die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Erich Kykal am M?RZ 30, 2017, 17:47:57

Titel: Tod am Wegesrand
Beitrag von: Erich Kykal am M?RZ 30, 2017, 17:47:57
Immer wieder geht er seine Runde,
voller Demut ihre Bilder trinkend
wie ein Bettler, der die welken Hände
einem jeden aufhält, den er sieht -
denn sie schließen ihm die alte Wunde,
wenn ihr Glück, in Abende versinkend,
ihn, der anders keinen Frieden fände,
so beseligt, dass der Schmerz entflieht.

Wo die Schatten Farben überbreiten,
sie entufern in den Saum der Nacht,
sieht er warten, was im Dämmern sacht
ihn berühren möchte und begleiten.
Und er hält den guten Freund umfangen
wie die Dunkelheit, die ihn verhüllt.
Aus der Stille, die ihn nun erfüllt,
schweigt sein Leben wie dahingegangen.
Titel: Re: Tod am Wegesrand
Beitrag von: a.c.larin am M?RZ 30, 2017, 18:52:30
Hi Erich,

dieses Gedicht lässt mich ein wenig verwirrt zurück -
weil ich nicht dahinterkomme,
wer da im Dunkeln an welchen Wunden leckt.

Diese Zeile ist mein Favorit: Wo die Schatten Farben überbreiten ....
Das find ich sehr gelungen.

Dann weiß ich allerdings nicht, wer da wen hält: der Mensch den Tod, der Tod den Menschen?

Und sollte es nicht heißen: Aus der Stille, die ihn nun erfüllt ?

Bitte um Aufklärung!

Titel: Re: Tod am Wegesrand
Beitrag von: Erich Kykal am M?RZ 30, 2017, 21:03:32
Hi larin!

Das Bild ist einfach: ein alter Mann, der viel erlebt hat und manche "alte Wunde" in der Seele trägt, auf seinem Abendspaziergang, seiner "Runde", wo ihm in der fortschreitenden Dämmerung der Tod begegnet wie ein lieber Freund.

LG, eKy