die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: cyparis am April 06, 2011, 05:41:53

Titel: Samt
Beitrag von: cyparis am April 06, 2011, 05:41:53
Ich, als Kind der Kröte,
das nur das Dunkle sah -
hör doch des Frühlings Flöte.
Ich weiß, daß Grün geschah.

Glanz springt mir jäh ins Auge,
spaltet wintermüdes Lid.
Sprak ist die Knoblauchrauke,
dunstend schon das Ried.

Dunkel war die Höhle.
Ruchvoll ist das Kraut.
Mich lockt Aspodele...
Samtner wird mir meine Haut.

Frühling will mich blähen;
Spreitet meine Kehle weit.
Ich will zur andren Seite spähen;
Zum Weg: Zum Laich bereit.


(c)


Hier Erich Kykals Vervollkommnung:


Ich als Erdenkind der Kröte,
das stets nur das Dunkle sah,
höre doch des Frühlings Flöte,
weiß, daß endlich Grün geschah.

Glanz springt jähe mir ins Auge,
spaltet wintermüdes Lid.
Frühe blüht die Knoblauchrauke,
dunstend liegt das lichte Ried.

Dunkel war die traute Höhle.
ahnend winkt das frische Kraut.
Lächelnd lockt mich Aspodele,
samtener wird meine Haut.

Frühling will die Tage blähen;
Spreitet meine Kehle weit.
Muss zur andern Seite spähen,
hin zum Weg: Zum Laich bereit.
Titel: Re:Samt
Beitrag von: Guenter Mehlhorn am April 06, 2011, 13:49:06
Liebes Cyparis.

Wunderbare Worte, die ein fast erschauern lassen.
Du überraschst mich immer wieder mit deinen,
in Sätze gegossenen tiefen Gefühlen.
Das macht dir so leicht keiner nach!

Als Kröte hast Du es erreicht.
Asphodelisch abgelaicht!

L.G. Günter.
Titel: Re:Samt
Beitrag von: cyparis am April 06, 2011, 17:44:40
Lieber Günter,

wie wohl tut mir Dein Lob!


Deine Cyparis-Anne
grüßt Dich von Herzen
Titel: Re:Samt
Beitrag von: Erich Kykal am April 07, 2011, 11:11:58
Hi, Anne!

Schönes Gedicht, anmutig trotz kurzer Zeilen! Ein paar Vorschläge:

Ich als Erdenkind der Kröte, Kein Komma. Metrische Zeilenverängerungen fett geschrieben.
das stets nur das Dunkle sah, Komma, nicht Bindestrich hier.
höre doch des Frühlings Flöte, Komma besser.
weiß, daß endlich Grün geschah.

Glanz springt jähe mir ins Auge,
spaltet wintermüdes Lid.
Frühe blüht die Knoblauchrauke,
dunstend liegt das lichte Ried.

Dunkel war die traute Höhle.
ahnend winkt das frische Kraut.
Lächelnd lockt mich Aspodele, Komma hier.
samtener wird meine Haut.

Frühling will die Tage blähen;
Spreitet meine Kehle weit.
Muss zur andern Seite spähen, Komma genügt.
hin zum Weg: Zum Laich bereit.


So liest es sich ohne akustische Obstruktionen, weich, rhythmisch, fließend.
Danke für dieses Stückchen Schönheit! Sehr gern gelesen!

LG, eKy
Titel: Re:Samt
Beitrag von: cyparis am April 07, 2011, 11:33:54
Lieber!

Ich habe Deine kostbare Variation unter mein Originalgedicht  gedruckt.
 Eigensinnig, wie ich bin,  stehe ich zu meiner holprigen Fassung.

Ganz dankbaren Gruß!

cyparis