die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Erich Kykal am August 04, 2011, 10:58:45

Titel: Mein Tod?
Beitrag von: Erich Kykal am August 04, 2011, 10:58:45
Wer ruft mich ab, als wäre kein Erkennen
ihm Pfand genug auf dieser kalten Welt?
Wer reicht mir nun, da alle Brücken brennen,
die kühle Hand, eh noch die letzte fällt?

Wer neigte dich, des letzten Trunkes Schale,
aus ungelöschtem Weh dem welken Mund?
Das Leben fordert Schulden ein. Ich zahle,
und geh an jedem Schluck aus dir zugrund.

Und was gebar ich, der ich nun verblute,
das nicht mit mir in Acht und Asche sinkt?
Warum ist mir nach gutem Ton zumute
in einem Lied, das doch mit mir verklingt?

Wie vieles folgt noch, das ich nie erfahre?
-  Wie wollte, Welt, ich in dir ewig sein!
Du schreitest fort, und alle deine Jahre
verschweigen mich im Aneinanderreihn...
Titel: Re:Mein Tod?
Beitrag von: cyparis am August 05, 2011, 09:55:38
Das ist so tief, daß es schmerzt.


Ich habe nicht nah am Wasser gebaut,
aber ich weine.


cyparis
Titel: Re:Mein Tod?
Beitrag von: Guenter Mehlhorn am August 06, 2011, 15:07:15
Wenn det die ollen Dichter kennten,
sie alle vor Verzückung flennten!

Gerne kommentiert.
Günter.
Titel: Re:Mein Tod?
Beitrag von: a.c.larin am August 12, 2011, 08:23:15
Hallo Erich,

die Sehnsucht  nach dem Ewigen Leben - im Grunde genommen  kann ich sie nicht teilen, denn ich stelle es mir die Ewigkeit schrecklich langweilig vor.
(Wie ein Lied, das irgdnwann mal anfängt und einfach nicht mehr aufhört: ein Dauer-Werbejingle!)
Was sollte, nach irgendeiner Zeit, dann noch Neues hinzukommen?

Aber die Abschiede schmerzen uns - vor allem , wenn es einsame Abschiede sind.
Insoferne ist es wohl nur klug, sich einzubetten in irgendetwas, damit dieser Abschied mit einiger Würde vonstatten gehen kann.
Wir wollen umgeben sein, am Anfang genauso wie am Ende.

Da schwingt viel Wehmut zwischen deinen Zeilen, die höre ich auch.
Ich denke, sie wird auch noch aus ganz anderen Quellen gespeist , nicht nur aus der Trauer um das eigene Selbst.
Das würde ich dir gerne mal erzählen - weil es so manche Qualen lindert, wenn man es weiß....

Liebe Grüße,
larin
Titel: Re:Mein Tod?
Beitrag von: Erich Kykal am August 12, 2011, 12:18:35
Hi, Anne!

Ach, bitte nicht weinen! Ein bißchen "Schnüff" ist okay.

Hi, Günther!

Flennen tut der Dichter nicht,
bestenfalls aus Neid, der Wicht!

Hi, larin!

Für mich ist das Schreiben auch so eine Art Ventil - so werde ich den Überdruck los, schreibe mir alles von der Seele, und dann tut's auch nicht mehr weh. Wenn du dies liest, bin ich als Autor eigentlich schon erlöst...


LG, eKy
Titel: Re:Mein Tod?
Beitrag von: a.c.larin am August 12, 2011, 12:28:14
Hi eky,

Für mich ist das Schreiben auch so eine Art Ventil    .....

hmmmm, das kann ich mir gut vorstellen. so geht es ja wohl den meisten.
manchmal kann es allerdings auch sinn machen, zu gucken, wo der überdruck eigentlich herkommt.

ich hab das immer wieder mal getan. (weil meine "ventile" irgendwann nicht merhr so gut funktioniert haben)
fazit: überdruck hat ursachen. werkt man an diesen, wird der überdruck allmählich erträglich - und verschwindet manchmal auch ganz.

war nett, dass wir uns wiedergesehn haben.
hoffentlich klappt jetzt alles mit dem fenstereinbau und du kannst deine restlichen ferien in gesundheit genießen!
lg, larin
Titel: Re:Mein Tod?
Beitrag von: Guenter Mehlhorn am August 12, 2011, 14:29:43
Des mia Gott Vater als neidischen Wicht abkanzelt,
det kann ick ja noch vastehn.
Aaaba, Günter mit h, nee , det vazeih ick dia nie und nimma!!!
Titel: Re:Mein Tod?
Beitrag von: TAU am August 12, 2011, 15:56:50
Hi Erich,
das Gedicht ist sehr eindrücklich, es birgt in sich doch den Sehnsucht (oder Angst?) nach/vor dem Unbekannten und... es transportiert Emotionen, starke Emotionen rüber. Und gerade das spricht mich bei deinen Gedichten an.

Tja und als geborener Dichterzwerg werde ich mir jetzt etwas ungehöriges erlauben und dem König den Poeten eine Verschlimmbesserung vorschlagen:
Egal ob Du es annimmst, Herr... es war mir ein Vergnügen, tief in deine Zeilen versinken zu dürfen...  

 

Wer ruft mich ab, als wäre kein Erkennen
notwendig ihm und einer kalten Welt?
Wer reicht mir nun, da alle Brücken brennen,
die kühle Hand, eh noch die letzte fällt?  

--Ähm...die letzte WAS?.... Anregung:  der Vorhang
Vorteil: keine Wiederholung mehr in der 1.Z. 2.Str  ;)



Mehr habe ich leider nichts zu meckern...


liebe Grüße
TAU
Titel: Re:Mein Tod?
Beitrag von: Erich Kykal am August 17, 2011, 12:01:30
Hi, GÜNTER!

Sorry wegen des unstattgemäßen "h" in deinem Namen - Asche auf mein Haupt! Außerdem habe ich in Bezug auf den Neid auf mich selber angespielt - sorry, wenn du das irrtümlich auf dich bezogen hast. Es war wohl missverständlich formuliert. Und übrigens - "Gottvater"??? Häh!? Wat soll'n det nu!? Also echt - wirke ich wirklich so arrogant??? ;)


Hi, TAU!

Lieb, dass du dir Gedanken machst - und keine schlechten, wie ich meinen möchte! Allerdings ist nachvollziehbar, was in dieser Zeile mit "der letzten" gemeint sein muss - nämlich die letzte der in der Zeile darüber erwähnten brennenden Brücken! Da ist es, finde ich, nicht notwendig, diese schöne Überleitung zu kippen. "Der Vorhang" ist an und für sich eine sprachlich schöne Alternative, allerdings schon allzu oft bemüht und daher als Bild leider nicht mehr so zwingend und originell. Ich möchte es daher so lassen, wie's ist.
Vielen Dank für deine lieben lobenden Worte.


LG, eKy
Titel: Re:Mein Tod?
Beitrag von: Guenter Mehlhorn am August 17, 2011, 16:43:52
Na sicher.
Das ist doch Nektar für dich.
Da ähneln wir uns alle ein wenig.
Bei mir ist das weniger ausgeprägt,
weil alle wissen, dass ich der Größte bin!

L.G. Günter.