die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Wo Enzian und Freiheit ist => Thema gestartet von: Seeräuber-Jenny am August 31, 2014, 21:03:46

Titel: Die Steine von Budapest
Beitrag von: Seeräuber-Jenny am August 31, 2014, 21:03:46
Budapest, schönste Perle der Duna!
Straßen in Pest und Mauern in Buda,
prachtvoll erbaut von stolzen Magyaren.

All deine Steine kennen Geschichten,
können von Langobarden berichten,
Römern, Osmanen, wilden Tataren.

Bischof Gellért in eifrigem Streben,
in einem Fass, da ließ er sein Leben,
rollte den Fels hinab schon beizeiten.

Mátyás Hunyadi, Schützling der Raben,
König und Dichter, jung und erhaben,
ritt dran vorbei, mit Friedrich zu streiten.

Habsburgern, Türken solltest du dienen,
von all den Kriegen blieben Ruinen,
Grabsteine, Schutt und die Zitadelle.

Aufstände, Kämpfe, Revolutionen,
von ihren Köpfen fielen die Kronen
bald auf das Pflaster nieder ganz schnelle.

Bis Adolf Hitler drüber marschierte,
Märsche nach Auschwitz organisierte,
russische Panzer konnten dich retten.

Doch eines Tages kamen sie wieder,
schossen beim Aufstand Tausende nieder,
Ungarn gefangen wieder in Ketten.

Budapest, schönste Perle der Duna!
Jetzt schlägt dein heißes Herz für Europa,
edle Karossen, Damen halbseiden.

Traurige Augen, schmutzige Hände.
Hausmauern trist im Abrissgelände
sehn nur der Roma Elend und Leiden.
Titel: Re:Die Steine von Budapest
Beitrag von: Erich Kykal am August 31, 2014, 22:20:58
Hi, Jenny!

Es braucht immer etwas, bis ich in deinen besonderen Leserhythmus gefunden habe.

Ein schönes Gedicht zu Ehren und Leiden dieser Stadt! Verbindet ich etwas Besonderes damit oder ist es eher eine Urlaubsleidenschaft?

Sehr gern gelesen!

LG, eKy
Titel: Re:Die Steine von Budapest
Beitrag von: gummibaum am August 31, 2014, 22:28:31
Hallo Jenny,

In "Buda Pest" war ich noch nie, aber es hat, wie ich lese, ein reichliches Auf und Ab in seiner Geschichte gegeben, und nun sind edle Karossen und traurige Augen widersprüchliche Bestandteile seiner Gegenwart. Schön, dass du aus geschichtlichem Wissen und den Schätzen deiner Beobachtungsgabe ein so anschauliches Bild geformt hast.

Sehr gern gelesen
LG gummibaum   
Titel: Re:Die Steine von Budapest
Beitrag von: cyparis am September 02, 2014, 08:26:05
Liebe Seeräuber-Jenny -


und wieder ist Ungarn geknechtet.
Ein Hai, der gleichzeitig hechtet,
stopft der Kritiker "Mäuler"
und ist selbst ein tiefbrauner Heuler.

Mir ist um Ungarn bang.
Es dauert nicht lang
dann rollen wieder Panzer.



Deprimierten Gruß und Lob für dieses Manifest!


Cyparis

Titel: Re:Die Steine von Budapest
Beitrag von: Seeräuber-Jenny am September 02, 2014, 23:23:29
Hi Erich,

Hauptsache, du findest den Leserhythmus und dir gefällt mein Geschreibsel.

Ich habe einmal einen sehr schönen Urlaub in Budapest verbracht und mich mit seiner bewegten Geschichte und seiner Kultur beschäftigt. Das ist schon ein paar Jahre her. Heute wird ein neues Kapitel geschrieben, leider noch unerfreulicher als mein letztes.

Trotzdem: eine der schönsten Städte, die ich jemals sah. Doch sehne ich mich manchmal nach den Zeiten des Matthias Corvinus.

Lieben Gruß
Jenny

***

Hallo gummibaum,

das schöne und geschichtsträchtigte Budapest ist eine Stadt, in der es sich, ähnlich wie in Rom, jeden Stein wahrzunehmen lohnt.

Der Ungarische Volksaufstand wurde von unserem linken Friedrichshainer Autorenkreis anders bewertet als von mir. Nur ein Dichter aus Wien gab mir recht, was die Fakten betraf. Heute denke ich, dass die Dichter vielleicht recht hatten, als sie von einem nationalistischen Aufstand sprachen. Dass Nationalismus von heute nur eine Fortsetzung des Nationalismus von gestern ist. Die Roma. die inzwischen außer ihrer bitteren Armut Willkür und Gewalt ertragen müssen, sind die Leidtragenden.

Lieben Gruß
Jenny

***

Liebe Cyparis,

Meister Orbán macht es vor,
Frau Le Pen läuft hinterher,
Sarrazin singt mit im Chor,
Leyen inspiziert das Heer...

Lieben Gruß
Jenny

(http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1f/HU_Budapest_Anonymous_statue.jpg/640px-HU_Budapest_Anonymous_statue.jpg)