die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: wolfmozart am August 13, 2016, 14:09:57
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Deine Hände, diese Guten
Lege sanft auf meine Wunden
Denn dann sind sie gut verbunden
Daß nach innen sie verbluten
Verbesserte Version:
Deine Hände, diese guten,
lege sanft auf meine Wunden,
denn dann sind sie so verbunden,
dass nach innen sie verbluten.
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Hi WM!
Das Bild, der Gedanke ist hervorragend. Zu r Umsetzung diese beiden Vorschläge:
Hände zu personifizieren, so als hätten sie einen eigenen Willen, passt hier nicht so gut hin, weil ja der Benutzer dieser Hände aufgefordert wird, selbige auf die Wunde zu legen, und nicht die Hände. Die nachträgliche Personifizierung durch das groß geschriebene "Guten" mutet also etwas seltsam, wenn nicht verwirrend an. Ich rate, es als einfaches Eigenschaftswort einzusetzen, also nur klein zu schreiben.
Der zweite Punkt hängt mit dem ersten insoweit zusammen, dass Wortwiederholungen auf engem Raum - es sei denn bei Aufzählungen oder einem gewollten mehrmaligen Effekt - lyrisch nicht gut wirken. Daher würde ich das "gut" in Z3 entfernen. Das könntest du mit einer eleganten Verbindung zu Z4 hinkriegen, ohne das Metrum zu stören:
Deine Hände, diese guten,
lege sanft auf meine Wunden,
denn dann sind sie so verbunden,
dass nach innen sie verbluten.
Dann wären da noch drei Komma- und ein Rechtschreibfehler:
1) Das "diese guten" in Z1 ist ein Einschub, der gehört zwischen Kommata.
2) Vor dem "denn" in Z3 gehört natürlich ein Komma ans Ende von Z2.
3) Vor dem "dass" (das man übrigens nach NR heute mit Doppel-s schreibt) in Z4 gehört natürlich ein Komma ans Ende von Z3.
Inhaltlich ist der Vierzeiler höchst gelungen und spannend! Einerseits bittet man ein geliebtes Wesen, zum Blutstillen die Hände aufzulegen, sinnbildlich also Trost zu spenden, andererseits bluten die Wunden nach innen weiter - der Schmerz wird also verheimlicht, verinnerlicht, um das geliebte Wesen nicht zu belasten und ihm die Illusion zu gönnen, es könnte Erleichterung oder Heilung spenden.
Ein Akt der Selbstopferung - der eigene Schmerz wird in Kauf genommen, um ihn einem anderen zu ersparen.
Es gibt noch andere Deutungsmöglichkeiten, aber diese finde ich am lyrischsten!
Sehr gern gelesen und beklugfummelt! :)
LG, eKy
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Hallo Erich,
Dank für deinen ausführlichen Kommentar.
Wie du sehen kannst hab ich deine verbesserte Version meiner Urversion beigestellt.
(Möge der Leser diese lyrische Evolution selbst beurteilen können).
Satzzeichen: Da bin ich das genaue Gegenteil von dir.
Ich setz Satzzeichen kaum, weil sie mir meistens nur als unnötiger Balast erscheinen und den Fluß des Textes stören.
Auf der anderen Seite ist deine Version die korrektere und vielleicht allgemein besser lesbare. Diese Version freut mich auch, weil jetzt alles einwandfrei ist.
Es ist ein etwas heftiges Gedicht, mit dem ich Leute auch schon verschreckt habe.
Umso mehr sehe ich mit Wohlwollen dass mein kleine Werk bei dir gut angekommen zu sein scheint.
Die Deutungsmöglichkeit ist wohl mehrschichtig wie du selbst auch schreibst.
...Da soll sich jeder Leser eine eigene Interpredation bilden.
Dank und liebe Grüße
wolfmozart
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Hi WM!
Ich finde es nicht "heftig", es spricht mich an! Hier ist eine tiefe Wahrheit lyrisch verpackt worden und unverschnörkelt dem geneigten Leser dargeboten!
Meine Ansicht:
Was Kommata angeht: Von der korrekten Rechtschreibung mal abgesehen, geben Kommata dem Satz, dem gesamten lyrischen Gebilde plastische Struktur - man weiß, wo ab- oder neu anzusetzen ist, wo die Pausen sein sollten. Das Zeilenende ist nur für's Zeilenende gut, deshalb sollte man auf adäquate Kommaführung Wert legen.
Dazu auch gleich dies: Diese Gewohnheit mancher Poeten, vorn immer groß zu beginnen, auch wenn sie mitten im Satz sind, halte ich für eher kontraproduktiv, bestenfalls lästig - ein unnötiger Manierismus, der leicht und oft zu lesetechnischen Missverständnissen führt, sodass man aus dem Fluss gerissen wird und neu ansetzen muss.
Natürlich steht es dir frei, dies zu gestalten, wie du willst, ist ja schließlich bloß meine persönliche Meinung - ich wollte es nur mal gesagt haben ... ;)
LG, eKy
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Gut Erich dass du deine Meinung zu Satzzeichen und anderen technischen Belangen zum Ausdruck gebracht hast.
Du bist ja auf der Wiese DER Sprachtechniker schlecht hin, von dir "korrigiert" zu werden ist ja eher eine Ehre als sonst was.
Und scheint mir nie willkürlich sondern stets angebracht. zu sein.
Man soll immer versuchen dazuzulernen.
Ob ich mich noch verbessern kann in Rechtschreibung und Interpunktion?
Mal sehn...
LG wolfmozart