die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am November 29, 2016, 20:23:40
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Er ging verhalten, setzte seine Schritte
bedacht beinah, als wollte er bestimmen,
worauf sie ruhten, und sein Augenglimmen
berührte alles jenseits seiner Mitte.
Er wandte still sich nach den lichten Tönen
der Welt umher, als wollte er belauschen,
worin sich Leben und Verhängnis tauschen
in ihren Liedern und in allem Schönen.
Er war beseelt von einem innern Glühen,
das ihn enthob aus jenen Niederungen,
in denen träge sich die andern mühen,
und wusste doch sie selig zu beschenken
mit einem Vorbild, das so wohl gelungen
ihr Fühlen wärmte und ihr ganzes Denken.
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Was, noch kein Kommentar zu diesem tiefsinnigen, stimmungsvollen Sonett italienischer Prägung? Wie immer zeigt es deine dichterische Meisterschaft!
Liebe Grüße
Fridolin
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Hi Fridolin!
Vielen Dank für die herzerwärmenden Worte! :)
Allerdings habe ich keine Ahnung, worauf sich das von dir angesprochene "Italienische" bezieht. Meinst du die Sonettform an sich - oder den inhaltlichen - oder den sprachlichen Stil?
LG, eKy
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Hi Erich,
als Petrarca-Sonett oder italienisches Sonett bezeichnet man die klassische, auf Francesco Petrarca zurückgehende Form des italienischen Sonetts, insbesondere im Unterschied zum Shakespeare-Sonett. Es besteht aus zwei Quartetten (it. quartine, Vierzeilern) und zwei Terzetten (it. terzine, Dreizeilern) mit dem Reimschema
[abba abba cdc dcd]
mit umschließendem Reim in den Quartetten und Terzinenreim in den Terzetten oder mit Kreuzreim in den Quartetten und Dreierreim in den Terzetten
[abab abab cde cde]
oder ähnlich. Das Versmaß ist in der italienischen Dichtung meist der Endecasillabo (Elfsilbler) mit durchgehend weiblichen Kadenzen.
Noch eines, nur als Ergänzung: Petrarca nimmt im zweiten Quartett häufig die Reime aus dem ersten auf und beschränkt sich insgesamt auf höchstens fünf Reime.
LG Fridolin
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Hi Fridolin!
Wieder was dazugelernt! :)
Vielen Dank für die Nachhilfe!
LG, eKy
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Lieber Erich,
die Diskussion mit dir hat mich veranlasst, mal wieder in deinem phantastischen Gedichtband „Tiefgänger“ zu blättern und habe dabei festgestellt, dass dir, was ich da erläutert habe, längst bekannt ist, was unzählige Gedichte deiner Sammlung belegen. Dort sind so viele Sonette petrarcischer Prägung versammelt, in denen die zweiten Quartette die Reime des ersten aufnehmen und die Gesamtzahl der Reime auf höchstens fünf beschränken. Im Sonett „Das Sonett“ beschränkst du dich gar auf drei Reime.
Vor diesem Hintergrund möchte ich mich entschuldigen, wenn der Eindruck entstanden sein könnte, unangebracht belehrend aufgetreten zu sein.
Liebe Grüße
Fridolin
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Hi Fridolin!
Wie man Sonette schreibt weiß ich, aber das von Petrarca und dem Italienischen war mir neu.
LG, eKy
PS: Ich fühlte mich keineswegs irgendwie düpiert oder geschulmeistert! Man kann immer noch was dazulernen! :)