich ihr nie entrang;
so sagt der ganzen Welt sie: Komm und töte
mich gleich und alle Ewigkeiten lang!

Wie beinah tot aus wunden Augen starrt sie,
gebrochen zwar, doch ungebeugt und stolz;
und spiegelnd ihren Seelenschmerz verharrt sie
wie Bernsteintränen auf gequältem Holz.


(von ca. 2005)

4
Im Gras wispert Hoffnung / So bist du! (Für Wolfgang)
« am: Juli 17, 2019, 15:39:46 »
Wer bist du, Freund, der mit mir durch die Jahre
sein Dauern teilt und ohne ein Bewerten
den Becher hob, den wir gemeinsam leerten?
Wer bist du, der sich bis ans Wunderbare

und durch den tiefsten Kummer echt erwiesen
und treu gehalten hat an meiner Seite,
durch jede Lebensenge, jede Weite,
die meine Einsamkeit erschauern ließen?

Ein Mitverschworener durch trübe Tage,
der mir die Wunden der Gewissensbisse
zu heilen weiß, die ich um Schulden trage.

So bist du, der sich jederzeit bewährte:
Ein wahrer Freund – durch alles Kümmernisse
und manches Abenteuer mein Gefährte.

5
Ach Natur Vergissmeinnicht / Das Mühlviertel
« am: Juli 15, 2019, 21:39:07 »
Tiefes Land, granitdurchgliedert,
rauer Stein aus alten Zeiten,
rundgeschnitzt von Ewigkeiten,
grasbehaart und baumbefiedert.

Urnatur fasst aus den Schatten
dunkler Wälder in die Matten
weit verstreuter Menschensitze,
die sich in die Szene mischen,
Ausgelieferte, wie zwischen
Winterfrost und Sommerhitze.

Hartes Land, aus tiefen Quellen
speist sich herbes Überdauern,
alter Wesen Zauber lauern
um der Ahnen Feierstellen.

Wildes Land, warst niemals ganz
Menschen untertan im Tanz
ungezählter Jahreszeiten,
wo der alten Geister Träume
rauschend durch die Zwischenräume
deiner grünen Hügel schreiten.

6
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Folgekosten
« am: Juli 14, 2019, 18:52:22 »
Es ist das Wasser, dem die Fische folgen müssen,
ganz gleich, ob sie stromauf, stromab sich darin wenden -
sie sind gebunden daran, wie das Bett von Flüssen
sich fallend neigt, die ihnen einzig Leben spenden.

Sie träumen, eng begrenzt, von weiten Ozeanen,
von uferloser Freiheit, die ihr Sehnen narrte,
und sterben dennoch in den schmalen Wasserbahnen,
darin sie heimisch wurden ohne Rückfahrkarte.

Und ach, wie wir als Menschen diesen Fischen gleichen,
wenn wir an Lebenswegen eifrig uns erwählen,
was leidlich brauchbar scheint, Erhofftes zu erreichen,
und bei den Folgekosten uns zutiefst verzählen!

7
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Wert der Erinnerung
« am: Juli 12, 2019, 11:05:02 »
Du gehst die Jahre ab wie eine Grenze,
die immer weiter fort sich dort entflicht,
wo sich dein Sehnen an der Zukunft bricht,
als wüsste es um ewig neue Lenze!

Dabei erkennst du nicht, dass deine Gänze,
die bündig sich dem Kommenden verspricht,
kein Ganzes ohne Gestern ist, dein Licht,
das aus Erinnerungen deiner Tänze

dein Wesen fertigt, deine tiefste Stelle,
die selig strebend nach der nächsten Welle
sich in den Ozean der Dinge breitet!

Sei weiter dieses Kind, das sich ins Helle
und weiter trug, doch sei auch der Geselle,
der treulich das Erfahrene begleitet.

8
Im Gras wispert Hoffnung / Lernend leben
« am: Juli 12, 2019, 10:36:33 »
Verliere nicht das zärtliche Bedrängen,
das dir die weite Welt verlockend breitet,
die wache Neugier, die die Augen weitet
nach Wundern und erhabenen Gesängen,

die große Bilder in die Seele hängen,
daraus sie ihren Aufenthalt bestreitet.
Der klare Weg, der deine Sinne leitet
zu neuer Abenteuer frohen Klängen.

Erkläre dich dem Seienden verbunden,
der Frage ledig, ob es immer lohne,
und hüte seine aufgetanen Stunden

wie Edelsteine in des Lebens Krone,
und hoffe dass, was du dabei empfunden,
dein wahres Wesen weiterhin bewohne.

9
Zwischen Rosen und Romantik / An die Verschlossene
« am: Juli 11, 2019, 21:19:06 »
Ergrabe mich aus deiner Seele Tiefen
wie einen Schatz, der dir allein gebührt,
der aufgetan an deine Sinne rührt,
die tief in deinen Träumen darum schliefen.

Erhebe mich aus deines scheuen Sehnens
so oft verschämt verleugnetem Gemach
im Schloss, das dir ein anderer versprach
im Spiel des aneinander sich Gewöhnens.

Erlaube mir, den Hof darin zu fegen,
ein trautes Wort zu wechseln dann und wann,
bis endlich wir einander hinbewegen

zu jener Pforte, hinter der das Leben
noch immer auf dich wartet, und ein Mann
bereit sein mag, sich für dich aufzugeben.

10
Wo Enzian und Freiheit ist / Was vom Leben übrig bleibt
« am: Juli 11, 2019, 15:03:31 »
Woraus wir uns verschenken und behalten,
erwächst uns neu aus jeden Tages Reise,
und jeder wächst danach auf seine Weise,
und birgt es sanft in seiner Züge Falten.

Ein ewiges Erhitzen und Erkalten,
daran sich unser Leben müdeschleift,
bis der verebbende Verstand begreift:
Vergessen ist zuletzt sein treues Walten.

Der Ruhm ist kurz, gemessen an Äonen,
und keine Seele bleibt in der Geschichte,
die man in Ewigkeiten sich erzählt.

Der gute Ruf, den wir bedächtig schonen,
ist nur Dressur der angepassten Wichte,
von denen keiner eine Seite wählt.

11
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Woraus wir werden
« am: Juli 11, 2019, 10:48:03 »
An welchen Wunden stählt sich das Gedächtnis
im freien Fall durch die Erinnerungen,
den Lebenswegen zwingend abgerungen
als seltsam wesensformendes Vermächtnis?

An welchen Reibungspunkten wirkt die Wärme
erlebter Taten und Verhinderungen?
Aus welchem Lied, ins Meer der Zeit gesungen,
erheben sich der Hoffnung Möwenschwärme?

Aus welchen Tiefen rufen uns die Tage,
die sich beginnen mit „Es war einmal ...“,
und was beginnen wir mit ihrer Frage,

ob wir noch dort sind, wo sie uns vergingen,
und ob aus ihrem weisenden Fanal
noch neue Auferstehungen gelingen?

12
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Durchs Netz gefallen
« am: Juli 10, 2019, 18:08:43 »
Wie kommt es nur, dass wir am allerkleinsten Wink erkennen,
was jedes Gegenüber uns an Wesen offenbart?
Ein Zucken nur, ein Mienenspiel, erregter Augen Brennen,
an Haltung Wenigstes, das unser vager Blick gewahrt.

Wir lesen jedes unsrer Leiber noch so schwaches Deuten
mit Leichtigkeit, als atmeten wir alles an uns ein:
Gefühle, Absicht und die Tat, die wir zuletzt bereuten,
den unerfüllten Wunsch, ein gänzlich anderer zu sein.

Wie blind hingegen sind wir, wo wir uns im Netz erfahren,
als zeilenweise Bilder dessen, was wir schriftlich sind:
Erdacht, ersehnt, erfunden nur vielleicht. Was wir bewahren
als echtes Bild von jenen, die wir schätzen, es zerrinnt

zu ungefähren Möglichkeiten, was die Geister fühlen,
die unsichtbar verbleiben, wie gesichtslos und geheim.
Wie Narren streiten wir dadurch, bis wir daran erkühlen,
und gehen doch einander immer wieder auf den Leim.

13
Verbrannte Erde / Die Unerlebenden
« am: Juli 09, 2019, 10:15:21 »
O wenn uns aus dem Reigen der Gesänge
der Welt doch ein besonderer gelänge,
der uns aus dunkelnder Gedanken Enge
zur Flucht bewegte aus dem Heer der Zwänge!

Gebunden gehen wir durch alles Leben,
ermündigt kaum, das träge Haupt zu heben,
als wüssten wir, was wir zutiefst erstreben,
doch niemals in den Gang der Zeit zu weben.

Verlorene in täglichen Bedenken,
bestimmt, den trüben Blick zu senken,
und alle Wege, die ein Lächeln schenken,
sich bestenfalls zu wünschen und zu denken.

Worin beschließt sich unser wirres Kreisen,
die klammen Tage, die wir stumm bereisen?
Verkümmernd modern wir im Stillen, Leisen
mit jeder Gnade, die wir von uns weisen.

14
Ach Natur Vergissmeinnicht / Morgen im Walde
« am: Juli 06, 2019, 08:01:02 »
Noch kühlt der Tag, des Waldes Kronen sintern
der milden Morgensonne schräges Licht
in letzter Schatten schmelzendes Gewicht,
die noch in dunklen Senken überwintern.

Die frische Luft bewegt die grünen Zweige,
als übten sie ein freundliches Gesicht,
und nahes Wasser murmelt ein Gedicht
aus jeden kleinen Wasserfalles Neige.

Aus feuchten Moosen steigen zarte Fahnen
verdunstend in die klare Morgenbrise,
und von den Blättern wispert wie ein Ahnen

um stille Kraft ein rauschendes Versprechen
hinaus ins Licht und auf die Sommerwiese,
und kein Gedanke will den Zauber brechen.

15
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Allen Missionierenden
« am: Juli 04, 2019, 13:36:15 »
I

Wenn Gott und Teufel beide dich ersuchen,
doch bitte nur „das Richtige“ zu tun -
enthalte dich und bleibe opportun!
Ein jeder möchte deine Reise für dich buchen

nach seiner Kirche, und dein Stück vom Kuchen
zerbröselt auf zu vielen fremden Lippen!
Das Märchen von der „Wahrheit“ kannst du kippen:
Getrost lass dich von Gläubigen verfluchen,

sie lernten und sie wissen es nicht besser,
und steuern ihrer Geister träge Schiffe
allein durch sittsam stehende Gewässer.

Der freien Strömung lebende Gedanken
beängstigen ihr Wesen, das die Riffe
des Meeres fürchtet, das sie niemals tranken.

II

Respektlos allen anderen Entwürfen
des Lebens gegenüber sind die Zeugen,
die Wirklichkeit den eignen Werten beugen
und alle Seelen, die des Trosts bedürfen,

geschickt in ihren Lächelnetzen fangen,
weil sie in ihrer Schwäche nicht ertragen,
dass manche ihrem Credo widersagen
und mündig frei sind von der Beter Bangen!

Der schwache Geist errichtet sich Gesetze
und drängt sie allen andern gerne auf,
damit nur nichts ihr Lebensbild verletze,

das sich nicht züchtig ihrer Ordnung fügt,
denn das Verdrängte nimmt man leicht in Kauf,
solange man sich konsequent belügt.

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