die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: galapapa am Juli 28, 2013, 13:34:50

Titel: Wetterleuchten
Beitrag von: galapapa am Juli 28, 2013, 13:34:50
Erdrückend ist es, dieses schwüle Schweigen.
Still dürstend steht das Grün bewegungslos,
die Nacht liegt wie ein schwerer Atemstoß
im welken Gras, im Baum und seinen Zweigen.

Kein Stern will sich am düstren Himmel zeigen,
die Dunkelheit erscheint mir seltsam bloß;
sie trägt Erwartung stumm in ihrem Schoß.
Ich fühle Schwermut aus den Schatten steigen.

Ersehnte Botschaft ist ein helles Licht:
Halt aus und hab Geduld, will es bekunden,
behalt die Hoffnung und verzweifle nicht

in den entbehrungsreichen, schweren Stunden!
Das  ferne Wetterleuchten, es verspricht:
Die dürre Zeit ist bald schon überwunden.
Titel: Re:Wetterleuchten
Beitrag von: Erich Kykal am Juli 28, 2013, 14:36:05
Hi, Charly!

Wundervoll - ein perfektes Sonett, sprachlich wie inhaltlich stringent durchgezogen: Ein Wonne, dies zu lesen!

Nur ein paar winzige Kleinigkeiten:

S1Z3 - KEIN Komma am Zeilenende, der Satz setzt sich direkt in Z4 fort.

S1Z4 - Vor dem Punkt am Zeilenende ist ein unnötiger Abstand.

S4Z2 - Hier würde ein Doppelpunkt am Zeilenende die Pause vor der Conclusio formal wie inhaltlich unterstreichen (Letzte Zeile groß beginnen).

Die Anführungsstriche einer direkten Rede würde ich weglassen, ich halte sie für unnötig. Wie es gemeint ist, weiß man ohnehin, und sie stören das homogene Schriftbild doch sehr, wie ich finde. Außerdem müssten die beiden letzten Zeilen dann logischerweise auch noch zu dieser direkten Rede gehören, was sie sehr lang und unübersichtlich machte. Nein, ich würde sie einfach weglassen.

Allergernst gelesen und genossen! Eins deiner Glanzstücke bisher! Die perfekte Waage von Pathos und nüchterner Beschreibung - das macht große Lyrik aus!

LG, eKy
Titel: Re:Wetterleuchten
Beitrag von: Daisy am Juli 28, 2013, 22:00:19
Lieber Galapapa,

das ist ein ganz herrliches Sonett und dann auch noch mein Lieblingsthema Natur! Ich schwelge!  :)
Hier fühle ich mich ganz in das Geschehen eingebunden, fühle jedes Detail und ergötze mich am ferne Wetterleuchten.
Hoffentlich ist da kein Unwetter im Anmarsch.

Großartig!

Lieben Gruß von
Daisy
Titel: Re:Wetterleuchten
Beitrag von: galapapa am Juli 28, 2013, 22:30:37
Hallo Erich,
danke für Dein großes Lob und Deine Korrekturen!
Ich habe alles übernommen, auch die Anführungsstriche beseitigt. Die hatten mich auch gestört, ich dachte nur, die müssten sein.
Hier im Schwarzwald hat's inzwischen mächtig gerumpelt und die Natur hat durchgeatmet.
Herzliche Grüße!  :)
Charly

Liebe Daisy,
danke für Dein schönes Lob! Es tut sehr gut, zu erfahren, dass eigene Texte gefallen und berühren.
Die Unwetter sind heute über Deutschland weggezogen und ich denke an alle Betroffenen, deren Hab und Gut zum Teil mit tennisballgroßen Hagelgeschossen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ich danke dem Himmel, dass ich davon verschont geblieben bin.
Liebe Grüße!
Charly
Titel: Re:Wetterleuchten
Beitrag von: cyparis am Juli 31, 2013, 19:54:40
Wie Erich, lieber Galapapa:


S4Z2 - Hier würde ein Doppelpunkt am Zeilenende die Pause vor der Conclusio formal wie inhaltlich unterstreichen (Letzte Zeile groß beginnen).


An Lob ist bereits alles gesagt,
nimm alles zusammen und zieh eine Essenz daraus;
das ist dann meines. :)

Ganz herzliche Grüße
von
Cyparis
Titel: Re:Wetterleuchten
Beitrag von: galapapa am August 01, 2013, 08:45:29
Liebe Cyparis,
danke fürs Lob und die Anregungen!
Das mit dem Doppelpunkt hatte Erich ja schon vorgeschlagen; ich hatte das nur vergessen das zu ändern. Das ist natürlich richtig.
Liebe Grüße!
Galapapa
Titel: Re:Wetterleuchten
Beitrag von: gummibaum am August 05, 2013, 11:57:24
Sehr, sehr schönes Sonett, galapapa! Der durch das "Wetterleuchten" vollzogene Brückenschlag, der von der Natur zur menschlichen Hoffnung hinführt,  ist wahrlich gut gelungen.

Gern gelesen. LG gummibaum
Titel: Re:Wetterleuchten
Beitrag von: galapapa am August 05, 2013, 12:56:46
Hallo Gummibaum,
hab lieben Dank für Dein Lob!
Ja, Wetterleuchten hatte für mich immer die Assoziation zu Erwartung, Hoffnung bis hin zu naher Bedrohung. Es erzählt auch von einem Geschehen in weiter Ferne, was diesem Leuchten auch eine mysteriöse bis unheimliche Note verleiht.
Liebe Grüße!
Galapapa