die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am August 27, 2016, 11:59:51

Titel: Die Stille danach
Beitrag von: Erich Kykal am August 27, 2016, 11:59:51
Woher der Glanz, den alle Gassen tragen,
wenn wir einander finden und behalten?
Und all die Pauken, die zur Feier schlagen?
Woher die Farben, die in Bildern walten,
daraus wir Pläne schmieden, die wir wagen?

Verloren scheint der Tag, der ohne Funken
sich ärmlich müht, Vergangenes zu tragen:
Die Gläser leer, schon gestern ausgetrunken,
und an die müdgeblickten Fenster schlagen
verstaubte Blätter wie der Zeit entsunken.

Doch solche Augenblicke sind bisweilen
den Sinnen kostbar, die sie treulich hüten,
wenn wir bewegt durch unser Leben eilen,
so wie ein Garten erst durch seine Blüten
die Düfte schenkt, die wir versonnen teilen.

Was immer Glanz und Feste auch bedeuten,
darin wir farbig sind und uns bewegen,
entpuppen und in neue Leben häuten -
im Stillen erst begreifen wir den Segen
des Augenblicks der Einsicht, die wir scheuten.
Titel: Re: Die Stille danach
Beitrag von: a.c.larin am August 28, 2016, 10:16:05
Hi Erich,
das klingt, als wäre das ein Nachruf auf unser Treffen.

Wie auch immer - Zeiten, in denen das Leben dicht und erlebnisreich ist und Zeiten, in denen "Leere" vorherrscht, wechseln sich ab.
Letztlich brauchen wir beides: Anregung und Ruhe. Ein Glückspilz, wem die Mischung gelingt!

(Schließlich kann man ja auch nicht ununterbrochen essen, man muss auch verdauen).

Leere Gläser vom Vortag können schon ein bisschen Wehmut verbreiten. Aber auch dagelassene oder vergessene Dinge erzeugen manchmal  diesen Effekt ( z.B. , wenn erwachsen gewordene Kinder noch gewisse "Utensilien" hinterlegt haben - dann sieht der ganze Raum aus wie ein Kokon, nach dem Schlüpfen des Insekts!

Ein Grund mehr, warum ich nie gebrauchte Kleidungsstücke von Leuten verwenden wollte, die ich persönlich kenne: Da steckt für micht die "Seele" des Vorgängers noch drin!

Wenn die Wehmut über das Verflossene zu groß wird, hilft nur noch eins: Auf ins nächste Abenteuer!
Unser Gehirn will unterhalten werden, will etwas " zu tun haben".

Man sollte sich sowieso um ein Dasein im "Hier und Jetzt" bemühen.
"Jetzt" ist der beste Augenblick  - und das eigentlich immer.

Sehr gerne gelesen und an die "goldnen Tage" im Mühlviertel zurückgedacht,
larin
Titel: Re: Die Stille danach
Beitrag von: Erich Kykal am August 28, 2016, 10:31:07
Hi larin!

Du hast recht, dieses Werk spielt auf den Nachhall unseres Treffens an sowie auf meine englischen Gäste danach, mit denen ich ebenfalls eine schöne und bewegte Zeit hatte. Aber erst in der Ruhe danach setzen sich die Eindrücke, und nur in den Phasen der Stille zwischen solchen "Ablenkungen für den Geist", wie du es beschreibst, finden wir tief genug in uns selbst, um uns auch zuweilen ungeliebten Einsichten über uns selbst zu stellen.
Ohne diese Momente äußerer Ruhe wäre es um die innere schlecht bestellt, und wir wären oberflächliche Geschöpfe, die sich nur über das definieren, was sie andere von sich glauben machen wollen.

Zudem schätze ich Übergänge, wie du weißt, und der verwaiste Tisch, die leeren Gläser zwischen dem eben noch gewesenen Trubel und der nun wieder einkehrenden Stille hatten etwas Magisches für mich. Mittlerweile bin ich in der Ruhe angekommen, alles ist aufgeräumt, und der Augenblick ist vorbei.

Das Gedicht aber bleibt, und jede Menge schöne Erinnerungen ...  :)

LG, eKy