die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Erich Kykal am August 10, 2016, 12:43:14
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Zuweilen wachsen Geister in die Stube,
verworfne Bilder aus entgleisten Stunden,
Erinnerungen, lange schon entschwunden
und scheinbar sicher in der tiefsten Grube
verdrängter Schande. Aus den dunklen Ecken
verdichten sie die schwere Atmosphäre
mit vorwurfsvollen Schemen, so als wäre
dein Licht verloren, das sie nun bedecken.
Die schwarzen Zähne der verwehrten Reue
gebleckt an atmende und krumme Wände
und flehend ausgestreckt die Schattenhände
nach deiner Furcht, dich ihrem Ruf zu beugen -
sie spüren dich und halten dir die Treue:
Apostel deines Abgrunds, die bezeugen ...
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Das ist also das zweite von heute.
Ein innerer Zusammen zwischen den Gedichten besteht über das Auftauchen alter Bilder. Hier ist aber nicht Erlösung sondern Verdammnis das Thema. (Man denkt, empfindet und erschafft ja oft in dieser Polarisation.)
Es wird gekonnt ein unheimlicher Eindruck erzeugt. Man fühlt, wie die Luft knapp und das Lebenslicht niedergedrückt wird. Selbst die (krummen) Wände scheinen mit den Schattenbildungen, die aus ihnen hervorkriechen, zu wanken. In den Terzetten sind die Bilder (schwarze Zähne/Schattenhände) und Vergleiche (Apostel) trefflich gewählt.
Beim Lesen hatte ein kleines Problem in S2/V1. Die "verdrängte Schande" ist zwar zur Spezifizierung der Grube wichtig, doch hatte ich mich schon mit dem Grube begnügt und musste sie quasi nachbessern, während mitten im Vers (nach Punkt und Zäsur) ein völlig neuer Gedanke anhebt und dieser dadurch etwas mühsam aus den Startblöcken kam. Danach ging's wieder flüssig weiter.
Alles in allem: Hut ab!...und gute Nacht, Erich.
LG gummibaum
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Hi Gum!
Also ich als Leser würde schon wissen wollen, von welcher Grube da die Rede ist.
Vielen Dank für deine kundigen Gedanken! Die Parallele zwischen den Sonetten - die Bilder, die einmal positiv, einmal negativ behandelt werden - hast du super durchschaut.
LG, eKy
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Lieber Erich,
das lyrische Du bist Du?
Cypi
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Hi Cypi!
Fast alle meine Gedichte sind "ich", sonst könnte ich sie gar nicht so eindringlich schreiben! Wir haben viele Teilaspekte, und manche sperren wir lieber weg, aus Angst, anderen zu schaden, aus Angst, erwischt und gedemütigt zu werden, wenn wir sie ausleben, aus Angst vor Strafe oder Verachtung ...
Schuld und Reue sind unser aller lebenslange Begleiter, aus welchen Gründen auch immer, und manchmal helfen sie uns sogar dabei, dass wir sie nicht noch vermehren. Ein Beispiel: Die meisten Kinder stehlen irgendwann irgendetwas, und die meisten von diesen tun es danach niemals wieder, auch wenn sie dafür nie erwischt und bestraft wurden.
LG, eKy
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Lieber Erich,
ich kenne Reue auch.
Es gab drei Menschen in meinem Leben, denen ich wehgetan hatte.
Das ist allerdings über sechzig Jahre und die haben das längst vergessen. <nur ich kanns nicht vergessen.
Keine gute Sache.
Dir liebe Sonntagsgrüße
von
Cypi
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Hi Cypi!
Wer kennt die Reue nicht!? Jeder hat wohl etwas oder manches in seinem Leben getan, worauf er alles andere als stolz ist. Sowas passiert, wenn man jung und gedankenlos oder egoistisch ist. Wichtig ist nur, dass wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen und daran wachsen und reifen, anstatt uns davon herunterziehen zu lassen! Meist klappt das auch, aber in bestimmten Stimmungen überfällt uns zuweilen die Erinnerung an unsere Taten, so als wollte sie uns daran gemahnen, was und wie wir fehlten.
Je älter ich werde, deto weicher werde ich wohl, und desto öfter besuchen mich meine dunklen Stunden ...
Vielen Dank für deine einfühlsamen Zeilen!
LG, eKy