die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Erich Kykal am Mai 13, 2013, 18:21:08

Titel: Still und starr
Beitrag von: Erich Kykal am Mai 13, 2013, 18:21:08
So vieles, was ihm wichtig war - entschwunden,
und mehr noch, was er hegte, ging entzwei.
Geräuschlos hinter Masken hallt ein Schrei,
als hätte etwas nicht mehr Halt gefunden,

das schon zu lange, aller Tat entwunden,
im Leeren hing und zitterte dabei,
nicht wissend, was es noch wozu es sei -
mit sich nicht mehr und nicht der Welt verbunden.

So vieles, was ihm heilig war - vergangen,
und keine Träne, die das Schicksal weinte.
Die Lieder, die sein Lebensglück besangen,

verklungen nun, vergessen ohne Reuen,
und was noch nicht vor Jahren schon versteinte,
verwittert nun und wird sich nie erneuen.
Titel: Re:Still und starr
Beitrag von: Daisy am Mai 15, 2013, 21:44:15
Hallo Erich,

bei so viel Starre werde ich auch ganz still.
Ein bedrückender Text, aber natürlich wie gewohnt von besonders feiner Wortakrobatik!

Tolles Sonett!

LG Daisy
Titel: Re:Still und starr
Beitrag von: Erich Kykal am Mai 16, 2013, 10:07:25
Hi, Daisy!

Fast jeder ist solchen Leuten schon begegnet: Versickernd in längst sinnlos gewordenen Ritualen, vergessen von der Welt und/oder sich selber, oder zynisch und verbittert, sauer geworden am eigenen Versagen, an dem selbstredend immer andere schuld waren...
In unseren Altersheimen begegnet man ab und zu solcherlei Typen!

Danke für deinen Zuspruch!

LG, eKy