die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: Erich Kykal am November 09, 2014, 12:23:57

Titel: Thronfolge
Beitrag von: Erich Kykal am November 09, 2014, 12:23:57
Der Herbst wirkt lebensmüde, als versage
der Nebel ihm die Gesten seiner Huld
beinahe so, als trüge er an Schuld
zuviel durch seine altersschwachen Tage.

Und so wie er den Sommer aus den Landen
und aus dem Leben trieb, ergeht es nun
dem Usurpator, denn sein kühles Tun
trug kalte Früchte, die ihn wehrlos fanden.

Sein Farbenspiel liegt in den letzten Zügen,
erobert wird die ausgebleichte Flur
von einem nun, dem Grau und Weiß genügen.

Er regt sich kaum noch, überdauert nur,
bis aus den Himmeln frostig und kristallen
die Meuchelmörder seines Prinzen fallen.
Titel: Re:Thronfolge
Beitrag von: gummibaum am November 09, 2014, 12:39:58
Hallo Erich,

sehr interessant der Vergleich, als wären die vier Könige des Kartenspiel zu den Jahreszeiten gesellt und das Ganze phantasievoll weitergesponnen. Den Buben/Prinz am Ende kann ich mir nicht recht deuten. Sprachlich superb.

Mit großer Lust gelesen
LG gummibaum 
Titel: Re:Thronfolge
Beitrag von: cyparis am November 09, 2014, 17:07:42
Der Prinz ist der Sommer?

Aber "Meuchelmörder" ist sehr hart, streng und brutal (ab)geurteilt.
Ist er doch gleichzeitig der Beschützer der Schlummersamen.

Siehst Du ihn wirklich so, lieber Erich?

Ansonsten:
Wie immer!!!!

Cyparis


Titel: Re:Thronfolge
Beitrag von: Erich Kykal am November 09, 2014, 20:43:17
Hi, Gum, cypi!

Der "Prinz" des Herbstes ist natürlich der Winter - der nachfolgende König also, vom Herbst sozusagen großgezogen und vorbereitet, dessen Meuchelmörder kristallen aus den Himmeln fallen: Schneeflocken! So endet der Monarch Herbst so wie er selbst den alten Sommer mordete: Verdientes Schicksal.

Habe ich das etwa zu gut verpackt??? Ich finde, es ist zum Draufkommen... ??? :-\

Wie immer Dank für eure Lobesworte! :)

LG, eKy