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Themen - Erich Kykal

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1
Wo Enzian und Freiheit ist / Gesichter der See
« am: Heute um 11:30:00 »
Verspielte Wogen wirbeln durch die Sande
des flachen Strandes, brechen rauschend,
den weißen Schaum mit Erde tauschend,
wenn sie sich werfen an besonnte Lande.

Die Menschen räkeln sich, und eine Bande
gebräunter Kinder schleudert bunte Bälle
ins Meer hinaus, damit die nächste Welle
sie wirbelnd wiederbringt. Nur ganz am Rande

des Trubels sieht man eine Alte warten.
Sie blickt den ganzen Tag hinaus auf See,
und keine Regung zeigt sich auf den harten,

gefurchten Zügen, die schon lang kein Hoffen
mehr tragen, denn ertrunken ist das Weh,
und nur die Augen stehen weiter offen.

2
Verbrannte Erde / Rauminneres (Der Eremit)
« am: August 09, 2018, 14:53:36 »
Im Raum des Hauses schwebt ein stilles Ahnen
von Zukunft durch den lieben langen Tag,
als wollte es, was immer werden mag,
nach Großem wenden und in neue Bahnen.

Gardinen wölben sich wie bunte Fahnen
dem Auge zu, das eben darauf lag,
doch weiter wandert: Stummer Zeuge, sag,
was nötigt dich zu schweigen statt zu mahnen?

Wer ist es, der das Mögliche verhindert
in diesem Inneren, das innen bleibt?
Ein Leidender, der sich bewusst vermindert?

Ein Zweifelnder, von nichts zu überzeugen,
verweigernd sich und nimmermehr zu beugen?
Ein Schatten nur, der durch die Jahre treibt?

3
Wo Enzian und Freiheit ist / Pfotengebet
« am: August 08, 2018, 14:54:06 »
Flankenweiches Anschmiegsames,
schnurrgewaltig!
Krallenmächtig, wohlbedächtig,
vielgestaltig.

Weg der Katze: Tausend Wege,
frei zu wählen.
Schimmertatze, komm und lege
Blicke mir
ans Herz, die zählen.

4
Ach Natur Vergissmeinnicht / Waldestiefe
« am: August 08, 2018, 14:51:59 »
Wie weiß ich heute wieder mich mit allem schwingen,
was in den Wäldern um mich her erklingt,
als wäre ich ein Lauschender, der in den Dingen
den Ton erkennt, der mit uns allen singt.

Wie kann ich heute wieder mich darin erfahren,
dass alles mit mir atmet immerfort,
was ich berühre, um es in mir zu bewahren,
als wüsste ich mich eins mit diesem Ort.

Wie darf ich heute wieder mich in allem fühlen,
das mich umfängt wie eine zweite Haut -
wie stiller Nebel steigt es aus den immerkühlen
Gefilden, die mein Seelenauge schaut.

5
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Fliegenklatsche
« am: August 08, 2018, 13:56:25 »
Warum soll ich Lebendiges erschlagen,
wenn ich mit gleicher Kraft es retten kann?
Nur allzu leicht verdammen wir, um dann
zu töten, was wir scheinbar nicht ertragen.

Ein Fensterspalt, ein wohldosiertes Regen
genügen für ein langes Fliegenleben.
Die Zeit dafür, die nehme ich mir eben -
kein noch so kleines Morden bringt mir Segen.

Belanglos sind wir alle - wie vermessen
erscheint mir allzu rasches Schiedsgericht,
das urteilt, was da leben darf, was nicht.

Wir alle sind mit gleichem Recht lebendig.
Wie sind wir dessen oftmals unverständig -
als hätten wir das Wichtigste vergessen!

6
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Resumeé
« am: August 07, 2018, 10:36:08 »
Du fühlst die Jahre, wie sie unbenutzt verstreichen,
und fragst dich hin und wieder, welche Lebensziele
dir tätlich zu erfüllen weiter noch gefiele,
so du noch etwas wirken wolltest und erreichen.

Doch regt sich kaum noch etwas in den Innenräumen,
das nicht schon, allzu oft verwendet und verschlissen,
nach gnädigem Vergessen ruft, als sollte dein Gewissen
mit solcher Last beladen nicht vom Ende träumen.

Gedankenspiele tragen ihre Fracht zu Grabe,
die Welt ist ihnen krummes Wagnis nur und Scheitern,
ein ungewisser Pfad  mit wechselnden Begleitern
durch steiniges Gelände ohne Rast und Labe.

Was bleibt von alledem, was wir gehetzt durcheilen,
als zögen uns Gewichte unerklärten Glaubens
durch Szenenbilder des Verhinderns und Beraubens?
Ein welkes Aufbegehren in gereimten Zeilen.

7
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Größer im Verzichte
« am: August 06, 2018, 15:36:26 »
Aus leichten Siegen, die wir uns versagen,
den Dornenrosen, welche niemals blühn,
erwachsen Wurzeln tiefer unterm Grün,
die bis ins Herz des Wesentlichen ragen.

Aus allem Streit, auf den wir groß verzichten,
wächst innerlich ein neuer Seelenbaum
und gibt dem Rauschen deiner Träume Raum,
woraus wir Brücken zu uns selbst errichten.

Erfüllung macht uns ärmer nur an Leben:
Erfülltes darf sich einzig selbst genügen.
Kein Sehnen mehr, kein innerstes Bestreben

bewegt noch jene, die sie für sich finden,
und alles Weitere wird sie belügen,
bevor sie überreifen und verschwinden.

8
Im Gras wispert Hoffnung / Schattenseele
« am: August 05, 2018, 11:39:38 »
Dunkel hatte mich umfangen,
hielt mich unter feuchten Krallen.
Tiefer noch war ich gefallen,
um mit tränenfeuchten Wangen

im Vergangenen zu wühlen;
aber alle Sinne darbten
im verhärteten Vernarbten
von gefolterten Gefühlen.

Dunkel hatte mich verschlungen,
weggeschlossen in die Räume
wunden Sehnens, toter Träume,
ungestillt und ungelungen.

Doch ich wusste: Aufwärts geht es
erst, wenn man ganz unten war -
wenn man aufrecht überdauert,
was im Seelenschatten lauert,
Lebensjahr um Lebensjahr -
man umarmt und übersteht es.

9
Zwischen Rosen und Romantik / Der kleine Tod
« am: August 03, 2018, 11:05:16 »
Du liegst umfangen gleichwie selbstverloren
in warmen Armen, und Berührungen
von weichen Händen wie Verführungen
erweitern dich, dem Höhepunkt verschworen,

dem Untergang, aus dem du neu geboren
ins Kissen sinkst, wenn, endlich sich entladend,
dein Seelenwohl, in allen Sinnen badend,
den Himmel lernt, den sich das Herz erkoren.

Es fühlt sich an, als würde alles Deine
in einem Punkte sich erfüllend fassen,
um sich ins Gegenüber zu entlassen,

und jubelte mit Göttern um die Wette,
erhört an dieser einen Pilgerstätte
für endlos Liebende und alles Reine.

10
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Die Dienende
« am: August 02, 2018, 08:44:12 »
Er sprach ihr zu mit hundetreuen Augen,
erklärte ihr nach seiner Art das Leben,
und dort muss sie ihm nun das Seine geben,
als würde sie für anderes nicht taugen.

Dort darf sie nun an seinen Lippen saugen,
als könnte sie nichts anderes mehr heben
als nur ihr fremdgesteuertes Bestreben,
als Funktionierende sich auszulaugen.

Noch immer werden Knaben so erzogen,
dass sie mit allem Recht sich größer glauben
als jedes Weib, dass sie sich willig machen.

Noch immer werden Mädchen angelogen,
sodass sie später leichter zu berauben
und unterwürfig sind, wenn sie erwachen.

11
Im Gras wispert Hoffnung / Der Dichtkunst
« am: Juli 29, 2018, 11:10:46 »
Verliere dein Zaudern in steigenden Klängen
aus tanzenden Worten, beginne dein Sein
erneut in melodischen, klaren Gesängen,
behalte sie liebevoll, tröstlich und rein,

und gib dich dem Hallen erhabener Räume
so hin wie ein Kind seinen Spielen daheim,
erschaffe dir Heimat im Wesen der Träume
harmonischer Seelen in klingendem Reim.

Entwachse dem irdischen Dauern in Sphären
der Gnade, egal auch, wie schmerzlich sie sei
und weine die Leiden, die unheilbar wären,
ins Tuch deiner Sprache und dichte dich frei!

12
Im Gras wispert Hoffnung / Ein Ausgedinge
« am: Juli 26, 2018, 10:05:58 »
Dort am Hange steht schon ewig lange
unterm Birkenholze halb verborgen
jenes Haus, zerfallend, scheinbar bange
hingedrückt von seinen greisen Sorgen
beinah wie vom ganzen Weltenall.

Ausgebleichte Balken, die in Mauern
halb noch unterstützend, halb schon hängend
dunkle Fensterhöhlen überkauern,
so als ob sie ihre Öffnung zwängend
offenhielten wider den Verfall,

wirken wie die silbergrauen Brauen
hochbetagter, nie befragter Weiser,
die aus leergeblickten Augen schauen
in ein Land, das um sie immer leiser
atmet in des Tages Widerhall,

wenn zum Abend hin die langen Schatten
wie ein Omen an den blanken Steinen
aufwärts kriechen zu den altersmatten
Bohlen, die ein letztes Sonnenscheinen
wärmend widerspiegeln überall.


Eins meiner "ganz alten", metrisch bereinigt.

13
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / In dir
« am: Juli 25, 2018, 13:19:10 »
Wozu sich noch plagen, wofür über Mühen
mit holpernden Gesten hinweg sich erheben?
Vorüber die kraftvollen Jahre, das Blühen -
was lohnt ein in Schmerzen verlängertes Leben?

Für mich sind es Bilder der wechselnden Tage,
Geschenke des Augenblicks, der mich bewegt -
sie lassen mich träumen und wenden die Waage
im Herzen des Sehnens, das weiter sie trägt:

Das Glühen von sonnendurchfluteten Blättern,
der Spiegel des schattigen Teiches im Walde,
das grollende Dräuen von ziehenden Wettern,
das Blühen von Steinbrech auf felsiger Halde.

Das Murmeln des Bachs in granitenen Blöcken,
die Kühle des Mooses im taufrischen Grunde,
und lachende Mädchen in fliegenden Röcken,
und samtene Wehmut auf schweigendem Munde.

Das Läuten der Glocken, auch wenn ich nicht glaube,
die Ferne des Himmels für den, der nicht fliegt.
Der Atem der Nächte, die Süße der Traube,
das Echo der Zeit, die mich endlich besiegt.

Nur dafür belohnt dich dein welkendes Werden
im Wandel der Jahre, die wund uns entgleiten:
Damit du das Schöne erkennst hier auf Erden,
und endlich IN DIR, wenn die Sinne sich weiten.

14
Ach Natur Vergissmeinnicht / Regenpause
« am: Juli 22, 2018, 10:31:55 »
Der Himmel zögert und die Spatzen zanken,
kein Lüftchen regt sich in der kühlen Stille,
und ferne Fenster glitzern wie Berylle
im grünen Mantel wandernder Gedanken.

Sie ziehen fort durch schattige Gefilde
bewaldeter Granite, deren Wogen
den Blick von jeher nach der Tiefe zogen,
wo Bäche murmeln in bemooster Milde.

Ein Krähenruf macht jene Räume hallen,
darin ein Träumen wandelt ohne Halten,
als wollte es die Lande mitgestalten
nach eigenem Ermessen und Gefallen.

Die Stille dauert an, als hielte alles
im Walten inne, das die Zeit bedeutet,
bis eine Kirchuhr plötzlich Zwölfe läutet
im Prunkornate ihres klaren Halles.

Da weht der leise Atem plötzlich wieder,
der seit Äonen durch die Bäume gleitet,
und wo der Blick sich über Wiesen weitet,
gehn klopfend neue Regentropfen nieder.

15
Verbrannte Erde / Lebensblind
« am: Juli 18, 2018, 08:58:30 »
Warum nur bin ich nie umhin gekommen,
in allem Sinn zu suchen und Bedingen?
Die Welt blieb dennoch vage und verschwommen,
und Zweck war nur Bedingung für Gelingen.

Doch was gelang, behielt nie an Bedeutung,
was es dem sinnend Sehnenden versprochen:
Ich wuchs, und mit dem Wachsen kam die Häutung.
Die alte Schale hinterblieb zerbrochen.

Mit unentwegtem Suchen und Verwerfen
vermeint sich jeder Lebensweg zu tragen,
jedoch woran wir glauben uns zu schärfen,
verschleift uns nur in Dulden und Ertragen.

Die Früchte faulen, die wir gierig ernten,
uns unaufhörlich in den heißen Händen,
die immerzu sich recken nach entfernten
Verheißungen, die sie zu gerne fänden.

Warum nur bin ich nie umhin gekommen,
in allem Sinn zu suchen und Bedingen?
Der Blinde, allen Augenlichts benommen,
wird niemals seine Dunkelheit durchdringen.

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