die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am Dezember 19, 2012, 14:30:34
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Ein Stein bin ich an vieler Bäche Betten,
und fühle ab und an des Strömens Tropfen
an meine glattgeschabte Schale klopfen,
war immer kalt und niemals je zu retten.
Ein Stein bin ich an vieler Berge Wände,
und fühle ab und an des Windes Streichen
mein kühles Eremitensein erreichen,
für das ich jeden Atemzug verwende.
Ein Stein bin ich und bin es lebenslänglich.
Dem Menschsein gegenüber unverfänglich.
Kein Fluten und kein Wärmen macht mich weich.
Für keines andern Nähe je empfänglich
sind Höhen mir und alle Tiefen gleich
in meinem stillen und entrückten Reich.
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Lieber Erich Kykal -
ich bin von diesem Sonett bezaubert, vor allem das zweite Terzett hat es mir angetan!
Dein Stein, in den Spiegel geworfen, zieht größer werdende Kreise.
Lieben Gruß
von
cyparis
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Hi, Cypi!
Vielen Dank! Wenn man aus sich selber schöpft, gelingen eben die besten Zeilen - weil man sich da selbst am nähesten ist...
LG, eKy
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Ein großes Wort so leicht gesprochen....!
Lieben Gruß
von
cypi
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Was damals unbemerkt blieb, ist der Umstand, dass es in Sonettkünstlerkreisen als unschön gilt, die beiden letzten Zeilen des 2. Terzetts sich direkt reimen zu lassen.
Ich habe das nie verstanden, erzielt diese Version doch ihren ganz eigenen bekräftigenden Duktus, der für manche transportierte Inhalte oder eine Conclusio nützlich bis beinahe elementar sein kann.
'Unschön' liegt wohl im Auge des Betrachters, und ich füge mich nicht den wie aus der Luft persönlichen Geschmacks gegriffenen Einschränkungen eines subjektiven Regelwerks, das ich persönlich nicht nachvollziehen kann. Da hat irgendjemand wohl seine eigene lyrische Präferenz zum Gesetz erklärt, und alle sind ihm gefolgt wie die braven Bählämmchen einer anbetenden Herde ...
Zum Inhalt: Das Werk beschreibt mein Leben als 'Solitär' - wenn man das freiwillige Eremitentum eines sozial Überforderten denn höflich so nennen möchte.
Manche beschreiben mich als Autisten, manche als Soziopathen, und manche einfach nur als von der Welt enttäuschten und gekränkten, schmollenden Sonderling - ich habe mich selbst nie sonderlich um Schubladen geschert.
Aber ja: Dieser Stein bin ich.
LG, eKy
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Lieber Erich,
abseits von den anderen versteinert man leicht: Ein sich Bewahren, unberührt von ihnen, aber vielleicht im Innern klar und glänzend.
Sehr gern gelesen.
LG g
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Hi Gum!
Danke für die Ausgrabung! :D
Ja, das ist bis heute so geblieben und ändert sich jetzt auch nicht mehr. Ich hoffe nur, ich sterbe irgendwann schnell, oder kann mir lange genug Hauskrankenpflege leisten, falls nicht. In ein Altersheim oder Hospiz möchte ich auf gar keinen Fall!
Meine dritte Chemo schlägt gut an, die Knoten schrumpfen wieder und ich habe wieder Kraft. Man merkt den Verlust kaum im Niedergang, so schleichend geht er von statten!
Kommende Woche ist der erste Check-up in der Klinik seit Behandlungsbeginn, aber es fühlt sich gut an.
LG, eKy