die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: gummibaum am M?RZ 09, 2014, 12:50:52
-
Noch liegt der Raureif auf den Dächern
nach klarer Nacht. Doch zaubernd bricht,
wo Schatten weicht, sie aufzufächern,
die weiße Haut das frühe Licht.
Noch wird das Blühen festgehalten
nach kalter Nacht. Doch streichelnd flicht,
wo Frost entflieht, sie aufzufalten,
in Kelche sich das frühe Licht.
Und sieh, sie öffnen ihm die Wonnen
der bunten Augen. Und auch mir
erschließt es etwas zum Besonnen.
Was aus der Nacht tritt, wird zur Tür.
-
Hi, Gum!
Ein großes Werk - hochlyrisch, tief verinnerlichend...ein magisches Stückchen Sprachkunst!
Einzig bei S2Z4 ergibt sich eine Problematik: Das "an" liest man erst einmal so, als gehörte es zur letzten Einheit: "an das frühe Licht".
Dann wundert man sich, wieso der Satz nicht aufgeht - und erkennt erst später, nach eingehendem Studium der Satzstruktur, dass das "an" zur Phrasierung DAVOR gehört: "spricht...die Kelche an", mit einer Inversion danach.
Das birgt ein großes Potential für Missverständnis, was den Lesefluss stocken lässt.
Es ließe sich leicht umgehen: "zu jedem Kelch das frühe Licht".
Ausgesprochen gern gelesen und genossen! Chapeau!
LG, eKy
-
Ein neuralgischer Punkt war das, den ich schon sah und den mir auch Cyparis bei poetry.de aufzeigte. Danke, lieber Erich.
Ich hatte mir schon etwas überlegt, das ich jetzt eingesetzt habe. Allerdings könnte eine Häufung von "f" (flicht/Frost/flieht/falten) beim Lesen stören. Ich weiß es nicht.
Darum nehme ich deinen guten Vorschlag in einer Alternativversion auf. Dein "zu jedem" bringt auch etwas Persönliches hinein. Man fühlt, dass sich das Licht jedem einzelnen fürsorglich zuwendet. Schön!
Liebe Grüße
gummibaum
Das frühe Licht
Noch liegt der Raureif auf den Dächern
nach klarer Nacht. Doch zaubernd bricht,
wo Schatten weicht, sie aufzufächern,
die weiße Haut das frühe Licht.
Noch wird das Blühen festgehalten
nach kalter Nacht. Doch wärmend spricht,
wo Frost entflieht, sie aufzufalten,
zu jedem Kelch das frühe Licht.
Und sieh, sie öffnen ihm die Wonnen
der bunten Augen. Und auch mir
erschließt es etwas zum Besonnen.
Was aus der Nacht tritt, wird zur Tür.
-
Zwei wunderbare Fassungen, wahre Kleinodien!
Lieben Gruß
von
Cyparis
-
Dem vorangegangenen Lob möchte ich mich anschließen, lieber Gummibaum,
das ist ein weiteres Gedicht von dir, das mich ganz besonders erfreut, vielen Dank!
Lieben Sonntagsgruß
von
Daisy
-
moin moin gummibaum,
Ich bin sprach- aber nicht wortlos,
daher, danke, für die Bilder die du mit deinen Versen zauberst.
Jetzt hat die Sonne hier am Trave Strand die Oberhand gewonnen, der Frost entfloh nach kalter Nacht.
Curd
-
Wie Erich schon sagte, das ist Sprachkunst. Bewundernde Grüße Ingo