die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Zwischen Rosen und Romantik => Thema gestartet von: Curd Belesos am Februar 01, 2017, 00:23:45

Titel: Zur Nacht
Beitrag von: Curd Belesos am Februar 01, 2017, 00:23:45
Bald wird die rote Abendsonne schwinden,
ein letztes Strahlen, dann versinkt der Tag,
und mit ihm alle Sorgen, Müh und Plag,
so dass die Menschen endlich Ruhe finden,

und es versiegen auch die vielen Tränen,
die man geweint hat ob des Lebens Pein;
doch kommt zur Nacht der Liebste wieder heim,
den man vermisste voller Angst und Sehnen,

verschließen sich des Herzens heiße Wunden,
es jubelt auf und fühlt sich neu geboren,
vorbei die Angst, dass man das Glück verloren,
das man doch erst im Lebensherbst gefunden.

© Curd Belesos


Titel: Re: Zur Nacht
Beitrag von: Erich Kykal am Februar 01, 2017, 00:41:00
Hi Curd!

Ein schönes Gedicht! Das Bildmotiv ist mir etwas zu südlich, da wäre mir heimatliche Waldnatur lieber gewesen ... - aber ein Sonnenuntergang ist überall schön!

Ans Ende von S1 würde ich ein Komma setzen, dier gibt es eine deutliche Sprachpause.

S3 beginnt betont, ansonsten wäre "heilen" auf Silbe 2 betont - ausgesprochen unnatürlich!

Altern.: "verschließen sich des Herzens heiße Wunden," - oder: "versiegen bald des Herzens heiße Wunden,".

Sehr gern gelesen!  :)

LG, eKy
Titel: Re: Zur Nacht
Beitrag von: Curd Belesos am Februar 02, 2017, 00:13:45
moin moin Erich,

habe lange über die Palmen und das Komma nachgedacht. Dann habe ich die Palme behalten und das Komma entfernt ::)

Jetzt, nach deinem Kommentar, habe ich wieder darüber nachgedacht, die palme belassen und das Komma zurückgeholt und an seinen Platz gesetzt ;)

Danke für "Ein schönes Gedicht"

LG
CB
Titel: Re: Zur Nacht
Beitrag von: Copper am Februar 02, 2017, 15:00:05
Hallo Curd,

ein schönes Abendgedicht. Auch der Lebensabend wird angesprochen. Du spannst einen Bogen vom Abend zum Lebensabend. Jedoch verliert sich bei der letzten Strophe etwas der Sinn.

Wo war denn der Liebste ? Im Lebensherbst erst kennengelernt und dann ging er wieder fort , doch zum Glück kam er ja wieder.

Kann auch sein dass ich Deine Zeilen nicht begreife, weil ich ein Brett vorm Gehirn habe.

Trotzdem. Ein sehr schönes Gedicht mit viel Gefühl.

kommt dann zur Nacht die Liebe wieder heim,
die man vermisste voller Angst und Sehnen......

So wäre das Gedicht nicht geschlechtsspezifisch, was jedoch nicht unbedingt eine Verbesserung ist, sondern nur eine Änderung.
Mit dieser Änderung könnten sich Weibchen und Männchen beim Lesen infizieren. Äah ich meine identifizieren.

LG. Copper
Titel: Re: Zur Nacht
Beitrag von: Curd Belesos am Februar 02, 2017, 22:57:58
Moin moin copper,

…..die Witwe, im gesetzten Alter (Lebensherbst), die einen heimlichen Liebsten hat, der sie nur im Dunkel der Nacht besuchen kann/darf (man muss ja an die Nachbarn denken) verlässt sie am Morgen und sie ist alleine mit ihren Gedanken, ihrer Arbeit als Zeitungszustellerin, weil sie sich ein Zubrot zur Rente verdienen muss.

Da der Geliebte jünger ist, hat sie den ganzen Tag über Zweifel ob er wiederkommt und sie weint sich aus Verzweiflung die Augen aus.
Doch kommt des Nachts der Liebste wieder zu ihr, sind der Herzschmerz und alle Angst verflogen und sie ist glücklich bis zum nächsten Morgen. 8)

....soweit mein Gedankengang ::)

....ansonsten freue ich mich über dein "Trotzdem"  ;D

LG
CB

Titel: Re: Zur Nacht
Beitrag von: Letreo71 am Februar 03, 2017, 13:41:43
Deine Gedankengänge sind märchenhaft, lieber Curd und dein Gedicht ebenso. :)

Sehr gern gelesen.

LG Letreo
Titel: Re: Zur Nacht
Beitrag von: Copper am Februar 03, 2017, 13:47:07
Hallo Curd,

mein Trotzdem liest sich anders als es gemeint ist. Nach Deiner Erklärung eröffnet sich mir nun der Sinn der zweiten und letzten Strophe.

Die arme Witwe. Dieses auf und ab im Rentenalter ist ihrer Gesundheit nicht dienlich. Sie sollte auf ihren Blutdruck achten...... Angst fressen Seelen auf.... Diesen Filmtitel kennst Du bestimmt. Dein Gedicht passt zu diesen Titel.

LG Copper
Titel: Re: Zur Nacht
Beitrag von: Curd Belesos am Februar 03, 2017, 23:09:24
Liebe Letreo,
moin moin Copper,

eure Gedanken erfreuen mich, denn ich genieße mein Rentnerleben mit Liebe und Lust - meine Protagonistin auch  8)  ;D

Danke fürs Lesen und kommentieren

LG
CB
Titel: Re: Zur Nacht
Beitrag von: cyparis am Februar 06, 2017, 10:42:30
Lieber Curd,

wie schön hast Du Sehnsucht, Zweifel und Glück besungen!
Die Hintergrundinformationen hätte ich nicht gebraucht - sie bringen einen sehr prosaischen Ton hinein, den ich gar nicht so mag.
Ich mach mir lieber selbst ein Bild und liebe das Geheimnisvolle, Unwägbare.
Aber das soll Dich nicht berühren.
Ich lese das Gedicht noch einmal völlig unbelastet und genieße die Romanze.

Lieben Gruß
von
Cyparis
Titel: Re: Zur Nacht
Beitrag von: Curd Belesos am Februar 06, 2017, 23:14:32
Liebe Cyparis,

du bist eben ein feinfühliges, sensibles, erfahrenes weibliches Wesen, das sich beim Lesen in romantische Träumereien verlieren kann  ;D  :-*
währen Copper als junger Mann nüchtern und realistisch an das Gedicht herangeht und sich fragt, wie kann das sein - er bekam eine Erklärung  ::)  8)

Doch es ist egal, ob mit oder ohne Erklärung,ihr habt es ja mit Freuden gelesen, hoffe ich   ;)

LG
CB
Titel: Re: Zur Nacht
Beitrag von: cyparis am Februar 13, 2017, 20:19:28
Mit Genuß, lieber Curd, mit Genuß!