die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Erich Kykal am Dezember 18, 2016, 12:35:46

Titel: Der verlassene Hof
Beitrag von: Erich Kykal am Dezember 18, 2016, 12:35:46
Es ist so kalt in diesen greisen Mauern,
verlebt, entraten ihrem treuen Zwecke.
Im Zimmer sickert Wasser von der Decke,
und in den Ecken sieht man Reste kauern

von manchem, welches jenen, die hier lebten,
Bedeutung trug und einen Sinn erfüllte,
eh trübes Schicksal es in Dunkel hüllte
mit allem, was die Nutzer einst erstrebten.

Und mit den Überbleibseln sintert alles,
was diesen Ort bestimmte, aus dem Rahmen
erlebter Zeit und ihres Widerhalles,

und meine Sinne tragen mich ins Grübeln,
was letztlich bleibt von allen unsern Dramen,
den Segnungen wie auch den großen Übeln.
Titel: Re: Der verlassene Hof
Beitrag von: Curd Belesos am Dezember 18, 2016, 22:03:40
moin moin Erich,

wieder ein gelungenes, aber von tiefen Überlegungen über den Sinn des Seins getragenes Sonett.

Doch sollte man "greisen" nicht eher Menschen als Dingen zuschreiben? Wie dem auch sei, das Bild das sich beim Lesen öffnet, zeigt klar das von dir Gewollte.

Sehr gerne gelesen und nachempfunden.

LG
CB
Titel: Re: Der verlassene Hof
Beitrag von: Erich Kykal am Dezember 19, 2016, 17:22:53
Hi Curd!

Mit Sprache spielen heißt eben auch immer neue unverbrauchte Bilder für's Kopfkino zu finden. Die "greisen Mauern" sind ein Beispiel dafür, wie neu Kombiniertes die Hirnrinde zum Prickeln bringen kann, denn von "alten Mauern" hat man doch schon oft genug gelesen, oder!?  ;)

Vielen Dank für die Honneurs!  :)

LG, eKy