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Themen - gummibaum

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1
Verbrannte Erde / Enteignung
« am: Mai 19, 2020, 12:22:52 »
Immer drängst du mein Gestalten
ungeduldig zum Zenit,
und mein Wunsch, mich zu entfalten,
wird zu deinem und entflieht.

Glänzen soll ich und dich spiegeln.
Ehrgeiz macht den Spiegel blind.
Drängt dazu, sich einzuigeln.
Du säst Angst in deinem Kind…

2
Ach Natur Vergissmeinnicht / Sonnenstrahl
« am: Mai 02, 2020, 17:47:08 »
Heute fand nach langer Reise,
Sonne, mich ein Strahl von dir,
und auf unverhoffte Weise
öffnete er mir ganz leise
eine unbekannte TĂĽr.

Plötzlich flohen all die Schatten,
die sich lange hinter ihr
auf den Innenweltenmatten
dunkel ausgebreitet hatten,
und dein Strahl wächst an in mir…

3
Wo Enzian und Freiheit ist / Echo
« am: April 28, 2020, 01:45:49 »
Ich liebe dich und kann es dir nicht sagen,
da ich nur noch ein Hort der Stimme bin,
der Rede letzter Worte krausen Sinn
dem Sprechenden von fern zurĂĽckzutragen.     

Doch rufst du, Liebster, irrend nach den Deinen,
betrĂĽgt der Widerhall mein eignes Ohr,
und als von dir begehrt schlĂĽpf ich hervor,
um mich mit dir im Walde zu vereinen.

Und furchtbar ist, dass du, vor Schreck erbebend,
mich fliehst und mit der Glut alleine lässt. 
So schwinde ich, in dunklen Höhlen lebend,

im Brand der Liebe hin, und nur ein Rest
aus Knochen macht die arme Seele schweben,
was Felsen, die sie werden, sprechen lässt…


https://www.gottwein.de/Lat/ov/ovmet03339.php

4
Wo Enzian und Freiheit ist / Narziss
« am: April 26, 2020, 02:29:06 »
So schön bist du! Das weckt Verlangen
darnach, dass ich dich lieben kann.
Doch immer siehst du mich nur an
und scheinst im Wasser wie gefangen.

So tauch doch auf, lass frisch erbeben
den Teich. Er schläft so todeskalt.
Umarme mich mit Urgewalt 
und schaff der Liebe wahres Leben.

Doch ach, du harrst und lässt mich scheiden,
und geh ich, ziehst du dich zurĂĽck.
Dem dunklen Grund gönnst du mein Glück,
und ich, der dich erzeugt, muss leiden…

5
Wo Enzian und Freiheit ist / Wohnungswechsel
« am: April 15, 2020, 12:13:09 »
Der Zwinger steht im Garten noch
mit seiner groĂźen GittertĂĽr.
Das wilde Bellen fehlt jedoch,
und nur die Hummeln summen hier.

Das Kind an meiner Hand blickt scheu,
und kommt nur zaudernd mit hinein,
doch, weil ich mich auf Neues freu,
frag ich: Ziehst du vielleicht hier ein?

Da nickt das Kind. Dann holt es schnell
sein Tischchen und Service,
und aus den Augen glänzt es hell:
Ich bin im Paradies…

6
Wo Enzian und Freiheit ist / Frei nach Wittgenstein
« am: April 15, 2020, 10:27:20 »
Was weiĂźt du, Freund, von meinem Herz,
als könntest du erkennen,
was uns ein Wort wie GlĂĽck und Schmerz
ganz wie ein Ding benennen?

Der Gesten wirst du nur gewahr,
der Mienen, die ich trage,
und fĂĽhlst und schlieĂźt dann offenbar,
ich wär in deiner Lage.

Kein tiefes Innen gibt sich preis
in diesen flachen Zeichen.
Nur was man aus sich selber weiĂź,
kann einer Wahrheit gleichen…

7
Wo Enzian und Freiheit ist / Wie unter Theseus
« am: April 11, 2020, 23:19:17 »
Stetes Altern und Erneuern
hat, was war, bald ausgekämmt,
und indem es andre steuern, 
werden wir uns selber fremd.

Wie das Schiff, das vom Gedanken,
es zu fahren noch ein Jahr,
ausgetauscht an Mast und Planken
nicht mehr wusste, wer es war…

8
Wo Enzian und Freiheit ist / Frei nach Buridan
« am: April 09, 2020, 01:59:49 »
Zwei Frauen nahmen mich in ihre Mitte
und sprachen tief bewegt: „Ich liebe dich.“
In ihren Augen glänzte süß die Bitte:
„O Jüngling, liebst auch du, erwähle mich.“

Ich wandte mich beglĂĽckt zu beiden Seiten,
entdeckte aber stets die gleiche Frau.
Das Zwillingspaar glich sich in Einzelheiten
der ungetrübten Schönheit haargenau.

Ich konnte mich natĂĽrlich nicht entscheiden.
Mein Herz zerfranste sich in diesem Spiel.
Und wie im Schraubstock festgeklemmt von beiden
versteinerte ich langsam zum Fossil…


angeregt von Sufnus

9
Wo Enzian und Freiheit ist / Frei nach Platon
« am: April 08, 2020, 11:28:33 »
Uns Menschen ist die Wahrheit nicht geheuer.   
Wir sehen lieber lebenslang gebannt
in einer Höhle Schatten auf der Wand   
als drauĂźen, was sie wirft im Licht am Feuer.

Und wĂĽrde einer sich ins Freie ringen,
uns sagen, was und wie die Dinge sind,
wir lachten nur und hielten ihn fĂĽr blind
und eiferten danach, ihn umzubringen...

10
Wo Enzian und Freiheit ist / Wechselseitig
« am: April 07, 2020, 01:12:50 »
Sich Bilder von der Zukunft auszudenken,
ist Menschen eigen und bestimmt ihr Jetzt,
und ob sie Ă„ngste oder Hoffnung schenken,
entspringt Erfahrung, die Akzente setzt.

Doch lassen wir ein Zukunftsbild entstehen,
so mengt es sich in das Erinnern ein,
entscheidet, was wir als vergangen sehen -
Geschichte soll, was es berechtigt, sein… 

11
Wo Enzian und Freiheit ist / Rahmung
« am: April 06, 2020, 14:19:27 »
Ich stelle einen leeren Rahmen
am Wegrand auf, das fängt den Blick
und gibt den Herren und den Damen
die Landschaft als ein Bild zurĂĽck.

Tatsächlich bleiben alle stehen,
berauscht vom Ausschnitt der Natur
und suchen nach ergötztem Sehen
am Bildrand meine Signatur…


12
Wo Enzian und Freiheit ist / Freiheitsspiel
« am: April 04, 2020, 11:15:12 »
Im Knoten sah ich mich als Kind
an meiner Peitschenschnur,
der rauschend wie Gewitterwind
beim Schlag die Luft durchfuhr.

Und glĂĽckte dann der Peitschenknall,
der laut nach Freiheit roch,
entschlĂĽpfte ich dem eignen Schall
und ließ ein Mauerloch…
 

13
Das Blöken der Lämmer / Mein Garten
« am: Dezember 26, 2019, 23:17:20 »
Ich lebe einzig fĂĽr den Garten!
Mein grĂĽner Daumen zĂĽchtet hier
mit groĂźem FleiĂź, und alle Arten
vereinen Pflanze, Mensch und Tier.

Die Rose winkt mit Kiemenspalten,
und wiehernd äußert sich das Gras.
Der Kohlkopf zieht die Stirn in Falten
und blinzelt durch sein Brillenglas.

Die Hunde ranken sich mit Pfoten
um einen Kletterstab und sind,
berĂĽhrt man sie, wie Springkrautschoten
geplatzt und treiben fort im Wind.

Und Menschen wurzeln aus den FĂĽĂźen
ins Beet und tragen grĂĽne Haut.
Sie duften stark, um mich zu grĂĽĂźen. -
Oh, wie ihr Frieden mich erbaut…

14
Das Blöken der Lämmer / Bitteres Ende
« am: Dezember 24, 2019, 23:20:49 »
Zu Weihnachten war Dauerregen.
Der Himmel zierte keinen Ast
mit Pulverschnee. Auf weichen Wegen
versank man höchstens im Morast.

Und das geschah. Aus einer PfĂĽtze
ragt noch ein Rest: ein Sack, ein Huf,
zwei Kufen, Bart und ZipfelmĂĽtze.
Hier starb die Mär, die man erschuf…

15
Zwischen Rosen und Romantik / In der Grundschule
« am: Dezember 06, 2019, 13:31:56 »
Der Lehrer stellt uns tausend Fragen,
doch höre ich ihn nur ganz leis.
Mein Herz kann so viel lauter schlagen,
wenn es dich in der Nähe weiß.

Mein Blick versucht es dir zu sagen,
schweift seitwärts, streichelt sanft dein Haar.
Ich selbst kann soviel Mut nicht wagen,
denn du bist viel zu wunderbar.

Die Pause kann ich nie ertragen,
du lachst mit andern ĂĽber mich.
Dann boxe ich dich in den Magen,
damit du glaubst, ich hasse dich…

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