die Lyrik-Wiese
Wiesengeschichten => Erzählungen von Tausend und einem Halm => Thema gestartet von: cyparis am Januar 24, 2013, 19:29:33
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Alt waren sie, die beiden vom Gröner-Hof.
Beide hatten gehofft, es möge eine Erbe nachkommen. Vergeblich.
Sie halfen sich beim Tagwerk, eins wie das andre. Hilfe gab nur ein Ochse im halbgefüllten Joch.
Sie saßen oft des abends im gemeinsamen Schweigen beisammen. Eins den Kopf an die Schulter des Andern gelehnt. Draußen auf der Bank, wenn das Wetter es gut meinte, drinnen, wenn es draußen zu arg war.
Sie hatten nicht viel, brauchten nicht viel. Gaben gern
Drei Burschen auf Suche nach Arbeit kamen. Auch für sie gab es ein
Nachtmahl, ein Nachtlager und einenTrunk - aber keine Arbeit, der Lohn
war zu karg.
Schritten am nächsten Morgen weiter, die Drei, fröhlich die Hüte schwenkend und ein "vergelts Gott!" auf den singenden Lippen.
Der Alte ging aufs Feld, mit dem Ochsen eine Spanne zu pflügen.
Er stürzte, kam nicht mehr hoch. Der Ochse, des Zügels ledig, schaute
dumpf.
Lang hat sie gewartet. Hörte nicht des Alten Schritt. Wartete vergebens auf des Ochsen Trott.
Ging zeufzend zum Herd und zog den Topf beiseite.Sprach in bangem Ahnen in die Glut ein "In Aeternam", wie sie es vom Kirchgang kannte.
Stieg hoch. Langsam: den Schritt zu setzen und den Rock zu raffen, das kostete Kraft.
Sie hat ihn gefunden und ihre letzten Tränen in ihn hineingeweint.
So hat man sie entdeckt: die Arme des einen um den Andern gefaltet,
gleich Fittichen, ineinandergeschmiegt.
Wo sie starben, stehen zwei Krüppelkiefern.
Der Hof ist verfallen.
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Liebe cyparis,
es ist bewundernswert, wie berührend du dieses Thema umgesetzt hast und ich muss sagen,
dass mir deine Version besser gefällt, als das Original. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mir
das Menschliche ohne Mitwirkung von Göttern näher liegt.
Großartig!
Liebe Grüße von
Daisy
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Hallo Cypa
auch hier bei deiner Erzählung kommt die Melancholie durch.
Das wird so langsam deine wahre Stärke
schöne Grüße
der Knacki
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Lieber Knacki in der Ferne -
hab Dank!
Dir und Krümel viele liebe Grüße!
Warum machst Du Dich so rar?
Immer:
Cyparis
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Habe den Text hier gern noch einmal gelesen, cyparis. Knappe Sprache verleiht ihm Wucht.
LG gummibaum
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Das geht tief, liebe cyparis...
Und das gefällt mir.
Liebe Grüße
Jonny
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Liebe Cyparis,
je älter ich werde, um so stärker wird der Wunsch in mir, einem Menschen so verbunden zu sein.
Doch:
Der Alte ging aus Feld, mit dem Ochsen eine Spanne zu pflügen.
darf ich aufs Feld lesen ???
Ich habe es gerne gelesen, da es auf das Wesentliche reduziert wurde.
Gedichtet, nur noch nicht in Versen, aber wer weiß ???
Einen lieben Gruß zum Tagesende
von Curd.