die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Im Gras wispert Hoffnung => Thema gestartet von: gummibaum am April 29, 2017, 13:17:06
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Manchmal, wenn er sich berührte
nur mit Worten, die er sprach,
leise Selbstgespräche führte,
ging ihm heimlich etwas nach.
Etwas, das nicht auszumessen
war wie seine Einsamkeit:
Angst davor, sich zu vergessen,
zu verschwinden aus der Zeit.
Nur der Worte warmes Schwingen
gab ihm in der Ohnmacht Halt:
Kraft, sich noch zurück zu zwingen
in den Umriss der Gestalt…
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Hi Gum!
Meine Reverenz! Das ist mal wieder ganz großes Tennis! Ein Meisterstück verbaler Verdichtung und inhaltlicher Authentizität! Selbstdefinition und Seinsbestätigung durch das Sprechen über sich selbst - oder zumindest etwas, das das eigene Wesen berührt: Das erscheint unheimlich und doch so vertraut, als machte es jeder so sein Leben lang, ohne es überhaupt zu bemerken ...
Denn was SIND wir denn schon, diese jämmerliche kleine "Ich-Simulation" unseres Zellhaufens, der sich so ein besseres Überdauern sichert? Im wirklich großen Spiel der Dinge sind wir unbedeutend, bestenfalls Nachwuchshoffnung auf der Ersatzbank, aber dauernd verletzt und ungeschickt selbstzerstörerisch!
Und selbst im kleinen Rahmen unserer Existenz spielen die meisten nicht mit, suchen verzweifelt Sinn und Zweck in diesem Chaos "Leben" und sind schon mit den bescheidensten Kuchenbröseln zufrieden!
Warum wohl laufen so viele irgendwelchen Ideen nach, die sie ihrer Ansicht nach zu "etwas Größerem machen, als sie sind" oder zumindest zu einer angenommenen Teilhabe daran verhelfen ...? Politische Extremisten, religiöse Wahnsinnige - sie erhalten mehr Zulauf, je sinnentleerter verängstigten Menschen ihr Dasein erscheint.
Dabei wäre es doch so einfach: Wer akzeptiert, dass sein Leben nichts mit einem Sinn und Zweck zu tun hat, ist innerlich frei - und statt sich nach eingebildeter Bedeutung zu verzehren, könnte er auch beschließen zu wachsen, sich zu bilden und als Mensch zu vervollkommnen. Auch wenn es nach dem Tode keine Rolle mehr spielt - DAVOR sehr wohl!
Kleiner Lapsus: S1Z3 - die "Selbstgespräche" haben zuviel Endung.
S2Z2 - Gehörte da nicht ein Komma hin nach "war", oder zumindest ein Bindestrich? Wahrscheinlich optional, aber mir zumindest wäre es mit klarer lesbar.
Allergernst gelesen! :)
LG, eKy
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Danke, Erich,
da bin ich ja baff und freudig. Und welch ein tiefgründiger und schöner Kommentar von dir! Allerbeste Grüße und Wünsche für einen schönen Tag
gummibaum
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Guten Morgen, Ihr zwei Dichter!
Das Gedicht ist wirklich "groß" und der Kommentar ist es auch.
Beides mit Genuß und Gewinn zu lesen!
Wenn ich hin und wieder mit meinem Zwilling über den "Sinn des Lebens" plausche, gelangen wir beide zur gleichen Erkenntnis:
Uns gegenseitig zu lieben - darauf hat sich alles reduziert.
zurückzuzwingen wie auszumessern - ein Wort, lieber gummibaum.
Euch beiden großes Lob und vielen Dank!
Immer:
Cyparis
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Hi gummibaum,
wieder großartig geschrieben und tiefgehend. Ich muss durchatmen.
Gefällt mir sehr!
Gruß,
Laie
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Auch wenn es nach dem Tode keine Rolle mehr spielt - DAVOR sehr wohl!
moin moin gummibaum,
mit wohlgelungenen, warmen Worten zeigst du die Freude am aktiven Wort auf, mit dem man sich das Dasein erträglich machen kann. So gebe ich dem o. a. Satz von Erich diese Bedeutung.
Es hilft uns nur uns selbst zu ertragen.
Sehr gerne gelesen
LG
CB
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Danke, lieber Curd. Das hast du gut gesagt.
Worte können Halt geben. (Wie wenn Kinder aus Angst im dunklen Keller singen.)
Einen schönen Tag dir.
LG gummibaum