die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Zwischen Rosen und Romantik => Thema gestartet von: Erich Kykal am November 06, 2015, 19:38:28

Titel: Formsache
Beitrag von: Erich Kykal am November 06, 2015, 19:38:28
Du eine Form, die fühlend in sich ruht, gewendet
nach einer Ahnung aller Tiefen, die uns binden
und immer neuen Ausdruck für Entzücken finden.
Verschlossenem sich öffnend wie darin vollendet,

vor Offenem sich schließend als ein Sichverstecken,
verschweigend alle Sehnsucht wie das süße Hoffen,
und manchmal zürnend gar, entrüstet und betroffen,
jedoch getröstet bald durch liebendes Entdecken.

Du eine Form, daran ich meiner Form entgleite,
wenn ich sie zärtlich forschend neu für mich gewinne:
Du schöner Mund, an dem ich mich in dir beginne.
Du Lächeln, das mich ewig lockt an deine Seite.
Titel: Re: Formsache
Beitrag von: Copper am November 06, 2015, 21:41:42
Hallo Erich,

ein anspruchsvolles Werk. Zeile für Zeile durfte ich in jeden Satz eindringen um zu begreifen. Diese Art von Lyrik beherschen nur Meister ihres Faches. Man begibt sich beim Lesen auf eine Entdeckungsreise. Es ist wohl der Mund. Jedoch ist es Dir gelungen, durch Deine Wortwahl, dass der Leser sich nicht festlegen muss.

Hat Spass gemacht. Danke fürs lesen dürfen!!!

LG. Copper.

Titel: Re: Formsache
Beitrag von: Erich Kykal am November 06, 2015, 22:43:03
Hi, Copper!

Vielen Dank für das freundliche Lob! "Meisterlich" fühle ich mich kaum - ich kann nur gut mit Worten spielen, so wie andere mit Lego: Die Sprache ist mein Baukästchen! :D

LG, eKy
Titel: Re: Formsache
Beitrag von: Curd Belesos am November 10, 2015, 23:05:20
moin moin Erich,

diese Bauklötzchen passen nur durch dein Können. 

Mir gelang es noch nicht die Form zu zerlegen, die Einzelheiten zu bestimmen  ???

Ich werde es erneut versuchen.

LG
CB
Titel: Re: Formsache
Beitrag von: Erich Kykal am November 11, 2015, 19:17:45
Hi, Curd!

Vielen Dank für das Lob! Es ist auch sechshebig, und du meintest ja kürzlich, dass es dir da schwer fällt, die richtige Melodie zu finden.

Bezüglich der Deutung: Ich will dir nix verderben, aber wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid! ;)

LG, eKy
Titel: Re: Formsache
Beitrag von: Curd Belesos am November 13, 2015, 22:55:53
Moin moin Erich,

ich habe mich fast den ganzen Tag mit deinem Gedicht beschäftigt.

Es ist für mich eine Liebeserklärung an die Weiblichkeit.

Wenn ich die ersten drei Zeilen der ersten Strophe lese, denke ich an eine Frau, die sinnlich den Freuden der Liebe zugewandt ist und das LI damit bindet.

Die Zeilen vier bis sieben stehen für mich für das weibliche Zieren und Necken, das dann in Zeile acht der Hingabe weicht.

Zitat
Du eine Form, daran ich meiner Form entgleite,
wenn ich sie zärtlich forschend neu für mich gewinne:
[/color]

Diese Zeilen beschreiben für mich auf eine unglaublich schöne, zarte Art die Hingabe und das Vergehen vor Freude, der geliebten Frau immer neu die Freuden der Liebe
schenken zu können.

Auch wenn es etwas platt klingt, die letzten beiden Zeilen lese ich mit dem Gefühl : Und ewig lockt das Weib.

Mein Kommentar mag ungelenk sein, dafür ist dein Gedicht wunderbar, danke.

Einen lieben Gruß

Curd
Titel: Re: Formsache
Beitrag von: gummibaum am November 13, 2015, 23:02:55
Lieber Erich,

ich tippe, obwohl der Superlativ "du eine Form" vielleicht nicht in andere Begriffe übersetzt werden kann, auf die Schönheit.

Das Gedicht gefällt mir außerordentlich gut in seiner feinsinnigen Art, etwas Ideales durch sprachliches Einkreisen und Abstandhalten zu erschaffen.

Sehr, sehr gern gelesen.

LG gummibaum
   
Titel: Re: Formsache
Beitrag von: Erich Kykal am November 14, 2015, 00:53:31
Hi, Curd, Gum!

"Du eine Form..." - es geht um den Mund, um die Eleganz der geschwungenen Linien beim Ausdruck von Gefühlen, um das Begehren des Kusses, um das sich ineinander Verlieren dabei! ;)

Die letzten beiden Zeilen (nach dem Doppelpunkt) erklären es.

Im übertragenen Sinne ist es sicher ein Gleichnis auf die von euch beschriebenen Dinge.

LG, eKy
Titel: Re: Formsache
Beitrag von: Letreo71 am November 16, 2015, 10:15:55
Hallo Erich,

eine schöne Form, den Mund so zu beschreiben. Beinahe so, als ob er ein charakterliches Wesen sei. :)

Gern gelesen.

LG Letreo
Titel: Re: Formsache
Beitrag von: Erich Kykal am November 16, 2015, 18:46:42
Hi, letreo!

Kein Charakter an sich, aber ein probates und wichtiges Ausdrucksmittel desselben!

Vielen Dank für deine freundlichen Zeilen! :)

LG, eKy
Titel: Re: Formsache
Beitrag von: cyparis am Dezember 06, 2015, 23:11:01
Lieber Erich,


es ist alles schon gesagt. gesungen, gelobt.
Da komme ich reichlich spät.
Durch Deine Erklärung verliert Dein meisterhaftes Gedicht für mich ein wenig von dem Geheimnisvollen, das mich beim ersten Lesen wie ein Seidentuch umschmeichelte.
Ich selbst hätte gar nicht so reduziert interpretiert.

Ein Kleinod!


Lieben Nachtgruß
von
Cyparis
Titel: Re: Formsache
Beitrag von: Erich Kykal am Dezember 07, 2015, 01:56:51
HI, Cypi!

Schön, dass du wieder kommentierst! Ich hoffe, die Schmerzen und Schmerzmittel setzen dir nicht mehr so arg zu!

Vielen Dank für das schöne Lob! :)

LG, eKy