die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Erich Kykal am Februar 15, 2013, 16:55:19
-
Er schlurft in grauen Socken durch den Tag,
als wohnte er nicht wirklich in der Welt.
Man hat ihn pensioniert und kaltgestellt.
Es ist wie Kastration mit Zahnbelag,
so denkt er im Gefängnis seiner Wände.
Wozu er atmet, weiß er nicht zu sagen,
er lässt sich blind und taub ins Leben ragen
und wäscht sich einmal wöchentlich die Hände.
Das heiße Leben ist nun ausgekühlt,
er wurde abgehakt und ausgeschieden,
von einer neuen Strömung fortgespült.
Von allem, was Bedeutung hat hienieden,
verachtet, abgeurteilt und gemieden -
von Selbstbedauern einzig aufgewühlt...
-
Hallo Erich,
du stellst eine äußerst deprimierende Situation in diesem bemerkenswerten Sonett dar.
Das LI hat ganz offensichtlich einzig und allein für seinen Job gelebt und weiß nun nichts mit sich
und dem Rest seines Lebens anzufangen und ergeht sich nur noch in Selbstmitleid.
Unvorstellbar, dass es so etwas tatsächlich geben kann!
Du hast dieses Thema überzeugend in Szene gesetzt.
LG Daisy
-
Hi, Daisy!
Dieses Sonett war eher eine "Fingerübung", eine Dreingabe nach dem Gedicht über einen Abend im entlegensten Mühlviertel. Einfach so dahingedichtet, mehr oder weniger. Mich wundert, dass es so "lesbar" geworden ist! Ist natürlich nicht autobiographisch! ;D
Vielen Dank für deine Gedanken!
LG, eKy
-
Das ist das genaue Gegenteil von autobiographisch! ;)
Aber sehr gelungen.
Lieben Gruß
von
cypi
-
Hi, Cypi!
Das würde ich so nicht sagen: Der Zustand an sich ist ja derselbe... ;D, bloß bei ihm, dem Lyrich, ist es der Verlust eines Wertes, den ich meiner Existenz nie beigemessen habe, bei mir sozusagen Normalzustand eines im Grunde aus Trägheit und Feigheit ziellosen Daseins. ::)
LG, eKy
-
Stimmt so nicht!
Davon bin ich überzeugt.
-
hallo erich,
du beschreibst hier den zustand von einem, der offensichtlich gegen seinen willen aus dem berufsalltag herausgerissen wurde.
dann ist die pension natürlich ein schock. das schwierige an der neuen situation dürfte vor allem sein, dass man der gewohnten strukturen verlustig gegangen ist - und sich nun selber neue geben muss. für manche eine schier unlösbare aufgabe.
(und so ist die welt: andere, die diesen zustand schon dringend herbeisehnen, dürfen sich noch weiter durch den job schleppen.....)
dem lyrich Ich gelingt das im moment der aufnahme erst etwas - sagen wir mal - suboptimal: darauf deuten die grauen socken und das einmalige händewaschen pro woche hin....
im allgemeinen muss man wohl sagen, dass frauen, deren lebensbereich auch oft durch "haushalt" usw definert ist, sich weniger schwer tun mit der aufgabe des beruflichen lebens.
generell jedoch leidet mann wie frau unter dem verlust von sozialkontakten, die durch die berufsaufgabe weniger werden könnten....
also, wie steuert der kluge mensch dem entgegen?
ein hobby muss her!
und im zeitalter des internets kann man das vielleicht sogar jederzeit mit anderen teilen.
es lebe die dichtkunst! :D
lg, larin
-
Meine Inspiration: http://www.youtube.com/watch?v=woLbnCfJWuk&list=AL94UKMTqg-9DjYRkOAaRKGtzvvXxfoGNs