die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: cyparis am M?RZ 30, 2012, 15:35:47
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Mein Schritt ward müd in diesem Grausteinfeld.
Die Kräfte fehlen, sind bei Dir geblieben.
Was Rest noch war, hat all mein Sehnen aufgerieben.
Wie gerne hätte ich so viele Jahre Dir bestellt!
Wie gern die Wange zärtlich Dir geküßt,
die Stirn, die Hand, das liebe, liebe Haupt!
Seit Jahren wirst Du täglich mir geraubt,
ach - daß ich selbst statt Deiner sterben müßt!
Ein dunkler Wunsch, mir unerfüllt.
Der Tod hat ungerecht entschieden.
Die Sehnsucht bleibt mir ungestillt.
Kein Trost bleibt mir hienieden.
Zu gehen bleibe ich gewillt:
Mein letzter Gang bringt endlich Frieden.
30.03.2012
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Ach ja.
Das Leben ist so ungerecht.
In Deutschland kann man nicht einmal rezeptfrei eine Entwesung-Tablette Kaufen.
Hilft nur Strick oder totsaufen!
LG.Günter.
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Wenn es ginge, hätte ich Guenter noch geantwortet.
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Hi, Cypi!
Ja - auch ich denke noch ab und an an ihn.
Warum habe ich dieses schöne Gedicht nie kommentiert? Damals übersehen? Oder war ich da noch nicht so aktiv hier?
Jedenfalls sehr gelungen!
Ein paar kleine Korrekturen, damit es ein sauberes Sonett sein kann:
Mein Schritt ward müd in diesem Grausteinfeld.
Die Kräfte fehlen, sind bei Dir geblieben.
Den Rest hat all mein Sehnen aufgerieben.
Viel Jahre mehr hätt ich dir gern bestellt!
Wie gern die Wange zärtlich Dir geküßt,
die Stirn, die Hand, das liebe, liebe Haupt!
Seit Jahren wirst Du täglich mir geraubt,
ach daß ich selbst statt Deiner sterben müßt!
Der schattendunkle Wunsch bleibt unerfüllt.
Der blinde Tod hat ungerecht entschieden.
Die Sehnsucht bleibt mir ewig ungestillt.
Kein sanfter Trost geleitet mich hienieden.
Bald fortzugehen gehen bleibe ich gewillt:
Mein letzter Gang, er bringt mir endlich Frieden.
Sehr gern gelesen! :) Zweifellos eines deiner Glanzlichter!
LG, eKy
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Wenn es ginge, hätte ich Guenter noch geantwortet.
Das ist vorbei, aber zum Glück wurde das Gedicht nochmal an den Flaschenzug gehängt und darf noch ein wenig durch die Landschaft pendeln. Es ist nämlich sehr schön und fasst einfühlsam zusammen, womit sich viele Menschen abfinden müssen, wenn sie überleben und allein zurückbleiben. Trost kann es nicht geben, ein Verlust lässt sich nicht "aussitzen". Er bleibt immer das, was er ist: eine Entbehrung, eine Verkürzung, ein Verzicht. Deshalb ist es meine Maxime, jemanden, der einen Menschen verloren hat, nicht mit noch mehr trostreichen Worten und luftraubendem Rückenklopfen zu überladen. Sie kennen die Wahrheit ohnehin, und den Schmerz nimmt es auch nicht. Also ehrlich bleiben, zuhören und wenn schon sprechen, dann zu Mut und Kraft ermuntern. Ich pflege dann zu sagen: "Das ist jetzt Teil der Lebensgeschichte, und diesen Rucksack muss man tragen. Den kann man nicht an einem beliebigen Tag entsorgen."
Wenn die Beerdiungen immer öfter in unser Leben treten, kapieren wir, dass wir keine Kinder mehr sind. Dann müssen wir uns damit abfinden, dass neben die Lebensfreude, die sich immer wieder durchsetzt, die dauerhafte Trauer tritt. Das lachende und das weinende Auge - ab einem gewissen Alter gehört es zum Leben wie alle anderen Blessuren.
All diese Erkenntnisse kommen in diesem Gedicht meines Erachtens sehr gut zum Vorschein. Es ist aus dem Bauch heraus geschrieben, das merkt man - aber genau deshalb ist es unverfälscht.
Lieben Gruß
Aspasia
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Lieber Erich, liebe Aspasia -
ich bin zu bedrückt, um angemessen auf Eure wertvollen Kommentare zu reagieren.
So vertröste ich Euch auf später.
Matten Gruß
von
Cyparis