die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Erich Kykal am Oktober 17, 2012, 19:08:54
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So still auf eines Hügels Kamm gelegen,
schaut mich der alte Friedhof schweigend an.
Ich will nur mich, er will mein Herz bewegen,
und irgendwas in mir zerbricht daran.
Hier ruhen schon die Mutter und der Vater,
und auch die gute Tante liegt dabei,
bedürfen nicht der Murmelei der Pater,
der Schritte Knirschen und der Dohlen Schrei.
Sie fühlen nicht den kühlen Kuss des Windes,
der Sonne Schreiten und der Wolken Zug,
und übers Grab des namenlosen Kindes
zieht Schatten hin wie einer Krähe Flug.
Ich schweige mit dem Chor entlebter Stimmen.
Die Lettern auf den Gräbern tauschen Platz,
als gingen sie im Zeitenstrome schwimmen
und suchten nach dem Sinn in ihrem Satz.
Was bleibt von allem Streben und Ersehnen,
das uns durch Jahre und Erlebtes treibt,
als dieser Ort, an dem sich Stunden dehnen
zu jener Ewigkeit, die er beschreibt.
Hier ruht der Geist. Egal, ob Sarg, ob Urne,
sie stimmen alle in den Rhythmus ein,
den eine nie verstummende Nokturne
an alle Zeit vergeudet - und ans Sein.
Und jede Trauer wie auch das Gedenken,
sie halten inne vor dem großen Lied,
das nur der Wind begreift, und alle senken
den Blick vor Größerem, das hier geschieht.
(Zu Ehren von Thomas Gray (1716-1771) gedichtet, nach Lektüre seiner "Elegy Written in a Country Church-yard".)
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Ich habe Gänsehaut bekommen, wie so oft, wenn ich wahre Schönheit erkenne.
Lieben Gruß
von
cyparis
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Hi, Cypi!
Spät, aber doch: Vielen Dank für deine wohlwollenden Zeilen!
Dieses Gedicht entstand einerseits nach der Lektüre des in der Widmung erwähnten Gedichtes, andererseits nach einem Besuch am Grab meiner Eltern und der Tante. Friedhöfe verströmen eine ganz eigene Stimmung, und in diesem Gedicht versuchte ich das einzufangen.
LG, eKy
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Hallo Erich,
das ist ein sehr besinnlicher Text zu einem Ort, der zwei Welten vereint und trennt. Jeder Gedanke ist hier kostbar.
Sehr gern gelesen
LG gummibaum
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Hi, Gum!
Realistisch betrachtet ist die 2. Welt nur in unseren Vorstellungen, aber dort umso lebendiger und feierlicher.
Danke für deinen Kommi! :)
LG, eKy
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Hallo Erich,
der Versuch, diese ganz eigene Stimmung von Friedhöfen einzufangen, ist dir - wie könnte es auch anders sein - makellos gelungen!
Genauso empfinde ich, wenn ich einen Gang über einen Friedhof mache.
Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein mir fremder Friedhof ist, oder einer jener, wo sich Gräber von Familienmitgliedern befinden.
Noch kann ich, besser gesagt, will ich mir gar nicht vorstellen, dass auch ich eines Tages dort für immer meinen Platz finden soll.
Ein Gedicht, das unter die Haut geht!
LG Daisy
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Das ist ein phantastisch gutes Gedicht, sowohl in Inhalt und Wortwahl, wie auch in Stimmung und Rhythmus. Die demütige Betrachtung, die aus ihm spricht, hat mich daran erinnert, dass das Wort "eitel" früher einmal "vergänglich" bedeutete.
LG
Aspasia
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HI, Aspasia!
Danke für's Reinschauen! :)
Eitel ist alles Streben...der Friedhof erinnert daran, wie vergänglich wir sind und wie vergeblich unsere Mühen, Dauerhaftes zu hinterlassen. :'(
LG, eKy