die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Mit Löwenzahn und Lebensfreude => Thema gestartet von: Erich Kykal am Dezember 18, 2016, 13:47:34

Titel: Musik
Beitrag von: Erich Kykal am Dezember 18, 2016, 13:47:34
Zuerst erklingt es wie aus weiter Ferne,
sich Ton um Ton wie eine Gabe reichend,
das bange Herz mit Melodie umschleichend,
darin es sich erkennt mit zartem Schlagen,
als wüsste endlich süße Frucht zu tragen
sein hohes Hoffen um die Gunst der Sterne.

Sodann bekräftigt sich das leise Tönen
mit mündiger erwachsendem Erklingen,
die Stimme wird ermuntert mitzusingen,
und alle Schatten auf der müden Seele
verblassen, dass sie ganz sich anbefehle
dem großen Liede und dem wahren Schönen.

Zuletzt erwachsen aus den Harmonien
geweihte Klänge, daraus Stufen führen
in ein Erglühen, das die Sinne spüren
und sie in trunkner Seligkeit ermächtigt,
der großen Freude, die sie überprächtigt,
bescheidener zu danken auf den Knien.
Titel: Re: Musik
Beitrag von: Curd Belesos am Dezember 18, 2016, 22:33:01
moin moin Erich,

das ist genial geschrieben, "ermächtigt / überprächtigt.

Ich habe es mehrfach lesen müssen, denn die Feinheiten der Wortwahl habe ich nicht sofort erkannt und gezweifelt.

Erst, als ich sie mir die Sätze als Langtext kopierte, hat es mich überzeugt. Das Reimschema der einzelnen Verse und das auch noch in einem Satz. Großartig.

So etwas lese ich sehr gerne.

LG
CB

Titel: Re: Musik
Beitrag von: Erich Kykal am Dezember 19, 2016, 17:14:49
Hi Curd!

Ich wollte das Gefühl wiedergeben, das einen bei wirklich guter Musik übermannt - als wäre die eigene Seele das Instrument, auf dem gespielt wird, von piano adagio bis crescendo fortissimo!  :)

Vielen Dank für deine Begeisterung!  :)

LG, eKy
Titel: Re: Musik
Beitrag von: Curd Belesos am Dezember 20, 2016, 19:03:04
moin moin Erich,

da ich im christlichen Glauben erzogen wurde, erscheint mir das Gedicht wie eine zarte, lyrische Botschaft zur Weihnachtszeit.

Zitat
Zuerst erklingt es wie aus weiter Ferne,......das bange Herz mit Melodie umschleichend,...als wüsste endlich süße Frucht zu tragen sein hohes Hoffen um die Gunst der Sterne.

Wäre hier die Ankündigung der Geburt Jesu mit dem Stern über Bethlehem  >:D

Zitat
Zuletzt erwachsen aus den Harmonien
geweihte Klänge, daraus Stufen führen
in ein Erglühen, das die Sinne spüren
und sie in trunkner Seligkeit ermächtigt,
der großen Freude, die sie überprächtigt,
bescheidener zu danken auf den Knien.

Das dürfte dann die Anbetung im Stall vor der Krippe sein  >:D

Das ist wirklich ein großartiges Gedicht, das ich mit meinen Anmerkungen nicht in der Aussage schmälern will.

Ich denke dass die Ironie trotzdem ankommt  ;D  8)  ::)

Manchmal kann ich es mir nicht verkneifen  ;)

Einen agnostischen Gruß

CB
Titel: Re: Musik
Beitrag von: Erich Kykal am Dezember 20, 2016, 19:41:31
Hi Curd!

Kaum verwunderlich, wenn man weiß, dass die Hormonlage und die angesprochenen Gehirnzentren bei musikalischer Verinnerlichung sowie bei religiöser Verzückung ein und dieselben sind!  ;) ;D
Das "Ganz-in-der-Musik-Aufgehen" entspricht eins zu eins dem Erleben dieses "Ich-könnte-wie-Gott-die-ganze-Welt-in-Liebe-umarmen"-Gefühls! Endorphinausschüttung bis zum emotionalen Overkill!  ::)

DAS finde ich ironisch!  ;) ;D >:D

LG, eKy
Titel: Re: Musik
Beitrag von: Curd Belesos am Dezember 20, 2016, 22:50:19

Das "Ganz-in-der-Musik-Aufgehen" entspricht eins zu eins dem Erleben dieses "Ich-könnte-wie-Gott-die-ganze-Welt-in-Liebe-umarmen"-Gefühls! Endorphinausschüttung bis zum emotionalen Overkill!  ::)

Das hast du wunderbar beschrieben, denn aus dieser Art Gefühl heraus schreibe ich meine Liebesgedichte, manchmal kurz vor dem emotionalen Overkill.

Gedanken-Orgasmus durch Phantasie  O0

Das ganz ohne Ironie  ::)

LG
CB
Titel: Re: Musik
Beitrag von: cyparis am Januar 01, 2017, 20:30:11
Lieber Erich,

wenn ich von Musik überwältigt werde, empfinde  auch ich eine Art "heiligen" Schauder (wie bei überaus schönen Gedichten auch).
Im Übrigen könnte ich es nicht besser ausdrücken als Curd in seinem ersten Kommentar.

Auch von mir agnostische Grüße!
Cyparis
Titel: Re: Musik
Beitrag von: Erich Kykal am Januar 01, 2017, 21:17:25
Hi Cypi!

Hab Dank für deinen liebgewonnenen Zuspruch!  :)

LG, eKy
Titel: Re: Musik
Beitrag von: Letreo71 am Januar 21, 2017, 21:54:34
Lieber Erich,

ein überwältigendes Gedicht. Ich musste es auch mehrfach lesen um es besser wirken zu lassen und zu verstehen.
Das Gefühl, welches du rüberbringen wolltest, hast sehr gut in Szene gesetzt. :)

Beschwingten Gruß

Letreo
Titel: Re: Musik
Beitrag von: Erich Kykal am Januar 21, 2017, 22:59:31
Hi Letreo!

Vielen Dank für das begeisterte Lob!  :)

LG, eKy

Titel: Re: Musik
Beitrag von: Fridolin am Januar 23, 2017, 14:53:09
Lieber Eky,

sehr schön und überaus poetisch hast du hier die Wirkung der Musik beschrieben; ich habe ähnliche Empfindungen wir Curd. Ich habe schon sehr oft solche Momente erlebt, wo ich in der Musik aufging, in der Oper (Parzival), bei Sinfonien (Bruckner und Mahler), aber auch als Sänger sakraler Musik.

Ich danke dir für deine Verse. Ich muss wieder öfter hier vorbeischauen.

LG Fridolin 
Titel: Re: Musik
Beitrag von: Erich Kykal am Januar 23, 2017, 17:25:04
Hi Fridolin!

In den letzten Jahren freundete ich mich auch mit der Klassik an, bevorzuge Bach, Haydn und Händel. Höre auch gern Blues oder die Dancefloormusic der 30-50er Jahre, mag Liedermacher wie Heinz Rudolf Kunze oder Reinhard May.

Als ich Obiges schrieb, dachte ich ebenfalls an Choräle, an etwas Erhabenes, Feierliches.

Woran ich sonst noch denke, ist die Art Musik, die mich immer schon am meisten packte und mitriss - meine "Orgasmusmusik": Heavy Metal!  ;D

Du siehst, jeder wie er mag!  ;)

Vielen Dan für deine Gedanken!  :)

LG, eKy