die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Jana am April 07, 2015, 15:31:06

Titel: Wassertropfen
Beitrag von: Jana am April 07, 2015, 15:31:06
Immer weiter, immer weiter, Freiheit schenkt mir nur der Fluss,
fast wie Schweben, fast wie Fliegen, weil ich will was ich auch muss.
Treffe ich die harte Leere, bleibt mir nur ein Teil von mir,
dieser kriecht und fließt und krabbelt immer weiter hin zu dir.

Immer weiter, immer näher komme ich zu deiner Spur,
sammele schon Überreste! Schneller werd ich dadurch nur.
Lebe Einsamkeit und schweige meines Liedes Ewigkeit,
treffe dich, ergänze dich, und freier fließen wir zu zweit.

Immer weiter, immer weiter treiben wir zum Abgrund hin
und im Fall verliert mein Leben dann auch noch den letzten Sinn.
Uns zerreißt das starke Fließen, uns zerreißt der kalte Fluss,
und so lernte ich im Leben, dass sich alles trennen muss.

Plitsch
Platsch
Titel: Re: Wassertropfen
Beitrag von: cyparis am April 07, 2015, 20:37:28
Liebe Jana!


Eigentlich sollte ich darüber erstaunt sein, Du Wortkünstlerin, was Du aus Wassertropfen schöpfen kannst, aber bei Deinem Talent erstaunt mich beinahe gar nichts mehr!

Die Melodie in Deinem Gedicht ist mitführend, mitreißend.
Gibt es einen Fachterminus für diese Art Langverse?

Je öfter ich das Gedicht lese, desto tiefer tauche ich ein.
Aber ich kann nichts Düsteres erkennen, selbst wenn ich eine Metapher vor mir sehe. Diese natürliche Trennung hat zwar etwas Endgültiges, aber so ist es eingerichtet. Wer sich davor fürchtet, trägt schwerer.
Also doch etwas Düsteres.
Ich lasse es wirken.
(Das Plitsch-Platsch ließe ich weg.)


Bewundernden Gruß
von
Cyparis
Titel: Re: Wassertropfen
Beitrag von: Erich Kykal am April 07, 2015, 21:40:03
Hi, Dana!

Über S1Z2 bin ich gleich mal gestolpert: Natürlich fallen Wassertropfen bei weitem nicht schneller als der Schall! Solche eine naturwissenschaftliche Unrichtigkeit stört den lyrischen Genuss.

S2Z4 - irgendetwas stört dort den Sprachfluss, wahrscheinlich das falsch betonte "dich" - eigentlich wäre dort rein sprachlich orientiert ein Senkungsprall: "...erGÄNze dich, wir BEIde ...".
Anders gelesen wird "WIR BEIde" zum Hebungsprall, da beide betont gelesen sein wollen. So oder so fließt diese Zeile nicht.


Sehr gern gelesen, vor allem die Conclusio ist gut formuliert und passt genau! :)

LG, eKy
Titel: Re: Wassertropfen
Beitrag von: Jana am April 07, 2015, 22:28:00
Lieber eKy,

ich danke für Deine Anmerkungen.
Schau mal, ich habe es ein klein wenig geändert, wie gefällt es Dir so? :)

Liebe Grüße
Jana
Titel: Re: Wassertropfen
Beitrag von: Jana am April 07, 2015, 22:30:38
Liebe Cypi,

ich danke auch Dir für das Lob.
Ich glaube, das "Plitsch Platsch" werde ich stehen lassen. Ich weiß nicht genau, warum ich es so mag, aber ich mag es.

Liebe Grüße
Jana
Titel: Re: Wassertropfen
Beitrag von: cyparis am April 07, 2015, 22:39:19
Liebe Cypi,

Ich glaube, das "Plitsch Platsch" werde ich stehen lassen. Ich weiß nicht genau, warum ich es so mag, aber ich mag es.

Liebe Grüße
Jana

So soll es sein, liebe Jana! :)
Titel: Re: Wassertropfen
Beitrag von: Erich Kykal am April 07, 2015, 22:55:15
Hi, Jana!

Ja, gefällt mir sehr! Gut gemacht! :)

LG, eKy
Titel: Re: Wassertropfen
Beitrag von: Letreo71 am April 09, 2015, 20:38:41
Liebe Jana,

ich habe mal ein Musikstück von Meishere gehört, hatte etwas von einem Strudel, Sog, Strom,
wo man mitgerissen wird. Daran musste ich denken, als ich Dein Gedicht las.

Sehr starke Bilder, sehr wortgewandt, triefend, schwer, nass...beeindruckend!

Plitsch, Platsch - passt für mich gerade da hin!

Freundlichen Abendgruß,

Letreo
Titel: Re: Wassertropfen
Beitrag von: Curd Belesos am April 14, 2015, 13:50:22
moin moin Jana,

erinnert mich an "Die Moldau" von Smetana  ;)

gerne gelesen und nachvollzogen.

Lieben Gruß vom Travestrand

Curd

https://www.youtube.com/watch?v=gTKsHwqaIr4