die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: cyparis am Juli 25, 2015, 12:57:44
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Gestrandet
Sie saß am Strand,
das Haupt vom Alter schwer.
Durch ihre Hände rann der Sand.
Der Hafer war seit langem körnerleer.
Der Ostwind blies nicht mehr,
die Nehrung hatte ihn verbannt.
Die Heimat? Lange schon verbrannt.
Ganz gleich, durch welches Heer.
25. Juli 2015
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Liebe cyparis,
es erinnert mich an Erzählungen meiner Mutter, als sie Fünfundvierzig mit mir schwanger nach Hela wollte, um ein Schiff gen Westen zu erreichen.
Einen nachdenklichen Gruß
von Curd.
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Liebe Cyparis,
Schande über mich, dass ich das übersehen habe!
Es ist wunderschön und soo traurig, das mir wirklich - ehrlich - fast die Tränen kommen!
Mir gefällt hier vor allem auch die dritte Person "sie"... ich habe hier das Gefühl, das LI hat sich selbst verlassen und beobachtet sich aus der Distanz.
Lieben Gruß und wieder einmal: Alles Gute!!!
charis
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Lieber Curd, liebe Charis -
habt Dank!
Mir stand auch die Flucht 1945 vor Augen. Die Schwächsten, die Alten und Kinder mußten in hoher Zahl zurückbleiben.
Ihnen fehlten die Kräfte.
Und es war wirklich gleich, wer ihre Heimat verbrannt hatte.
Auch Du liebe Charis, hast einen Hintergrund gut durchschaut.
Euch ganz herzliche Grüße
von
Cyparis
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Hi, Cypi!
Ich schließe mich gern dem Lob meiner Vorkommentatoren an: Ein ausgesprochen gelungenes Stück Lyrik, sowohl in Sprachmelodie als auch in Wortfindung und Inhalt!
Einzig S2Z3 beginnt betont, wodurch sie aus dem ansonsten unbetonten Rahmen fällt. Solltest du an einer Alternative interessiert sein:
(Komma am Ende der Vorzeile, und dann:)
"und ihre Heimat war verbrannt,"
Sehr gern gelesen! :)
LG, eKy
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Lieber Erich,
ich habe Deine Anregung nicht wörtlich übernommen, dennoch hoffentlich in Deinem Sinn abgeändert.
Hab Dank für Dein Lob, hab Dank!
Lieben Gruß
von
Cyparis
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Melancholisch. "Der Hafer ist seit langem körnerleer" ist ein genialer Vers, in dem viel mehr steckt als Traurigkeit, er enthält alles, was die anderen Verse einzeln aussagen: Verlust, Unwiederbringlichkeit, Hoffnungslosigkeit, Abschluss.
Dies ist eins deiner schönsten Gedichte.
Lieben Gruß
Aspasia
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Schön und doch traurig zugleich.
Jetzt im Zeitalter der Flüchtlings-Wellen aktueller denn je.
Lieben Wochenendgruß
wolfmozart