die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am M?RZ 31, 2013, 09:56:43

Titel: Der alte Schulweg
Beitrag von: Erich Kykal am M?RZ 31, 2013, 09:56:43
Wieder geh nach manchem Jahr
ich den Weg zu jenem Orte,
da ich Kind und Schüler war,
und mir fehlen schier die Worte!

Ach, wie vieles ist vergangen,
ist versunken mit der Zeit,
da wir hier ins Leben drangen,
voller Zukunft und bereit.

Alles ist so fremd geworden,
will mir scheinen, wie verrufen,
und ein kalter Wind von Norden
geht mit mir die alten Stufen.

Manche großen Bäume fehlen,
jedes Haus sieht anders aus.
Was auch immer sie erzählen,
mir wird kein Erkennen draus.

Anders wirken nun die Gärten,
und so vieles ist verschwunden.
Meines alten Pfads Gefährten
hab ich nimmermehr gefunden.

Zwar die Straße folgt noch immer
ihrer sanften Beuge hier,
doch aus meines Herzens Zimmer
fällt kein Licht auf ihr Revier.

Nichts, was für mich Wärme hätte,
scheint mich hier noch zu begleiten,
keine alte Silhouette
aus den wohlvertrauten Zeiten.

Seufzend geh ich meiner Wege,
wie aus aller Welt entfernt,
und die Wünsche, die ich hege,
haben die Lektion gelernt:

Nur in uns noch leben Lieder,
die wir fröhlich einst gesungen.
Nichts bringt jene Tage wieder,
und die Echos sind verklungen.
Titel: Re:Der alte Schulweg
Beitrag von: cyparis am M?RZ 31, 2013, 18:57:52
Die fünfte Strophe habe ich Dir telepathisch "gefunkt" - stimmt das?
In der letzten Strophe erkenne ich mich auch beinahe wieder,
aber in mir sind nicht die Echos verklungen;
jedes Echo ist verklungen.
(Zum Glück noch nicht ganz).

Ich seh noch die Pfade, Gassen.
Spür des Ranzens kleine Last.
Hat mich das erst grad verlassen?
Woher kam mir Lebens Hast?

Ach, kurzer Rede kurzer Sinn:

Du hast mich schlagartig in meine Volksschultage versetzt;
Wie ein Wellenkräuseln steigt die Erinnerung auf.
Und sie bringt süße Wehmut - weder Arg noch Schmerz.


Hab Dank!

Aber dieses Gedicht ist sehr spontan, wenn ich mich nicht  s e h r  verschätze.


Lieben Gruß
von
Cyparis
Titel: Re:Der alte Schulweg
Beitrag von: Erich Kykal am M?RZ 31, 2013, 20:07:05
Hi, Cypi!

Eigentlich sind fast alle meine Gedichte spontan - für dieses hab ich auch nix anders gemacht als sonst. Ich wollte über eine liebe Erinnerung schreiben, eine Verbindung zur eigenen Vergangenheit, über die sich gut dichten lässt, so im Stil von Reinhard Mey - Liedern - und das ist bei rausgekommen.

Hier ein Link zu einem dieser Lieder:

http://www.youtube.com/watch?v=61PL3KJFPss&list=RD02BU9w9ZtiO8I

Danke für deine - wie immer hoch geschätzten - Gedanken!

LG, eKy



Titel: Re:Der alte Schulweg
Beitrag von: cyparis am M?RZ 31, 2013, 21:35:27
Gut gemeint, lieber Erich -


aber erstens lese ich lieber Deine Gedichte, als mir R.M. anzuhören
und zweitens taugen meine Lautsprecher so hunzig-wenig, daß ich den Gesang nur verschandelt hören könnte.


Lieben Sonntagsgruß
von
Cyparis
Titel: Re:Der alte Schulweg
Beitrag von: Daisy am April 02, 2013, 14:24:13
Hallo Erich,

dein wunderschönes Gedicht macht mich ganz wehmütig!
Besonders die letzte Strophe wirkt auf mich sehr intensiv und berührend.

Mir geht es genau wie deinem LI, denn auch ich erkenne in meinem Geburts- und Schulort
nur noch wenige Dinge, die sich nicht gravierend verändert haben.
Da bleibt einerseits ein tiefes Bedauern, andererseits regt sich auch vollstes Verständnis für
Wandel und Fortschritt, denn wer möchte schon ewig Kind sein und sich ständig nur im Kreis drehen.

Ich finde es herrlich, ab und zu in Erinnerungen zu schwelgen
und dann wieder in der Gegenwart zu landen.

LG Daisy
Titel: Re:Der alte Schulweg
Beitrag von: Erich Kykal am April 02, 2013, 23:51:27
Hi, Daisy!

Das Schwelgen ist ja okay, aber wenn du den Fehler machst, diese Orte nach langer Zeit wieder zu besuchen, wird dich die Diskrepanz zwischen deiner vergoldeten Erinnerung und der tatsächlich über nämliche Orte hinwefgefegten Zeit mitunter ziemlich schockieren. Selber erlebt!

Reinhard Mey singt es richtig in einem seiner Lieder:

Ich denk, es ist nicht gut, zurückzukehren
zu all den Orten, wo wir fröhlich warn.
Die Bilder, die wir dort vorfänden, wären
doch nicht die, die wir uns davon bewahrn.

Erinnerungen sind vor allen Dingen
in uns - und nicht an irgendeinem Ort,
und so schön, wie sie für uns waren, klingen
sie eben nur noch in unsren Erinnerungen fort.

So töricht, wie die Zeiger der Uhren
anzuhalten und zurückzudrehn,
so töricht ist es auch, auf den Spuren
lang vergangner Wege zu gehn.


LG, eKy
Titel: Re:Der alte Schulweg
Beitrag von: cyparis am April 03, 2013, 13:34:51
Der letzten Strophe kann ich nicht vorbehaltlos zustimmen.
Mein gemeinsamer Volksschulweg (mit Zwilling) ist zu 80% noch erhalten, und wir schlendern ihn oft beglückt Hand in Hand entlang.
Selbst die Pflastersteine sind die gleichen wie vor 60 Jahren.
Zwar ist die ehemalige Schule jetzt ein Gemeindezentrum, v.a. für die alten Bürger und Bürgerinnen, aber an der Fassade wurde kaum gerüttelt.
Der alte Schulhof blieb erhalten.

Ich halte es nicht für töricht, in solche Erinnerungen einzutauchen, wenn sie durch Realität gestützt sind.

Lieben Gruß!

Cyparis
Titel: Re:Der alte Schulweg
Beitrag von: Daisy am April 03, 2013, 15:17:58
So wie Cyparis empfinde ich das auch!

Vor zwei Jahren besuchte ich Königswinter am Rhein, wo ich als Schülerin mehrere Jahre hintereinander
die Sommerferien bei meinen Großeltern verbrachte.
Diese Zeit war für mich immer eine ganz besondere und die Erinnerungen daran sind bis heute noch sehr lebendig.
Dieser Besuch dort nach so vielen Jahrzehnten war für mich ein äußerst beglückendes Erlebnis und ich bin fest
entschlossen in absehbarer Zeit das Ganze zu wiederholen.
Vielleicht kommt es auch immer darauf an, was man erwartet und wie man sich auf eine solch Reise in
die Vergangenheit einstellt.

Jedenfalls ist es schön, dass dein Gedicht, lieber Erich, diesen Erinnerungen wieder neue Farbe verleiht!

Lieben Gruß von
Daisy
Titel: Re:Der alte Schulweg
Beitrag von: Erich Kykal am April 03, 2013, 18:01:58
Hi, ihr beiden!

Ich denke, so können wir das stehenlassen. :)

LG, eKy