die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: charis am M?RZ 01, 2015, 21:20:41

Titel: freier
Beitrag von: charis am M?RZ 01, 2015, 21:20:41
Leichthin in die losen Nebelschleier
spannt der Himmel früh schon blaue Netze.
Allen Sinnen jungverliebter Freier
spielt er zärtlich mit dem ersten Licht.
Zaghaft noch und fern der Schattenplätze
lösen Farben sich aus dunklen Dingen.
Traumverloren scheint des Frühlings Ringen,
regt sich Werden und die Knospe bricht.

*****

Heute spannt der Himmel blaue Netze
leichthin in die losen Nebelschleier,
fängt das frühe Licht,
allen Sinnen jungverspielter Freier.
Farben lösen sich aus dunklen Dingen
zaghaft noch, und fern der Schattenplätze
regt sich Werden schlicht.
Traumverloren scheint dies zarte Ringen,
doch die Knospe bricht.
Titel: Re:freier
Beitrag von: Erich Kykal am M?RZ 01, 2015, 23:28:38
Hi, Charis!

Schön geschrieben, doch die unregelmäßigen Abstände der 3-hebigen Zeilen zwischen den 5-hebigen halte ich für problematisch.

Damit solche Unwuchten (verschiedenhebige Zeilen) dennoch harmonisch wirken, ist ein immanentes Regelmaß hilfreich. Nur mittels Satzmelodie allein entsteht aber meist kein ausreichender lyrischer Duktus oder Rhythmus.

2 Änderungsmöglichkeiten: Entweder alle Zeilen 5-hebig machen - oder das Werk so umbauen, dass die kurzen Zeilen in regelmäßigen Abständen folgen.
zB. so:

Heute spannt der Himmel blaue Netze
leichthin in die losen Nebelschleier,
fängt sich frühe schon sein erstes Licht,
allen Sinnen jungverspielter Freier.
Farben lösen sich aus dunklen Dingen
zaghaft noch, und fern der Schattenplätze
regt sich Werden, unbedarft und schlicht.
Traumverloren scheint das zarte Ringen,
bis die Blüte aus der Knospe bricht.


In Z4 ist es schlüssiger, wenn sich der "Freier" als Singular auf den "Himmel" in Z1 bezieht.

Sehr gern gelesen! :)

LG, eKy
Titel: Re:freier
Beitrag von: charis am M?RZ 03, 2015, 08:50:29
Vielen Dank, lieber Eky :)

Deine Version gefällt mir sehr.  :)

Der "Freier" war so gedacht, hab ich ausgebessert.

Die unterschiedlichen Silbenzahlen, ergaben sich, weil ich mit der letzten Zeile etwas Bestimmtes ausdrücken wollte und keine bessere Lösung dafür fand.
Ich wollte bewusst nicht, dass die Blüten oder auch Blätter aus den Knospen brechen. Ich wollte die Knospen einfach "brechen" lassen, es sollte eine gewisse Wehmut oder Schmerz ausdrücken,  die damit zusammenhängen, dass alles der Veränderung unterliegt. Deshalb hab ich dann die Reimverse entsperchend gekürzt.

Geht das gar nicht? Ist das nur erlaubt, wenn man die kurzen Zeilen in regelmäßigen Abständen entfügt? Könnte ich auch einfach die letzte Zeile verkürzt stehen lassen? Danke für deine Antwort.

Lieben Gruß
charis

 

Titel: Re:freier
Beitrag von: charis am M?RZ 03, 2015, 18:18:24
Ich hab oben noch eine überarbeitete Version eingestellt.
Zwanghaft scheint der charis Ringen... ;D
  
Lieben Gruß
charis
Titel: Re:freier
Beitrag von: Daisy am M?RZ 03, 2015, 20:05:46
Liebe charis,

mir gefällt ganz besonders die Erstfassung, weil ich sehr gern mit Gedichtformen experimentiere und für neue Wege immer offen bin!
Das macht für mich die Lyrik lebendig und eröffnet neben den traditionellen, klassischen Formen stets interessante Möglichkeiten mit der Sprache fantasievoll zu spielen und einen eigenen Stil zu entwickeln.
Gerade die unregelmäßig eingesetzten kurzen Verse passen für mich wunderbar in das Gesamtbild.

Lediglich in V3 kommt es zu einem Hebungsprall bei ...fängt früh erstes Licht..., dadurch ergeben sich hier vier Hebungen an Stelle von drei, wie in den anderen kurzen Versen. Diese Stelle sollte daher geglättet werden, z.B. so: ...fängt das frühe Licht...

Ein schönes Gedicht!

Lieben Abendgruß
Daisy
Titel: Re:freier
Beitrag von: Erich Kykal am M?RZ 03, 2015, 23:42:17
Hi, Charis!

Gehen tut alles, es ist bloß die Frage, wem's dann gefällt ...  ;) ;D


Leichthin in die losen Nebelschleier
spannt der Himmel früh schon blauen Netze. "blaue"
Allen Sinnen jungverliebter Freier
spielt er zärtlich mit dem ersten Licht.
Zaghaft noch und fern der Schattenplätze
lösen Farben sich aus dunklen Dingen.
Traumverloren scheint des Frühlings Ringen,
regt sich Werden und die Knospe bricht.


Diese neue Version gefällt mir sehr gut! :)

LG, eKy
Titel: Re:freier
Beitrag von: cyparis am M?RZ 06, 2015, 17:30:03
Liebe charis,

ist die obere Fassung in Deinem Faden sozusagen das Original?
Dann muß ich gestehen, daß sie mir besser gefällt.
Sie hat etwas Ursprüngliches, gegen geschmeidige Glätte Gebürstetes.
Aber jedem seinen eigenen Geschmack!


Lieben Gruß
von
Cyparis
Titel: Re:freier
Beitrag von: charis am M?RZ 07, 2015, 00:56:19
Liebe Daisy,
Ja, mir ist die erste Fassung auch näher, ich habe mich sehr über deinen Kommentar und ganz besonder über dein Lob gefreut! Vielen Dank!
Dein Vorschlag ist wunderbar, ich änders gleich!

Lieber Eky,
Danke, ich freu mich, dass dir die zweite weniger unwuchte Version gefällt!  ;)

Liebe Cyparis,
Auch dir lieben Dank, ich denke du meintest die erste Version, die aber "unten" steht  ;)

Ich bin wirklich sehr dankbar für euer wertvolles Feedback und dass ihr eure Zeit opfert, um mir weiterzuhelfen!

Lieben Gruß
Charis
Titel: Re:freier
Beitrag von: cyparis am M?RZ 07, 2015, 10:46:19
Ich meine die Fassung mit den drei Kurzversen. ;)

Aber beide sind schön!
Helfen kann ich ja nicht - immer nur kommentieren.
Hoffentlich wird Dir das nicht langweilig!


Lieben Gruß
von
Cyparis