die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Im Gras wispert Hoffnung => Thema gestartet von: Erich Kykal am M?RZ 22, 2017, 12:28:53
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Des Sektes Perlensprudel muss vergehen,
wie es ein Wind in lauer Nachtluft tut,
sobald die Flasche offen ist, ihr Blut
in hohe Flöten gießt, die wartend stehen.
Der Sprudel und das Blut, sie beide säen
sich aus in alle jene, die noch gut
und willig sind, in ihren Gläsern Mut
für das zu finden, was sie kommen sehen.
Der Sprudel sieht nur eigne Süße kommen
und hebt der Zunge prickelnd sie hervor!
Dem Blute aber will solch Drang nicht frommen,
es huldigt nicht schon lang besiegten Geistern,
und was an Stolz dereinst in ihm vergor,
ward Demut ihm, sein Reifen zu bemeistern.
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moin moin Erich,
vielleicht bin ich in meiner Art zu denken, nicht sensibel genug um zwischen dem Titel und dem Inhalt eine sinnvolle Verbindung zu sehen :(
Die Interpretation der S1/Z3+4 ist mir nicht möglich, da S2 Sprudel und Blut getrennt betrachtet, während ich "sobald die Flasche offen ist, ihr Blut
in hohe Flöten gießt" auf den Sekt beziehe.
Kopflosen Gruß
von
Curd
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Hi Curd!
Die Flöten sind natürlich die Sektgläser. Der Sekt wird aus Wein gemacht, und Wein nennt man auch Traubenblut. Zudem "vergießt" die offene Flasche ihr "Blut" wie aus einer Wunde. Das Blut ist also der Sekt, die goldene Flüssigkeit.
Das Gleichnis beschreibt den demütigen Dichter als den Sekt, den selbstgefälligen Dichter als den Sprudel, die aufsteigende Kohlensäure, die schäumt und Raum einnimmt, sobald die Flasche geöffnet und eingeschenkt wird. Das steht für die Welle, die Show, die der selbstgefällige, selbstdarstellende Poet macht, um sich in Szene zu setzen.
Beide ergießen sich in die Gläser - sprich in die Zuhörer oder Leser ihrer Gedichte. Aus derselben Flasche: der Poesie.
Während der selbstverliebte Sprudel nur oberflächlich auf der Zunge tanzt und prickelt, aber nur sich selber damit feiert, ist es der Sekt (das Blut der Trauben), der berauschend auf die Trinker wirkt, sie also wirklich erreicht und beeinflusst. Der Sprudel wird ausgerülpst.
Der Gärungsprozess des Weines wird mit der charakterlichen Reifung des bescheidenen Dichters gleichgesetzt, gibt er doch auch dem Wein/Sekt Charakter und Geschmack.
Das Bild wird dadurch noch vertieft, dass Blut gemeinhin etwas Lebenswichtiges, Lebenserhaltendes ist, also etwas von großem Gehalt, während der Sprudel eigentlich nur aus Luft besteht, die man nicht mal atmen kann (CO2): wie die heiße Luft, die jeder Blender und Angeber absondert.
Ich hoffe, damit ist das Gleichnis erklärt. :)
LG, eKy
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Hallo eKy,
dank deiner Erklärung würde mir einiges klarer und ich kann dein Gedicht nun besser würdigen. Ein wirklich schönes Gleichnis. Und wenn man sich in so manchen Gedichte-Foren umsieht, so nehmen sich - nach meinem Empfinden - oft diejenigen am wichtigsten, die die demütigsten sein sollten ;D
Gern gelesen.
Gruß,
Laie
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Hi Cypi!
Anderswo gibt es ein Kolosseum, wo Dichter sich befetzen können (natürlich nie auf "ernst"), aber nur in Sonettform. Dort schrieb ich dies auf einen anderen gemünzt, aber es gefiel mir so gut, dass ich dachte, mit ein paar kleinen Umbauten und Verallgemeinerungen könne man es als eigenes Thema einstellen. Scheinbar ist das Gleichnis aber zu wenig differenziert erklärt, sodass der Leser das Bild nicht ganz mitbekommt. Für den, der das Bild im Kopf hat, oft schwer nachvollziehbar, aber ich weiß, wie problematisch das sein kann.
Besser geht es leider nicht, da die Sonettform einfach den Inhalt begrenzt.
LG, eKy
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Lieber Erich,
ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, das Gleichnis auf Anhieb zu verstehen, bin ich doch im Sekttrinken ziemlich ausgepicht und weiß, was künstlich zugesetzte Kohlensäure im Sprudel bewirkt.
Schöne Bilder, sehr schöne Bilder!
Nun, ich bin sicher, daß wir - und nicht nur wir - demütige Dichter sind, die die Ehrfurcht vor dem Schönen noch nicht verloren haben.
Darauf ein Prosit!
Immer
Cypi
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Hi Cypi!
Natürlich sind WIR die demütige Sorte - wär ja noch schöner! ;) :D
LG, eKy
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Hallo ihr demütigen und bescheidenen Dichter.
Trägt nicht jede Demut in sich auch ein Selbstgefallen ?
Es grüßt Euch der demütige "Dichter" Copper. ( Die Gänzefüßchen sollen meine Demut ausdrücken)
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Hi Copper!
Um dich noch demütiger zu machen: "Gänsefüßchen" schreibt man nicht mit "z"! ;) ;D
Kichernde Grüße, eKy ( - und ich hab mir selbst noch nie gefallen! ;))
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Hallo Erich,
immerhin habe ich wohl alle anderen Worte richtig geschrieben. Das macht mich stolz.
das Leben beginnt im Kopf:
"Manche Fehler werden nichtig im Verhältnis zu dem Richtig"
Ich lass meinen Fehler so stehen, wenn es niemanden stört. Ein Fehler, wie in diesem Fall, dient uns zur Belustigung.
LG. Copper.
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Hi Copper!
Dein Standpunkt verrät Reife und Weisheit! :)
Demütige Grüße, eKy
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Daß die Demut uns nicht erstarren läßt - dauf ein
Prosit, liebe Freunde!
Cyparis :-*
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Hi Cypi!
Auf dein Wohl mit Alkohol! ;) ;D
LG, eKy