die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Zwischen Rosen und Romantik => Thema gestartet von: Erich Kykal am Dezember 19, 2011, 09:40:41

Titel: Was ich will
Beitrag von: Erich Kykal am Dezember 19, 2011, 09:40:41
Ich will Herz sein, das dir schlägt,
Freude, die dich hell erleuchtet,
Träne, die dein Auge feuchtet,
wenn dein Wesen Kummer trägt.

Ich will Weg sein, wenn du gehst,
und das Gras, das du beschreitest,
und der Mann, den du begleitest,
und das Kind, das du verstehst.

Ich will Teller deiner Speise,
deinem Durste Becher sein -
willst du groß sein, bin ich klein,
willst du laut sein, bin ich leise.

Und will Nacht sein, wenn du ruhst,
und das Lied in deinen Ohren,
und der Tag, dem neu geboren
du im Wandeln Wunder tust.
Titel: Re:Was ich will
Beitrag von: cyparis am Dezember 20, 2011, 10:13:24
Lieber Erich Kykal -


mir blieb es bis heute versagt, solche Liebesgedichte zu schreiben.
Mich hat Dein Gedicht sehr aufgewühlt.
Dennoch bleibe ich neidlos.
Mir bleibt nur eine Verneigung.


Innige Grüße
von
cyparis
Titel: Re: Was ich will
Beitrag von: Erich Kykal am November 08, 2020, 18:00:20
Ach, die liebe Cypi! Dabei ist dieses Liebesgedicht nicht mal so gaaaanz besonders toll, wie ich finde. Und zum Zeitpunkt, da es entstand, hatte es auch keinen aktuellen Anlass - ich nahm Erinnerungen aus meiner Jugend zu Hilfe, als ich zum ersten - und letzten Mal (vergeblich) liebte. Oder zu lieben glaubte ...
Titel: Re: Was ich will
Beitrag von: gummibaum am November 09, 2020, 16:24:48
Ein zartes und anrührendes Liebesgedicht, lieber Erich.

Sehr gern gelesen.

Grüße von gummibaum

Titel: Re: Was ich will
Beitrag von: Erich Kykal am November 09, 2020, 17:28:23
Hi Gum!

Oldies but goldies!  ;D

Vielen Dank für die anheimelnden Worte des Lobes!  :)

LG, eKy
Titel: Re: Was ich will
Beitrag von: AlteLyrikerin am November 12, 2020, 13:48:45
Hi Erich,

eine ganz neue Art der Hybris, die das verliebte lyrische Ich sich hier gekonnt anzieht, um der Geliebten zu gefallen.
Bei mir hätte LyrI da keine Chance, sind seine Verse auch noch so schön gesetzt. Unwillkürlich dächte ich, "der nimmt den Mund aber voll", da bleibt ja keine Möglichkeit mehr zum Küssen. ;D
Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.
Titel: Re: Was ich will
Beitrag von: Erich Kykal am November 12, 2020, 17:19:23
Hi AL!

Schade, dass du es so siehst. Als Überheblichkeit waren die Bilder nicht gedacht:

Das LyrIch will das Herz sein, das ihr (der Geliebten) schlägt, der Weg, auf dem sie wandelt (was könnte demütiger sein in Hingabe), Teller und Becher für ihre Speise, sprich, will sie umsorgen, und die Anmut und Stille der Nacht, sie gänzlich umhüllend und bergend wie Dunkelheit, und der lichte Tag, den sie immer wieder neu erobern darf.

Wo witterst du da Hybris?

Vielen Dank für deine Gedanken!  :)

LG, eKy
Titel: Re: Was ich will
Beitrag von: AlteLyrikerin am November 12, 2020, 17:53:40
Hi Erich,


lese das bitte cum granum salis, denn es ist nicht bitterernst gemeint. Was das LyrIch hier alles sein will, das ist nicht im Ansatz in den Potentialen eines Menschen angelegt (daher die Hybris). Die Liebesbeziehung wäre hoffnungslos überfordert, würde der so angehimmelte Partner auch nur einen Teil davon einfordern. Insofern gehört dieses Liebesgedicht eindeutig in die Kategorie der Minnelyrik -  ;) - es will die Angebetete erhöhen und die Großartigkeit der Liebe des LyrIch herausstellen.


Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.
Titel: Re: Was ich will
Beitrag von: Erich Kykal am November 12, 2020, 19:16:13
Hi AL!

Ich glaub, ich spinne - es ist Minne!  :o :D

Ein wenig romantischer Kitsch ab und zu schadet nicht - was tut man nicht alles für's schmachtende Seufzerle der holden Jungfer!  ;) :)

LG, eKy