die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Jana am September 07, 2014, 13:34:38

Titel: Nach(t)gedacht
Beitrag von: Jana am September 07, 2014, 13:34:38
Die eine, die das Spiel mit Worten liebte,
schrieb uns Gedichte, die zum Träumen laden.
Und ohne auch nur nach dem Reim zu fragen,
war sie es, die mit ihrem Wort besiegte,

was in Gedanken lebt uns zu berauben,
sie ist die Ruhe, die die Klänge bringen,
die uns scheu-schüchtern ihre Lieder singen,
sie schenkt uns ihren dunkelhellen Glauben.

Gelinde hat sie immer nach(t)gedachte
mit Tränentau bestickte Wörterspiele
geteilt und unsre Herzen damit sachte

verführt und wunderschönunendlich viele
Wortgeschöpfe, die sie mit sich brachte,
geprägt, wie auch der Dichterseelen Ziele.
Titel: Re:Nach(t)gedacht
Beitrag von: Thomas am September 07, 2014, 18:35:49
Liebe Jana,

schon wieder ein schönes Sonett von dir. Ich glaube nach "nach(t)gedachte" und "Wörterspiele" stünde besser ein Komma und das zweite Terzett braucht noch etwas Arbeit, denn "Wortkreationen" zerrt doch sehr am Metrum (vielleicht ginge "der Wortgeschöpfe", oder ähnliches) und Ziele "geprägt" klingt in der letzten Zeile nicht ganz passend (vielleicht kann man das ", wie auch" durch ". Sie wies" ersetzen).

Auch habe ich eine Idee für die erste Zeile. Vielleicht klingt es interessanter, wenn man statt "Die eine" eine Phantasienamen sagt, z.B. "Miranda"?

Wie immer bei mir alles nur Vorschläge und Ideen.

Liebe Grüße
Thomas
Titel: Re:Nach(t)gedacht
Beitrag von: Erich Kykal am September 07, 2014, 21:34:58
Hi, Jana!

Sprachlich formidabel! Interessant dein sich für mich herauskristallisierender Hang zu Eigenschaftswortketten (dunkelhell, wunderschönunendlich, scheu-schüchtern ... warum ausgerechnet bei letzterem ein Bindestrich?), die erfrischen lebendige Bilder kreieren.

Im Übergang von S1 zu S2 habe ich einen logischen Fehler gefunden:

Sie "besiegte" mit ihrem Wort, was die Gedanken uns tagtäglich "rauben" - Das ergibt keinen Sinn. Das, was geraubt wurde, ist ja das, was man wiederhaben möchte, es kann nicht das sein, was besiegt werden soll. Es müssten die Gedanken sein, die sich als Räuber darstellen - sie müssten die von der Dichterin Besiegten sein. Also:

"war sie es, die mit ihrem Wort besiegte,

was in Gedanken lebt, uns zu berauben."

Die "Ruhe" in Z2 kann auch nicht das sein, was "besiegt" werden soll, vielmehr das, was durch den Sieg wiederhergestellt werden soll.

Also würde ich hier in S2Z2 einen neuen Satz beginnen:

"Sie ist die Ruhe, die die Klänge bringen,"


Sehr gern gelesen! Eine Frage am Rande (rein aus Interesse): Hast du die "klassische" Sonettregel bezüglich der Quartettreime bewusst ignoriert, weil deine Auffassung dazu "moderner" ist, oder weil du sie nicht kennst?

LG, eKy
Titel: Re:Nach(t)gedacht
Beitrag von: gummibaum am September 07, 2014, 21:48:38
Hallo Jana,

habe gerade nicht viel Zeit, aber ein "sehr gut" für dieses Sonett muss ich doch schnell eintippen.

LG g
Titel: Re:Nach(t)gedacht
Beitrag von: Jana am September 07, 2014, 21:58:52
Ach ihr Lieben..:)

Lieber Thomas,

Wortgeschöpfe ist wunderbar!
Danke!

Das Sonett hab ich in Gedanken an eine ganz bestimmte Dichterin geschrieben, und deren Name ist zweisilbig..;)

Lieber eKy,

danke! Nun, das ist wohl ein Teil meines Stils, sofern ich denn überhaupt einen habe.;) Warum ein Bindestrich? Keine Ahnung. Im Nachhinein unlogisch. Stimmt.

Ja, so ist es definitiv sinnvoller, wird dankend übernommen.:)

Zu Deiner Frage:
Irgendwer in diesem Forum hat mir bei meinem ersten Sonett hier genau das erklärt - warst das nicht sogar Du? Seitdem kenne ich diese Regel.
Ich ignoriere sie.. ja, warum eigentlich? Ich weiß es nicht. Vielleicht schreibe ich mein nächstes Sonett mal klassisch, wer weiß..;)

Lieber gummibaum,

ich danke Dir ganz herzlich!

Euch allen einen ganz lieben Gruß,
Jana
Titel: Re:Nach(t)gedacht
Beitrag von: cyparis am September 09, 2014, 08:03:07
Liebe Jana,

mich interessiert brennend, wem dieses schöne und adjetivreiche Sonett gewidmet ist!


Herzlichen Gruß
von
Cyparis