die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Wo Enzian und Freiheit ist => Thema gestartet von: Aspasia am Dezember 31, 2014, 15:17:04
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Du hast es in die Hand versprochen,
geschworen durch das ganze Jahr,
obwohl es dir das Herz gebrochen
und jeder Tag ein Jammer war.
Du dachtest, noch viel Zeit zu haben,
nun ist sie da, die letzte Nacht,
geschmückt mit ihren Abschiedsgaben
und einem Stern, der traurig lacht.
Die Liebe hat ein Spiel getrieben,
das Venus nie gewinnen ließ,
vom Würfeln ist ihr nichts geblieben,
was auch nur kleinstes Glück verhieß.
So lass uns auf das Ende trinken
und für die allerletzte Nacht
in Sekt und tiefer Lust versinken,
bevor der Tag uns nüchtern macht.
Du hast es in die Hand versprochen,
drum nimm dein Bündel morgen auf,
auch mir hat es das Herz gebrochen,
zersplittert meinen Lebenslauf.
Man sagt, das Leben ginge weiter …
hörst du, wie’s zischt und platzt und kracht?
Ich wünsch dir Glück: Bleib brav und heiter,
vergiss nicht unsre letzte Nacht!
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Hi, Aspasia!
Gefällt mir - gut geschrieben! Besonders die erste Strophe hat eine sprachmelodisch besonders harmonische Struktur, erscheint mir sprachlich besonders gelungen.
Gutes Neues Jahr! :)
LG, eKy
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Danke, Erich. Auf einen guten Neubeginn.
Besten Gruß,
Aspasia
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Liebe Aspasia -
das ist umwerfend gut!
Aus reiner Genußsucht hab ich Dein Gedicht mehrmals gelesen und gebe mich den sprühenden, bitter perlenden Versen allzu gerne hin.
Dichtung - ja, das ist es!
Grüße in die neuen Tage
schickt
Cyparis
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Liebe Aspasia,
tolles Gedicht zum versäumten Jahr und dem vielleicht befreienden Schnitt an seinem Ende.
Nur das "bleib brav" finde ich etwas flach (bzw., falls es ironisch gemeint ist, wenig souverän).
Sehr gern gelesen
LG gummibaum
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Liebe Aspasia,
das Jahr hat nicht das Glück gebracht, doch hält es sein Versprechen und geht da es geschworen war nach 365 Tagen ;)
Dein Gedicht gefällt mir, meine Lesart auch ;)
In die Hand versprochen, auch dieses hat 365 Tage.
Curd
PS: dafür wird dann 2016 einen Tag älter.
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Liebe Aspasia,
Ja, ich emfinde es auch so ähnlich wie Cyparis: Diese Verse perlen wie bitterer Champagner. Sehr gut geschrieben.
So ist es, man sucht die Reste (des gebrochnen Herzens) zusammen, nimmt das Bündel auf und geht einfach weiter.
Sie letzte Strophe ist für mein Gefühl entbehrlich, sie bringt nichts Erhellendes (das Bild mit zischen, platzen und krachen ist mir zu plakativ; nach den gebrochenen Herzen (beider) und dem "zersplittern des Lebensläufen" auch irgendwie ein "zu viel" und daher erübrigt sich auch die (versuchte) Ironie und Ermahnung.
Lieben Gruß
charis
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Liebe charis,
ich widerspreche ganz leise:
Die letzte Strophe muß bleiben.
Denn gerade diese Kracherei hinterläßt nicht nur symbolisch den Dreck.
Herzlichen Gruß
von
Cyparis
Hier vorm Haus liegt der ganze Moder; niemand will ihn entfernen.