die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Im Gras wispert Hoffnung => Thema gestartet von: Erich Kykal am August 22, 2016, 10:50:12
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Es läutet Mitternacht aus der Kapelle,
im Garten des Gedenkens blüht die Krume
der Gräber auf, gespenstisch steigt die Welle
erwachter Geister wie zum Eigentume
des vollen Mondes aus gewohnter Stille.
Ein stummes Lied, dem nur die Toten lauschen,
erklingt dem Wallen wie ein neuer Wille,
der Zweige beben lässt und Blätter rauschen,
die ohne Brise sich im Takte neigen,
der die Erinnerungen sich bewegen
und lächeln macht – und schau, sie steigen
zum Sternenglanze auf, der wie ein Segen
auf allem liegt, als würde ein Versprechen,
gegeben von zutiefst gefühlter Treue,
nun eingelöst, und alle Ketten brechen
auf einem lang ersehnten Weg ins Neue.
Woher das Licht, darin die Toten schweben,
wohin der Pfad, der durch das Leuchten steigt?
Gerufen endlich in ein neues Leben
entschweben alle, und der Reigen schweigt.
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Hi Erich ,
was du so alles machst, wenn man dich mal fünf Minuten alleine lässt.....
Friedhofsbesuche um Mitternacht? D
Ich kapiers nicht ganz: Wer oder was ist "Wallen" oder wessen Wallen ist gemeint?
Leicht gruselig, die Sache ( Gruselfilme sind überhaupt nicht mein Ding), aber ganz gewiss ein Gedicht , dass echt schaurig schön gestaltet ist!
lg, larin
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Hi larin!
Die Welle der erweckten Geister wallt über die Gräberreihen, wirbelt im unirdischen, halb schon jenseitigen Tanze ... - ich habe es aber bewusst so geschrieben, dass es auch Nebelschwaden sein könnten, sodass alles auch die Einbildung eines Betrachters sein könnte.
Ist mir heute so eingefallen, als ich das gleichnamige Lied von Magnum hörte - also keine nächtlichen Besuche auf dem Gottesacker, keine Sorge (außer zu Allerseelen, die vielen flackernden Lichter verzaubern den Ort, darum gehe ich immer erst im Dunkeln hin!)!
Wenn du "Tanz der Toten" googelst, findest du einige Trickfilme zu diversen Tonstücken, die mich inspirierten.
Der Song von Magnum ist zwar ein Antikriegslied, aber der Refrain hat mich an den klassischen Totentanz erinnert:
What a night though it's one of seven
What night for the dancing dead
What a night to be called to heaven
What a picture to fill your head
Ein schönes Lied ...
LG, eKy
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Lieber Erich,
Geisterstunde lässt Entferntes eins werden: Die Friedhofspflanzen, deren Blätter im Takt der aufgesogenen und tanzenden Erinnerungen der Toten in Bewegung geraten und diese Erinnerungen ins Weltall transpirieren, schenken den Wurzeln der Enwicklung ihre Blüte. Umkehrt fühlen sich die körperlosen Geister vom Licht der Sterne aufgrund einer tieferen Verwandtschaft gerufen und geleitet.
So schließt sich wunderbar ein Kreis. (Nur der Vollmond lässt die Sterne etwas verblassen.)
Mit Freude gelesen.
LG gummibaum
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Hi Gum!
Erklärt habe ich das Thema schon in meiner letzten Antwort.
Vielen Dank für deine abrundenden Bemerkungen! :)
LG, eKy