die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: Fridolin am Oktober 25, 2014, 20:43:26
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In mir ist Island: die Geysire fauchen,
die Adern blau wie Meer, das mich durchscheint.
Vulkane, die aus Schattenhöhlen rauchen,
bis ihre Asche aus den Himmeln weint.
Am Himmel gilben Wolken wie Zitronen,
von dumpfen Schlägen hallt die Sonnenuhr,
erzählt aus längst vergangenen Äonen,
was einst der grünen Insel widerfuhr:
Da brach die kalte Flut mit Urgewalten
aus fernen Welten wilde Rosen aus.
Das Licht der Sterne glänzt noch auf Basalten
und leitet mich auf meinem Weg nach Haus.
Nachdem ich mich aus Foren weitgehend zurückgezogen habe, ist es mir ein Anliegen, einige Gedichte, die ich vor Jahren noch unfertig zurückgelassen hatte, aus einer neuen Sicht aufzupolieren. Dieses Gedicht gehört dazu. Es kam mir in Erinnerung, als ich kürzlich an einem Vortrag über Island mit eindrucksvollen Bildern teilnahm.
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Hi, Fridolin!
Starke Bilder, schöne Wortfindung! Vor allem die letzte Strophe ist erhaben! Großes Tennis, die "ausblühenden wilden Rosen" glühender Lava! Die Conclusio versöhnt den Menschen mit den Urgewalten - ein ermutigender, würdiger Abschluss!
Dieses Gedicht ist eine deiner lyrischen Großtaten!
Tipps:
S1Z3 - Schöner als deine Verkürzung: "Vulkane, die aus Schattenhöhlen rauchen,"
S3Z3 - "erzählt aus längst vergangenen Äonen, // was einst der grünen Insel widerfuhr:" So werden zwei getrennte Satzteile zu einer harmomischen Sinneinheit.
Am wenigsten zum beschworenen Bild passend erscheint mir S2.
Die Insel schluchzt, den Gletschern droht Verlandung,
es schmilzt der Permafrost und höhlt den Stein.
An Lavafelsen tost die Meeresbrandung
und schäumt mit Gischt sie zottelbärtig ein.
Worte wie Permafrost, Verlandung erinnern eher an eine Geographiestunde als an emotionale Lyrik, und "zottelbärtig", wiewohl ein schönes Wort, erscheint mir hier im vorliegenden Kontext zu niedlich, zu verharmlosend. Ich würde diese Str. umschreiben oder ganz streichen, um der Gesamtwirkung willen.
Allergernst gelesen und mich bezaubern lassen!
LG, eKy
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Hi Erich,
deine Anregungen habe ich umgesetzt und auch S2 gestrichen.
Danke dafür.
LG Fridolin
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moin moin Fridolin,
dein Gedicht macht mich betroffen.
"Da brach die kalte Flut mit Urgewalten
aus fernen Welten wilde Rosen aus."
So schön die Beschreibung, so grausam die Realität.
Mit einem sehr nachdenklichen Gruß
Curd
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Hallo allerseits,
darf ich nochmal auf diese Strophe zurückkommen, die Erich wie eine Geographiestunde vorkamen:
Die Insel schluchzt, den Gletschern droht Verlandung,
es schmilzt der Permafrost und höhlt den Stein.
An Lavafelsen tost die Meeresbrandung
und schäumt mit Gischt sie zottelbärtig ein.
Dazu die Info eines Glaziologen, mit dem ich mich kürzlich speziell über Islands Gletscher unterhalten konnte. Er sagte mir, dass Islands Gletscher seit 1890 mehr als 300 Kubikkilometer Eis verloren haben. Er rechnet deshalb mit einer Zunahme der Vulkantätigkeit auf Island. Das wäre dann mehr als nur Schluchzen.
Curd, auch dir Dank fürs Lesen und Kommentieren.
LG Fridolin
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Lieber Fridolin,
für mich ist das ein Gedicht der letzten Stunden. Ein Gedicht über das Altwerden, das vom Trab in den Galopp gewechselt hat, über Krankheit und über den bevorstehenden Tod. Düster und kalt.
Eisland eben.
Und die wärmenden Decken gehen aus.
Lieben Gruß
Aspasia
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Ich sehe die Aschewolken vor und über mir - die zur Realität geworden sind.
Ein düsteres, wortgewaltiges und Unheil ahnen lassendes Gedicht.
Paßt zum heutigen düsteren Himmel..
Aber der Titel schmerzt mich mehr.
Tief beeindruckt:
Cyparis
mit Dank und Gruß!