die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Zwischen Rosen und Romantik => Thema gestartet von: Copper am November 17, 2015, 16:08:55

Titel: Mein Wanderer
Beitrag von: Copper am November 17, 2015, 16:08:55
Du liebtest mich, du liebtest mich,
doch bist du nur ein Wanderer.
Zum Traualtar, zum Traualtar
führt mich nun bald ein Anderer.

Ein Anderer, ein Anderer
baut mir ein schönes Haus.
Doch du bist nur ein Wanderer
und ziehst ins Land hinaus.

Ein Anderer, ein Anderer
erzieht bald unser Kind.
Oh ja, mein liebster Wanderer,
wie schön war diese Sünd.

Ein Anderer, ein Anderer
ruht einst bei mir im Grab.
Bei einem toten Wanderer
ruht nur der Wanderstab.
Titel: Re: Mein Wanderer
Beitrag von: Curd Belesos am November 17, 2015, 18:09:44
moin moi Copper,

durch die Kürze der Strophen wirkt es auf mich fast heiter.

Noch etwas: S1/Z3 fehlt zweimal das dritte "a", dafür ist  aber zweimal ein "e" zuviel vorhanden ;)

Trotzdem ein trauriger Gedanke.

LG
CB
Titel: Re: Mein Wanderer
Beitrag von: Copper am November 17, 2015, 18:40:18
Hallo Curd,

danke für Deinen Hinweis .
Eigentlich sollte es, durch Wiederholungen, wie ein Klagelied klingen.
Danke Dir sehr für die Korrektur.

LG. Copper

Titel: Re: Mein Wanderer
Beitrag von: Erich Kykal am November 17, 2015, 19:34:41
Hi, Copper!

Kleinigkeiten:

Du liebtest mich, du liebtest mich Komma.
doch du bist nur ein Wanderer Punkt.
Zum Traualtar, zum Traualtar
führt mich nun bald ein Anderer.

Ein Anderer, ein Anderer
baut mir ein schönes Haus.
Doch du bist nur ein Wanderer
und ziehst ins Land hinaus.

Ein Anderer, ein Anderer
erzieht mal unser Kind. "bald" statt "mal". Diese Verkürzung klingt sehr allgemeinsprachlich und unlyrisch ---> "flapsig".
Oh ja mein liebster Wanderer, Komma nach "ja".
wie schön war unsre Sünd.

Ein Anderer, ein Anderer
ruht mal bei mir im Grab. "einst" statt "mal".
Bei einem toten Wanderer
ruht nur der Wanderstab.


Alternative 3. Str.:

Ein Anderer, ein Anderer
erzieht bald jenes Kind
- oh ja, mein liebster Wanderer -
der Sünder, die wir sind.

So wäre der Reim sauber (Kind/sind). Nach dem Einschub (Z3) geht der Satz elegant weiter. Die geschraubt wirkende Verkürzung von "Sünde" entfällt so ebenfalls.

Ein lyrisches Gustostückerl!

Curd hat Recht: Durch den beschwingten Duktus (kurze Zeilen, Wiederholungen) wirkt es wie ein augenzwinkerndes Lehrstück, eine Moritat mit erhobenem moralischem Zeigefinger, aber ohne Groll. So nach dem Motto: Lern was draus oder nicht, ist deine Sache. Gesagt wurde es dir jedenfalls! ;)

Sehr gern gelesen! :)

LG, eKy

Titel: Re: Mein Wanderer
Beitrag von: Copper am November 18, 2015, 11:32:18
Hallo Erich,

der gelungene Schliff an meinem kleinen Werk ist wirklich klasse. Danke für das Korrekturlesen und für die 3. Strophe.

Danke auch, dass Du dir Zeit nimmst und mit deinen wertvollen Tipps mir kostenlose Unterrichtsstunden schenkst.

Ich habe mal gegoogelt was Gustostückerl heisst, denn dieses Wort war mir bisher unbekannt. In Österreich
bedeutet das Leckerbisssen oder Appetithäppchen . Dank für diese nette Bezeichnung.

LG. Copper

Titel: Re: Mein Wanderer
Beitrag von: wolfmozart am Dezember 06, 2015, 14:12:05
Sehr gekungen!

Ich liebe Gedichte mit Wiederholungen und in Lied-Form.

Bravo Copper und liebe Grüße

wolfmozart
Titel: Re: Mein Wanderer
Beitrag von: Copper am Dezember 07, 2015, 12:16:11
Hallo Wolfmozart,

ich freue mich dass es Dir gefällt.

Wiederholungen können, denke ich, ein gutes Stilmittel sein. Manche mögen es, manche mögen es nicht.

viele Grüße und hab Dank.  Copper
Titel: Re: Mein Wanderer
Beitrag von: cyparis am Dezember 07, 2015, 20:40:38
Hallo, Copper -

ein sehr elegisches Liebeslied.
("Drei Lilien. drei Lilien" kam mir in den Sinn).
Das tragische Schicksal der Verlassenen stimmt sehr traurig.
Melodisch, schwingend, eindringlich.
Gefällt mir!


Lieben Abendgruß
von
Cyparis