die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Fridolin am Dezember 14, 2016, 08:27:11
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Mir ist, als würden mich die Steine rufen,
wenn ich auf ausgetretnen Wegen schreite:
»Verliere dich nicht in der schrägen Weite,
zum Himmel führen dich nur reine Stufen.«
Ich lausch den Steinen, aber keine rufen.
O, Engel, gib du meinem Weg Geleite,
mir Steine auf die Wege leg', geweihte,
dass wie ein Schlitten gleiten reine Kufen.
Hör ich die Antwort aus der Ferne künden?
Wird meinem Suchen reines Glück erblühen,
dass Fragen sich zu großer Wahrheit klären?
Dann ewig wird die Schau in Klarheit währen,
lässt mich des Engels reiner Blick erglühen
und mich den Weg zum Lebenskerne finden.
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Hi Fridolin!
Inhaltlich und stilistisch leicht an Hesse's "Stufen" angelehnt, wie ich finde.
Leider widersprechen sich die Quartette: Im ersten behauptest du, die Steine riefen dich (okay, mit "mir ist, als ob" relativierst du das zwar, aber so weit denkt der Leser im Moment nicht), im zweiten lauschst du, aber die Steine rufen pötzlich doch nicht! Das verwirrt.
S2Z1 - Die Wiederholung des Reimworts "rufen" mit S1Z1 kommt nicht so gut.
S2Z3 - Der 2. Konjunktiv "leg'" ist hier sprachtechnisch völlig überflüssig und verwirrt eher. Ganz normal "legt" - oder "legte", wenn schon, aber das geht sich hier metrisch nicht aus.
S2Z4 - Das mit den Kufen ist dem Reim geschuldet, passt aber inhaltlich so gar nicht! Da denkt man eher an winterliches Schlittenfahren ...
Ein schönes Sonett mit (noch) leichten Schwächen, die sich mit etwas Einsatz aber gut ausbügeln ließen.
Gern gelesen! :)
LG, eKy
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Lieber Erich,
ich bedanke mich sehr für die eingehende Beschäftigung mit meinem Beitrag.
Hi Fridolin!
Inhaltlich und stilistisch leicht an Hesse's "Stufen" angelehnt, wie ich finde.
War nicht beabsichtigt.
Leider widersprechen sich die Quartette: Im ersten behauptest du, die Steine riefen dich (okay, mit "mir ist, als ob" relativierst du das zwar, aber so weit denkt der Leser im Moment nicht), im zweiten lauschst du, aber die Steine rufen pötzlich doch nicht! Das verwirrt.
Das sehe ich nicht so. Dass man zuerst ein Rufen zu hören glaubt, dann aber beim danach Lauschen nicht, ist doch eine Erfahrung, die gewiss jeder schon gemacht hat.
S2Z1 - Die Wiederholung des Reimworts "rufen" mit S1Z1 kommt nicht so gut.
Warum nicht? In der Sonettdichtung nach Petrarca werden häufig die Reime aus dem ersten Quartett im zweiten aufgenommen, so auch bei mir mit „rufen“, wobei dies ja nur ein Teil des Schüttelreimes „keine rufen“ ist.
S2Z3 - Der 2. Konjunktiv "leg'" ist hier sprachtechnisch völlig überflüssig und verwirrt eher. Ganz normal "legt" - oder "legte", wenn schon, aber das geht sich hier metrisch nicht aus.
„Leg“ ist Teil des Reims und muss bleiben, ich werde die Passage als Imperativ umstellen.
S2Z4 - Das mit den Kufen ist dem Reim geschuldet, passt aber inhaltlich so gar nicht! Da denkt man eher an winterliches Schlittenfahren ...
Stimmt, schon der Schlitten deutet das an, ich finde, die Passage nimmt etwas vom vorherigen Pathos.
Liebe Grüße
Fridolin
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Hi Fridolin!
Sorry, hab mal wieder nicht mitgekriegt, dass du nur schüttelreimst!
Aus dieser Sicht betrachtet natürlich eine poetische Großtat.
LG, eKy
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moin moin Fridolin,
du hast meine uneingeschränkte Bewunderung.
LG
CB
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Danke, lieber Curd, freut mich sehr. Schade, dass Ingo nicht mehr unter uns weilt, er war mit seinen skurrilen Gedichten für mich immer sehr anregend.
LG Fridolin
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Wirklich eine Großtat und so raffiniert geschüttelt, daß es eine Freude ist.
Dir, lieber Meister Fridolin,
liebe Grüße
von
Cyparis
PS
Ich vermisse Ingo auch sehr!