die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am Juli 18, 2015, 09:57:02
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Der junge Kater
Mit leichter Pfote haschst du deine Stunden,
sie schmecken zeitlos wie dem kleinen Kind,
dem Tage lang und voller Wunder sind,
und mit dem Ewigen darin verbunden.
So drehst du jeden Morgen deine Runden,
sie weiten dein Revier nach allen Seiten,
wo sich die Welt und ihre Düfte breiten,
und hast dort manche Seligkeit gefunden.
Wer wollte je dich mindern oder zähmen,
ein Bündel Jugend voller Tatendrang!
Kein Hindern kann die Jubelseele lähmen,
die in sich ruht wie eine schöne Blume,
die blüht und duftet alle Tage lang
und nie sich welkend neigt nach ihrer Krume.
Der alte Kater
Die Schritte sind dir steif und schwer geworden.
Dein Trotten ahnt noch jene Eleganz,
die dir zu eigen war, jedoch dein Schwanz
hängt müd herab wie ein verstaubter Orden.
Das Fell ist struppig und die Augen liegen
mit jedem Tage tiefer, wie es scheint.
Das Leben hat es gut mit dir gemeint,
doch Wille und Behändigkeit versiegen
in jenem Kreise, den die Jahre schließen,
da alles Leben sich dem Ende neigt.
Du weißt den letzten Atem zu genießen,
als ahntest du ganz tief in deinem Wesen
ein Wissen, das dir die Gesetze zeigt,
und könntest wie ein Weiser darin lesen.
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moin moin Erich,
eine elegante Art sich mit dem Alter auseinander zu setzen. Es gefällt mir sehr.
LG
CB
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Hi, Curd!
Sah meine zwei beiden heute morgen zusammen (brüchiger Friede!), und die Distanz zwischen ihnen wurde besonders deutlich: Da der inflationär Energie versprühende Jungspund, dort der schmale Alte mit wissendem Blick, ökonomischen Bewegungen und aller Muße dieser Erde.
Da musste ich was zu schreiben!
Traurig, dass der eine (21 Jahre alt!) mich sicher bald verlassen muss - ich wünschte ihm so sehr eine zweite Jugend! Ich glaube, wenn das ginge, ich würde ihm etwas von meiner Lebensenergie schenken!
Schon dreimal musste ich im Garten eine Grube schaufeln, und bald ist es wohl wieder soweit. Es kann nächste Woche sein oder in einem Jahr - das kann niemand wissen. Aber ein Ende ist absehbar.
LG, eKy
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Ich kann deine Liebe zu den Katzen gut verstehen, Erich. Sie schließen uns mit ihrem Verhalten manche innere Quelle auf.
Sehr gern gelesen.
LG -auch an die beiden-
gummibaum
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Hi, Gum!
Vielen Dank für deinen warmherzigen Zuspruch! :)
LG, eKy
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moin moin Erich,
nachdem ich meine Dackeline unter einem der Bäume begraben hatte, die meine Hängematte tragen, habe ich ihr ein Gedicht gewidmet, denn sie war immer bei mir, egal wohin ich ging. Sie war mir treu ergeben und wir verstanden uns ohne Worte, nur durch anschauen, oder Gesten. Sie war mir Trost in der Zeit nach meinem Herzinfarkt, in der ich die Welt verklagen wollte, da man "gerettet"hatte.
Sie schlief voriges Jahr mit sechzehn Jahren in meinen Armen ein. Ich habe keine Nachfolgerin für meine "letzten Jahre" angenommen.
Manchmal, im Sommer wenn ich in der Hängematte liege und leise Musik höre, lasse ich die Hand ins Gras sinken, sie lag immer rechts neben mir im Gras, damit ich sie anfassen konnte.
Wer kein Tier in sein Herz schließen kann, wird auch seinen Nächsten nur zögernd das Türchen öffnen.
LG
CB
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Hi, Curd!
Wie berührend! Nichts ist so unberechnend und treu wie die Liebe eines Tieres!
Bei mir ist es anders - ich kann NUR Tieren vorbehaltlos mein Herz öffnen. Mit Menschen war ich immer vorsichtig, zweifelnd, zurückhaltend, rechnete mit dem Schlimmsten - und wurde oft genug nicht enttäuscht.
Auch mit meinen Katern habe ich eine Art Sprache - ich verstehe sie und sie verstehen mich - obwohl sie meist beschließen, meine Anweisungen zu ignorieren. ;D
Das erinnert mich an ein Gedicht von Wilhelm Busch, in dem er die Frage stellt, was "du"(das LyrIch) mit deinem Leben angefangen hat. Es endet so:
Demnach hast du dich hinieden
meist umsonst herumgetrieben,
denn die Summe unsres Lebens
sind die Stunden, die wir lieben.
Vielen Dank für diesen kleinen Einblick! :)
LG, eKy
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Lieber Erich,
das erste ist zum Jubeln schön, das zweite zum Weinen traurig.
O, wie hast Du mein Herz berührt mit diesen Gedichten.
Darf Jenny hoffen, daß sie nächstes Jahr erscheinen?
Hätte ich meinem Felix eigene Jahre abtreten können, ich hätte es ohne zu zögern getan.
Noch heut wird mir schwer ums Herz.
Ganz, ganz lieben Gruß
von
Cyparis
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Hi, Cypi!
Danke für deine Begeisterung! :) Und ich verstehe deinen Schmerz - wenn man so lange mit einem guten, geliebten Tier vertraut war, ist es, als verlöre man ein Familienmitglied!
Natürlich darf Jenny alle meine Katzengedichte verwenden, ohne mich extra noch fragen zu müssen. Diese beiden hier allerdings nur unter der Bedingung, dass sie sie nicht auseinanderreißt.
LG, eKy
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Ja, sie gehören unbedingt zusammen -
nicht nur deshalb wurden sie doch zeitgleich geschrieben!
Ganz lieben Gruß
von
Cyparis
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Lieber Erich,
es entstehen ganz wunderbare Bilder beim Lesen dieser beiden Werke.
Ich mag beide sehr gern. :) Sie gehören unbedingt zusammen.
Lieben Gruß
Letreo
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Hi, Letreo!
Vielen Dank für deine freundlichen Worte! :)
LG, eKy