die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am April 13, 2013, 11:05:48

Titel: Die Gebärde des Augenblicks
Beitrag von: Erich Kykal am April 13, 2013, 11:05:48
Ich sehe, wie die Wolken weiterwandern
und immer neu der Himmel Bühne blinkt,
bis fern die Sängerin des Lichts versinkt
und Raum gibt abertausend blassen andern.

Doch selbst wo Myriaden Sterne glosen,
bleibt nichts an seinem angestammten Ort.
Es dreht das Firmament sich immerfort,
bis neu es Tag wird um den Stolz der Rosen.

Ich finde den Gedanken: So ist Leben!
Ein aus Gewelktem immerzu Erblühn
auf einer rastlos wandelbaren Erde.

Es gibt kein Neuversuchen, kein Vergeben.
Wir leben einzig, feige oder kühn,
als eines Augenblicks vergebliche Gebärde.
Titel: Re:Die Gebärde des Augenblicks
Beitrag von: cyparis am April 14, 2013, 16:02:01
Ich wage mich oft nicht mehr an Kommentare zu Deinen Gedichten,
weil sie so groß sind und meine Worte klein bleiben müssen.
Was gilt ein Stäubchen im Universum?

Die beiden letzten Verse dieses atemberaubenden Sonettes sind dermaßen gut und gültig, daß ich nur verstummen kann.


Cyparis
Titel: Re:Die Gebärde des Augenblicks
Beitrag von: Daisy am April 14, 2013, 16:57:48
Hallo Erich,

mir geht es ja ganz ähnlich wie Cyparis und weil du gemeint hattest, dass ein allzu überschwängliches Lob gar nicht sein müsse,
weiß ich nun erst recht nicht was ich zu deinen Klasse-Gedichten sagen soll, außer, dass ich dieses Sonett hier ganz großartig finde!

LG Daisy
Titel: Re:Die Gebärde des Augenblicks
Beitrag von: Erich Kykal am April 14, 2013, 17:20:57
Hi, Cypi, Daisy!

Danke für's Wagen und Sagen! :) Allerdings ist es im Grunde kein richtiges Sonett: Die Reime von S1 wiederholen sich nicht in S2, und es gibt männliche Kadenzen - ein Sonettfachmann würde das nicht durchgehen lassen!

LG, eKy
Titel: Re:Die Gebärde des Augenblicks
Beitrag von: Daisy am April 14, 2013, 18:40:00
Hallo Erich,

da ich weder Sonettfachmann noch Sonettfachfrau bin,  ;) , ist das für mich ein tolles Sonett! Wie sollte man ein solches Gedicht denn sonst benennen?
Das interessiert mich auch deshalb, weil ich mich mit meinen Erstversuchen vorläufig ganz vorsichtig herantaste und vielleicht irgendwann auch ein "echtes"
Sonett erstellen möchte.

Es gibt sicher eine Menge "echter" Sonette, die trotzdem mit deinem "unechten" nicht mithalten können!  :)

LG Daisy
Titel: Re:Die Gebärde des Augenblicks
Beitrag von: cyparis am April 15, 2013, 09:27:18
Was vermag ein puristischer Sonettfachmann gegen die Schönheit?
Titel: Re:Die Gebärde des Augenblicks
Beitrag von: Erich Kykal am April 20, 2013, 20:47:25
Hi, Cypi!

Es ist der Purist IN MIR, der mir Sorge bereitet! Ich neige dazu, in machen Dingen allzu akribisch zu sein, hemdsärmelig, ja geradezu kleingeistig zu verknöchern, wenn ich nicht aufpasse!

Je länger ich Sonette schreibe, desto wichtiger erscheinen mir zuvor noch leichthin ignorierte Grenzen, versuche ich, vorgeschriebene Ordnung und perfekte Harmonie in Klang und Inhalt unter einen praktisch fast unmöglichen Hut zu bringen. Vielleicht liegt es daran, dass ich einfach viele Schwachstellen sehe, die anderen nicht auffallen, oder denen sie weniger Bedeutung beimessen. Aber der Pedant in mir nagt an jeglicher Selbstzufriedenheit - ein ewig unentscheidbares Rennen um das perfekte Gedicht!

Naja - so bin ich eben! ::)

LG, eKy
Titel: Re:Die Gebärde des Augenblicks
Beitrag von: cyparis am Mai 19, 2013, 20:12:09

Es ist der Purist IN MIR, der mir Sorge bereitet! Ich neige dazu, in machen Dingen allzu akribisch zu sein, hemdsärmelig, ja geradezu kleingeistig zu verknöchern, wenn ich nicht aufpasse!


Das mag glauben, wer will (ich auch),
aber zum Glück bist Du längst jenseits aller Zäune!