die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Zwischen Rosen und Romantik => Thema gestartet von: Curd Belesos am Oktober 12, 2014, 01:05:56

Titel: Der Asternmond
Beitrag von: Curd Belesos am Oktober 12, 2014, 01:05:56
Der Asternmond schien silbern in das Zimmer,
uns wurde warm, nicht nur vom roten Wein,
durch dünne Wolken schimmerte der Flimmer
Von tausend Sternen- nur für uns allein.

Leis lief ein Schauer über meinen Rücken
vor Glück und Wonne und vor süßer Lust;
es schlug mein Herz voll seligem Entzücken
so wild verlangend mir in meiner Brust.

Bei diesem Anblick und in dieser Stunde
hab ich mich nicht des heißen Bluts erwehrt;
und glückestrunken kam aus meinem Munde
der Satz: Ich habe dich zutiefst begehrt.
 
Als wir erregt dann ineinander sanken,
erfüllt von Lust und ohne jede Scham
gemeinsam aus dem Kelch der Sehnsucht tranken,
bis uns der Liebesrausch die Sinne nahm.
 
Danach sind wir umschlungen eingeschlafen,
bis uns erneut Verlangen überkam
und unsre Lippen liebend heiß sich trafen,
da das Verschwenden noch kein Ende nahm.

Wir haben uns einander gern gegeben,
und dabei nicht Gewährtes keck geraubt;
es war das erste Mal in unserm Leben,
dass wir uns diese Liebeslust erlaubt.


© Curd Belesos  
Titel: Re:Der Asternmond
Beitrag von: Erich Kykal am Oktober 12, 2014, 10:12:57
Hi, Curd!

Du oller Liebesdichter! ;) Hast du eigentlich noch andere Themen? :D

Nee - Scherz! Ist echt schön geworden, deine lyrische "Hingabe" hier!

Ein paar Tipps:

Der Asternmond schien silbern in das Zimmer,
Uns wurde warm, nicht nur vom roten Wein,
Durch dünne Wolken schimmerte der Flimmer, Kein Komma hier.
Von tausend Sternen nur für uns allein. Bindestrich nach "Sternen"?

Leis lief ein Schauer über meinen Rücken, Kein Komma.
Vor Glück und Wonne und vor süßer Lust;
Es schlug mein Herz voll seligem Entzücken, Kein Komma.
So wild verlangend mir in meiner Brust.

Bei diesem Anblick und in dieser Stunde
Hab ich mich nicht des heißen Bluts erwehrt;
Trunken vor Glück kam so aus meinem Munde, Betonter Auftakt! Lösung: "und glückestrunken kam aus meinem Munde".  Kein Komma!
Der Satz: Ich habe dich so sehr begehrt. "so sehr" klingt eher nach Füllmaterial. "zutiefst begehrt"?

Als wir erregt dann ineinander sanken,
Erfüllt von Lust und ohne jede Scham, Kein Komma.
Gemeinsam aus dem Kelch der Sehnsucht tranken,
Bis dass der Liebesrausch die Sinne nahm. "bis dass" ist allgemeinsprachlich und klingt höchst unelegant. Schöner: "Bis uns ..."

Wir sind dann Brust an Brust tief eingeschlafen, Schon wieder "dann". Altern.: "Danach sind wir umschlungen eingeschlafen,"
Bis uns erneut Verlangen überkam
Und unsre Lippen liebend heiß sich trafen Komma hier.
Da das Verschwenden noch kein Ende nahm.

Gern haben wir einander uns gegeben, Betonter Auftakt! Lösung: "So gerne ..."
Und dabei nicht Gewährtes auch geraubt, Das "auch" verwirrt. Was wurde denn noch geraubt??? Altern.: "uns" oder "noch", je nach Bedeutung der Zeile. ("Nichtgewährtes" oder "nicht geraubt"?) Am Ende würde ich einen Punkt setzen.
Es war das erste Mal in unserm Leben,
Dass wir einander diese Lust erlaubt. Die Verkürzung ist unschön (persönliche Meinung). Würd ich umschreiben zu "raubten/erlaubten":

So innig konnten wir uns zärtlich geben,
als keck Versagtes wir dem andern raubten.
Es war das erste Mal in unserm Leben,
dass wir einander solche Lust erlaubten.

In dieser letzten Str. habe ich das Kadenzenschema bewusst aufgehoben, um die Conclusio hervorzuheben und - entspechend der Thematik - weicher, harmonischer, klingender zu gestalten.


Sehr gern gelesen und beklugfummelt! :)

LG, eKy
Titel: Re:Der Asternmond
Beitrag von: Curd Belesos am Oktober 12, 2014, 21:36:14
moin moin Erich,

im letzten Jahr war ich depressiv und schrieb gerne morbide Todesverse.

Dieses Jahr hat mich glücklich gemacht, daher sage ich dir gerne, dass ich fast nur sehnsuchtsvolle und sehnsuchtserfüllte Liebesgedichte geschrieben habe und noch schreibe.

Das du sie gerne liest, freut mich sehr und für dein beklugfummeln bin ich dir dankbar.

Meine Gedanken waren:

S6
ist stellt eine Synthese der vorausgegangenen Strophen da, in denen der Gedanke beschrieben wird, dass die erste gemeinsame Liebesnacht erlebt wird. Das in zweifacher Auslegung, da Astern im Herbst blühen, kann man auch den Lebensherbst mit einbeziehen und an ein reifes Liebespaar denken.   ::)

V6/S1
Die Geliebte hat sich gerne hingegeben und auch das LI hat sich ( Körper, Geist) gerne gegeben, geschenkt, in der Aussage: „Wir haben uns einander gern gegeben“. ;)

V6/S2
Sie war noch nicht von allen sexuellen Wünschen des LI erbaut, so hat er sie im Rausch der Gefühle überlistet und das,
was sie ihm eigentlich nicht gewähren wollte, keck geraubt.  ;D Danke für das "keck"

Einen stillen Gruß aus den Tiefen der nordischen Seele.

CB


Titel: Re:Der Asternmond
Beitrag von: Koollook am Oktober 13, 2014, 05:29:13
Hallo Curd,

dein Gedicht ist wunderbar gefühl- und liebevoll. Der Aufbau ist schön gewählt - wie das Verlangen, entfaltet sich dein Gedicht und wird immer konkreter.
Freut mich, dass dich jemand zu solchen Zeilen inspiriert hat.
Titel: Re:Der Asternmond
Beitrag von: Curd Belesos am Oktober 13, 2014, 11:37:02
moin moin Koollook,

danke für deine Sicht und das Gefühl, das du in meinen Versen erkennst.

Das Leben schreibt die schönste Lyrik, für Verliebte, romantisch und gefühlvoll  ;)

LG
CB
Titel: Re:Der Asternmond
Beitrag von: cyparis am Oktober 24, 2014, 10:18:58
Heut oder morgen folgt mein textverliebter Kommentar!
Titel: Re:Der Asternmond
Beitrag von: Curd Belesos am Oktober 26, 2014, 09:56:05
ach, Cyparis  :-*
Titel: Re:Der Asternmond
Beitrag von: cyparis am Oktober 26, 2014, 11:09:11
Lieber Curd,



Als wir erregt dann ineinander sanken,
erfüllt von Lust und ohne jede Scham
gemeinsam aus dem Kelch der Sehnsucht tranken,
bis uns der Liebesrausch die Sinne nahm.
 
Danach sind wir umschlungen eingeschlafen,



Irgendwie hört sich das für mich nicht schlüssig an.
Auf das "als" sollte  nicht ein "danach" folgen,
sondern sinngemäß

"sind wir (dann) engumschlungen eingeschlafen"
oder ähnlich.

Ein berauschendes Liebesgedicht.
Wohl dem, der noch so lieben kann!


Schwärmerischen Gruß
von
Cyparis



Titel: Re:Der Asternmond
Beitrag von: Curd Belesos am Oktober 26, 2014, 17:32:56
Liebe Cyparis,

Irgendwie hört sich das für mich nicht schlüssig an.
Auf das "als" sollte  nicht ein "danach" folgen,


Ja, jetzt wo du es mir aufzeigst, habe ich das Gefühl, es fehlt ein "Bindeglied". Werde nach einer Besserung suchen. Danke.

Wohl dem, der noch so lieben kann!  :-[

Lieben Herbstgruss

Curd