die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: charis am November 05, 2014, 23:20:28
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Du scheinst mir entzaubert und so endlos traurig.
Wer hat dir die schützenden Schatten entzogen,
dein Licht auf verblichenen Tüchern so schaurig
gerundet, um Sternengeleit dich betrogen?
Du sehnst dich, dass wohlige Wolken dich streifen,
doch alles harrt süchtig, betört und verzückt,
als seist du ein Wunder, das nie zu begreifen,
die Macht, die uns Zweifler dem Schatten entrückt.
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Hi, Charis!
Sprachlich wunderbar, bloß mit dem Takt komm ich an manchen Stellen nicht so ganz klar.
Hast du zB in S1Z1 das "so" betont gemeint? Ich würde nämlich - nach meiner Lesart und lyrischem Bemessen - das "endlos" betonen, und dann passt's nicht.
Gern gelesen!
LG, eKy
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Klasse, Charis. Ein bewegter Rhythmus ("so" ist betonen, sonst evtl. grenzenlos).
LG gummibaum
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Vielen Dank, euch beiden!
Ja, "so" soll betont sein,
"grenzenlos" passt viel besser, aber ich hab mich für die "verspieltere" Variante entschieden.
"harrt" ist ja wohl auch ein ziemlicher Ausreisser. ;)
Lieben Gruß
charis
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Hallo, charis -
ein paar Anmerkungen zu Deinen beinahe magischen Mondgedicht:
Du scheinst mir entzaubert und so endlos traurig.
Wer hat dir die schützenden Schatten entzogen,
dein Licht auf verblichenen Tüchern so schaurig
gerundet, um Sternengeleit dich betrogen? Wenn er die schützenden Schatten (Wolken begehrt), kann er ums Sternengeleit nicht betrogen sein.
Du sehnst dich, dass wohlige Wolken dich streifen, das ist eine hübsche Alliteration, aber können Wolken wirklich wohlig sein? Sie können bestenfalls ein wohliges Gefühl bereiten. Warum nicht "willkommne" Wolken?
doch alles harrt süchtig, betört und verzückt, ist nicht eher sehnsüchtig gemeint? Oder sprichst du hier wirklich von Moindsüchtigen, die in Trance auf Giebeln balancierzen?
als seist du ein Wunder, das nie zu begreifen,
die Macht, die uns Zweifler dem Schatten entrückt.
So ganz bin ich nicht d'accord, aber Dein Gedicht spricht mich sehr an.
Vielleicht habe ich auch manche Deiner Verse mißverstanden?
Herzlichen Gruß
von
Cyparis
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Vielen Danke, liebe Cyparis, für deine grundsätzliche Zustimmung :) und deine Gedanken zu meinen Zeilen. Gerne versuche ich, deine Fragen zu beantworten:
Wenn er die schützenden Schatten (Wolken begehrt), kann er ums Sternengeleit nicht betrogen sein. - Der VOLLmond vermisst den schützenden Schatten der Erde UND sein "Sternengeleit", weil er am diesigen Dämmerungshimmel (noch?) keine Sterne sichtbar sind und er ganz alleine und entblösst dasteht - so hab ich ihn an diesem Abend wirklich gesehen.
Du sehnst dich, dass wohlige Wolken dich streifen, das ist eine hübsche Alliteration, aber können Wolken wirklich wohlig sein? Sie können bestenfalls ein wohliges Gefühl bereiten. Warum nicht "willkommne" Wolken? - Diese poetische Freiheit hab ich mir genommen ;) - es reicht hier für mein Gefühl, wenn man es spürt, was gemeint ist.
doch alles harrt süchtig, betört und verzückt, ist nicht eher sehnsüchtig gemeint? Oder sprichst du hier wirklich von Mondsüchtigen, die in Trance auf Giebeln balancierzen? -es sind alle mit eingeschlossen, die der (vom Erzähler in etwas in Zweifel gezogenen) Magie des Vollmonds erliegen und das Gedicht heißt ja auch "mondsüchtig". sehnsüchtig passt eigentlich nicht so gut hierher. Im Moment des "Erliegens", des Betörtseins, der Verzückung - also ähnlich wie beim Verliebtsein - hat sich sich die Sehnsucht bereits erfüllt, für den Moment jedenfalls ;)
Lieben Gruß und schönen Tag!
charis