die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: gummibaum am Juni 02, 2013, 16:41:05
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Man sagte mir, Sie müssen sich gedulden,
es sind noch viele andre Fälle hier,
die warten, denen wir Behandlung schulden,
drum setzten Sie sich erst mal vor die Tür.
Da saß ich nun inmitten grauer Massen
und sah, die Tür ging äußerst selten auf,
begann, die helfen sollten, tief zu hassen,
und nahm die ungeheuere Zeit in Kauf.
Doch als mir schien, mein Leben wird verwettet,
da fragte ich, schon schwindlig, nochmals nach.
"Wenn Sie verfault sind, werden Sie gerettet!",
so hieß es, als ich jetzt zusammenbrach.
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Hallo Gummibaum,
vermutlich selbst durchlebt - ich kann's gut nachempfinden.
Unser Gesundheitssystem ist dadurch charakterisiert, dass die Probleme seit über 30 Jahren nur immer von einer Ecke in die andere gewälzt werden ohne einen Schritt vorwärts zu kommen.
Neulich waren die Ärzte dran, die immer weniger verdienten und für vernünftige Verordnungen bestraft wurden als Störer des sich entwickelnden "sozialen Frühablebens".
Nun sind es die Krankenhäuser, die "gesundgeschröpft" werden, obwohl im System bei den Kassen Milliarden liegen.
Wie immer ist der Leidtragende der Patient, wie Du es ja trefflich beschreibst.
Auf die Realität projiziert erscheint mir der Schluss ein wenig heftig, aber nur so kommt das, was die Betroffenen empfinden, auch richtig zum Ausdruck.
Dein Text hat mir sowohl inhaltlich als auch handwerklich gefallen!
Liebe Grüße!
galapapa
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Hi, Gum!
Zwischen Slapstick und Zynismus...
Ich war selbst jahrelang Einsatzfahrer beim Roten Kreuz, erst als Zivi, später als Freiwilliger, und kenne die Notaufnahmen, zumindest die von vor 20 Jahren. Mag sein, dass es heute stellenweise schon fast so ist wie beschrieben, zumindest in Deutschland. Von österreichischen Einrichtungen möchte ich besser denken...aber natürlich, wer weiß...
Andererseits wird im täglichen Wahnsinn solcher Zonen rasch mal jemandes Leiden falsch eingeschätzt, vor allem, wenn derjenige sich gut zu beherrschen weiß und das wahre Ausmaß seiner Gefährdung nicht nach außen zu tragen versteht. Wir sind eben alle nur Menschen...
Jedenfalls gut und packend zu lesen geschrieben! Die komödiantische Note entschärft etwas die harte Anklage, die da mitschwingt. Dennoch schwierig für jemanden, der sich - so wie ich scheinbar immer noch - mit der "Gegenseite" indentifiziert. ;)
LG, eKy
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begann, die helfen sollten, still zu hassen,
ist unsauber, denn gesagt werden soll m.E.
"begann die, die helfen sollten, still zu hassen"
Vllt.
"begann die Helfer wortlos tief zu hassen"
oder so?
LG
Cyparis
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Danke, Erich und Cyparis für eure gründlichen
Eine einseitig Anklage des medizinischen Personals sollte es nicht sein. Der Wartende setzt sich in seiner Situation aber nicht mit der Organisation, die dahinter steckt, auseinander. Fakt ist, dass die Aufnahme sehr stark bürokratisiert ist, eine Hand nicht weiß, was die andere tut, Wochenenddienst häufig jungen ausländischen Ärzten ohne genügende Erfahrung versehen wird, in kleinen Krankenhäusern sehr gespart wird und in Unikliniken die Hierarchie die Entscheidungsprozesse, wie behandelt wird, verlangsamt.
Die vondir, Cyparis, vorgeschlagene Änderung habe ich erst umgesetzt, dann wieder rückgängig gemacht, da ich "tief hassen" zu stark fand, um noch geduldig warten zu können.
LG gummibaum
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Ja, lieber gummibaum -
mir ging im Grunde lediglich um das fehlende "die"
(die, die....).
Ich feile auch ungern an meinen Sachen rum, außer wenn mir Kenner wie Wiesenlyriker die armen, alten Augen öffnen.
Übrigens:
Dein Märchen-Gedichtband wurde von mir irgendwo besungen.
Er steht auf dem Regal über meinem Laptop.
Für mich war die Arbeit erschwinglich, für eine größere Auflage eher nicht. :)
Ganz lieben Gruß
vom
erschöpften
Cyparis