die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Zwischen Rosen und Romantik => Thema gestartet von: cyparis am M?RZ 10, 2015, 10:05:57

Titel: Letzter Falter
Beitrag von: cyparis am M?RZ 10, 2015, 10:05:57
Ich war der allerletzte Falter,
dem Du den Staub zart von den Flügeln strichst.
An meiner Wange sangst Du Deinen Psalter,
bevor Du  in ein andres Land entwichst.

Was nützt das Hadern, nützt das Klagen?
Du ließest mich unwillentlich allein
in meinen leeren, bangen Schattentagen.
Nichts wird, wie es einst war, für uns gemein.

Ich stand vor Dir mit weißem Band
und blütenvoll den sehnsuchtsvollen Arm.
Wart Du auf mich in Deinem neuen Land!
Dagegen ich... ach, daß sich Gott erbarm!






(aus dem Fundus)
Titel: Re: Letzter Falter
Beitrag von: Curd Belesos am Juli 20, 2015, 00:24:21
Liebe Cyparis,

Wart' Du auf mich in Deinem neuen Land!
Und ich...

Ohne Glauben, besteht auch kein Grund zum Hoffen.

Ein schmerzliches Gedicht.

Einen hoffnungsvollen Gruß von Curd.
Titel: Re: Letzter Falter
Beitrag von: Erich Kykal am Juli 20, 2015, 10:16:06
Hi, Cypi!

ein sehr schönes Gedicht, das du getrost zu deinen "guten Würfen" zählen darfst!

Die nur vierhebige erste Zeile der Strophen kehrt immer wieder, daher nehme ich an, dies ist ein bewusst gesetztes Element.

Abweichend davon sind allerdings S1Z4 (6 Heber statt 5) und S3Z4 (4 Heber statt 5).

S1Z4 - Streiche "mählich", dann passt es.

S3Z4 - Beginne mit "Dagegen" statt mit "Und", dann passt es.

S3Z3 - Das Stricherl bei "Wart" würde ich streichen.


Sehr gern gelesen! :)

LG, eKy
Titel: aufgestöbert
Beitrag von: cyparis am August 04, 2015, 19:04:34
Lieber Curd -

wer sagt, daß ich nicht glaube? Fragt sich nur, woran, Du Lieber.


Lieber Erich,

die Änderungen habe ich sofort umgesetzt, habd Dank!
Und ebenfalls für Dein Lob, das mir ist wie Honigseim.


Euch ganz liebe Grüße
von
Cyparis
Titel: Re: Letzter Falter
Beitrag von: ANOUK am August 13, 2015, 09:19:02
Liebe Cyparis,
ich habe es schon länger festgestellt, dass ich deine schwermütigen Gedichte sehr sehr gerne lese, da sie tief in mich eindringen. Besonders tragisch scheint mir hier, dass du das Bild des Falters benutzt. Ein Falter ist leicht, windgetragen, wirkt sorglos, ist nirgends verankert, fliegt mal hierhin und bald dorthin. Doch dieser Falter... ihm wird Staub von den Flügeln gestrichen, er wird schwer(mütig), der Verlust macht ihn zu Gegenteil dessen, was ein Falter eigentlich ist.

Es sind viele schöne Bilder enthalten, Rhythmus und Wortwahl sind wunderbar.
Ich hab es unheimlich gern gelesen und es wird noch lange in mir nachklingen
lG
Anouk
Titel: Re: Letzter Falter
Beitrag von: cyparis am August 16, 2015, 19:10:31
Liebe ANOUK,

welch ein schöner Kommentar! Ich habe ihn dankbar sozusagen aufgesogen.
Es freut mich so sehr, daß ich Dich mit den Versen berühren konnte.
Aber ich will nicht verschweigen, von wem mir immer wieder das Bild des Falters kommt:



    Dunkler Falter

    Wenn zwei Eheleute zum Sternenhimmel starrn,
    oder ein Bruder hält seiner lieben Schwester das Garn,
    oder ein Freund schenkt bedachtsam dem Freunde ein –

    schwebt ein Dunkler Falter über den Zwein:

    einer von uns muss hinter dem Sarge gehn,
    dran im Straßenwinde die Schleifen wehn,
    einer von uns muss streun mit kalter Hand
    Erde hernieder vom bretternen Grabesrand,
    einer von uns muss gehn nach Haus allein –

    lieber Gott, lass mich der andere sein!

    (Börries von Münchhausen)




Ganz lieben Gruß
von
Cyparis
Titel: Re: Letzter Falter
Beitrag von: Jonny am August 16, 2015, 21:02:57
Und hier möchte ich mich allen Kommentaren gern anschließen, liebe Cyparis.
Wieder ein sehr schönes, tiefgehendes Gedicht von dir!
Ich habe die Flügel von deinem Falter gespürt...

Liebe Grüße
Jonny
Titel: Re: Letzter Falter
Beitrag von: cyparis am August 16, 2015, 22:06:12
Lieber Jonny -

nicht nur Dir möchte ich ein "Danke!" zurufen!


Grüße in die Nacht:
Cyparis