die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Zwischen Rosen und Romantik => Thema gestartet von: galapapa am Juli 29, 2013, 13:32:18

Titel: Dein Gesang
Beitrag von: galapapa am Juli 29, 2013, 13:32:18
Du badest meine Seele in Entzücken;
mit deiner Stimme Engelharfenklang
ertönt mir paradiesischer Gesang.
Was könnte je mich seliger beglücken?!

Es scheint, ich wolle dieser Welt entrücken,
kein Unbill ficht mich an und macht mich bang.
Dein Sphärenduft fließt meinen Weg entlang;
ich nahm ihn auf, gebannt, aus freien Stücken.

Wie elend war mein Dasein doch davor,
wie sinnentleert mein Denken und mein Fühlen,
eh ich das öde Sein durch dich verlor?!

Verlangen will mein Innerstes zerwühlen,
es stieg aus deinem Anblick mir empor.
Nur deine Nähe kann mein Leiden kühlen.
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: Erich Kykal am Juli 29, 2013, 17:04:06
Hi, Charly!

Ein "Schmachtfetzen" :mrgreen: , wie wir in Österreich sagen, aber gelungen!
Ein paar Kleinigkeiten zur freundlichen Inbedachtnahme:

    galapapa hat geschrieben:Du badest meine Seele in Entzücken;
    mit deiner Stimme Engelharfenklang
    ertönt mir paradiesischer Gesang.
    Was könnte mich je seliger beglücken?! Schöner fließend und sprachlich edler: "Was könnte je mich seliger beglücken?!"

    Es scheint, ich wolle dieser Welt entrücken,
    kein Unbill ficht mich an und macht mich bang. "Die Unbill" ist weiblich, also müsste es "keine" heißen. Alternative: "Übel" würde passen. (Schade, "Unbill" gefällt mir auch sehr!)
    Dein Sphärenduft fließt meinen Weg entlang;
    ich nahm ihn auf, gebannt, aus freien Stücken.

    Wie elend war mein Dasein doch davor,
    wie sinnlos war mein Denken und mein Fühlen, 2mal "wie", 2mal "war". Alternative: "so sinnentleert mein Denken und mein Fühlen,"
    eh ich das leere Sein durch dich verlor?! Alternative statt "leere": "dürre"

    Verlangen will mein Innerstes zerwühlen,
    es stieg aus deinem Anblick mir empor; Hier würde ich Punkt oder Rufzeichen verwenden, um die Conclusio der letzten Zeile sauber abzusetzen.
    nur deine Nähe kann mein Leiden kühlen.




Sehr intensiv verdichtet, gern gelesen!

LG, eKy
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: galapapa am Juli 29, 2013, 19:52:18
Hallo Erich,
danke fürs Lob und deine Vorschläge, die ich im Einzelnen durchgehen möchte:
1. Strophe: Deinen Vorschlag übernehme ich; das klingt in der Tat flüssiger.
2. Strophe: Ich kenn "Unbill" nur sächlich und weiblich, habe aber im Duden nachgeschaut. Dort steht, dass man es in allen drei Formen verwenden kann. Das kann also so stehenbleiben.
3. Strophe: Das Wiederholen von "wei" und "was" war eignetlich absichtlich, um die damit verbundene Aussage herauszuheben und zu verstärken. Nun gefällt mir aber Dein "sinnentleert" so gut, dass ich die
Änderung vornehme.
4. Strophe: Einverstanden.
Nochmals danke für Deine Mühe und herzliche Grüße!  :)
Charly
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: Erich Kykal am Juli 30, 2013, 00:32:54
"DAS Unbill"???? - Nöh, für mich wird es immer nur "die Unbill" geben! Und ich habe es auch niemals anders gelesen.

LG, eKy
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: Fridolin am Juli 30, 2013, 08:27:35
Hallo Galapapa,

schön fließende, bilderreiche Sprache, bewundernswert.

Es heißt tatsächlich die Unbill. Wie wäre Unheil.

LG Fridolin
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: galapapa am Juli 30, 2013, 09:06:46
Hallo Fridolin,
danke für Dein Lob und Deinen Hinweis.
Vermutlich hast Du meine Antwort an Erich eins weiter oben nicht gelesen. Dort hab ich schon darauf hingewiesen, dass laut Duden alle drei Formen "der/die/das Unbill" heute möglich sind.
Mir selbst lag die sächliche Form am nächsten aus Gewohnheit. Ich glaube auch, das ist einfach Gewohnheitssache.
"Das unbillige Schicksal" ist vielleicht eine Brücke.
Aber Deinen Vorschlag überleg ich mir noch; der würde die Diskussion beenden.
Herzliche Grüße!
Charly
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: Fridolin am Juli 30, 2013, 10:53:09
Hallo Charly,

im  meinem Duden "Die deutsche Rechtschreibung" steht nur die Unbill, und ich habe den neuesten.

Zusätzlich steht im Duden Band 9 "Richtiges und gutes Deutsch, Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle" unter dem Stichwort "Unbill/Unbilden":

Die beiden Wörter, von denen Unbill nur im Singular, Unbilden nur im Plural steht, haben verschiedene Bedeutung. Der Singular die Unbill ist eine alte Substanivierung des mittelhochdeutschen Adjektivs unbil «ungemäß» Dieses Wort wird noch in gehobener Ausdrucksweise im Sinne von «Unrecht, Kränkung» gebraucht: Er rächte sich für die Unbill, die ihm widerfahren war.

Erich hat also schon recht.

LG Fridolin   
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: galapapa am Juli 30, 2013, 14:18:49
Hallo Fridolin,
danke für den Hinweis! Das ist ja interessant, da scheinen online und im aktuellen Buch unterschiedliche Dinge zu stehen.
Bitte schau selber nach, ich trau mich nicht, das einfach raus zu kopieren: http://www.duden.de/rechtschreibung/Unbill
Sollte das wirklich so sein, dann müssten die Verantwortlichen darauf aufmerksam gemacht werden. Und dann wäre noch zu klären, was denn nun richtig ist.
Mir war das Wort nur im Neutrum bekannt.
Schaust Du bitte nach und bestätige mir bitte (ich hab das Buch nicht), dass es da tatsächlich zwei Versionen gibt. Ich schreibe dann an die Verantwortlichen.
LG!
Galapapa
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: Fridolin am Juli 30, 2013, 18:35:32
Hallo Charly,

das wird ja immer lustiger! Bei DUDEN online heißt es:

Substantiv, feminin oder Substantiv, maskulin oder Substantiv, Neutrum - üble Behandlung; Unrecht; etwas Übles, was jemand zu ertragen hat.

DUDEN 1 "Die deutsche Rechtschreibung", 25. Auflage: die Unbill.
DUDEN 9 "Richtiges und gutes Deutsch, Wörterbuch der Zweifelsfälle": die Unbill

Schon seltsam diese Beliebigkeit.

LG Fridolin
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: Daisy am Juli 30, 2013, 21:09:49
Lieber Galapapa,

wenn Erich ein solches Gedicht in die Kategorie "Schmachtfetzen" einstuft, dann empfinde ich das ganz anders.
Eine so wunderbare Liebeserklärung ist ein einzigartiges Geschenk und welche Frau wünschte sich nicht ein solches von ihrem Liebsten!

Für mich ist dieses Gedicht ein absolutes "Highlight".  :)

Lieben Gruß von
Daisy
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: cyparis am Juli 31, 2013, 11:43:43
Eine direkt überwältigende Liebeserklärung!
Da bleibt der Mund offenstehen.
Die Besungene, lieber Galapapa, kann nur liebenswert sein, wenn sie Dich zu einem solchen Gedicht inspiriert hat!


Herzlichen Gruß
von
Cyparis
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: Erich Kykal am Juli 31, 2013, 12:02:46
Liebe Daisy!

"Schmachtfetzen" ;D meinte ich im postitivst möglichen und liebevollsten Sinne! Ich schrieb ja gleich danach, dass ich das Werrk für gelungen halte! - Aber ist dieses Gedicht wirklich nur für Frauen geschrieben!!! :D ;)

LG, eKy
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: cyparis am Juli 31, 2013, 12:25:05
Könnte ebenso einen religiösen wie sängerhaften Bezug haben.
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: galapapa am August 01, 2013, 08:26:27
Hallo Fridolin,
danke für Deine Angaben!
Ich werde da mal anfragen bei der Duden-Redaktion und Dich auf dem Laufenden halten.
Liebe Grüße!
Galapapa

Liebe Daisy,
Herzlichen Dank für dieses schöne Lob!
Ich glaube nicht, dass Erich das in negativem Sinn gemeint hat, wie er ja auch richtiggestellt hat.
Es kommt glaube ich sehr auf die eigene Stimmung und Gefühlslage an, wie man auf solche Texte reagiert und was man dabei empfindet.
Ganz liebe Grüße! :)
 Galapapa

Liebe Cyparis,
liebenswert ist die Besungene, darauf kannst Du Dich verlassen! :D
Solche Gefühle und Empfindungen sind ein wunderbares Geschenk.
Ganz herzlichen Dank für Dein Lob, liebe Cyparis!
Liebe Grüße!
Galapapa

Hallo Erich,
für wen sonst, wenn nicht für Frauen; bei mir kämen nur noch Katzen in Frage. ;D :D
Nein, ernsthaft, Du hast natürlich Recht und so meine ich meine Texte auch grundsätzlich: Jeder soll für sich nach seiner Gemütslage das herauslesen, was ihm gefällt, ihn aufmuntert, erfreut...
Es gibt natürlich auch Stimmungen, in denen einen solche Texte einfach nicht "mitnehmen"; das ist ganz normal und richtig so.
Herzlichen Gruß nochmal!
Galapapa


Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: galapapa am August 05, 2013, 12:51:52
Hallo Fridolin und Erich,
hier die Antwort von der Duden-Redaktion auf meine Anfrage wegen "Unbill" (die oder das?):

Lieber Herr Kirchherr,

 vielen Dank für Ihre Anfrage.

 Im Rechtschreibduden und im Dudenband 9 wird die heute allgemein übliche Verwendung als Femininum angegeben.

Der Online-Duden verzeichnet die daneben auch möglichen Formen, die sich im heutigen Sprachgebrauch aber eher seltener finden.

 Ich hoffe, wir konnten Ihre Frage hiermit beantworten.

 Mit freundlichen Grüßen

 Annika Bülling

Die Beliebigkeit wird hier also bestätigt, wenn auch mit der Einschränkung des seltenen Gebrauchs.
Das müssen wir dann wohl so hinnehmen.
Das Gleiche gilt dann wohl auch für die/der Gleichmut.
Liebe Grüße!
Galapapa
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: gummibaum am August 06, 2013, 18:00:41
Sehr wohlklingender Text. Ausgewogen, ausgefeilt und doch berührend, galapapa.

LG gummibaum
Titel: Re:Dein Gesang
Beitrag von: galapapa am August 06, 2013, 22:11:39
Hallo Gummibaum,
für Deinen lobenden Kommentar lieben Dank!
Mit herzlichen Grüßen! :)
galapapa