die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: Erich Kykal am Juni 03, 2011, 14:31:55
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Wenn sich gen Morgen aufgetane Bühnen lichten,
und dunkler Zauber liegt noch auf der kühlen Flur,
weiß ich bereits von mancher Farbe zu berichten:
Ein lichtes Rosa lässt den hohen Zirrus brennen,
und erstes Blau entsiegelt steigend die Natur,
darin wir Tausendgrün von Wald und Welt erkennen.
Der neue Tag entschweigt sich, in den Zweigen singen
erwachte Vögel ihn mit Melodien herbei,
die mir wie Jubel und wie Hoffnungsglut erklingen,
als wäre dies nach des geliebten Lichts Gebären
der erste Atemzug im Sein, der erste Schrei,
mir meinen Herzenstakt mit ihrem Klang zu nähren.
Die Zeit bewegt sich allen sichtbar nun durchs Leben
und treibt die Schatten weiter über feuchtes Gras:
Die Sonne wächst heran und wird sich bald erheben,
und ein Gedächtnis nur verbleibt an jenen Morgen,
da sie der Schöpfung flutend ihre Messe las
aus ihrem Buch der Lebensfreude und der Sorgen.
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Lieber Erich!
Verlangst Du wirklich einen Kommentar?
Erwartest Du einen?
Ich will Dich nicht langweilen mit meinen immer gleichen Lobgesängen.
Innigst:
cyparis
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Ach, die gute Anne!
Das hatte ich damals wohl völlig zu beantworten übersehen, und nun ist es zu spät für ein Dankeschön ...
Wenn ich es heute lese, kommt es mir doch ein wenig gar "opulent" vor, das hätte ich wohl auch kurzzeiliger verdichten können ... Aber der guten Cypi hat's gefallen. Auch gut.
LG, eKy
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Hi eKy!
Gut hast Du daran getan, - uns zum Gewinn - in eigener Sachen Wiesengrabungen vorzunehmen! :) Opulent mögen die Zeilen sein, aber das empfinde ich keinesfalls als Nachteil. Ich mag diesen Hymnus an die sich (bis auf Weiteres) allmorgendlich in sich selbst reinkarnierende Natur in schönen, langen, melodischen Zeilen, die aufgrund ihrer Sanglichkeit keineswegs einer Kürzung bedürfen. :)
Sehr gerne gelesen!
S.
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Hi Suf!
Ich bin erleichtert über dein Urteil, warst du es doch, der kürzlich vor allzu verschwenderischem Umgang mit Adjektiven gewarnt hat ... ;)
Ich habe nun noch die metrischen Ungleichgewichte geglättet, die der Text an diversen Stellen hatte. Mag nicht aufgefallen sein, aber es gab in diesem Sechsheberwerk so manche Zeile mit sieben oder nur fünf Hebern, und sogar einen betonten Auftakt!
LG, eKy
Zum Vergleich hier der Originaltext (die unpassenden Zeilen markiert):
Wenn sich gen Morgen aufgetane Horizonte lichten,
und dunkler Zauber liegt noch auf der kühlen Flur,
weiß ich bereits von mancher Farbe zu berichten:
Ein lichtes Rosa lässt den hohen Zirrus brennen,
und erstes Blau entsiegelt steigend die Natur,
darin wir Tausendgrün von Wald und Welt erkennen.
Der Tag entschweigt sich, in den Zweigen singen
erwachte Vögel ihn mit ihren Melodien herbei,
die mir wie Jubel und wie Hoffnungsglut erklingen,
als wäre dies nach des geliebten Lichts Gebären
der erste Atemzug in ihrem Sein, der erste Schrei,
mir meinen Herzenstakt mit ihrem Klang zu nähren.
Die Zeit bewegt sich sichtbar nun durchs Leben,
treibt ihre Schatten weiter über feuchtes Gras:
Die Sonne wächst und wird sich bald erheben,
und ein Gedächtnis nur verbleibt an jenen Morgen,
da sie der Schöpfung flutend ihre erste Messe las
aus ihrem Buch der Lebensfreude und der Sorgen.
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Hi eKy!
Die etwas großzügigere Verwendung von Adjektiven war mir zwar aufgefallen, aber ich will den Einsatz dieser unschuldigen Wörtchen nun auch wirklich nicht zum Tabu erklären ;) Insbesondere ein langzeiliges Dichten in gebundener Sprache, wie hier von Dir praktiziert, ist kaum ohne deren ausgiebigen Einsatz möglich. :)
Was nun die metrischen Ausreißer angeht, so wäre mir eine Zwischenversion in Äquidistanz zur face-gelifteten Fassung und zur Ausgangsversion wohl am allerliebsten. Der Wechsel in der Heberzahl von Z1 nach Z2 in der Ur-Variante ist so delikat, dass ich den Ersatz des schönen Wörtchens "aufgetan" durch das vergleichsweise banale "weit" gleich doppelt beweine. Gerade weil die zweite Strophe ja auch einen Kadenzenwechsel zeigt, ist der Wegfall einer Hebung eine wahre musikalische Labsal. Sofern dies nun im Nachhinein Dein Streben nach Ebenmäßigkeit tangiert, bestünde eine Möglichkeit darin, jede Strophe Siebenhebig zu beginnen, um dann in die Sechshebigkeit zu wechseln.
Die Korrektur der (in Version 1 noch fünfhebigen) Eröffnungszeilen in S2 und S3 erscheint mir allerdings sinnig! :) Dito die Korrektur der Siebenheber in S2Z5 und S3Z2 und S3Z5. Bei letztgenannter Zeile hätte ich allerdings "flutend" gestrichen und "erste" beibehalten, da man sonst m. E. nicht mehr versteht, dass hier der erste Schöpfungstag gemeint ist.
LG!
S.
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Schön, lieber Erich, dass es auch Lesern wie mir, die erst später die Wiese betraten, noch einmal so erhaben tagt. In der Zweitfassung wurden wohl ein paar Verse gekürzt. Denn, während ich bei der Erstfassung manchmal Angst hatte, dass die Hängebrücke reißt, ehe ich drüben war, kam ich bei Zweitfassung entspannt auf die andere Seite.
Chapeau von gummibaum
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Hi Suf!
Mit diesem Werk wollte ich damals mitnichten den ersten Schöpfungstag beschreiben, sondern einfach nur einen Tagbeginn, ein Heraufdämmern des Lichts. So war mir auch das "flutend" wichtiger als das "erste".
Das "weite" in Z1 habe ich ersetzt, das gefiel mir auch nicht so gut.
Hi Gum!
Vielen Dank! Ich hoffe, du hast die Versionen nicht verwechselt, denn andere Autoren lassen oben die Urversion stehen und publizieren die korrigierte Version dann irgendwo im Faden. Ich mache das nicht so. Ganz oben, sozusagen im Schaukästchen, sollte immer die aktuellste Version stehen, finde ich. ;)
LG euch beiden, eKy
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Ja, so hatte ich es verstanden. LGg
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Mit diesem Werk wollte ich damals mitnichten den ersten Schöpfungstag beschreiben
Um es mit den unerreichten Worten eines akribischen Germanisten zu sagen: Hier irrt eKy! ;D
Oder, (nur) (etwas) differenzierter ;), mit den Worten von Reich-Ranicki: "Was ein Autor über sein Werk zu sagen hat, sollten wir nicht ignorieren, indes auch nicht sonderlich ernst nehmen." ;D
Die Formulierung "ein Gedächtnis nur verbleibt an jenen Morgen, da sie der Schöpfung flutend ihre erste Messe las" ist nur unter Aufbietung aller Ausblendungsstrategien, die der Verdrängungskunst zu Gebote stehen, anders zu verstehen, als auf die Genesis hindeutend - selbst das Signalwort "Schöpfung" steht ja schön ordentlich und deutlich da. Und was soll die "erste Messe der Schöpfung" anderes sein als der erste Schöpfungstag? Nein, mein lieber eKy, was immer du auch sagen wolltest, hier gehts offenkundig um die ontologische Initialzündung. :)
Liebe und launige Grüße vom
S. :)
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Hi Suf!
Du darfst dir auf meine Werke natürlich jederzeit deinen eigenen Reim machen, wenn dich meine Angaben dazu nicht ansprechen. ;) 8)
Ich gebe nur zu bedenken: Signalwörter müssen nicht immer exakt für jene Signale stehen, die man gemeinhin darunter versteht, bzw. nicht immer auf genau einen bestimmten Deutungsweg führen. Der Autor darf auch mal Ausdrücke anwenden, ohne sich immer groß was dabei denken zu müssen! ;) ;D
LG, eKy
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Ein guter Schlussgedanke, eKy! :)
Dann lass uns in dessen Licht gemeinsam über dem Wasser schweben. ;D
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Hab ich was von einem Schlussgedanken geschrieben? Tja... was kann ich für mein dummes Geschwätz von grad eben. ;D
Mein tränendes Auge erspäht in der aktuellen Version nach stattgehabter (hochverdienter) Expedierung des Allerweltweits in Zeile 1 nun ein blatantes "blau", obgleich selbiges sich in gleicher Strophe weiter unten schon substantivisch-behaglich eingerichtet hat. Die Zeile wehrt sich, stelle ich mit Erfreunis fest, verbissen gegen eine sechshebige Trivialisierung! Das ursprüngliche "aufgetan" ist doch so ein schönes Wort... gibt Dir einen Ruck, lieber eKy! :)
LG!
S.
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Hi Suf!
So, jetzt hast du mich so weit! Bist du glücklich? ;) ;D ::)
Wenn dir diese Version nun auch nicht so recht passen will, dann sei's drum!
LG, eKy
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Hmjoaaah... damit kann ich mich arrangieren... ;) >:D .... nee... ich mags sogar sehr! Liest sich schön! :)
LG!
S.
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Endlich! Was tut man nicht, um zu gefallen! ::) ;)
LG, eKy
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Hi eKy!
Aber seit November hast Du nicht nochmal was geändert oder doch?
Auf jeden Fall sind das jetzt sehr schön abgerundete und stimmige Verse, die ich mir gerne noch einmal vor Augen und zu Herzen geführt habe! :)
LG!
S.
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Hi Suf!
Nein, geändert wurde nichts mehr - ich habe den Text heute bloß "geliftet", weil ich hier nicht das letzte Wort gehabt hatte und dies daher "legal" möglich war.
Dein Eindrück bestätigt übrigens meine durch jahrelange Selbstanalyse gefundene Ansicht, dass die Wirkung eines Gedichtes auf den Leser sehr stark von seiner geistigen wie emotionalen Tagesverfassung abhängig ist, zuweilen auch vom jeweiligen Wissensstand bezüglich Inhalt und lyrischer Sprachschöpfung.
Ein Werk, das vielleicht beim Erstkontakt nicht sonderlich beeindruckte, kommt einem Jahre später wieder unter - und plötzlich ist man begeistert! Umgekehrt liest man zuweilen Texte, die einen einst tief beeindruckten, nur um bei neuerlicher Lektüre festzustellen, dass man nicht mehr weiß, was man sich damals dabei gedacht hat, die so toll zu finden.
Aber vielleicht mag das erneut ein paar Jahre später wiederum anders sein ...
LG, eKy