die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am Mai 31, 2016, 12:46:30
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Sie wirkt wie eine Königin erhaben,
dabei natürlich wie in schlichtem Kleide,
und ihre Würde trägt sie wie Geschmeide
um eine Wohlgestalt und deren Gaben.
Wie einen hohen schlanken Turm die Raben
umkreisen Blicke wie aus Samt und Seide
ihr Angesicht, das wirkt, als ob es leide
an allem, was sie schauen will und haben.
Verträumt beinahe hebt sie ihre Hände,
als wüchse ihr die weite Welt ins Wesen,
darein ihr ganzes Wohl und Wehe mündet,
das nie ein anderer so tief ergründet,
sein eigenes Geschick daraus zu lesen,
und was er an Erfüllung darin fände.
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Lieber Erich,
ins Erhabene entrückt wirkt diese an der Unvollkomenheit der Welt leidende "Dame", doch ich fürchete, eine geheime Schwäche hat ihr die Vitalität zerkaut.
Sehr gern gelesen.
LG gummibaum
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Hi Gum!
Wahre Damen sind einsam! Sie sind vollendete Selbstdarsteller und gehen ganz in ihrer Rolle auf.
Marlene Dietrich war ein gutes Beispiel, sie starb einsam und isoliert, brachte es nicht über sich, die eigene Vorstellung von ihrer Legende zu gefährden, indem sie der Welt ihr Altern zeigte, und selbst dem eigenen Kind gegenüber blieb sie stets kühl, reserviert und emotional unnahbar.
Letztlich spielt jede Dame der feinen Gesellschaft auf irgendeinem Ball den gleichen Part: Vollendet schön, unnahbar ohne unfreundlich zu sein, überlegen ohne Arroganz, ganz Statue ihrer selbst ...
Tragisch wird es, wenn für solche Menschen die Rolle wichtiger wird als alles andere, wenn sie ihr Selbstwertgefühl ganz und gar über und durch diese aufgesetzte Erhabenheit definieren, lieber lebenslang diese Rolle spielen als wirklich zu sein, weil es so sicherer oder lohnender erscheint. Für die Welt schaffen sie so Legenden, sind vielleicht Stars und Celebrities, über die man noch lange nach ihrem Tode spricht - und das ist auch das Ziel der Übung, denn ein eigenes, freies und befreites Leben haben diese Leute nie geführt - so trösten sie sich mit dem Gedanken an diese hohle Art von Unsterblichkeit.
Danke für's Reinschauen! :)
LG, eKy
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Lieber Erich,
beim Stichwort Schauspielerin dachge ich eher an Greta Garbo, denn Marlene Dietrich war doch auch sehr "Sinnenmensch" in ihrer Liaison mit Jean Gabin.
Deine Dame, ganz statuarische Schönheit, ist eher nicht aus Fleisch und Blut; sowohl eine Idealisierung als auch eine ganz auf sich konzentrierte Person oder Persönlichkeit.
Ob sie an sich leidet in manchen Augenblicken der Wahrheit?
Wahr bleibt, daß das Sonett - wie nicht anders zu erwarten - von erhabener Schönheit ist.
Lieben Gruß
von
Cyparis
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Hi Cypi!
Mag sein, dass ich die Garbo meinte - ich hab's nicht mit Namen, wie du weißt! :-[ ;)
Vielen Dank für deine lieben Worte zu meiner Arbeit! :)
LG, eKy
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Das liest sich wie aus einem Stück gegossen, anmutig und wunderschön.
Sehr gern gelesen, lieber eKy.
LG Letreo
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Hi Letreo!
Genau wie die Beschriebene - so soll es sein! ;)
Vielen Dank für's Vorbeischauen und was da Lassen! :)
LG, eKy
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und ihre Würde trägt sie wie Geschmeide
um eine Wohlgestalt und deren Gaben.
moin moin Erich,
köstlich diese Art, ihre Gestalt so zu beschreiben, na ja, du eben 8)
LG
CB
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Hi Curd!
Ich weiß nicht wie ich sonst sollte ... ;)
Danke für den Kommi! :)
LG, eKy