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Themen - gummibaum

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1
Wo Enzian und Freiheit ist / Am Straßenrand
« am: Januar 01, 2024, 23:40:06 »
Du bist ein Schmetterling an meinem Leben,
das hart befahren durch die Wiesen geht.   
Ich möchte dir, was mir zur Seite steht,
den Duft der Blumen und den Nektar geben.

Bei jedem Zittern meiner harten Decke
und immer, wenn ein Schlagloch mich versehrt,
mag ich dich flattern sehen unbeschwert,
auf dass es meine Kräfte neu erwecke.

Und hältst du dich an Blüten fest beim Trinken,
halt ich den Atem an und bin bei dir.
Kein Überholen, Hupen, Fluchen, Blinken

dringt dann aus Abgasnebeln bis zu mir.
Ich möchte wie die Sonne still versinken
am Horizont, in dem ich mich verlier…

2
Ach Natur Vergissmeinnicht / Der Deich
« am: Dezember 30, 2023, 04:33:02 »
Es regnet schon so viele Tage.
Der Fluss ist voll und übt Gewalten.
Ich wehre mich, doch bald versage
ich wohl daran, ihn aufzuhalten.

Nicht weit von mir hat eine Mauer,   
die unterspült war, aufgegeben.
Ich sah die Flut danach auf grauer
Asphaltbahn eilig vorwärts streben.   

Ein Schrei vom Dach lässt mich gefrieren.   
So ängstlich rief ich viele Jahre
danach, mich endlich zu sanieren.
Doch stets blieb Umsicht Mangelware…       

3
Ach Natur Vergissmeinnicht / Wintersonnenblume
« am: Dezember 12, 2023, 08:43:30 »
Schnee liegt auf der Ackerkrume.
Schwärzlich grüßt das Angesicht
einer toten Sonnenblume,
das ein weißer Schal umflicht.

Eingerahmt in kleine Sterne, 
zeigt, was lange ausgeblüht,
leerer Schoß ist vieler Kerne,
wintersonniges Gemüt…   
 


4
Das Blöken der Lämmer / Jenseits des Graupelns
« am: November 25, 2023, 01:54:02 »
November ist um mich, es graupelschauert,
die nasse, kalte Dunkelheit betrübt.
Wer jetzt, wie ich, nicht lieben darf, verübt
den Selbstmord, selbst wenn niemand um ihn trauert.

Ich lege mich auch prompt aufs Gleis und warte,
dass mich ein Zug von diesem Los befreit,
doch stirbt das Graupeln vorher, und es schneit
und alles weist geweißelt ins Aparte.

Ich bin entzückt und tanze mit den Flocken   
und sehe, wie ein herrenloser Hund,
ein Welpe noch, mit süßen Ringellocken

sich zu mir drängt, wer weiß, aus welchem Grund.
Ich nehme ihn zu mir und reib ihn trocken,
und meine Liebe macht mich jetzt gesund…


5
Das Blöken der Lämmer / Reborn
« am: November 12, 2023, 00:50:11 »
Die Einsamkeit des Alters zu bekämpfen,
bestellte ich mir Babys, sie zu dämpfen,
aus Silikon zwei lebensechte Kleine,
und fühle mich seither nicht mehr alleine.

Emilia und Noah sind die beiden.
Es macht mir Spaß, sie aus- und anzukleiden.
Sie strampelnd nackt im Bade zu erleben
und ihnen meine welke Brust zu geben.

Emilia kann Noah so gut leiden,
und Noah muss sich gar nicht erst entscheiden,
er liebt ihr Rüschenkleid und sie sein Jäckchen,
sie lächeln und sie streicheln ihre Bäckchen.

Ich schaukle ihre Wiege und ich singe,
wobei ich schon wie eine Spieluhr klinge.
Und wenn ich sie im Zwillingswagen fahre,
schenkt mir das Leben plötzlich Jugendjahre. 

Emilia und Noah, wenn ihr nuckelt,
war ich die längste Zeit der Mensch, der buckelt,
ich habe keine Angst mehr vor den Sorgen
und fühle mich zum ersten Mal geborgen…

6
Verbrannte Erde / Schlüsseldienst
« am: November 12, 2023, 00:44:36 »
Aus all den Angeboten muss
ich einen, der mir auffällt, greifen,
und ihn nach einem Muster  schleifen,
dass er die Tür sprengt wie ein Kuss.

So viele Schlüssel machte ich,
und alle, die sie nahmen, schließen
sich Räume auf, jedoch sie ließen
mich ausgeschlossen hinter sich.

Ein Rohling an der Schlüsselwand
blieb ich und wurde nie ergriffen             
und für ein Schloss zurechtgeschliffen,
damit ein Herz mir offenstand…


7
Verbrannte Erde / Zwei Ähnliche
« am: November 05, 2023, 07:49:04 »
Das Schüttelkind

Geschrei genug! Ich geh. Bleib liegen.
Ich werd ihn jetzt mal härter wiegen
in meinem Arm. - Tyrannisieren,
das soll er nicht mit mir probieren!

Auffliegt die Tür. Da liegt der Wurm
krebsrot, im Magen wühlt ein Sturm
von blähendem Verderben.
Die Mutter, bang, ahnt Scherben.

Er reißt ihn hoch, er schüttelt ihn.
Mein Chef wünscht morgen Disziplin
von mir - wie ich - von dir - kapier!
und schüttelt lange ihn - wie irr.

Der Kopf, zerbrechlich, aber schwer,
fliegt unbefestigt hin und her
und baumelt schließlich seltsam leer
in einer Stille - wie ein Meer.

Das Kind gedeiht, es schreit nicht mehr,
der Körper wächst, der Kopf bleibt leer.
Man schiebt es stumm in seinem Wagen -
und lebenslang verfolgen Fragen.

04/2011



Verwechslung

Mein Baby schlief im Kinderwagen,
als ich zur Puppenmesse ging.
Ich kaufte, wo die schönsten lagen,
ein wirklich lebensechtes Ding.

Ich legte es zu meiner Kleinen.
Sie schlummerten und glichen sich.
Ich schloss den Wagen, hörte Weinen,
und wie es klang, erschreckte mich.

„Mein Kind“, rief ich, und gab dem einen,
das aufgeschreckt schien, einen Kuss,
hielt das Verstockte an den Beinen
und schüttelte es aus Verdruss.

Zu Hause waren sie dann beide,
als wären sie aus Silikon 
verstummt in ihrem rosa Kleide -
Sie sagten nie mehr einen Ton… 

11/2023



8
Wo Enzian und Freiheit ist / Die alte Litfaßsäule
« am: November 03, 2023, 20:27:19 »
Noch hängen Fetzen von Plakaten,
mit denen man mich einst beklebt,
Passanten Neues zu verraten,
was zählt und was die Welt belebt,

an mir – der Rest ist abgerissen,
mein Körper nackter, grauer Stein,
und weil mit Taubenkot beschissen,
ein trauriges, entehrtes Sein.

Wie strichen um mich große Scharen, 
zu lesen, was der ein Krieg verheert,
Ballett und Oper offenbaren,
die nächste Völkerschau beschert.

Für Kinos warb ich, Catch und Wandern,
für Autos, Maggi und Persil,
und immer mehr kam eins zum andern,
bis eines Tags mein Wert verfiel.

Jetzt spür ich Werkzeug. Muss ich sterben?
Doch nein, sie kleiden neu mich ein.
Ich darf für meinen Schöpfer werben -
Ein neues Litfaß-Denkmal sein.


9
Das Blöken der Lämmer / Clementine mit Blatt
« am: November 03, 2023, 10:11:34 »
Die Schale, als das Angesicht,
verrät, von Gift geliftet,
das Alter nach der Ernte nicht,
dass innen Übel stiftet.

Verlässlich ist ein frisches Blatt
wenn es die Frucht begleitet,
ein welkes zeigt, das Altern hat
ihr schon den Tod bereitet.

Und wie ein frisches Blatt im Schoß
auf Bildern alter Meister
verrät, sein Saft schmeckt ganz famos,
weckt er auch hier die Geister…


10
Zwischen Rosen und Romantik / Betrunken
« am: Oktober 31, 2023, 21:25:13 »
Beim nächtlichen Vorübergehen
war ich sofort in dich verliebt.
Du warst so schön, und ich blieb stehen.
Doch du, im Fenster, nahmst mein Flehen
so kühl, als ob es mich nicht gibt.

Wie schmückend saß die dunkle Brille
im ebenmäßigen Gesicht,
aus schwarzen Schleiern sprach dein Wille,
ein neuer Mann wär in der Stille
bei dir und löschte schnell das Licht.   

Ich klopfte heftig an der Scheibe,
nahm dir im Geist das Kleid schon fort,
sah mich von deinem süßen Leibe
empfangen wie zu steter Bleibe 
an diesem mir so fremden Ort.

Da kam ein Wachmann, nahm die Fluppe
zwecks Klärung aus dem rohen Mund:
„Dein Schwarm ist eine Kleiderpuppe
im Fenster unsrer Kaufhausgruppe -
Du lärmst hier wirklich ohne Grund …“

11
Ach Natur Vergissmeinnicht / Begegnung
« am: Oktober 31, 2023, 01:01:29 »
Ich steh am Weidezaun der Kühe,
das Display rahmt sie zum Motiv.
Ihr Blick verrät, sie haben Mühe,
zu deuten, was mich hierher rief.

Er zeigt ein Denken, das im Dösen
verhaftet, trüben Sinn souffliert, 
doch meinen Vorsprung im Nervösen
als heiklen Selbstverlust goutiert:

Kein stilles Äsen, Widerkäuen,
ernährt das Tier. Ein Paarhufklick
aufs Viereck kann es mehr erfreuen. -
Oh je, welch albernes Geschick…   

 

12
Ach Natur Vergissmeinnicht / Herbstlich wohlgemut
« am: Oktober 29, 2023, 11:44:37 »
Vor Wolkengrau, das weiterzieht,
die herbstlich bunten Bäume,
und während selbst der Himmel flieht,
färbt mir das Laub die Träume.

Mein Blick hinaus hält mittendrin,
wo sich die Zweige biegen.
Jetzt rauscht der Wind durch meinen Sinn
und lässt Gedanken fliegen.

Wie wunderbar vor tristem Grau
mein farbenfrohes Stieben.
Ich könnte mich in meine Schau,
die kahler macht, verlieben…

13
Das Blöken der Lämmer / Der Zeiträuber
« am: Oktober 29, 2023, 08:07:30 »
Heute Nacht macht er die Runde,
hält die Uhren plötzlich an,     
raubt im Finstern eine Stunde 
die kein Mensch mehr finden kann.

Morgen früh scheint es uns heller,
und der Tag grinst voller Hohn,     
doch verschwindet er viel schneller,
denn es dunkelt mittags schon.

Und so bleibt es mit der Stunde,
bis der Räuber anders denkt,
nachts im März auf einer Runde 
uns die Beute wieder schenkt…

28.10.

14
Verbrannte Erde / Eifersucht
« am: Oktober 01, 2023, 01:48:56 »
Ich weiß nicht, was ich sagen soll,
wenn ich die Fotos sehe.
Du wirkst darauf so pflanzenvoll
wie eine Orchidee.

Du schenkst sie mir, weil du mich liebst
und weißt nicht, wie ich leide,
weil du dem Fotographen gibst,
worum ich ihn beneide.

Mit nackter Haut im lichten Wald
rankst du am Stamm der Buche
dich schlank empor und findest Halt
bei kindlich froher Suche.

So schön sie sind, ich kann sie nicht
mit andern Männern teilen,
vernichte sie, wird mein Verzicht
den Schmerz auch nie mehr heilen …

15
Ach Natur Vergissmeinnicht / Die Beiden
« am: September 30, 2023, 14:05:25 »
Da stehen sie, die beiden, selbstvergessen,
als ob die Zeit sie niemals trennen kann.
Sie lächeln sich im Schutz der Hüte an
und wachsen aus der Tiefe unterdessen.

Dort fühlen sie sich durch ein Netz verbunden,
das auch zu artverwandten Seelen reicht
und nährend einem Glücksgewebe gleicht,
doch trinkt es selbst aus fremder Leben Wunden.

Und schnüffelnd kommt ein Wildschwein angelaufen
und frisst die beiden und ihr bisschen Glück.
Man hört es  wie den Rächer siegreich schnaufen,

jedoch, bald kehrt vom Paar etwas zurück:
Zart sprossen in des Schweines warmem Haufen
die Sporen und mit ihnen neues Glück …


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