die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am April 26, 2017, 14:04:13
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Hoch am Firste unter Himmeln,
düster dräuend und verhangen,
steht ein altes Wort geschrieben,
tief verwittert, fast vergangen.
War es eines Menschen Name,
eines Gottes Ehrenzeichen?
Ward es einer Herzensdame
hingeschnitzt, sie zu erreichen?
War es jenes Moderhauses
Anbeginn und Auferrichtung?
Faktum? Fantasiegebilde?
Wahrheit oder ferne Dichtung?
Niemand noch vermag zu deuten,
was es laute dort am Sparren.
Zeit vergeht und macht aus Leuten
lang Vergessene und Narren.
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Hallo Erich,
die vielen Fragen die du hier wieder vorzüglich in Lyrik gefasst hast, stellen sich mir schon beim Betrachten von alten und behauenen Steinen, oder auch bei verfallenen Denkmäler. Dann wünsche ich mir, ich könnte in der Zeit zurück reisen und betrachten wie das Bauwerk entsteht. Den Handwerker, den Künstler dabei zusehen wie er arbeitet. Die Zukunft interessiert mich weit weniger.
Sehr gelungen ist auch dein letzter Reim, der nochmal das Vergängliche hervorhebt.
Jedoch gibt es Vertreter der Kunst, deren Werke auch noch nach hunderten von Jahren bestaunt werden.
Qualität setzt sich also durch. Deine wohl auch.
LG. Copper
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Hi Cop!
Du würdest nicht glauben, wieviele "gute" Dichter unbekannt in den Falten der Historie versickerten, bloß weil sie nie im richtigen Augenblick in den richtigen Arsch gekrochen sind! ;D
Ich habe viele Ruinengedichte geschrieben - vielleicht das Romantikergen oder so ... ::) ;)
LG, eKy
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Das gefällt mir sehr, Erich. So ein altes Zeichen im Balken setzt die Gedanken in Bewegung.
LG g
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Hi Gum!
Spuren im Sand ...
LG, eKy
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Nein, lieber Erich,
eher Spuren in Stein, auch wenn Du von Sparren sprichst (auch schön zweideutig).
Mir gefällt die Verbindung von einst und dereinst, das ergäbe ein dankbares Romanthema!
Hier von besonderer Raffinesse - bei S1 und S3 bleiben die ersten Verse ungereimt, sehr interessant und ungewöhnlich.
Ein Könner hat geschrieben - wir dürfen ihn bewundern!
Liebe Grüße
von
Cypi
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Hi Cypi!
Du hast es bemerkt! Dass ausgerechnet jemand wie ich "offene Enden" lässt - schon ungewöhnlich! Hier war mir aber die Aussage wichtiger als das perfekte Schema. Und es fällt wirklich kaum auf, interessanterweise ...
"Sparren" ist bei uns unzweideutig, es bezeichnet einzig einen Dach-, Stütz- oder Querbalken. Gibt es bei euch eine "erotisierte" Zweitbedeutung? nun, wir haben dafür wohl andere Bezeichnungen ... ;) ;D >:D
LG, eKy
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Lieber Erich -
das Zweideutige am Sparren kennst Du sicher auch:
"Der hat wohl was am Sparren?" sagt man von Jemandem, der leicht kauzig oder sehr leicht verrückt-ulkig ist.
Lieben Gruß
von
Cypi
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Hi Cypi!
Kann sein, dass man den Spruch hier kennt - mir war er leider nicht geläufig!
LG, eKy