die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am M?RZ 04, 2014, 20:42:19
-
Ich träume alten Tagen nach, entspinne
ein Bild von Leben, das mir dort gelang.
Das süße Fluten netzt die dürren Sinne,
erinnert sie an Lieder, die ich sang.
Durch tiefes Fühlen taumelnd widersage
ich allen Eiden, die Vernunft befahl.
Erinnerung bin ich und überrage
die Tänzer alle in dem weiten Saal,
in dem sie, von Verdunkeltem umfangen,
ein Leben wagen zu verstimmtem Klang,
in blinden Zwängen zuckend, in Verlangen
geschlagen, das ihr Jubelndes bezwang.
Entschwebend geht mein guter Geist auf Reisen,
enthebt sich den Umlagerten der Zeit.
Die Wege mag der fernste Stern mir weisen.
Wohin? - Bis an die letzte Schwelle weit.
-
Sehr, sehr schön, Erich. Man sieht plastisch die Tänzer aus den Räumen der Erinnerung aufsteigen und den Saal beleben. Man sieht sie, von den Zwängen der Vernunft, den Kompromissen eines bürgerlichen Lebens gehindert, nur langsam und über manche noch verunglückte Figur ihre Leichtigkeit und Grazie wiederfinden, bis sie dann doch das LI mit sich auf die Reise der Entgrenzung nehmen. Idee, Inhalt und Form sind bestens.
Super gern gelesen!
Gruß gummibaum
-
Hi, Gum!
Ein so betontes Lob freut mich sehr! :D Vielen Dank!
LG, eKy
-
Hallo Erich,
wie gut kann ich diesen Zustand nachempfinden und ebenso wie Gummibaum sehe ich den Ablauf bildlich vor mir.
Ein wunderschönes Gedicht mit romantischem Touch!
Besonders gut gefällt mir die erste Strophe, da sie mich auch gefühlsmäßig sehr berührt.
Die wechselnden klingenden und stumpfen Kadenzen unterstreichen die Emotionen noch zusätzlich und machen das Gedicht sehr melodisch.
Bin beeindruckt und begeistert!
LG Daisy
-
Hi, Daisy!
Dies ist sozusagen das polare Gegengewicht zum orgiastischen Gedicht davor (Krallen der Lust) - kontemplative Einkehr, Beruhigung, Rückzug aus dem in Befangenheit verkrüppelten Miteinander.
Vielen Dank für deine freundlichen Worte!
LG, eKy
-
Nur dies:
Ich bin aufgelöst, hingerissen, darob beinahe weinend sprachlos.
Sprachlos.
Cyparis
-
Hi, Cypi!
In diesem Falle iat deine "Auflösung" ganz meine Freude! :D ;)
LG, eKy
-
Lieber Eky,
was soll man dazu sagen, du bist eben wahrhaftig ein Traumdichter. Dichtest du auch im Traum?
Liebe Grüße
Fridolin
-
Hi, Fridolin!
Ist mir echt schon passiert! Das Problem ist, die Reime in den Wachzustand herüberzuretten. Einmal geglückt, einmal nicht, und wenn letzteres passiert, ärgert man sich besonders, denn wenn die Erinnerung an das "traumhafte Werk" erst verblasst ist, bleibt nur das bohrende, schreckliche Gefühl zurück, womöglich die allerschönsten Zeilen seines Lebens gedichtet - und dann verloren zu haben! Welch eine Qual!
Vielen Dank für deinen Zuspruch!
LG, eKy
-
Das Problem ist, die Reime in den Wachzustand herüberzuretten. Einmal geglückt, einmal nicht,
Welche Qual -
ich kenne sie.
Schlimm ist für mich, daß mir (scheinbar) gelungene Texte während des Aurofahrens einfallen.
Bin ich am Ziel:
99% weg, wie gelöscht.
-
Ist mir auch passiert, vor allem 2005-2007, in der Anfangsphase, da ich wieder zu schreiben begonnen hatte. Ich konnte mir immer nur 2 Vierzeiler merken. Beim Dichten der dritten Str. verlor ich die erste usw.
Ich hatte mir ein Notizbüchlein ins Auto gepackt, um im Falle einer kreativen Aufwallung irgendwo an den Rand fahren und das Gedichtete aufschreiben zu können. Mittlerweile aber ist das schon sehr lange nicht mehr vorgekommen.
Tröstlich zu lesen, dass derlei auch anderen passiert! ;) :D
LG, eKy
-
Gefällt mir sehr gut, Erich.
Wieder ein hohes, klassisches Gedicht in einwandfreien Stil.
LG wolfmozart
-
Hi, WM!
Vielen Dank für die Blumen! :)
LG, eKy