die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Wo Enzian und Freiheit ist => Thema gestartet von: Erich Kykal am Juni 25, 2013, 21:00:48
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Die langen, überschlanken Hände ruhn
im Schoß, als suchten sie den scheuen Augen
ein Halt zu sein in jenen Augenblicken,
da andere um sie Gefühle zücken,
sich ewig prüfend, ob sie weiter taugen
für alles das, was wir einander tun.
Sie ist gestählt an einer innren Stille,
die jenseits solcher Pfänderspiele steht,
als wären in ihr nicht Verletzlichkeit
und Weisheit stetig wechselnd aufgereiht
an diesem Nerv, der durch ihr Leben geht
wie ein zu lang daran geprüfter Wille.
Sie weiß den Zweifeln, wenn sie niederregnen,
die hohe Stirn zu bieten für das Eine,
das sie nie hingab, und hingebungsvoll
trägt sie es tränenwund durch Weh und Wohl,
als wäre nur dies Opfer, dieses reine,
imstande, ihre Gegenwart zu segnen.
(Überarbeitete Fassung eines Gedichtes aus "Weltenwege")
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Lieber Erich -
wie nicht anders zu erwarten -
ein Hochgenuß, auch wenn ich metrisch ein einuiges kleines Mal ins Schwanken (nicht Stolpern!) kam.
Dank für den Genuß
von
Cyparis
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Ei, liebe Cypi, wo schwanktest du denn? Ich hatte das Gedicht ja extra metrisch glätten wollen - es stammt aus einer Zeit, als ich von Hebungen und Kadenzen noch sowas von keine Ahnung hatte und wirklich nur rein nach Melodie dichtete. Nun haben alle Zeilen 5 Heber.
Der einzige Ausreißer ist der betonte Auftakt von S3Z1, aber da ist mir noch keine entsprechende unbetonte Einstiegsfloskel zu eingefallen!
LG, eKy
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es ist
hingebungsvoll.
Aber störe Dich nicht an meinen törichten Bemerkungen! :)
Zarte Fernumarmung
von
Cyparis
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Hi, Cypi!
Ich betone hier auf der 2. und der letzten Silbe: "hinGEbungsVOLL". Klingt ungewohnt, aber es fließt so durchaus mit der Meodie des Satzes. Das "hin" ist dabei so etwa halb betont gesprochen.
LG, eKy
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Und ich betone die erste Silbe ebenso stark wie die zweite und letzte. ;)
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Hallo Erich,
ein tolles Bild, das du hier mit beeindruckenden Versen malst! Bin begeistert!
Mir geht es ganz ähnlich wie Cyparis, denn ich betone (ganz automatisch) ebenso wie sie den besagten Ausdruck: hingebungsvoll.
Das ist aber keineswegs problematisch oder störend. Vergleichbares kommt mir auch bei Rilke da und dort unter!
Die erste Zeile von S3 könnte ich mir eventuell so vorstellen: "Den Zweifeln weiß sie, wenn sie niederregnen, ..."
Aber du bist der Meister und weißt bestimmt besser was zu tun ist! :)
Allergernst gelesen!
LG Daisy
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HI, Daisy!
An diese Lösung hatte ich auch schon gedacht, allerdings klang sie für mich sprachlich weniger gediegen, und irgendwie scheint der betonte Beginn der letzten Strophe auch nicht zu stören - der Melodie tut es nix! Also zaudere ich noch...
Vielen Dank für deine Gedanken!
LG, eKy