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Themen - Agneta

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Erzählungen von Tausend und einem Halm / Angeschossen
« am: Mai 17, 2019, 09:54:58 »
Angeschossen

 Eigentlich war sie ein kommunikativer Mensch, immer für ein nettes Pläuschchen zu haben. Doch nun verkroch sie sich wie ein angeschossenes Tier  in ihrer Höhle. Zog die Wolldecke fest um sich. Eiskalt schien ihr die Wohnung. Heute mochte sie das Dunkel. Es gab ihr Geborgenheit und die Ruhe, die sie brauchte, um die tiefe Wunde zu lecken, die der Tod ihres Hundes hinterlassen hatte. Nicht anfassen, nicht reden. Schon gar nicht auf die Frage: Was hatte er denn? Allenfalls noch mit denen, die sie liebte, Außenstehende nicht.
Vorsicht bissig. So wie ihr Dackelchen, das sich bei Schmerzen auch nur von ihr berühren ließ.
Die letzten beiden Tage war sie in den nahen Wald gegangen, hatte an dem gluckernden Bächlein gesessen und den Sonnenstrahlen nachgehangen, die sich in den dichten Zweigen der Bäume brachen. Mit ihrem Mann. Hand in Hand. Schweigend. Ihr Mann kannte sie gut.
Mit ihrer Tochter war sie am Vortag, als der Hund gestorben war, zu einer Bergkuppe gefahren und hatte dort mit ihr über die weiten, hügeligen Wiesen geschaut, die an den Himmel zu stoßen schienen. Hand in Hand. Schweigend. Ihre Tochter kannte sie gut.
Und nun kam dieser aufgeblasene Opa an, der sich scheinbar für Django hielt, sie wohl attraktiv fand und mit ihr ein Flirtspielchen vor der Tür der Massagepraxis veranstaltete. Er hielt den Türgriff fest und versperrte ihr den Weg. Wollen Sie oder ich, ich oder Sie, Sie oder ich? Wie ein verwundetes Tier stöhnte sie auf: „Oh, nä! Ich steh  nicht auf Ihren Humor.““ Sind Sie aber nervös,“ höhnte er. „Passen Sie auf,“ blaffte sie,“ mein Hund ist tot. Gehen Sie rein oder gehen Sie raus oder soll ich Ihnen Beine machen ?“. Ungläubig sah er sie an und ließ den Türgriff los, ungerührt ging sie an ihm vorbei.
Im Wartezimmer saß er ihr gegenüber. starrte sie an. Durch eine Sonnenbrille. “Wollen Sie Ihre Jacke nicht aufhängen,“ fragte er bestimmend. Feindselig traf ihn ihr Blick und hielt ihn fest, spiegelte den gezügelten Impuls, diesem impertinenten Menschen die Brille von der Nase zu schlagen. Sie war einundsechzig. So schnauzte sie stattdessen: „Lassen Sie mich in Ruhe, Mann. Ich habe keine Langeweile wie Sie!“
Da senkte er den Blick und begann, an seinen Fingernägeln zu knibbeln. Sie sah über ihn hinweg, nicht, ohne ihn aus den Augenwinkeln im Blick zu haben. Wütend, wie ein angeschossenes Tier auf dem Angriffssprung.  Vielleicht, weil sie ihm so ähnlich war, hatte sie immer in ihrem Dackel lesen können. Komm mir nicht zu nahe, Mann!
Abrupt stand der Mann auf, verließ kopfschüttelnd das Zimmer und wartete auf seine Behandlung an der Rezeption.


2
Verbrannte Erde / Entscheidung aus Liebe
« am: Mai 12, 2019, 19:58:27 »
Entscheidung aus Liebe

So oft hab ich in vielen langen Stunden
gehalten, was doch längst zum Ende trieb.
Ich sah, wie jenes Tierchen sich gewunden
im Kampfe, ob es ginge oder blieb.

So oft hast du Geliebtes mir entrissen,
du mit der Sense, der doch Leben misst.
Du greifst so wahllos ohne ein Gewissen
und zögerst dann hinaus, was nicht zu ändern ist.

So oft hab ich’s an meiner Brust getragen
und zärtlich leckte es mir noch die Hand.
In seinen Augen standen tausend Fragen,
auf die mein Mund nicht ein Mal eine Antwort fand

und die Entscheidung, jene Qual zu kürzen,
bleibt dem grad, der einst seine Lieb’ gewann.
Mag den in einen tiefen Abgrund stürzen,
wenn er auch muss, weil er allein nur helfen kann.

So oft hast du Geliebtes mir genommen
auf deinem Gaul, der es ins Schwarze ritt.
Doch immer , wenn du mir so nah gekommen,
nahmst du ein Stück auch meiner Seele mit.

Für Janosch ( 14 Jahre), der heute in meinen Armen friedlich entschlummert ist.

3
Wo Enzian und Freiheit ist / Dominus
« am: Mai 07, 2019, 10:00:19 »
Dominus

Wenn er ging, ging er flott
und sein Hut glich einem Pott.
Wenn er schlug, schlug er hart
denn er trug Dreitagebart.
Wenn er soff, soff er fett,
seine Frau kroch unters Bett.
Wenn er ging, ganz adrett,
war er zu den Nachbarn nett.
Als er starb, auf dem Klo,
heulten alle und warn froh.


4
Verbrannte Erde / Ganz langsam
« am: April 29, 2019, 10:51:17 »
Ganz langsam

Es ist, als ob wir beide langsam Abschied nähmen.
Du weißt es und du spürst, ich weiß es auch.
Und jedes Mal, schmerzt dir dein kleiner Bauch,
fühlt es sich an, als ob wir uns noch näher kämen.

Du schmiegst dich an, die seelenvollen Augen sprechen,
und meine Arme schließen sanft dich ein.
Wie soll ich leben, ohne dich je sein?
Es ist, als wolle mir das bange Herz zerbrechen.

Fast vierzehn Jahre dackelst du an meiner Seite,
warst immer da, bei Tag und auch bei Nacht,
hast mich, mein Haus und den Besitz bewacht,
und uns gehörte aller Felder goldne Weite.

Du hast mit mir geweint, du hast mit mir gelacht,
gefühlt, was Alter aus uns beiden macht.
Wie kann ich leben ohne dich, sag, wie?
Und die Geranien blühen uns so schön wie nie.

Für Janosch

5
Eulenspiegeleien / Krieg der Religionen
« am: April 26, 2019, 12:25:34 »
Krieg der Religionen?

„Krieg der Religionen?“ titelt eine bekannte Polit-TV-Talkrunde mit namhaften Gästen.
Während man sich unter „Religionskriegen“ eher missionarische Kriege vorstellt, die weit in der Vergangenheit liegen, meinen wir heute mit Krieg der Religionen Terror.
Was aber haben diese beiden Begriffe gemeinsam? Sie enthalten das Wort Krieg, was immer bedeutet, dass Menschen sterben zugunsten einer Ideologie, die doch eigentlich nur Machtgier bemäntelt.
Sprache ist die Waffe der Demagogen. Diktatoren beherrschen sie perfekt. Ich frage mich also, weshalb titelt eine banale TV-Talkshow, in der eigentlich niemand etwas Substantielles aussagen kann, mit so einem gefährlich demagogischen Begriff.
Der vermeintliche Widerspruch, dass Religionen, die doch stets von Liebe und Frieden künden, überhaupt Kriege führen, zwingt uns, tiefer in den Religionsbegriff einzutauchen.
Was ist Religion, subjektiv empfunden, und wozu ist sie in der Lage?
Religion entspringt dem Wunsch des Menschen, in Gut und Böse zu teilen und selbst jeweils zu den Guten zu gehören. Wenn aber jede Religion diesen Alleinanspruch stellt, wo sind dann die Bösen?
Die im wahrsten Sinne des Wortes „Gutgläübigen“ fügen sich in die jeweiligen Riten, die von der Institution geschaffen wurden, und die sie aus uralten Überlieferungen ableitet. Alles im Sinne der Liebe und das Friedens selbstverständlich.
Christen nennen sich liebevoll „Schäfchen“. Und wer ist der Schäferhund?
Da muslimische Fanatiker überall verwickelt sind und zu Recht immer wieder angeprangert werden, möchte ich es mir nicht so leicht machen und mal vor der eigenen Türe kehren. Die christlichen Institutionen, die moralisch in unserem deutschen Wertekanon immer wieder mitmischen. Z.B. beim Abtreibungsgesetz. Aus gutem Glauben oder aus Machtgier?

Gesetze, Gebote werden erlassen, die sich moralisch noch weit über das Grundgesetz ausdehnen. Modern formuliert: „Beneide deinen Nachbarn nicht um seinen Pool, seine sexy Frau und seinen Audi Quattro“. Das kann niemand leisten. Also werden die Schäfchen sündig.
Weil sie aber sündig werden, müssen sie beichten, einem Priester, der selbst ein Mensch ist und der vielleicht auch gerne … naja, Und dann sind ihnen die Sünden vergeben. Sehr praktisch.
Ein winkender Papst, den niemand braucht, wenn es einen Gott gibt, der überall ist, tönt in den ärmsten Ländern der Welt von Barmherzigkeit und lässt doch die Besucher noch Kollekte abdrücken, auf dass die Kirche noch reicher werde.
Ok, der Papst ruft nicht mehr zu Gewalt auf wie im Mittelalter. Dennoch haben Iren Angst, dass wegen des Brexits der alte Religionskrieg zwischen Protestanten und Katholiken wieder aufleben könnte. Wie kann denn das sein? Wie können Menschen in 2019 in einem modernen Europa Schergen finden, die solch einen Krieg wieder aufleben lassen.
Da muss man sich tatsächlich die Frage stellen: Wäre die Welt friedlicher ohne Religion?
Die ganz dummen Schäfchen haben es da leichter, sie fragen sich: Warum verhindert Gott Kriege nicht?
Weil Gott mit den Institutionen gar nichts zu tun hat. Nicht er führt Kriege, sondern Menschen, die von machtgierigen Institutionen manipuliert sind. Die Bösen verlieren. Nein, ALLE verlieren und Religion führt sich ad absurdum.
In einer banalen Talkshow ist von Vergeltung und Rache die Rede. Kriegsbegriffe kursieren und bleiben stehen. Wie in Betonklotz in der Landschaft.

Islamistischer Terror hat in Sri Lanka zugeschlagen. Buddhisten, die aus europäischer Sicht besonders friedlich scheinen, haben muslimische Minderheiten in Myanmar verfolgt und vertrieben. Katholiken und Protestanten haben sich in Nordirland über Jahre blutige Gefechte geliefert. Juden haben vor Jahrzehnten Palästina besetzt, weil es „Ihr von Gott gelobtes und versprochenes Land“ ist und alle berufen sich auf ihre spezielle Religion, die sie zu all dem legitimiert. Das eint alle Kämpfer. Politisierte Religionsgemeinschaften, die Macht haben und diese auch nutzen und sich in Staatsgeschäfte einmischen. Ideologien, die mit Gott, egal, wie man ihn nennen mag, nichts mehr gemein haben.
In Neuseeland tötete ein nazistischer Mann Muslime. Andere Ideologie, aber gleiches Muster.

Und eine banale, dämliche Talkshow spricht vom „Krieg der Religionen“, den es nicht gibt, wenn dumme Schäfchen sich nicht vor den Karren der Macht ihrer Religionsgemeinschaft spannen lassen und die sich doch durch eine solche Sendung in ihrer Notwendigkeit möglicherweise nur bestätigt sehen.
Sprache ist eine Waffe und Dummheit provoziert Self-Fullfilling-Prophecy.








6
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Votre dame ou notre dame
« am: April 17, 2019, 13:18:06 »
Votre Dame ou Notre Dame

Eine Kathedrale brennt,
eine schöne Kathedrale,
Sinnbild des Ergötzlichen.

Viele kommen, reisen extra an,
um Tränen zu vergießen.
Hässliche Fratzen mit Engelsflügeln
schmoren in der Hölle der Flammen.
Bedrohlich wie sie selbst.

Kulturgut, Kirche, entweihte, Weinlager irgendwann,
Jahrhunderte alt.
Viele kamen, um Tränen zu vergießen
und um zu gaffen.
Der übliche Hype der Entsetzten.

Feuerwehrmänner riskieren ihr Leben,
um Reliquien zu retten.
Sinnbilder der Er-götz-lichten.
Siebenhundert Millionen werden gespendet,
in der Welt verhungern Kinder.

Lieder klingen, als wäre ein Mensch gestorben.
Eine alte Dame.
Bei meiner Nachbarin hat niemand gesungen.

PS Votre Dame ou Notre Dame = Eure Dame oder unsere Dame

7
Eulenspiegeleien / Genderwahnsinn
« am: April 13, 2019, 10:05:37 »
Genderwahnsinn

Ich weiß nicht, weshalb sich manche Bürger und Bürgerinnen und die, die nicht wissen, wo sie pinkeln gehen sollen, wie Kramp-Karrenbauer so schön diffamierend sagte…Wie, Sie finden, das das nicht diffamierend war? Ja, man muss doch schließlich wissen, wo man steht und diese Frau weiß genau, wo sie steht. Fest verankert in der katholischen Kirche, scheint ihr das dritte Geschlecht ein Dorn im Auge, da bläst sie so was einfach mal raus. Schließlich kennt sich die Kirche ja aus mit Blasen.
Kramp-Karrenbauer, über die sich TV-Satiriker und Karnevalisten nicht trauen, andere Witze zu reißen als über ihren Namen, die Frau , die innenpolitisch auftritt, als wäre sie schon die Kanzlerin. Merkel sieht man kaum noch, allenfalls in Verbindung mit Europa. Klammheimlich wird diese Frau aufgebaut, der Mensch, die Menschin und die, die nicht wissen, wo sie pinkeln sollen, gewöhnen sich an das Bild und dann wird er, sie, ersie die bestimmt später als Kanzlerin haben wollen. Aber sischer dat!
Ich weiß also nicht, warum sich manche so aufregen über die Vergenderung der deutschen Sprache. Schließlich ist die deutsche Sprache eine der frauenfeindlichsten der Welt.
Die Artikel der Nomen sind total ungegendert und beunruhigend diffamierend verteilt.
Alles, was stark ist, was trägt, ist männlich. ZB. Der Bürgersteig, der an sich schon gemein ist, denn eigentlich müsste es BürgerundBürgerinnensteig heißen, ist männlich. Vielleicht deshalb, weil zu der Zeit, als dieses Wort erfunden wurde, die Bürgerinnen den Bürger noch nicht bestiegen haben. Das taten nur die Maitressen. Heute gibt es ja auch Maitreure, die Callboys heißen. Interessant, dass sich die deutsche Sprache immer schon von so was distanziert hat und Fremdwörter dafür einsetzte. Wahrscheinlich auch wegen der Katholischen Kirche, denn, was nicht sein darf, das gibt es auch nicht. Da liegt Kramp-Karrenbauer also ziemlich im Fahrwasser. Muss ja, denn die leitet ja die Partei mit dem C im Namen.
Und das verpflichtet. Deshalb wird die Kirche ja auch die Mißbrauchsfälle jetzt akribisch aufarbeiten, denn offenbar wussten die bisher nicht, wo sie pinkeln gehen sollten und das Wort Cinderlieber gibt es nicht.
 Zum Thema zurück: Aber die Vene, die unser Blut trägt, ist weiblich. Oft wird sie dick und unansehnlich im Alter. Der Bürgersteig  nicht.

Alle Autos sind männlich, der Daimler, der SUV, der Audi- nur die wackelige und lahme Ente war weiblich. Es müsste also ergänzend heißen die Daimlerin, bzw der Erpel. Stelle ich mir lustig vor: Dem Erpel, einem Oldtimer, fiel soeben die Tür ab. Ist mir schon passiert als Studentin. Und das war garantiert eine männliche Ente!
Die Lust als Verführerin, als Verruchtes, ist natürlich auch weiblich. Eigentlich müsste es ergänzend Lüster heißen. Ebenso die Last, die natürlich vornehmlich der Mann trägt, darum soll er zukünftig auch Laster heißen.
Am Schönsten aber finde ich, und da wird mir die moderne Erzkatholikin Kramp-Karrenbauer sicher zustimmen: Der Dom. Der Dom, das Sinnbild von Macht und Prunk, von müffelndem Stein, Zucht und Ordnung. Und genau deshalb wird er ergänzt durch Domina.

Deswegen sollten sich Bürger und Bürgerinnen und jene, die noch nicht wissen, wo sie pinkeln wollen und andere, die sich entschlossen haben, dies mangels Toilette im Vorgarten des Bundestages zu tun - deswegen sollten wir uns alle nicht so aufregen. Denn man gewöhnt sich an alles und es wird spannend werden. Die Intellektuellen und Intellektösen , die bei diesem Thema unbedingt auch noch zu hochtrabendem Wort kommen sollten, würden sagen: Panta rhei.
Oder zu deutsch: Jeder pinkelt da, wo er will.


8
Erzählungen von Tausend und einem Halm / Das Boot
« am: April 10, 2019, 11:21:38 »
Das Boot

Manchmal kreuzten sie meinen Weg. Den Weg eines kleinen, unerfahrenen Bootes, das gegen den Strom schwimmt, das den Ausgang zum Meer sucht, um daran zu wachsen und zu lernen.

Sie kamen als Kriegsschiff, stellten sich mir in den Weg, posierten mit ihren Kanonen. Kanonen eines grauen, großen Monsters. Ich konnte seine Macht riechen und  wusste, ich hatte dem nichts entgegenzusetzen.
Im Windschatten eines Ausflugsdampfers stahl ich mich an ihm vorbei. Begleitet von Musik und Tanz der Ausflügler schipperte ich auf die große Welt zu. Sie stand mir nun offen.
Ich entwickelte mich, wuchs und gedieh und kämpfte mich gegen die wilden Wellen der Nordsee von Hafen zu Hafen. Stark machte mich das. Ließ mich zu mir selbst finden.
Bis ich endlich als prächtiges Kreuzfahrtschiff die Meere dieser Erde bereiste:
Das sanfte Mittelmeer, dessen Ufer Zitronenplantagen säumten, umarmt von den hohen Felsen des Atlas. Den rauen Atlantik, dessen Strände mit goldgelbem Sand glänzten, so breit und weit, dass sie fast an Wüsten erinnerten. Den tückischen indischen Ozean, dessen schimmernde Korallenriffe auch großen Schiffen Sorgen bereiten konnten und dessen Küsten doch meterhohe Palmen und pinkfarbene Orchideen schmückten.
Manchmal ortete ich das Echolot eines U-Bootes und wusste: Bruder der Monster. Spielen  wieder Krieg. Elegant schob ich darüber hinweg und sah darauf hinab.
Nach Jahrzehnten kehrte ich zurück in meinen Heimathafen. Da lag das Kriegsschiff vor Anker. Grau wie ehedem, Rost hatte es angesetzt und Tang hing wie Fetzen von Wundverbänden an seinem heruntergekommenen Rumpf. Seine Mannschaft war scheinbar lange schon fort.

Ich tutete, als ich unter dem Beifall meiner Passagiere in Richtung Kai lavierte.
Ein kleines, unerfahrenes Boot wollte hinaus. Hinaus in die Welt. Und ich ließ es vorbei.

9
Wo Enzian und Freiheit ist / Und wäre
« am: April 05, 2019, 10:43:40 »
Und wäre

Und wäre nicht die Welt da draußen
so bitterkalt und leer,
dann wäre sie ein großes Meer,
in dem der Nymphen Locken strahlen
und Fische Aquarelle malen.

Und wäre nicht das Herze vielen
so furchtsam und so leer,
dann wären sie ein großes Heer,
mit dem die Nymphen lockend spielen
wie Kinder ihre Freude teilen,

und Seelen würden heilen.



10
Eulenspiegeleien / Spende dich - ein Gespräch
« am: April 02, 2019, 09:01:29 »
Spende dich - ein Gespräch

Sag mal, hast du einen Organspenderausweis? Ich habe einen!

Nein, ich habe keinen.

Warum denn nicht? Wenn du spendest, würde ein Mensch überleben, der sonst stirbt.

Nicht zwingend- ich will nicht.

Warum denn nicht? Willst du nicht helfen?

Doch. Aber ich möchte mich nicht als potentiales Ersatzteillager empfinden.

Weißt du, dass, wenn du nach Österreich in Urlaub fährst du dort verstirbst, du dann automatisch als Spender giltst  in dem Land?

Nein, wusste ich nicht, aber Österreich gefiel mir noch nie als Urlaubsland.

Das ist zynisch!

Nein, das ist nicht zynisch. Es ist meine ureigenste Entscheidung, ob ich spenden möchte. Und sicherlich nicht die Entscheidung eines Ministers, der sich im neuen Amt profilieren will.
Nettoempfänger in Europa sind die bösen Deutschen. Gruselige Formulierung.

Jaja, jeder will ein Organ haben, wenn er krank ist, aber keiner will eins geben.

DAS ist zynisch und klischeehaft.

Würdest du denn ein Organ wollen?

Nein!

Warum nicht?

Weil ich nicht möchte, dass alle Menschen als potentielle Ersatzteillager gesehen werden. Weiß ich, ob der, dessen Herz ich dann hätte, vielleicht nur vergessen hat, zu widersprechen!
So wie ich immer vergesse, meinen Einkaufszettel mitzunehmen.

Das ist doch Quatsch. Es ist christlich zu spenden, moralisch gut und gesellschaftlich sozial.

Ich würde meiner Tochter, meinem Enkel eine Lebendspende machen, jederzeit -  aber sonst nix.

Aber die Partei, die die Widerspruchslösung einführen will, die meint es doch gut.

Da sind mir die Sozen ja noch lieber, die die Enteignung von Besitzern mit mehr als 20 Wohnungen vorhaben.

Du spinnst doch. Das kann man doch gar nicht vergleichen.

Findest du?




11
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Britta (sapph. Ode)
« am: März 29, 2019, 09:01:34 »
Britta

Bieder wart ihr beide, geboren ärmlich.
Aktenberge, Schreibstuben sind ihr Alltag.
Endloszahlenketten, Papier, vergilbtes,
wurden ihr Schutzwall.

Du doch wolltest immer die Freiheit leben,
gingst in ferne Länder, alleine, furchtlos.
Unbedarfte Jugend, dem Wind zu folgen
über den Wolken.

Tanztest in der Sahara, schmecktest Duft von
Orchideenblüten, die ungebrochen
Dschungel färbten – Lichter, die Schatten spalten.
Schatten von früher.

Steppen wurden Freundin, verwaiste Seelen.
Mammutbäume flammten im Abendlichte
rot wie ein Gebet hinter Meerestosen,
Liedern der Kühnheit.

Wuchsest von dir weg, von dem kleinen Ego,
wuchsest in die Welt, die für andre fremd bleibt.
Vierzig Jahre Abi, du trafst dort Britta.
Worte vertuschten.



12
Wo Enzian und Freiheit ist / Ich sah
« am: März 21, 2019, 09:13:09 »
Ich sah

Ich sah,
als ich sein Lächeln sah,
sein Lächeln und nicht mehr.
Es kam nichts hinterher.

Ich sah sein Lächeln
und ich sah,
was es wohl wirklich war:
Die angstverzerrte Maske
vor dem Miteinander.

Was ist die Welt,
in der sich Mensch nicht traut,
den anderen zu mögen?
Ein Wanderweg im Wald, verbaut
vor jeder Lichtung.

Ich sah und ging
drei Schritt zurück,
als Wind sich fing
in Bäumen.

13
Der Schwan

Der Schwan reckte den grazilen Hals und starrte einen winzigen Spatz an, der am nahen Ufer auf einem Buschzweig wippte.
Da sprach der Spatz keck: „Schwan, warum reckst du den langen Hals, wenn du nicht auffallen willst? Wer auffällt, macht sich angreifbar.“
Der Schwan pfiff verachtend durch die großen Nasenlöcher. Er schickte sich an, galant davon zu schweben, als zwei große Kieselsteine ihn nur knapp verfehlten. Mit Wucht geworfen von hinter Bäumen Versteckten, zogen sie im Sinken weite Kreise auf dem ruhigen See.
Der Spatz war nirgends mehr zu sehen.

14
Erzählungen von Tausend und einem Halm / Vorübergehend
« am: März 14, 2019, 14:01:38 »
Vorübergehend

Vorübergehend sind die Menschen, die Tage, selbst die Jahreszeiten. Menschen gehen aneinander vorüber und Anna fragte sich, weshalb das so sein musste.
Dort, wo sie bisher gelebt hatte, hatten die Menschen das nicht getan. Immer ein freundliches Wie isset, ein kleines Gespräch auf den Lippen. Hundebesitzer gingen gemeinsam, wenn sie denselben Weg hatten, auch, wenn man sich gar nicht kannte. Man redete, lachte und schaute den Hunden beim Spielen zu.
Hier liefen die Leute irgendwie voreinander fort. Hunde schnüffelten und jeder ging seiner Wege, wortlos oftmals. Dann spazierte man hintereinander her und Anna fragte sich, weshalb das so sein musste.
Heute wischt sie den Hausflur und die netten Nachbarn von oben drüber, mit denen Anna und ihr Mann sich gegenseitig zum Kaffee geladen hatten, ebenso. Es war gemütlich und nett gewesen, ein schön gedeckter Tisch, ein frischer Kuchen. Mit Lachen und Umarmung hatte man sich verabschiedet. Ab und zu war die Frau mit in Annas Wohnung gekommen und hatte die neueste Deko gelobt. Ein Umgang miteinander, den Anna mit ihren alten Nachbarn in Köln dreißig Jahre lang so gepflegt hatte. Nie hatte es Streit oder richtigen Ärger gegeben.

Kölsch spricht hier niemand, obwohl die Gegend auch zum Rheinland gehört und Anna scherzt nun, während sie den Wischkappen schwenkt, nach oben: Wie isset? Ihre Frau kütt jar ni mi Deko schauen, ist sie krank?
Da schnauzt der Mann, der letzte Woche noch den Kuchen lobte, den sie hinaufgebracht hatte, sie aufgebracht an: Wir wollen das nicht! Guten Tag, guten Weg, das wars!
Anna schaut ihn schockiert an und schweigt, während sie sich bückt, um den Wischlappen auszuspülen. Er ist braun, undefinierbar schmutzig, obwohl es im Flur gar nicht so schmutzig ausgesehen hat. Sie fühlt sich, als habe man ihr ins Gesicht geschlagen. Und sie fragt sich, weshalb tut der Mann das?
Ja, Anna hat sich vorher freundlich mit denen unterhalten, die der Nachbar von oben nicht mag. Sie haben wohl Streit. Aber in Köln war das so, man redete mit jedem und weshalb auch nicht. Anna hat hier keinen Streit. Es geht sie nichts an, was die beiden haben.
Sie hätte zurückbrüllen können, sie kann das durchaus. Aber sie bekommt kein Wort heraus.
So dreht sie sich herum und beginnt die Haustüre abzuwaschen, was vor ihrem Einzug hier niemand getan hat. Anna putzt, obwohl die Scheibe längst sauber ist und in ihrem Kopf überschlagen sich die Gedanken: Komm, Mädschen, jeder Jeck is anders, saajt mer in Kölle. Was hast du erwartet? In diesen alten Leuten deine liebenswerten Nachbarn wieder zu finden, mit denen du seit Jahren befreundet bist? Oder vielleicht klappt das ja auch einfach nicht mit Düsseldorf und Köln, scherzen die Karnevalisten ja seit jeher drüber… Wenn sie keinen engeren Kontakt wollen, ok, aber nee: Anbrüllen lassen, muss ich mich nicht!
Und plötzlich kommt der Nachbar die Treppe herunter und fragt, als wäre nichts gewesen: Ist der Müller wieder im Krankenhaus? Anna mag keinen Tratsch. Noch nie mochte sie das. Und jetzt hat der die Chuzpe, sie wieder anzuschleimen?
Anna wirft ihren Lappen in den Eimer, zu fest vielleicht und das dunkle Wischwasser spritzt hoch. Sie antwortet unfreundlich: Keine Ahnung und sieht den Mann dabei nicht an.

15
Zwischen Rosen und Romantik / Der Kleine
« am: März 12, 2019, 17:17:23 »
Der Kleine

Drei Tage bist du fort von Mama,
die an der fernen Uni sitzt
und über ihrer Prüfung schwitzt.
Du hast den Mund zum Kuss gespitzt

und flüsterst traurig: „Mama weg.“
Ich streichele dein zartes Köpfchen
und zwirbel dir aus Not ein Zöpfchen
ins Haar, da sehe ich das Tröpfchen

an deinem Auge, seidenfein
rinnt es herab. Willst tapfer sein,
kein Nörgeln, Toben oder Schrein.
Geliebtes Kind, du darfst doch weinen.

Ich wiege dich und summ das Lied,
das immer hier den Schlaf dir bringt.
Es nützt heut nichts, dass Oma singt
und dass ein Stern am Himmel winkt.

Der Hund zieht an der warmen Decke,
will trösten und will bei dir sein.
Er weiß, du bist doch noch so klein.
Ach, für drei Tage viel zu klein.



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