die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: gummibaum am April 23, 2016, 19:38:43

Titel: Im Ackerland
Beitrag von: gummibaum am April 23, 2016, 19:38:43
Der Acker lacht, die Saat ist aufgegangen.
Ein grüner Flaum verziert die Krume sacht,
und Kirschen säumen sie mit weißer Pracht,
von Blüten ist die Wöchnerin umfangen.

Ein andrer Acker, der schon Raps zur Blüte
gebracht hat, schweigt in schweren Duft gehüllt,
genießt das Summen, das sein Gelb erfüllt,
und führt sich Schmetterlinge zu Gemüte.

Und aufgeregt, mit wildem Flügelschlagen,
steigt eine kleine Lerche auf und schlägt,
um was hier vorgeht aller Welt zu sagen,

und auch die Liebe, die sie so bewegt,
der Schönsten wie ein Wunder zuzutragen,
der singend sie ihr Reich zu Füßen legt.
Titel: Re: Im Ackerland
Beitrag von: Erich Kykal am April 23, 2016, 20:26:29
Hi, Gum!

Ein sehr schönes Sonett!

Winzigkeiten:

Ein Acker lacht, die Saat ist aufgegangen. Wortwiederholung Einstieg "Ein ..." mit Z2. Altern.: "Der Acker ...".
Ein grüner Flaum verziert die Krume sacht,
und Kirschen säumen sie mit weißer Pracht,
so ist die Wöchnerin vom Blütenbett umfangen. 6 Heber in dieser Zeile. Altern.: "von Blüten ist die Wöchnerin umfangen."

Ein andrer Acker, der schon Raps zur Blüte
gebracht hat, schweigt in schweren Duft gehüllt,
genießt das Summen, das das Gelb erfüllt, "das das" kommt nie gut. Altern.: "das sein Gelb ...".
und führt sich Schmetterlinge zu Gemüte.

Und aufgeregt, mit wildem Flügelschlagen,
steigt eine kleine Lerche auf und schlägt,
um was hier vorgeht, aller Welt zu sagen Komma ans Zeilenende verschieben!

und auch die Liebe, die sie so bewegt,
dem Prinzen gleich der Schönsten anzutragen, Diese Zeile ist leicht missinterpretierbar, denn "die" Lerche (sie) wird vorher und nachher mit "dem" Prinzen (er) gleichgesetzt. Dies fällt nicht so leicht, daher verwirrt diese Zeile anfangs. In der Zeile selbst springt der Bezug von "gleich" leicht vom Prinzen zu einem Vergleichswort zwischen Prinz und Schönster. Bis man das alles korrekt sortiert hat, ist man völlig aus dem Takt. Altern.: "der Schönsten wie ein Wunder zuzutragen,".
der sie ihr Reich im Lied zu Füßen legt.


Vor allem die Terzette sind ein wundervoll filigranes und entzückendes Sprachgeflecht von superber Qualität!
Allergernst gelesen! :)

LG, eKy
Titel: Re: Im Ackerland
Beitrag von: gummibaum am April 23, 2016, 21:05:00
Das ist alles sehr, sehr gut, lieber Erich und wurde von mir sogleich übernommen.

Danke.

LG gummibaum
Titel: Re: Im Ackerland
Beitrag von: cyparis am April 23, 2016, 21:55:51
Lieber gummibaum,


wie so oft kann ich mich nur noch Erich anschließen.
Lediglich das zweifache Schlagen (Flügel und Gesang) schmeckt mir nicht so hundertprozentig.
Aber wer bin ich, daß ich mäkeln dürfte....!

Lieben Abendgruß
von
Cyparis
Titel: Re: Im Ackerland
Beitrag von: gummibaum am April 23, 2016, 23:15:57
Du hast recht, Cyparis. Da wird etwas viel geschlagen. Aber ich müsste einiges ändern, um eine andere Version anzubieten.

Danke und LG
gummibaum
Titel: Re: Im Ackerland
Beitrag von: Erich Kykal am April 23, 2016, 23:27:28
Noch ein Vorschlag für die letzte Zeile:

"der singend sie ihr Reich zu Füßen legt."

So wären die Bezüge klarer, wie ich finde.

LG, eKy
Titel: Re: Im Ackerland
Beitrag von: cyparis am April 24, 2016, 16:41:16
Finde ich schön!
Titel: Re: Im Ackerland
Beitrag von: gummibaum am April 24, 2016, 18:17:16
Herzlichen Dank, Erich, das du dir noch weiter Gedanken gemacht hast und dir, Cyparis, dass du Erichs Lösung befürwortest.

Alles Liebe

gummibaum
Titel: Re: Im Ackerland
Beitrag von: cyparis am April 24, 2016, 20:17:35
Dank umgekehrt an Dich.
Auch wenn ich nicht sichtbar bin - ich bin immer auf der Wiese. :)